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Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

GegenStandpunkt 2-08 erscheint am 13. Juni 2008

Von • Jun 4th, 2008 • Kategorie: Allgemein

Das Inhaltsverzeichnis des am 13. Juni2008 erscheinenen GegenStandpunkt 2-08 ist bereits hier einsehbar:

http://www.gegenstandpunkt.com/gs/08/2/inh082.htm
http://www.gegenstandpunkt.com/gs/08/2/gsin082.pdf

Themen u.a.:

Alter Hunger, neuer Hunger

Etwas merkwrdig ist die aktuelle Aufregung ber das Elend in Sachen Ernhrung schon. Massenhafter Hunger ist schlielich eine bestndige Begleiterscheinung der modernen Welt, stirbt einfach mit dem wachsenden Reichtum nicht aus, sondern nimmt mit seinem Wachstum bekanntermaen stndig zu. Und mit der Bezahlung ihres Essens tun sich Millionen von Statisten der globalen Marktwirtschaft schon lnger schwer. An laufende Hungerkatastrophen und Versorgungsnte und ihre Betreuung mit Hunger- und Entwicklungshilfen hat man sich lngst gewhnt.

Woher also die aktuelle Aufregung ber unbezahlbare Preise und unerschwingliche Lebensmittel fr einen Groteil der Weltbevlkerung? Der GegenStandpunkt klrt auf ber die parteiliche Befassung der ffentlichkeit mit dieser Konsequenz des kapitalistischen Weltmarkts; ber die staatliche Befassung mit nationalen und internationalen Versorgungsfragen, die mit der Sorge um ein auskmmliches Dasein der Weltbevlkerung nicht zu verwechseln sind; und darber, wie sich die potenten Staaten des Welthungerproblems annehmen: als Material ihrer Konkurrenz ums weltweite Geschft und die Kontrolle der dafr beanspruchten Staatenwelt.

Wie man Das Kapital nicht schon wieder neu lesen sollte

Zur „Einfhrung in die Kritik der politischen konomie“ von Michael Heinrich
Eigentlich ist Das Kapital ein verstndliches Werk. Allerdings machen nicht blo eindeutige Feinde, sondern auch zweifelhafte Freunde der Marxschen Kritik der politischen konomie dann doch Aufklrung darber ntig, was eigentlich in diesem Werk steht. Anerkennung findet Marx nmlich wieder oder nach wie vor ausgerechnet nicht als das, was er ankndigt, als Kritiker der kapitalistischen konomie und der Ausbeutung der Lohnarbeiter, sondern als radikaler Entfremdungs-Philosoph, der mit der „Wertabstraktion“ und dem „Fetischcharakter“ der gesellschaftlichen Verhltnisse Antworten auf Fragen gegeben haben soll, die gar nicht er, sondern seine Interpreten sich stellen: Wie es um den „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ und das „gesellschaftliche Bewusstsein“ der Akteure bestellt ist in einer Welt, wo die, die in ihr agieren, die Verhltnisse gar nicht „durchschauen“ knnen.

Michael Heinrich will nach eigener Auskunft mit seinem Kapitalkommentar zwar darlegen „wie Ausbeutung und Klassenherrschaft … funktionieren“, kmmert sich dann allerdings vornehmlich um das, worauf das Verb hinweist: das „Funktionieren“. Eine scheinbar kleine Verschiebung, aber ein groer Fehler. Seine Kapitalismuskritik zielt weniger auf Argumente, warum dieses Ausbeutungssystem abgeschafft gehrt, sondern vornehmlich auf Erluterungen, die die Haltbarkeit der kapitalistischen Verhltnisse trotz ihres „destruktiven Potenzials“ betreffen. Seine Antwort: Alle Kapitalisten wie Lohnarbeiter, Ausbeuter wie Ausgebeutete sind befangen im „System“ und halten es so in Gang. Ein seltsames Resultat einer Kapitalismuskritik und Anlass fr den GegenStandpunkt sich mit Heinrichs Kapital-Kommentar auseinanderzusetzen und seinerseits Marx Argumente gegen Kapital, abstrakte Arbeit, Fetischcharakter der Geldverhltnisse und Staat zu erlutern.

Tibet gut, China bse!

Der erste groe Sieg der Olympischen Spiele steht fest, bevor sie begonnen haben: Die Welt stellt China die Tibet-Frage. Seit Bewohner auf dem Dach der Welt und ihre Exilvertreter die Gelegenheit ergreifen, mit Berechnung auf weltffentliche Aufmerksamkeit protestieren und von Peking hart zurckgewiesen werden, kennt die Sympathie im Ausland keine Grenzen und wird aus der Schauveranstaltung fr die Vlker der Welt schon im Vorfeld eine Art Schauprozess: Wie hlt es China mit den Menschenrechten. Soviel Anteilnahme erfhrt nicht jeder Aufstand. Und soviel kritische Infragestellung der Berechtigung, als Veranstalter des Sportspektakels zu firmieren, bei dem um die Ehre der Nation im Wettstreit gegen andere gekmpft wird, ist auch nicht gerade guter olympischer Brauch. Doch diesmal stand auch schon vor dem Aufruhr fest, dass China uns Auskunft schuldig ist. Dass die Welt ihm die Ehre des Veranstalters zuteil werden lsst, dient ausdrcklich dazu, das Land an seine herrschaftlichen Pflichten, die die Weltffentlichkeit anmeldet, zu erinnern und ideell an den Pranger zu stellen. Das klrt einerseits auf ber das Verhltnis von Sport und Politik im Weltmastab; das verlangt andererseits nach Erklrung, was am Aufruhr in Tibet eigentlich wirklich gefllt und was an China eigentlich strt.

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