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Margaret Wirth / Wolfgang Möhl: „Beschäftigung“ – „Globalisierung“ – „Standort“ Anmerkungen zum kapitalistischen Verhältnis zwischen Arbeit und Reichtum

Von • Feb 27th, 2024 • Kategorie: Allgemein

Margaret Wirth / Wolfgang Möhl
„Beschäftigung“ – „Globalisierung“ – „Standort“ Anmerkungen zum kapitalistischen Verhältnis zwischen
Arbeit und Reichtum

Alle brauchen Arbeit – viele finden keine. Man kann das für ein soziales Problem halten und sich vorstellen, „Beschäftigungsförderung“ wäre die passende Antwort, mit staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und einer Senkung der Lohnnebenkosten, mit der „Schaffung von neuen Arbeitsplätzen“ durch Teilzeit- und Leiharbeit, oder wie auch immer. Über eine gewisse Absurdität muss man sich dabei allerdings schon hinwegsetzen: Wenn es nicht mehr so viel zu tun gibt, das Nötige von weniger Leuten in kürzerer Zeit zu erledigen ist – warum braucht dann überhaupt jeder Arbeit und so viele vollgepackte Arbeitsstunden, um leben zu können? Dass weniger Arbeit ersparte Mühe bedeutet: Warum gilt die Gleichung nicht?

Es liegt eben doch noch etwas anderes vor als eine „soziale Problemlage“, und jeder weiß auch was: Dass so viele Leute keine Arbeit finden, liegt an einem ökonomischen Problem. Arbeit unterbleibt, wenn sie nicht rentabel ist, wenn sie dem Unternehmen, in dem und für das sie stattfindet, nicht genügend Geldertrag einbringt. Wenn das so ist, dann findet Arbeit aber auch nur deswegen statt, weil und damit sie einem Unternehmen Gelderträge verschafft. Aus keinem anderen Grund unterbleibt sie dann eben auch, wenn sie nämlich nicht genügend Geld bringt.

Man sollte deswegen auch nicht die Rede vom sozialen Problem „Arbeitslosigkeit“ für die Sache nehmen und mehr Anstrengungen für „Beschäftigung“ einklagen. Die Absurdität des Systems, der Grund seiner Schädlichkeit für die Masse seiner Insassen, liegt nicht darin, dass Arbeit nicht stattfindet, wenn sie nicht rentabel ist, sondern dass sie stattfindet, weil es um Rentabilität geht. Seine soziale Gemeinheit beginnt nicht damit, dass die Leute, die Arbeit brauchen, oft keine finden; sie besteht schon darin, dass sie eine bezahlte Arbeit brauchen. Dass sie dann noch nicht einmal sicher sein können, eine zu finden, folgt daraus von ganz allein.

München 2014
2., durchgesehene Auflage 2023
Softcover (Efalineinband, Fadensiegelung), 14,8 x 21 cm (Din A5)
132 Seiten

INHALT

Vorwort

I. Der Zweck der Arbeit in der Marktwirtschaft: Geld
Vom Arbeiten-Müssen und Arbeiten-Lassen

II. Das Rentabilitätsgebot
Die Subsumtion der Produktivkraft der Arbeit unter ihre Wirkung für den Geschäftserfolg

III. Die Rolle des technischen Fortschritts in der Marktwirtschaft
Die Produktivkraft der Arbeit als Waffe im Konkurrenzkampf der Unternehmen um Rendite

IV. Arbeiten unter dem Kreditsystem
Immer mehr, immer rentabler, bis nichts mehr geht

V. Der Weltmarkt (1)
Preis und Produktivkraft der Arbeit im internationalen Vergleich

VI. Der Weltmarkt (2)
Arbeit und Armut als Mittel der Staatenkonkurrenz

https://de.gegenstandpunkt.com/publikationen/buchangebot/arbeit-reichtum

2 Responses »

  1. Die englische Übersetzung:

    “Jobs” — “Globalization” — “Competitiveness” …
    Some remarks about the capitalistic relation between
    Work and Wealth (2nd revised edition)

    Preface

    I. The purpose of work in a market economy: Money for those who have to work and those who have others work

    1. Equating benefit with property: The private power of money as the principle of society’s division of labor
    2.The two sides of gainful employment: Applying one’s own labor to create others’ property — Applying others’ labor to increase one’s own property

    II. The profitability imperative — or: Subsuming the productive force of labor under its effect on business success

    1. Work under the regime of others’ property
    2. How employers are very reserved when it comes to valuing work but most demanding when making use of it

    III. The role of technological progress in the market economy — or: The productive force of labor as a weapon in companies’ competition for returns

    1. Society lives on and for the capitalists’ competition to draw on its ability to pay
    2. The decisive weapon in competition between companies: Technologically increasing the productive force of labor to dispense with the need for wages and wage earners

    Digression on the relationship between forces of production and relations of production under capitalism

    3. Technological progress and its consequences for labor — or: Capital holds its source in contempt and treats it accordingly

    IV. Working under the credit system: More and more work to do, it has to bring more and more profit

    1. From companies using credit to compete for the most profit-making labor, to companies deploying profit-making labor to compete for credit
    2. The particular politico-economic nature of the financial business, and what it achieves: Setting economic growth free by socializing the private power of money
    3. The necessary collateral damage of economic growth unleashed by credit: after the boom comes the slump
    4. Credit’s contempt for its basis, wage labor — and labor’s system-conforming response: helpless requests for employment

    V. The world market (1): The price and productive force of labor when compared between nations

    1. Competition across national borders: Businessmen see how they are dependent on the productivity of their location’s total capital and enlist labor to deal with the consequences
    2. The one world of the market economy: Multinationals take advantage of the national conditions of profit-bringing labor, thereby creating a global proletariat together with a “precariat” and a “world hunger problem”

    VI. The world market (2): Work and poverty as a means for state competition

    1. From the government goal of “full employment” to nations competing for the world’s profit-bringing labor
    2. National business policy (I): Competition between states over the value of their national money
    3. National business policy (II): How states cope with their competitive troubles and crises at labor’s expense

    https://en.gegenstandpunkt.com/books/work-and-wealth-2nd-revised-edition

  2. Erläuterungen zu diesem Thema in Form von Texten und Vorträgen finden sich auf der unbedingt empfehlenswerten Seite „Wissen und Kritik“, und zwar in der Abteilung zur Kritik der politischen Ökonomie:

    https://wissenundkritik.de/karl-marx/

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