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Theo Wentzke: Offensive Abwehr

Von • Sep 7th, 2019 • Kategorie: Allgemein

Theo Wentzke: Offensive Abwehr

 

Mit neuer Entschiedenheit: Unter der Regierung Trump treibt die US-amerikanische Weltmacht die Schwächung ihres russischen Rivalen voran. Das erfolgt auch mit dem weiteren Aufbau von Antiraketensystemen

Von Theo Wentzke

 

In der öffentlichen Wahrnehmung hierzulande finden die strategischen Planungen der USA eher wenig Beachtung. Als Trump den INF-Vertrag kündigte, wurden kurzzeitig Befürchtungen laut, es könne da etwas außer Kontrolle geraten sein und ein neues Wettrüsten beginnen – so als hätten die USA in ihren Rüstungsanstrengungen jemals nachgelassen. Dabei ist allgemein bekannt, dass sie Jahr für Jahr astronomische Summen für ihre Verteidigung ausgeben. Man registriert auch die von Trump mehrfach verkündete Botschaft an Putin, dass er gar nicht erst zu versuchen brauche, mit Amerikas Aufrüstung mitzuhalten. Aber eine solche Ansage ist nichts, was in der hiesigen veröffentlichten Meinung Bedenken wachrufen würde. Da herrscht mehrheitlich die Auffassung, dass Russland in die Schranken gewiesen gehört; zwischenzeitlich zweifelt sie ja sogar umgekehrt an der Verlässlichkeit dieses Präsidenten, weil sich der gegenüber seinem angeblichen Freund Putin allzu arglos zeige. Für eine gewisse Beunruhigung sorgen hingegen regelmäßig die Vorwürfe, die Trump im Zusammenhang mit der Finanzierung der Rüstungsanstrengungen den NATO-Partnern und allen voran den Deutschen macht, dass sie nämlich auf Kosten der USA ihre Haushalte schonen und die von ihnen eingegangenen finanziellen Verpflichtungen sträflich missachteten.

 

Die Frage, was mit all den Finanzmitteln eigentlich finanziert wird und wieso die Vereinigten Staaten an dieser Front so entschieden agieren, ist demgegenüber kaum von öffentlichem Interesse. Dabei erfordert die Antwort auf diese Fragen keine großen investigativen Mühen, die offiziellen sicherheitspolitischen Dokumente der USA sprechen eine klare Sprache.

 

Feindbild und Feindschaft

Großes Atomwaffenarsenal

Strategische Neuausrichtung

 

Der vorliegende Text ist ein Auszug aus einem sehr viel umfangreicheren Aufsatz unter dem Titel »Die amerikanische Weltmacht treibt die Entmachtung ihres russischen Rivalen voran«, der am 20. September im neuen Heft der Zeitschrift Gegenstandpunkt erscheinen wird.

 

Heftbestellung unter: de.gegenstandpunkt.com

 

Theo Wentzke schrieb an dieser Stelle zuletzt am 1. Juli über den grünen Biedermann Winfried Kretschmann.

 

Aus: junge Welt – Ausgabe vom 04.09.2019 / Seite 12 / Ausland:

USA-Russland

 

https://www.jungewelt.de/artikel/362140.usa-russland-offensive-abwehr.html

One Response »

  1. Zur militärischen Gesamtstrategie der USA

    Bereits 2002 fasste der GSP die damalige Nationale Sicherheitsstrategie der USA so zusammen;

    „Die sogenannte bedrohungsorientierte Strategie wird durch eine fähigkeitsorientierte Strategie ersetzt; d.h. es geht weniger darum, jemanden ins Visier zu nehmen, der uns bedrohen könnte, sondern mehr darum, wie wir möglicherweise angegriffen werden könnten und was wir tun müssen, um abzuschrecken.“ (D. Rumsfeld, 2001) – Und was heißt das?

    Die USA halten es grundsätzlich für verfehlt, die eigene Sicherheitspolitik an real-existierenden Bedrohungen auszurichten. Sie wollen sich auf jede mögliche, jede denkbare Herausforderung einstellen – auch und gerade auf noch unbekannte.

    Und zwar unabhängig davon, ob sie überhaupt schon irgendwo US-feindliche Absichten erkannt haben. Die Sortierung der Staatenwelt nach der Verlässlichkeit fremder Regierungen ist ihnen zu unsicher geworden; fortan misstrauen sie jedem unamerikanischen Souverän und nehmen dabei allein Maß an deren Macht-Mitteln. Die USA gehen fest davon aus, dass es Staaten, Terroristen oder sonstige Schurken gibt oder geben wird, die ihrerseits Gründe haben, ihre Waffen auf US-amerikanische Ziele zu richten. Genau deshalb müssen diese wirklichen wie potentiellen Feinde zur Ohnmacht verdammt werden. Und weil das für den jetzigen Zeitpunkt und alle Zukunft so bleiben soll, ist es in den Augen der USA auch falsch, Maß zu nehmen an wirklich-verfügbaren Kriegsfähigkeiten anderswo. Es gilt vielmehr, alle zukünftigen Entwicklungen zu antizipieren…“ https://www.contradictio.de/nss.pdf
    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/ideologie-neuen-nationalen-sicherheitsstrategie

    https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Sicherheitsstrategie_der_Vereinigten_Staaten

    Nachdem unter Trump der Anti-Terror-Kampf nicht mehr die dominante Strategie der USA ist, greift man wieder auf die Konzepte von 2001 zurück – und radikalisiert sie.

    Näheres zur US-Strategie ist dem Artikel im neuen GSP 3/2019 zu entnehmen:
    „Nicht erst unter Trump, unter Trump aber in neuer Entschiedenheit: Die amerikanische Weltmacht treibt die Entmachtung ihres russischen Rivalen voran.“

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/usa-treiben-entmachtung-ihres-russischen-rivalen-voran

    Das Heft muss man sich zwar kaufen. Ein Großteil dieses Artikels wurde aber vorab bereits vor einiger Zeit in der jw veröffentlicht:
    https://www.jungewelt.de/artikel/362140.usa-russland-offensive-abwehr.html

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