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Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

[online] 20.07.2011 | Regensburg | Guttenberg & Co.

Von • Jul 20th, 2011 • Kategorie: Veranstaltungen

Zeit: Mittwoch, 20. Juli 2011, 19.30 Uhr
Ort: Gaststätte Gravenreuther, Hinter der Grieb 10, Regensburg
Veranstalter: GegenStandpunkt Verlag

Der Beitrag der politischen Charaktermaske zur Freiheit der Staatsmacht Guttenberg & Co.: „Betrüger“, „Alpha-Tiere“ oder „Lichtgestalten“?

War Herr zu Guttenberg nicht eine „geborene Führungsbegabung“? Von edler Herkunft und akademischer Bildung, und doch in jedem Bierzelt zu Hause, Fan nicht nur von Beethoven, sondern auch Deep Purple, über den Dingen stehend, und doch nie abgehoben. Dazu noch eine hübsche Frau und präsentable Familie, mit der sich Deutschland auf dem internationalen Parkett hätte sehen lassen können. Oder war der Mann angesichts seines öffentlich gemachten sparsamen Umgangs mit Anführungszeichen in seiner Doktorarbeit doch nur ein Schaumschläger und Selbstdarsteller ohne Substanz?

Solche Fragen gelten in unserer aufgeklärten Demokratie nicht als Beleidigung der Intelligenz, sondern geraten zum begierig aufgenommenen Medienereignis. Politiker, von Berufs wegen mit der Ausübung von Macht befasst, erlassen verbindliche Regeln für den Rest der Gesellschaft. Von der Rentenhöhe über die Mehrwertsteuer bis zur Personalstärke der Bundeswehr, ihr Wort ist Gesetz und entscheidet nicht unwesentlich über die Lebensverhältnisse der Bürger. Dieses Privileg kommt den Mächtigen nicht mehr von Gottes Gnaden zu, sondern durch den Wahlakt des Volkes. Sie werden ermächtigt zu ihrem Gebrauch der Staatsmacht, und weil die Objekte der Herrschaft davon betroffen sind, unterliegt das Personal an der Macht einer dauernden Überprüfung. Und die entfaltet ihre ganze Leidenschaft ausgerechnet da, wo es gar nicht um die Beurteilung der Taten und Zwecke der Herrschaft, sondern um die private Befindlichkeit und Eigenart des Personals geht. Auf seine Interessen scheint das in seiner Me  hrzahl geschädigte Wahlvolk wenig zu geben, aber auf seinen Geschmack in Sachen Führungspersonal lässt es nichts kommen. Das Unwichtigste wird zum Wichtigsten, Zu- oder Abneigung gegenüber Personen im Amt wiegt mehr als ein vernünftiges Urteil über das Amt selbst und das damit verbundene politische Handwerk. An Sympathiewerten, die sogar noch in einem regelmäßigen „Polit-Barometer“ im Auftrag von Medien oder Parteien gemessen werden, können sich Wahlen entscheiden.

An missliebigen Systemen oder Staaten geißelt die Demokratie dieses Verhalten von Untertanen als unaufgeklärten Personenkult, der bei den Gaddafis oder in Nordkorea noch zu Hause sein mag. Sympathie, gar Liebe in Bezug auf einen Machthaber, so etwas geziemt sich nicht für ein mündiges Volk, das als der eigentliche Souverän gilt, der mit der Wahl sein politisches Servicepersonal bestellt. Was sich mit dieser Selbstinterpretation der Demokratie so gar nicht vertragen will, ist in ihrem Alltag allerdings Tagesgeschäft und von enormer Bedeutung. Warum das so ist und was diese Unsitte leistet, davon handelt der Vortrag.

Update: Dieser Vortrag wurde aufgezeichnet und steht bei ArguDiss zum Download bereit.

https://www.argudiss.de/guttenberg-andere-alpha-tiere-blender-lichtgestalten-politik-plagiat-kunst-politischen

 

Gliederung:

1.Teil: Personenkult oder die Wichtigkeit des Privaten
2.Teil: Die politischen Grundlagen dieses Personenkults
3.Teil: Inszenierung und Selbstdarstellung: Sachkompetenz und Führungsqualität
4.Teil: Exkurs Promotion und Plagiat
5.Teil: Glaubwürdigkeit
6.Teil: Sympathie für echte Führer

 

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  1. 1.Teil: Personenkult oder die Wichtigkeit des Privaten
    2.Teil: Die politischen Grundlagen dieses Personenkults
    3.Teil: Inszenierung und Selbstdarstellung:
    Sachkompetenz und Führungsqualität
    4.Teil: Exkurs Promotion und Plagiat
    5.Teil: Glaubwürdigkeit
    6.Teil: Sympathie für echte Führer

    http://doku.argudiss.de/#381

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