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Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

GKN: Es gibt keine Lohn-Preis-Spirale

Von • Dez 17th, 2022 • Kategorie: Allgemein

GKN: Es gibt keine Lohn-Preis-Spirale

 

Diskussionen unter der Überschrift „gestiegene Lebenshaltungskosten” drehen sich um die Belastungen von Lohnabhängigen, deren Gehälter nicht mit der Inflation Schritt halten. Nun könnte mensch denken, dass der Lebensunterhalt der Lohnabhängigen als Sorgegegenstand gesehen wird, wenn die Inflation hoch ist. Tatsächlich trifft das Gegenteil zu: Kommentator*innen warnen vor einer Lohn-Preis-Spirale, bei der höhere Löhne zu weiterer Inflation führen und deswegen am besten vermieden werden müssen.

 

Entscheidend ist also, ob die Unternehmen in der Lage sind, höhere Kosten für Vorprodukte in den Preisen weiterzureichen und ob die Arbeitnehmer daraufhin höhere Löhne durchsetzen können. Ist dies der Fall, droht eine Lohn-Preis-Spirale. — Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank

 

Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale ist real. — Christian Linder, Bundesfinanzminister

 

[Der nachfolgende Text wurde zunächst in Großbritannien für ein britisches Publikum geschrieben.1 Deswegen werden vor allem Aussagen der Bank of England, also der englischen Zentralbank, zitiert. Die Ideologie der „Lohn-Preis-Spirale” und auch die Funktionsweise der Geldpolitik sind aber nicht spezifisch für das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland. Deswegen sind die unten im Text zitierten Aussagen der Bank of England exemplarisch für die Haltung und Politik anderer Zentralbanken.]

 

Die Bank of England erklärt Inflation I: Löhne

 

Die Bank of England erklärt Inflation II: Kreditfinanzierte Geschäfte

 

Die Bank of England warnt nicht vor einer „Preis-Preis-Spirale”

und sie warnt auch nicht die Unternehmen davor, ihre Preise zu erhöhen. Sie warnt vor einer „Lohn-Preis-Spirale” weil sie die Notwendigkeit des Profits verstanden hat. Das wiederum liegt daran, dass die Reproduktion der Gesellschaft davon abhängig gemacht ist.

Der Ratschlag an die Lohnabhängigen, dass sie ihren Lebensstandard zugunsten des Profitinteresses einschränken sollen, sagt viel über den Platz von Lohnabhängigen in dieser Gesellschaft aus: Ihr Lebensstandard ist nicht der Zweck, sondern ein Hindernis.

 

https://gegen-kapital-und-nation.org/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale/

 

https://gegen-kapital-und-nation.org/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale/?pdf

4 Responses »

  1. GKN: Die Reform von Hartz IV – das Bürgergeld

    Jetzt hat es doch noch auf den letzten Metern geklappt. Bundestag und Bundesrat verabschieden das Gesetz zum Bürgergeld. Um diese „größte Sozialstaatsreform seit 20 Jahren“1 zu würdigen, soll hier nochmal auf den Entstehungsprozess und die von der CDU angefachte Sozialneid-Debatte eingegangen werden.

    Die Bundesregierung wollte einige Gesetzesänderungen auf den Weg bringen, die das Arbeitslosengeld II betreffen, hat diese als Paket im Bundestag eingebracht und am 10.11.2022 absegnen lassen. Der Bundesrat musste auch zustimmen und hier sorgte die CDU dafür, dass das Gesetzespaket namens Bürgergeld zunächst abgelehnt wurde. Ende November lag die Sache im Vermittlungsausschuss, wo sich mit Kompromissen an vielen Stellen schließlich geeinigt wurde, so dass das Bürgergeld zum 01.01.2023 kommen wird. Worum geht es? (…)

    Schonung des Sondervermögens und Übernahme der vollen Wohnkosten

    Die Abschaffung des Vermittlungsvorrangs und Einführung eines Weiterbildungsgeldes

    Neuregelung des Sanktionsmechanismus

    Entfristung des Sozialen Arbeitsmarktes

    Der Kompromiss und ein Fazit: Das Bürgergeld kommt

    So bleibt es dabei:

    „Der Staat hilft nicht den Menschen in ihrem Interesse an einer gesicherten materiellen Bedürfnisbefriedigung mit Entwicklungsperspektive, sondern er hilft mittellosen Menschen, eine Existenz als Lohnarbeiter*in zu führen.“
    (Die Misere hat System: Kapitalismus, S. 214)

    https://gegen-kapital-und-nation.org/die-reform-von-hartz-iv-das-b%C3%BCrgergeld/

    https://gegen-kapital-und-nation.org/die-reform-von-hartz-iv-das-b%C3%BCrgergeld/?pdf

  2. GKN: Die Decke, unter der „die da oben“ alle stecken, ist schwarz-rot-gold und heißt „Deutschland“

    Fragen und Antworten zu Verschwörungstheorien

    0. Warum noch einen Text über Verschwörungstheorien?
    1. Was sind Verschwörungstheorien? Sind es überhaupt Theorien?
    2. Warum glauben Menschen an Verschwörungstheorien?
    3. Was ist attraktiv an Verschwörungstheorien?
    4. Wie knüpfen Verschwörungstheorien an das ganz normale bürgerliche Denken an?
    5. Wie bestätigen wirkliche Skandale scheinbar Verschwörungstheorien?
    6. Aber Vorstellungen über „Reptilienmenschen“ und Verjüngungsserum aus Kinderblut müssten doch normalen Menschen absurd vorkommen?
    7. Wie hängen Esoterik und Verschwörungstheorien zusammen?
    8. Warum sind Verschwörungstheorien Ideologien und nicht bloß Denkfehler?
    9. Sind Verschwörungstheorien immer hermetisch?
    10. Welche Unzufriedenheiten sind denn eine Grundlage für Verschwörungstheorien?
    11. Stecken die Eliten denn nicht alle unter einer Decke?
    12. Aber was ist mit internationalen Treffen „der Eliten“ beispielsweise beim Weltwirtschaftsforum oder der „Bilderberg Konferenz“?
    13. Es gibt aber doch Verschwörungen, den „tiefen Staat“ und Geheimbünde?
    14. Sind Zweifel an der bürgerlichen Wissenschaft nicht berechtigt?
    15. Sind die Medien denn nicht einseitig und verlogen?
    16. Gibt es nationale Besonderheiten bei Verschwörungstheorien?
    17. Wie ist das Verhältnis von Antisemitismus und Verschwörungstheorien?
    18. Sind Verschwörungstheorien ‚strukturell antisemitisch‘?
    19. Welche Rolle spielte „Freiheit“ bei den Coronaprotesten wirklich?
    20. Sind alle Corona Protestierer*innen rechts?
    21. Woher kommt das plötzliche Misstrauen gegen den Staat?
    22. Was sind typisch linke Fehler?

    https://gegen-kapital-und-nation.org/die-decke-unter-der-die-da-oben-alle-stecken-ist-schwarz-rot-gold-und-hei%C3%9Ft-deutschland/

    https://gegen-kapital-und-nation.org/die-decke-unter-der-die-da-oben-alle-stecken-ist-schwarz-rot-gold-und-hei%C3%9Ft-deutschland/?pdf

  3. 99 ZU EINS | Das Bürgergeld (mit Jan und Marek)
    Das Bürgergeld – Die größte Sozialstaatsreform seit der größten Sozialstaatsreform!

    Die rot-grün-gelbe Bundesregierung verabschiedete 2022 die größte Sozialstaatsreform seit der Agenda 2010. ALG II wird nun also zum Bürgergeld – und an der Gängelung der Armen hierzulande ändert sich nichts.

    https://www.youtube.com/watch?v=GZi2aoIUX1s

    »Entkrustung« per Verarmung
    Die rot-grün-gelbe Bundesregierung verabschiedete 2022 die größte Sozialstaatsreform seit der Agenda 2010. ALG II wird nun also zum Bürgergeld – und an der Gängelung der Armen hierzulande ändert sich nichts
    Jan Benski und Marek Schauer
    https://www.nd-aktuell.de/artikel/1170175.buergergeld-entkrustung-per-verarmung.html

  4. GKN: Inflation

    In diesem Beitrag wollen wir erklären, was Inflation ist. Dazu müssen wir Kredit, Kreditgeld und Staatsverschuldung erklären. Aus diesem Grund ist dieser Artikel ziemlich lang geworden.

    Wir beginnen in „1. Die Frage“ mit einer Kritik an den gängigen Erklärungen zur Inflation, wie sie von Zentralbanker*innen und Finanzjournalist*innen gegeben werden. Dieser Abschnitt schließt mit der Formulierung der Frage, die wir im Folgenden beantworten wollen: Wie kommt es, dass die Teilnehmer*innen einer kapitalistischen Wirtschaft genau das entwerten, worum sich doch ihre Aktivitäten drehen: Geld? Die Antwort hat zwei Teile.

    Im zweiten Abschnitt erklären wir, wie eine Inflation von, z.B., 2%, 5%, 10% ein Nebenprodukt erfolgreicher kapitalistischer Akkumulation ist.

    Im dritten Abschnitt erklären wir, wie eine galoppierende oder Hyperinflation das Produkt der staatlichen Reaktion auf eine Wirtschaftskrise ist. Das heißt, die verschiedenen quantitativen Inflationsraten entsprechen qualitativ unterschiedlichen Ursachen.

    Dieser Beitrag wurde gemeinsam von einer AG-Inflation von den Gruppen gegen Kapital und Nation und Gruppe Critisticuffs aus London verfasst. Ursprünglich ist der Text auf Englisch erschienen und arbeitet mit Beispielen aus dem Vereinigten Königreich.

    In der Übersetzung sind diese Beispiele nicht auf dem Euro-Raum umgemünzt worden. Wir unterstellen den Leser*innen, dass sie auch mit der Geldeinheit Pfund umgehen können und zudem mag der Zugang zu den Thema Zentralbank einfacher sein, wenn es nur eine gibt und nicht wie im Euro-Raum neben der EZB noch die Bundesbank.

    1. Die Frage

    1.1.1.1. Keine Subjekte in Sicht.
    1.1.1.2. Alles Opfer.
    1.1.1.3. Höhere Löhne machen keine Inflation.
    1.1.1.4. Wenn einzelne Waren teurer werden, führt das nicht zu Inflation.
    1.1.1.5. Wenn alle Waren teurer werden, ist das auch nicht die Inflation, die wir haben.
    1.1.1.6. Eine Beschreibung ist keine Erklärung.
    1.1.1.7. Inflation heißt, dass Geld im Vergleich zu sich selbst an Wert verliert.
    1.1.1.8. PS: Inflation ≠ Devisenkurse.

    2. Inflation I: Ein Nebeneffekt der kapitalistischen Akkumulation

    2.1.1.1. „Geld leihen“.
    2.1.1.2. „zum Sparen ermutigen“.
    2.1.1.3. „Das tun wir vor allem über die Zinssätze. Ein Zinssatz ist der Geldbetrag, den die Menschen für ihre Ersparnisse erhalten.“.

    2.2. Kredit schafft Wachstum
    2.2.1.1. Unternehmen kalkulieren mit Preisen.
    2.2.1.2. Geld ist der Maßstab für Erfolg.
    2.2.1.3. Geld ist das ultimative Mittel zum Erfolg.
    2.2.1.4. Kredit ist eine Voraussetzung für kapitalistisches Wachstum.
    2.2.1.5. Kredit ist die Grundlage des kapitalistischen Wachstums.

    2.3. Wachstumserwartung schafft Kredit
    2.3.1.1. Kredit ersetzt Geld, bis er abbezahlt ist.
    2.3.1.2. Zahlungsversprechen werden zu Zahlungsmitteln.
    2.3.1.4. Banken organisieren kommerzielle Kredite für ihr Kreditgeschäft.
    2.3.1.5. Liquiditätsmanagement.
    2.3.1.6. Die Zentralbank setzt sich praktisch dafür ein, dass Kredit Geld ist.

    2.4. Kredit schafft Wachstum und Wachstumserwartung schafft Kredit
    2.4.1.1. Inflation.
    2.4.1.2. Inflationsrate.
    2.4.1.3. PS: Missglückte Geschäfte erklären nicht die Inflation.

    3. Staatsverschuldung und Inflation II (ein Zeichen der Wirtschaftskrise)

    3.1. Der Staat macht sich handlungsfähig – mit Geld
    3.1.1.1. Steuern.
    3.1.1.2. Ausgaben.
    3.1.1.3. Verschuldung
    3.1.1.4. Anleihen.
    3.1.1.5. Staatsverschuldung und Inflation I.
    3.1.1.6. Logik.

    3.2. Krisenintervention durch den Staat
    3.2.1.1. Zentralbank.
    3.2.1.2. Staat.

    4. Zusammenfassung
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich „Inflation“ auf ganz unterschiedliche wirtschaftliche Phänomene bezieht: 5 % oder so entsprechen einem Wirtschaftsboom und gefährden das kapitalistische Wirtschaft überhaupt nicht, sondern sind vielmehr ein Phänomen ihres Erfolgs. Im Gegensatz dazu passt eine „Hyperinflation“ von 200 % oder so, bei der das Geld innerhalb weniger Tage seinen Wert verliert, zu einer kollabierenden Wirtschaft. Es handelt sich um qualitativ unterschiedliche Situationen, nicht nur um unterschiedliche Quantitäten. Erstere wird von den Finanzinstituten mit Unterstützung der Zentralbank erzeugt, letztere vom Staat, der sich weigert, zuzugeben, dass sein zentrales Herrschaftsmittel – das Geld – eine Gesellschaft, in der die Wirtschaft zusammenbricht, nicht beherrscht.

    5. Presse
    – „Mangel an Arbeitskräften“
    – Wachstum
    – „Anhaltende Nachfrage nach Gütern“
    – „Starke Nachfrage nach den meisten Waren und Dienstleistungen“
    – „Lohn-Preis-Spirale“
    – „Kleidung und Schuhe“
    – „Ukraine-Konflikt“

    https://gegen-kapital-und-nation.org/inflation_deutsch/

    https://gegen-kapital-und-nation.org/inflation_deutsch/?pdf