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Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

[online] 30.10.2014 | Frankfurt | Kritik der Soziologie und Philosophie

Von • Okt 30th, 2014 • Kategorie: Veranstaltungen

Die Frankfurter Gruppe farbeROT organisiert im Oktober – Dezember 2014 eine Vortragsreihe zur „Wissenschaftskritik“ (unterstützt von der Fachschaft Gesellschaftswissenschaften (FB03):

 

 

Zeit: Donnerstag | 30. Oktober 2014 | 18:00 Uhr
Ort: : Uni Campus Westend | PEG (Raum 1.G 192 / 1. OG rechts) | Grüneburgplatz 1 | 60323 Frankfurt a.M

Thema: Soziologie – Die Abstraktion „Gesellschaft“

Referent: Prof. Egbert Dozekal

 

Soziologen erforschen alles, was andere untersuchen, noch einmal soziologisch. Politik, Religion, Literatur, Familie und Krieg entschlüsseln sie sehr eintönig als im Grund immer wieder dasselbe: als „Formen von Vergesellschaftung“ – und die braucht der Mensch, denn alleine bleiben mag er nicht. Soziologen finden nicht interessant, um was es in den verschiedenen Fällen von Gesellschaft geht, sondern dass da ein überindividueller Zusammenhang von Individuen – solange er besteht – offenbar funktioniert. Dass die heutige Gesellschaft kapitalistisch ist, halten Soziologen für eine Trivialität, die sie nicht weiter interessiert, das Nähere dazu überlassen sie den Ökonomen. Dass der Kapitalismus eine Gesellschaft ist, gilt ihnen als eine Einsicht, und zwar die entscheidende. Auch diesem System geht es – ihnen zufolge – um dasselbe wie jeder möglichen Sklaven- und Feudalgesellschaft: nämlich um nichts anderes als um die Integration seiner Mitglieder und seinen Selbsterhalt. Und alles, was Soziologen in dieser Gesellschaft an Institutionen, Handlungsweisen und Sitten zum Thema machen, deuten sie nach ihrem sturen Schema als entweder funktionalen Beitrag zur Systemstabilität oder als ihre Gefährdung.

Mag das Fach längst nicht mehr die Modedisziplin von einst sein; ihre Quintessenzen kennt und versteht jeder. Wer kann schon sagen, was verkehrt ist an so unwidersprechlichen Auskünften wie, alles sei „gesellschaftlich vermittelt“, „der Mensch ist Produkt der Gesellschaft“, diese umgekehrt wieder „Produkt der Menschen“ und ihrer Interaktionen.

Der Vortrag bemüht sich genau darum.

 

Update:

Die Aufzeichnung der Veranstaltung zur Soziologie ist im Audio-Archiv von farbeROT online verfügbar.

Zitate:

http://www.farberot.de/text/details/150-Zitate_Soziologie.html

http://www.farberot.de/text/download/Zitate_Soziologie-236.pdf

 

Mitschnitt:

http://www.farberot.de/audio/details/400-Soziologie.html

http://www.farberot.de/audio/download/Soziologie-400-432.mp3

 

Zeit: Donnerstag | 6. November 2014 | 18:00 Uhr
Ort: : Uni Campus Westend | PEG (Raum 1.G 147 / 1. OG rechts) | Grüneburgplatz 1 | 60323 Frankfurt a.M

Thema: Philosophie – Ein Denken aus dem Geist der Rechtfertigung

Referent: Dr. Peter Decker

Die Philosophie, hieß es einmal, sei die Königin der Wissenschaften und zugleich die Magd der Theologie. Diese Auskunft ist nicht so verkehrt. Sie wirft ein bezeichnendes Licht – auf die anderen „beschränkten Fach- und Verstandeswissenschaften“, und ebenso auf das Fach, das ihnen gegenüber der Hort der Vernunft zu sein beansprucht.

Philosophen sind stolz darauf, dass ihr Reich der Selbstreflexion im eigentlichen Sinn keine Wissenschaft von etwas ist. Gerne bekennen sie mit den Worten des alten Sokrates: „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ Das halten sie aber nicht für ein Eingeständnis, dass ihre Kunst das Interesse der wissbegierigen Jugend nicht verdient; im

Gegenteil: Philosophie bietet kein Wissen, sondern Besseres: Weisheit.

Man könne Philosophie nicht lernen, sagen sie, man müsse selbst philosophieren!

Und wenn man das tut, betätigt man sich als unüberbietbar kritischer Geist. Philosophie ist das kritische Denken schlechthin. Sie erklärt nichts, hinterfragt dafür alles. Vor allem das Wissen selbst, aber auch das Wollen und die Wirklichkeit als solche. In ihrer kritischen Frage nach dem „Woher, Wohin und Wozu von Welt und Leben“ (Heidegger) und in ihrer Distanz zum „Bloß Seienden“ (Adorno) betätigt sie mit den Mitteln des Verstandes die religiöse Sehnsucht nach dem lieben Gott und dem „transzendentalen Obdach“, das der Glaube gewähren würde – wenn der moderne Mensch halt noch glauben könnte.

Die Philosophie ist das ausdrückliche und – ironisch genug – argumentative Bekenntnis zum Irrationalismus in der Wissenschaft. Ihre Vertreter werden freilich von den anderen wissenschaftlichen Disziplinen nicht geschnitten und aus dem Kreis derer, die Wissen erarbeiten, ausgeschlossen. Sie werden im Gegenteil als die korrekten Interpreten des wissenschaftlichen Denkens anerkannt: Was eine Theorie sei, wie das Erklären geht, was das Ziel der Forschung zu sein habe, – das lassen sich die Wissenschaftler von den Philosophen sagen. Ihr Fach ist das affirmative Selbstbewusstsein einer verkehrten Wissenschaft.

 

Update-2:

Die Aufzeichnung der Veranstaltung zur Philosophie steht im Audio-Archiv von farbeROT zum Download bereit.

 

Zitate:

https://www.farberot.de/text/details/151-Philosophie_Zitate.html

https://www.farberot.de/text/download/Philosophie_Zitate-237.pdf

 

Mitschnitt:

https://www.farberot.de/audio/details/401-Philosophie.html

https://www.farberot.de/audio/download/Philosophie-401-433.mp3

 

 

 

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