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Kein Kommentar: Vergangenheitsbewältigung: Nationalsozialismus ist ein Rätsel! Wie war das Unmögliche bloß möglich?

Von • Feb 24th, 2024 • Kategorie: GSP-Radio

Kein Kommentar: Vergangenheitsbewältigung: Nationalsozialismus ist ein Rätsel! Wie war das Unmögliche bloß möglich?

Vergangenheitsbewältigung ist ein anderer Zugang zum, ein anderes „Interesse“ am Faschismus, das mit „Erkenntnis“ nichts zu tun hat; ist eine Befassung, die so ziemlich das Gegenteil einer vernünftigen Erklärung ausmacht und die das Thema sozusagen zugemüllt hat, bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

Schon die Bezeichnung macht klar, dass es da um ein wie auch immer geartetes Zurechtkommen mit, um die Bewältigung eines Problems geht. Eine andere Bezeichnung dafür – „Gedenkpolitik“ – drückt auch aus, es geht darum, mit dem „Gedenken“ „Politik“ zu machen. „Erinnerungskultur“ rückt das Thema gleich in die höheren Sphären der geistig-moralischen nationalen Erbauung; und die Bezeichnung „Antifaschismus“, die manchmal immer noch in Umlauf ist, die verkennt völlig den Zweck dieser Befassung mit, dieser Verwurschtung des Themas.

Die Vergangenheitsbewältigung widmet sich einer anderen Frage, und dieses Bedürfnis erschließt sich, wenn man sich an die Angriffe erinnert, die Jörg Haider selig in Form seiner sog. „Ausrutscher“ dagegen gestartet hat – der Spruch von der „ordentlichen Beschäftigungspolitik“ im Dritten Reich etwa.

Dem Haider ist immer ein sehr eigenartiger Vorwurf gemacht worden, völlig jenseits der Frage, ob seine Behauptungen stimmen oder nicht: Er habe damit dem „Ansehen Österreichs“ geschadet. Dem ist also zu entnehmen, welche Ansprüche da an Auskünfte über den Nationalsozialismus gestellt werden. Die Frage lautet, wie müssen wir ganz allgemein – und speziell Politiker als Repräsentanten der gegenwärtigen Nation – über den Faschismus reden, damit eine taugliche Selbstdarstellung für „uns“ und „unsere Demokratie“ daraus wird.

Das Reden über den Faschismus soll nicht diesen erklären, da geht nicht um richtig oder falsch bei einer theoretischen Bemühung, sondern die Stellungnahme zum Faschismus soll etwas über den aussagen, der sie tätigt, auf den – wieder: in seiner Eigenschaft als heutiger guter Österreicher oder Deutscher – soll ein gutes Licht fallen, indem er über den Faschismus herzieht, sich in diesem Sinn „antifaschistisch“ betätigt.

(…)

Die Vergangenheitsbewältigung besteht im (dosierten) eifrigen Bekenntnis zu „unseren“ vergangenen „Verbrechen“, bewerkstelligt auf diese Weise die nationalistische Identifizierung mit der „eigenen“ Vergangenheit, mit der man praktisch gar nichts zu tun hat, und demonstriert gerade durch diese übernommene „Verantwortung“ für Taten, die man gar nicht begangen hat, die moralische Sonderklasse der jetzigen Nation – wer sich rücksichtslos und völlig offen seiner Vergangenheit „stellt“, erobert so die „Deutungshoheit“; und gibt die Maßstäbe vor sowie beschwert sich über alle, die es nicht so halten.

Ein Beispiel dieser Sorte „Theoriebildung“:

Die Fragestellung ist der Auftakt zur Verrätselung: „Wie waren Hitler und der Nationalsozialismus möglich?“

(…)

Die Vergangenheitsbewältigung hat inzwischen selbst eine 70-jährige Vergangenheit, und deren Etappen korrespondieren durchaus dem jeweils erreichten Stand deutscher Souveränität, von der lizenzierten Gründung bis zum erfolgreichen Anschluss der DDR, mit dem auch die anfängliche Bewältigung revidiert ist.

Nicht in dem Sinn, dass das Geschichtsbild offiziell revidiert wird und die Leugnung der Gaskammern die Nation von ihrer so grandios genutzten Schuld befreit – das bleibt Stammtischen und „Geschichtsrevisionisten“ unterhalb der repräsentativen, amtlichen Gesinnungswirtschaft vorbehalten, die es natürlich immer schon gegeben hat. Sondern so, dass die moralische Verwaltung von Millionen toter Juden endgültig von Deutschland für Deutschland betrieben wird, und die geläuterte Nation immer öfter ein widerspenstiges Ausland mit der „Nazi-Keule“ traktiert. Deutschland hat erfolgreich die Kurve vom Angeklagten zum Richter gekratzt, zum Richter über andere Nationen. Es besteht darauf, mit seiner durch „Auschwitz“ verbürgten „einzigartigen“ moralischen Qualifikation selbst die Lehren aus Auschwitz zu definieren und als politisches „Argument“ zu nutzen.

Das ist es, was beleidigte ewiggestrige Trottel nicht kapieren, während ein aufgeklärter Kommentator ihnen im Zuge der sogenannten „Walser-Debatte“ vorbuchstabiert, wie rundum positive nationale Selbstdarstellung mit Hilfe der nationalsozialistischen Accessoires zelebriert wird.

https://cba.media/652108

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