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Georg Schuster:  Die Corona-Krise und was sie bewirkt

Von • Jul 9th, 2020 • Kategorie: Allgemein

Georg Schuster:  Die Corona-Krise und was sie bewirkt

7. und letzter Teil, jedenfalls vorläufig, 9.7.2020

 

(…) Alice Weidel, AFD-Volksvertreterin in der Opposition, hielt Mitte März der Regierung vor, das Virus, dessentwegen die anderen EU-Länder ihr „öffentliches Leben praktisch einstellten“, könne sich im Deutschland dank der Merkelschen Untätigkeit „ungehindert ausbreiten“. Keine zehn Wochen später forderte dieselbe Frau im erneut verspürten Volksauftrag, die Maskenpflicht müsse fallen, die Wirtschaft sei sofort wieder hochzufahren, um die „desaströse Chaos-Politik der Bundesregierung“ zu beenden.    (…)

 

Um gedankliche Übergänge dieses Kalibers zu tätigen oder nachzuvollziehen, statt stutzig oder selbstkritisch zu werden, braucht es die feste Überzeugung von einer Zuständigkeit des Staats, die an dessen Allmacht zu glauben scheint. Denn die umfassende Abhängigkeit von den seuchenpolitischen Entscheidungen und Maßnahmen, welche die Obrigkeit den „Mitbürgerinnen und Mitbürgern“ serviert, weckt in Letzteren offenbar den Anspruch oder wenigstens die Hoffnung, dass ihnen „Vater Staat“ – als könne er eine nicht beherrschte Virusinfektion einfach ungeschehen machen – Ansteckung und vorzeitigen Tod erspart. Und dort, wo er sich auf seine Weise dieses Anliegens annimmt, also der Volksgesundheit einen Vorrang vor dem Geldverdienen einräumt, trifft ihn die Erwartung, dies habe gefälligst ohne größere Beeinträchtigung von bürgerlichen Interessen und Rechten abzugehen. Der untertänige Wunsch nach einer guten Herrschaft kriegt solche Disparitäten durchaus unter einen Hut.

 

Sie verraten etwas Grundlegendes. Gesundheit mag das sprichwörtlich „höchste Gut“ für einen Schwerkranken sein, der endlich wieder ein paar Lebensinteressen realisieren will. Das ist sie aber weder für den Staat noch für den arbeitsfähigen Bürger; für beide besitzt sie den Charakter eines Mittels. Der Staat weiß sie als unerlässliche Bedingung für eine funktionierende Marktwirtschaft, der im Normalbetrieb mit medizinisch betreuten „Zivilisationskrankheiten“, mit Orthopädie, Psychotherapie, durch Arbeitsschutz, Grenzwerte u.ä. hinreichend gedient ist.

 

Im Fall einer Pandemie …   (Forts.):

 

https://www.heise.de/tp/features/Die-Corona-Krise-und-was-sie-bewirkt-4838860.html

2 Responses »

  1. Fundstück

    Bei den Gruppen gegen Kapital und Nation ist ein Papier gepostet worden, das dort wie folgt vorgestellt wird:

    Die Wirtschaftskrise 2008 bis Juni 2020 und die staatlichen Maßnahmen

    „(…) Das Papier versucht, so einfach es geht, das Ineinandergreifen von kapitalistischer Ausbeutung, Finanzkapital, Staatshaushaltspolitik und Währungspolitik sowohl im Normalverlauf der Wirtschaft als auch im Krisenmodus zu erklären.
    Dafür wird zurück zum Anfang der Finanzkrise 2008ff. gegangen, weil man daran schrittweise sehr
    gut zeigen kann, wie die verschiedenen Ebenen aufeinander aufbauen, sich stützen oder ggf. in die Scheiße reiten.

    Das ist ein didaktischer Grund: An der Chronologie der Weltfinanzkrise 2008ff. lassen sich die einzelnen Maßnahmen, die in der heutigen Krise mit noch mehr Wucht zum Einsatz kommen, verständlich erklären – so gut letzteres geht. Wer die Aktionen der Staaten und ihre Zentralbanken anhand der Krise 2008ff. versteht, dem fällt es leicht, in der heutigen Zeit die Übersicht zu behalten.
    Der andere Grund: Der Vorlauf scheint sogar notwendig zu sein, um die heutige Krise zu verstehen (…), weil die Krise von 2008 nie zu Ende gegangen ist und immer neue Verlaufsformen angenommen hat.
    Vor diesem Hintergrund gibt es jetzt eine Wirtschaftskrise durch einen neuen Impuls – die Maßnahmen während der Corona-Pandemie, die das Geschäft belasten.

    Die These: 2020 werden neue Krisenabmilderungsmaßnahmen beschlossen auf Grundlage einer seit 10 Jahren anhaltenden Krisensituation des Weltfinanzsystems.

    Daher der Aufbau des Referats:
    Am Anfang (0.) stehen einige abstrakte Überlegungen zur Marktwirtschaft ohne Kredit.
    Das soll keine vollständige Erklärung sein, sondern Aspekte herausstellen, die für die späteren Sachen relevant sind.
    Im großen Mittelteil (1.) wird anhand der Jahre 2008 bis Ende 2019 erklärt, was die unterschiedlichen Krisenereignisse über die kapitalistische Gesellschaft aussagen und wie die Staaten versuchten, die Krise aufzuhalten oder abzumildern.
    Im letzten Teil wird knapp die neue Wirtschaftskrise seit Februar/März 2020 dargestellt (2.) und eine Übersicht gegeben, wie sich die Staaten hier dagegen stemmen (3.). Das sollte dann mit den Erklärungen aus dem Mittelteil verständlich sein. Abschließend wird ein knappes Fazit mit Rücksicht auf gängige Prognosen in der Wirtschaftspresse gegeben (4.). Das Referat enthält auch zwei Anhänge, deren Sinn sich im Laufe des Papiers ergibt.

    https://gegen-kapital-und-nation.org/media/pdfs/seminarskript_wirtschaftskrise_2008_bis_2020.pdf

    (Fußnote 1: Dieses Vorgehen ist von einem empfehlenswerten Vortrag von Peter Decker vom Gegenstandpunkt geklaut, der das in einer Vorstellung des Buches „Das Finanzkapital“ gewählt hat.)
    Auf youtube hier anzuschauen:
    https://www.youtube.com/watch?v=btOh9T9q9CY

  2. Georg Schuster: Fridays for Future – und was dazu nicht im Schulbuch steht

    Vom „Menschheitswert Klima“ und dem idealistischen Einsatz dafür

    Der 25. September ist ein weiterer „Friday for Future“ mit einer globalen Klimaaktion. Diesem Anlass ist der folgende Aufsatz zugedacht, der sich in zwei Teile gliedert. Hier der erste Teil.

    Nationale Klimapolitik

    „System Change“

    Von den Lektionen, die die Politik den „Fridays“ erteilt

    Partikularinteressen

    Politikfähigkeit

    Es hat also, um das Gesagte zu resümieren, seinen Preis, wenn man wie eine Aktivistin von „Extinction Rebellion“ (laut Twitter) darauf beharrt: „Ich habe eine Verantwortung, genauso wie unser Staat!“ Dieses verspürte Pflichtgefühl mag sich rebellisch bebildern und gebärden, im Kern ist es das Einverständnis damit und das Bemühen darum, die eingerichteten und gewohnten Verhältnisse in Gesellschaft und Staat zur Basis der eigenen Verbesserungswünsche zu machen. Dabei kommt niemand umhin, der Logik des Systems und allen von ihm erzeugten Interessen vom Tellerwäscher bis zum Milliardär Rechnung zu tragen – faktisch nicht „genauso“, aber idealiter „wie unser Staat“.

    https://www.heise.de/tp/features/Fridays-for-Future-und-was-dazu-nicht-im-Schulbuch-steht-4892973.html?seite=all

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