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Georg Schuster: Von der deutschen Vergangenheitsbewältigung

Von • Okt 30th, 2020 • Kategorie: Allgemein

 

Georg Schuster: Von der deutschen Vergangenheitsbewältigung

 

Warum sie keinen Schlussstrich kennt

 

Anfang Oktober 2020 einigen sich die Bundestagsparteien mit Ausnahme der AfD auf einen neuen „Meilenstein der deutschen Erinnerungskultur“ in Form einer Berliner Gedenkstätte für die europäischen Opfer des NS-Vernichtungskriegs. Die FDP lässt wissen: „Erinnern kenne keinen Schlussstrich […]. ‚Jede Generation muss sich aufs Neue mit der Vergangenheit auseinandersetzen‘.“ Die Grünen mahnen, „dass der gruppenbezogene Hass sich heute in Europa und auch in Deutschland wieder breit macht“. Nur die AfD opponiert und spricht von einem „Sündenstolz der Deutschen“, einem „Erinnerungswahn“ und fordert stattdessen einen Gedenkort für die Weltkriegspopfer auf genuin deutscher Seite.

Ungefähr zeitgleich löst ein anderes Denkmal auf öffentlichem Grund einen diplomatischen Vorgang aus. Aufgestellt Ende September vom Korea-Verband e.V. in Berlin-Mitte, erinnert eine Statue „an die über 200.000 Mädchen und Frauen aus 14 Ländern, die vom japanischen Militär [zwischen 1931 und 1945 …] im asiatisch-pazifischen Raum als sogenannte ‚Trostfrauen‘ sexuell versklavt wurden“.

Umgehend unterstreicht Japans Außenminister Toshimitsu in einem Videogespräch mit Heiko Maas die „aktuelle Störung der deutsch-japanischen Beziehungen“ samt der Städtepartnerschaft Berlin-Tokio durch diese Erinnerung an ein historisches Kapitel, unter das seit einem Abkommen mit Seoul von 2015 ein „endgültiger und unwiderruflicher Schlussstrich gezogen“ sei. (Die Statue sollte daher auf Anordnung des Bezirks bis zum 14. Oktober entfernt sein, darf aber, Stand Redaktionsschluss, vorläufig bis zu einer gerichtlichen Bewertung stehenbleiben.)

Analog zu einem Flügel der AfD verwahrt sich also auch die japanische Regierung gegen ein „Denkmal der Schande“ im Herzen der deutschen Hauptstadt – was auf einer Linie liegt mit dem wiederholten trotzigen Totengebet von Tokioter Parlaments- und Kabinettsmitgliedern im Yasukuni-Schrein für die Seelen von 2,5 Mio. Kriegstoten, darunter 14 als sog. „Kriegsverbrecher der A-Klasse“ Verurteilte (sowie gefallene Armee-Pferde). Auch der japanische Schulbuchstreit gehört hierher, weil dem vormaligen „Regierungschef [Abe …] die Darstellung der jüngeren japanischen Geschichte ‚zu masochistisch‘ [erschien …]. Auf Basis solcher Bücher könne die japanische Jugend nicht lernen, ihr Land zu lieben.“

Das dürften die neuen Rechten wiederum ähnlich sehen, wenngleich eine Leserstimme zur zitierten Meldung ein klares Dementi zum Ausdruck bringt: „Wenn Shinzo Abe recht hätte, würden wir Deutsche unser Land nicht lieben. Dies trifft aber in aller Regel nicht zu.“

Unterstützung und Ermutigung findet eine solche Vaterlandsliebe ganz prominent beim amtierenden Bundespräsidenten, der beständig und aktuell daran erinnert, „dass Demokratie nicht selbstverständlich ist […], dass uns unsere Vergangenheit Lehren aufgibt […]. Wir leben in einer Zeit, in der […] sogar völkisches Denken neue Verführungskraft entfaltet […]. Deshalb ist es wichtig, dass wir keinen Schlussstrich ziehen und nicht zurückfallen in das alte Verdrängen.“

Und auch mit Blick auf die rassistischen Vorfälle in den USA ergänzt Steinmeier: „Es reicht nicht aus, ‚kein Rassist‘ zu sein. Wir müssen Antirassisten sein! Rassismus erfordert Gegenposition […] und – was immer am schwierigsten ist – Selbstkritik, Selbstüberprüfung.“

 

„The Model Penitent“

Staatshagiographie

Auferstanden aus Ruinen

„A special German mission“

P.S. zur Antifa

 

Im Instrumentalismus des deutschen Umgangs mit den „dunklen Jahren“ entdecken linksdemokratische und andere Kritiker oft Halbherzigkeit, Vorwand und Heuchelei, manchmal sogar einen ewig-gestrigen Drang.

Demokratische Politiker sind jedoch von der moralischen Lauterkeit ihrer Grundhaltungen so überzeugt, dass sie in deren berechnendem Einsatz dazu gar keinen Gegensatz erblicken.

Wer sich also für einen besseren und eigentlichen Antifaschismus einsetzt, dem kann es passieren, dass sein Bemühen gegebenenfalls auch zur Pflege des offiziellen einen Beitrag leistet.

 

 

https://www.heise.de/tp/features/Von-der-deutschen-Vergangenheitsbewaeltigung-4939920.html?seite=all

7 Responses »

  1. Georg Schuster: Dichtung und Wahrheit über ein Septembermärchen
    Die deutsche „Willkommenskultur“: ihre Freunde, ihre Gegner und ihr Ende (Teil 1)

    Vor vier Jahren wusste ein Sozialwissenschaftler den leisen Stolz auf eine von ihm empfundene „Revolution“ in seinem Heimatland in folgende Worte zu fassen: „Die herzlichen Begrüßungen im September 2015 waren Teil einer stillen Revolution. (…) Sie gaben den Flüchtlingen das deutliche Signal: Ihr seid jetzt in Sicherheit. (Dadurch) öffnete sich auch ein historisches Fenster für die Gesellschaft in Deutschland, nachhaltiger bei sich selber anzukommen.“1

    Eine grüne Fraktionsvorsitzende mit theologischem Hintergrund zeigte sich ebenso tief berührt: „Wir erleben in Deutschland derzeit ein echtes Septembermärchen. Wir sind plötzlich Weltmeister der Hilfsbereitschaft und Menschenliebe. Und ich kann zum ersten Mal sagen, dass ich uneingeschränkt stolz auf mein Land bin.“2

    Auch ein prominentes Professoren-Ehepaar, das gerade ein Enkelkind bekam, wagte einen hoffnungsfrohen Blick in die Zukunft: „Es wird auf Jahre hinaus die normative Reputation Deutschlands erhöhen, dass die Bundesregierung (…) sich ihrer humanitären Verantwortung bewusst geblieben ist.“3

    Als sich zwei Jahre nach diesen Zeilen eine in den Talkshows präsente damalige Bundesministerin mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, ihre Kanzlerin habe in Migrationsfragen Missmanagement betrieben, gibt sie der „humanitären Verantwortung“ Deutschlands eine aktualisierte Fassung: Es sei „gelungen, den Flüchtlingsstrom nach Deutschland um 95 Prozent zu reduzieren“4

    Dem parallel dazu veröffentlichten Beamtendeutsch sind dann die näheren Umstände dieser neuerlichen Rekordleistung zu entnehmen: Masterplan Migration, Halbierung der Gesamtschutzquote, Anstieg der Ablehnungsquote und Verfahrenserledigung auf 70 Prozent, Entscheidungsbeschleunigung, Transitzentren, Zunahme der Rücknahmeabkommen und der sicheren Herkunftsländer, Fluchtursachenbekämpfung usw.

    Historisches Fenster schnell wieder geschlossen

    Märchen beendet, Not bleibt bestehen

    Optimistische Unternehmerstimmen mögen ja dazu beigetragen haben, die eben skizzierten außenpolitischen Berechnungen mit einer Arbeitsmarkt-Maßnahme zu ihren Gunsten zu verwechseln. Dass aber im März 2020 nach erfolgter Demontage der „Willkommenskultur“ ein neues „Fachkräfte-Einwanderungsgesetz“ installiert wurde, sollte den Unterschied zwischen beidem hinreichend deutlich machen.

    Lesen Sie in Teil 2: Was Freunde der „Willkommenskultur“ gegen die Fremdenfeindlichkeit einwenden.

    https://www.heise.de/tp/features/Dichtung-und-Wahrheit-ueber-ein-Septembermaerchen-4999431.html?seite=all

  2. Georg Schuster: Wie Befürworter der „Willkommenskultur“ gegen Fremdenfeindlichkeit argumentieren
    Fürsprecher von Immigration argumentieren mit wirtschaftlichen Vorzügen und beanspruchen die Mehrheitsmeinung pauschal für sich. Das birgt Risiken (Teil 2)

    In den modernen Demokratien hat die Ankunft von im nationalen Verband bis dahin nicht vorhandener Menschengruppen ihr störendes Moment behalten. Auch wenn die jeweiligen deutschen Ureinwohner sukzessive an die polnischen Arbeitsmigranten vor dem Ersten und die Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, sodann an die Gastarbeiter im „Wirtschaftswunder“, die Spätaussiedler eines sich wandelnden Ostblocks und die Ossis nach der Wende gewöhnt wurden – eine unaufgeregte Gewohnheit hat sich darüber bei den Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund nicht einstellen wollen.

    Neben der Politik selbst müssen auch publizistische Befürworter der Zuwanderung ihren volkswirtschaftlichen und sonstigen Sachverstand anstrengen, um dem anwesenden Volk und in Differenz zu seinen populistischen Fürsprechern deren Sinn und Nutzen einsichtig zu machen: „Wenn (die deutsche Gesellschaft) ihre Position in der Weltwirtschaft und ihren Wohlstand im Inneren behalten will, ist sie auf Zuwanderung angewiesen, und es herrscht durchaus Konkurrenz mit anderen Gesellschaften um die Fähigsten und Leistungsstärksten.“1

    Solches Arbeitspotential gilt es offenbar auch aus den Kriegs- und Armutsflüchtlingen herauszufiltern, falls Deutschland ein paar davon für seine weiteren Wirtschaftserfolge brauchen kann. Dann fallen unter Umständen sogar ein paar Brosamen für „Leistungsschwächere“ ab: „Der Wille, diese Tüchtigsten für sich zu gewinnen, schließt nicht aus, dass man aus humanitären Gründen in einer besonderen Notlage auch diejenigen aufnimmt, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in diese Gruppe gehören.“ (Ebd.)

    Klar, das kostet ein gewisses Geld, aber „man kann die für die Befähigung der Flüchtlinge anfallenden Kosten auch als Investition ansehen, die erforderlich ist, um die biologische (…) Reproduktion auf einen dem deutschen Arbeitsmarkt entsprechenden Stand zu bringen“ (ebd. S. 113). Außerdem erfahren die deutschen Couchpotatos noch eine Hilfeleistung durch die wendigeren Fremdländer: „In einer globalen Ökonomie, in der nur mithalten kann, wer dem Prozess der ‚Verfettung‘ nicht anheimfällt, sondern immer wieder innovativ ist, sind Fremde eine Chance zur Erneuerung.“ (Ebd. S. 207)

    Migration und die „Triple-Win-Situation“

    Bedenken rasch zur Seite geschoben

    Ideologische Grabenkämpfe und ihre Parolen

    Defizite der Argumentation

    Überdies hat die beabsichtigte Widerlegung der vermuteten fremdenfeindlichen „Vorurteile“ durch ihre Konfrontation mit der „Faktenlage“ auch darin ihre Tücken, dass die einschlägigen Behauptungen gar nicht der Fehlbeurteilung von Tatsachen entspringen, sondern von einem nationalistischen Interesse angetrieben werden, das die „Vorurteils“-Kritiker nicht oder nur dunkel bemerken. (Auch dazu mehr im fünften Teil dieser Serie.)

    Lesen Sie in Teil 3: Wie sich besorgte Meinungsbildner die Fremdenfeindlichkeit erklären.

    https://www.heise.de/tp/features/Wie-Befuerworter-der-Willkommenskultur-gegen-Fremdenfeindlichkeit-argumentieren-4999816.html?seite=all

  3. Georg Schuster: Wie sich Meinungsbildner Fremdenfeindlichkeit erklären
    Zahlreiche Analyseversuche füllen die Fachdebatte. Sie alle scheitern an der Ehrlichkeit dem Thema gegenüber. (Teil 3)

    Ein linker Autor, Werner Seppmann, fasst das Problem mit der xenophoben Hartnäckigkeit, durchaus stellvertretend für ein breiteres Meinungsspektrum, wie folgt zusammen: „Was eine gesellschaftliche Linke am Aufstieg einer rechten Bewegung in der Bundesrepublik vorrangig interessieren muss, ist die Frage, warum so viele „sozial Schwache“ zum Rechtspopulismus tendieren (genannt werden 36 Prozent); aber auch Gewerkschafter (nämlich 24 Prozent) bereit sind, bei Wahlen der AfD ihre Stimme zu geben.“

    Das ist tatsächlich klärungsbedürftig. Hierzu liegen allerdings schiefe politische oder akademische Erklärungsansätze vor, von denen ein paar kritisiert werden sollen.

    In der Regel nehmen sie den falschen Weg ins menschliche Seelenleben, womit der zitierte Autor leider gleich selbst anfängt:

    In Situationen sozialer Verunsicherung und Perspektivlosigkeit haben Menschen ein gesteigertes Bedürfnis nach „Welterklärungen“. (…) Die rechte Gesinnung fungiert für die psychisch und mental Angegriffenen, wenn auch in pervertierter Form, (…) als individualpsychischer „Rettungsanker“
    (ebd.)

    Einmal abgesehen davon, was hier „pervertiert“ und „mental angegriffen“ heißen soll, fragt es sich, warum die „Verunsicherten“ ausgerechnet diesen „psychischen Anker“ wählen. Sie könnten sich schließlich auch eine gelbe Weste überziehen und ziemlich rabiat die Änderung staatlicher Maßnahmen verlangen, die Linkspartei wählen, zur SPD zurückkehren etc. Warum liegt für den Autor die „rechte Gesinnung“ als „Welterklärung“ eigentlich so nahe?

    Auch an andere psychoanalytische Deutungen des fremdenfeindlichen und rechtspopulistischen Phänomens ist diese Frage zu stellen. „Warum rechts so verlockend ist“, erklären Leute vom Fach sehr inhaltsleer, dafür tautologisch so, dass „vorsätzlich die grundlegenden Motivationen und Denkweisen von Menschen adressiert (werden), die tief in deren Persönlichkeit und Haltung verwurzelt sind“1.

    Faschismus und Eros

    Faschismus und Landleben

    Der Fremdenfeind als Homo incurvatus in se

    Der Fremdenfeindschaft einen „Drang nach sozialem Schutz“ und „genuine Besorgnisse“ zu unterstellen, denen bloß das Vokabular abgehe, will den giftigen und bisweilen brachialen Nationalismus darin einfach nicht ernstnehmen oder „progressiv“ umdeuten – in „symbolische Akte, (…) die man, ‚so widersprüchlich es klingen mag, zumindest teilweise als eine Art politischer Notwehr der unteren Schichten interpretieren muss‘“, so der oben genannte Seppmann, der hier zustimmend den französischen Philosophen Didier Eribon zitiert.

    Lesen Sie in Teil 4: Was den rechten Willkommensgegnern zu sagen wäre.

    https://www.heise.de/tp/features/Wie-sich-Meinungsbildner-Fremdenfeindlichkeit-erklaeren-5000013.html?seite=all

  4. Georg Schuster: Was rechten Willkommensgegnern zu sagen wäre
    Zum politischen Gehalt der Fremdenfeindlichkeit: Deutung der Konkurrenzgesellschaft als Gemeinschaftswerk (Teil 4)

    Vielleicht kann es helfen, sich den angeblich genuinen Drang nach sozialem Schutz in der wortarmen Sprache der unteren Schichten einmal im Original anzuschauen und dabei zu prüfen, was man dazu anstelle der besorgten Interpretationen zu sagen hätte – und zwar den nationalistischen Prekariern genauso wie den xenophoben Facharbeitern, Kleinbürgern und Selbstständigen mit „Abstiegsangst“, ihren öffentlichen Fürsprechern oder sonst wem.

    Nicht dass aus diesem Personenkreis Diskurspartner der Wahl kämen, aber wenn schon Argumente, dann wenigstens richtige, also solche, die die vaterländischen Sprüche als politische Urteile kritisieren.

    Arbeiten und Wohnen

    Weitere Vorrechte

    Logik eigener Art

    Migrationspolitik betreiben sie weder aus falsch verstandener „Humanität“ noch zwecks „Umvolkung“, sondern als Mitregler von Staats- und Gewaltaffären in „unserer Nachbarschaft“, die sie noch weit hinter der Türkei verorten. Das „Gemeinschaftswerk“ namens EU ist kein Ausverkauf der Vaterländer, kein „seelenloser, technokratischer Apparat in der Hand von Globalisten“ (ebd.), sondern (samt Arbeitnehmer-Freizügigkeit) ein unter deutscher Führung initiiertes Konkurrenz-Projekt gegenüber den anderen Weltmächten, für das sich Deutschland mit seiner D-Mark für zu klein befand.

    All das kann man zwar, wie gesagt, in den Zeitungen mühelos nach- bzw. mit ein wenig Mühe aus ihnen herauslesen. Auf die Täuschungsabsichten der „Lügenpresse“, die mit den undeutschen Machenschaften im Bunde steht, fallen die neurechten Willkommensgegner aber nicht mehr herein und bevorzugen die Leitmedien ihrer Filterblase. Insofern frisst sich der politische Diskurs mit ihnen leicht fest.

    Lesen Sie in Teil 5: Haben die Arbeiter ein Vaterland?

    https://www.heise.de/tp/features/Was-rechten-Willkommensgegnern-zu-sagen-waere-5000178.html?seite=all

  5. Georg Schuster: Haben Arbeiter ein Vaterland?
    Abschließende Gedanken zur These, sozial gehe nur national (Teil 5 und Schluss)

    Zwei frühe Theoretiker der Arbeiterbewegung meinten noch, nein, als ihnen als „Kommunisten vorgeworfen (wurde), sie wollten das Vaterland, die Nationalität abschaffen“, und sie erwiderten, man könne den Arbeitern „nicht nehmen, was sie nicht haben“.1 Nicht, dass Arbeiter keinen Pass und keine Obrigkeit gehabt hätten, gemeint war die Feindlichkeit der Nation gegenüber ihren Interessen. Eine heutige Expertin für Arbeiterfragen betont dagegen in ihrer „linken Antwort zur Regulierung der Migration“, „der häufig kritisierte Satz ‚Sozial geht nur national‘ (sei) in erster Linie eine empirische Tatsache“.

    Sozialstaats-Illusionen

    Zukunftshoffnungen

    Könnte man, wenn man schon merkt, wie wenig man „gegenwärtig“ in Sachen „friedlicher und solidarischer Welt“ zu melden hat, sich nicht einfach dazu entschließen, die Kritik an den herrschenden Zuständen zusammenzutragen und zu verbreiten?

    Anders gefragt: Muss man sich mit „realistischen Zwischen- und Übergangslösungen, die uns diesem Ziel näherbringen“ (ebd.) beständig zum ideellen Mitregenten machen, der das nationale oder europäische Grenzregime im Geiste mitbestimmen möchte und Phantomdebatten darüber führt, ob das „Steuer- und Finanzkonzept der LINKEN (…mit) Mehreinnahmen in Höhe von rund 180 Milliarden Euro“ (ebd.) für eine Open-Border-Politik ausreichen könnte? Muss man nicht.

    P.S. zur Seenotrettung:

    Die Absicht, Kriegs- und Armutsflüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten, verbleibt, ohne dass sie dies zu verantworten hätte, auf zweifache Weise in der Abhängigkeit von den politischen Instanzen, gegen die sie opponiert. Offensichtlich ist zunächst, dass Seenotretter dann behindert und kriminalisiert werden, wenn Staatsorgane die Rettungstätigkeit zum „Pull-Faktor“ erklären und unterbinden oder einschränken wollen. Aber auch wenn die Aktionen stattfinden bzw. erlaubt sind, widmen sie sich – in tendenzieller Sisyphusarbeit wie jede Caritas – den Resultaten von Geschäft und Gewalt, ohne auf deren Ursachen Einfluss zu nehmen.(Georg Schuster)

    https://www.heise.de/tp/features/Haben-Arbeiter-ein-Vaterland-5000537.html

  6. Bei Telepolis/Heise hat Georg Schuster in einer Aufsatzreihe „Die deutsche Willkommenskultur: ihre Freunde, ihre Gegner, ihr Ende“ dargestellt.

    Abschließend zur Reihe [und nachträglich als Neujahrsgruß] der Versuch einer Antwort auf das massenhafte Leserecho:

    „An die Willkommensgegner, die es betrifft…“

    https://www.heise.de/tp/features/An-die-Willkommensgegner-die-es-betrifft-5004253.html

  7. Für den Konservativen ist die Familie kein soziales Konstrukt. Sie ist Herzenssache und Wiege der Gemeinschaft. Linke wollen diese Welt tendenziell ideologisch in Gender-Welten umdefinieren, kollektivieren und Staatsinstitutionen familiäre Kompetenzen zuweisen.

    So denunzierte nicht nur A. Dobrindt, CSU, linke Frauenpolitik.

    In einer 5-teiligen Artikelreihe wurden bei Heise/Telepolis Aspekte linker Kritik an den Konstruktionen von Frau, Familie, Gender zusammengefasst. Die vorherigen einzelnen Artikel der Reihe sind zu Beginn des 5. und letzten Beitrages noch einmal verlinkt worden.

    https://www.heise.de/tp/features/Konstruierte-Geschlechtscharakter-und-Intersektionalitaet-5024430.html

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