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Suitbert Cechura: Seien Sie doch bitte vernünftig…

Von • Dez 31st, 2020 • Kategorie: Allgemein

Suitbert Cechura: Seien Sie doch bitte vernünftig…

Nur: Die Unvernunft herrscht nicht erst in der Corona-Pandemie

 

An Publikumsschelte und Ermahnungen in Sachen Vernunft mangelt es nicht in Zeiten der Pandemie-Bekämpfung. So mahnt der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier: „Deshalb meine Bitte: Halten wir in den kommenden Monaten mit Abstand und Haltung zusammen. Bleiben wir vernünftig und solidarisch.“ (11.12.2020)

Während die einen an die Vernunft appellieren, vermissen andere dieselbe nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei den Maßnahmen der Politik. Die Unvernunft versetzt manchem das Blut in Wallung (Alexander Unzicker: Corona: eine Zornesrede). Deshalb ist es vielleicht einmal angebracht zu prüfen, was es mit der Vernunft im Alltag der Pandemiebekämpfung auf sich hat.

 

Die ganz normalen Toten des vernünftigen Alltags: gebongt!

 

„Jeder Kontakt, der nicht stattfindet, ist gut für die Bekämpfung der Pandemie“

 

Jenseits jeder landläufigen Vernunft: Wirtschaft ohne Profit!

 

Also: Wenn schon die ganze Wirtschaftsweise dieser Gesellschaft nicht auf Vernunft basiert, dann kann auch eine Pandemiebekämpfung, die dieser Form des Wirtschaftens Rechnung trägt, nicht besser sein als das, was man hierzulande als Vernünftigkeit kennt – und was jedem aus der Aufforderung „Seien Sie doch bitte vernünftig…“ geläufig ist.

Die bedeutet nämlich im Klartext: Anpassung und Mitmachen, statt das in Frage zu stellen, was die herrschende Ordnung vorschreibt. (Suitbert Cechura)

 

https://www.heise.de/tp/features/Seien-Sie-doch-bitte-vernuenftig-5000505.html

4 Responses »

  1. Suitbert Cechura: Der falsche Kurs der Impfskepsis

    Wenn Impfen zu einer Frage der Solidarität oder Pflicht wird

    (…) Gegen Virenerkrankungen gibt es bislang so gut wie keine effektiven Medikamente. Durch eine Impfung wird der Körper dazu angeregt, Widerstandskräfte gegen Viren zu entwickeln und damit einer drohenden Erkrankung zu entgehen. Die schnelle Entwicklung von Impfmitteln in der jetzigen Pandemie gilt geradezu als ein großer Erfolg der Medizin beziehungsweise der Pharmazie. Dass es gegen ein solches Mittel Vorbehalte gibt, auch zu großen Teilen beim medizinisch gebildeten Personal, ist schon verwunderlich und Grund zum Nachdenken.

    Schließlich wird doch immer wieder auf die strenge Überprüfung dieses Mittels verwiesen, bevor es eine staatliche Zulassung erhält. Dabei ist dieses Verfahren verräterisch. Wieso braucht es eigentlich staatliche Prüfstellen für die Zulassung solcher Mittel? Sind nicht die staatlichen Zulassungsstellen selber institutionalisierte Impfskepsis?

    Eine solche staatliche Überprüfung wäre doch gänzlich überflüssig, wenn der Wissenschaft zu vertrauen wäre, dass sie ihr Bestes gibt, um die Menschen vor den Gefahren einer Infektion zu schützen. Dann reichte eine sorgfältige Prüfung unter den anerkannten Experten vollkommen aus…

    (Forts.):

    https://www.heise.de/tp/features/Der-falsche-Kurs-der-Impfskepsis-5030122.html?seite=all

  2. [quote]Skepsis oder Gegnerschaft ist doch eher gegen die Institutionen angebracht, die Medikamente und Impfstoffe zu Geschäftsartikeln gemacht haben und machen.[/quote]

    Das ist der Schlussatz. Und jetzt?
    Die Ausführungen vorher lassen auch den Schluss zu, dass die Impfskeptiker recht haben, wenn sie sich nicht impfen lassen wollen, weil sie das
    Impfen als einen massenhaften ‚Laborversuch‘ ablehnen und sich nicht als Versuchskaninchen missbrauchen lassen wollen. Gibt der Autor mit seinen falschen Abschweifungen zum Thema Drittmittelforschung an Unis und Pharmareferenten-Besuchen bei Hausärzten nicht den Verschwörungstheoretikern recht?
    Was haben diese Themen denn mit der Entwicklung der Covid19-Impfstoffe zur Bekämpfung der Pandemie zu tun? Was macht sie für den Autor vergleichbar?
    Der Autor will ausgerechnet anlässlich der Impfungsaktion einen weiteren Hieb gegen die Wirtschaftsweise landen und weicht dabei ab. – Hat er sonst nichts auf Lager?
    Es ist auch schon anderen aufgefallen: Dass es bei der Entwicklung des Impfstoffes
    a u c h um die Geldvermehrung geht, ist doch nicht der Witz. Und dass Medizinprodukte wie alle anderen auch dem untergeordnet sind, spricht doch nicht per se gegen den Nutzen.
    Außerdem werden Zweck und Nutzen der Impfung zur Bekämpfung der Pandemie damit auch falsch bestimmt.
    Wenn Pharmakonzerne sich im Sinne ihres privaten Geschäfts
    um die Entwicklung des Impfstoffes bemühen, finanzieren potente Staaten das, weil sie sich die Verfügung über den Impfstoff zum Schutze ihrer Bevölkerung sichern wollen, denn sie wollen wieder „zur Normalität“ ihrer Reichtumsproduktion zurückkehren. Und ohne einen Impfstoff, der die Bevölkerung halbwegs immunisiert, ist das nicht möglich. Auf die Volksgesundheit kommt es dem Staat also schon insofern an, als mit ihm die Tauglichkeit der Bevölkerung für das Wachstum des kapitalistischen Reichtums auf dem Spiel steht, für den bei ihm überhaupt gelebt, konsumiert und gearbeitet wird.

  3. „Offene Fragen zur Wirksamkeit“
    Ein Artikel aus Oktober 2020 meinte schon: „Das bedeutet jedoch nicht, dass dann alle Fragen zur Wirksamkeit beantwortet sind. Bei Impfstoffen ist das aber normal.“
    https://www.pharmazeutische-zeitung.de/offene-fragen-zur-wirksamkeit-121384/

    Hierzu hat jetzt ein renommierter Fachwissenschaftler und Mitherausgeber einer britischen Fachzeitschrift einen recht ernüchternden Artikel geschrieben:
    „Pfizer and Moderna’s “95% effective” vaccines—we need more details and the raw data“
    https://blogs.bmj.com/bmj/2021/01/04/peter-doshi-pfizer-and-modernas-95-effective-vaccines-we-need-more-details-and-the-raw-data/

  4. Das Lästige beim Argumentieren mit den Querdenkern ist, dass diese weder ihre Kritik am Kapitalismus noch die an der Linken erst mal für sich ernst nehmen, sondern, unter falschen Hinweisen auf eine relative Ungefährlichkeit des Virus, beides darin kulminieren lassen, von allem sowieso eher gar nichts halten zu wollen. Staat sei verkommen, Linke sei verkommen, Virus sei relativ ungefährlich. Hauptzweck des Argumentierens ist also leider nicht Erkenntnis. Sondern moralische Einsortierung. Daher interessieren die Details dann schon gar nicht mehr, bzw. nur noch dafür. Zum Beispiel in dieser These, in der von der Linken nicht die Rede ist. Sondern von der sonstigen Hauptdiagnose der Querdenker:

    „Die Bilder von Bergamo zeigen keine Viruserkrankung in erster Linie, sondern ein durch falsche Führung und insuffiziente Organisation zusammenbrechendes lokales Gesundheitssystem, das nicht adäquat ausgestattet und nicht vorbereitet war.“

    Wie wird hier der Zweck des kapitalistischen Gesundheitssystems bestimmt?

    Warum wird Wert gelegt auf eine „abwägende“ Argumentation „keine in erster Linie, sondern…“, – als seien die beiden Seiten der Abwägung von gleicher Art?

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