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[online] 03.02.2010 | Frankfurt | Krieg in Afghanistan

Von • Feb 3rd, 2010 • Kategorie: Veranstaltungen

Zeit: Mittwoch, 03.02.2010, 19.00 Uhr
Ort: Gewerkschaftshaus, Wilhem-Leuschnerstr. 69,  (Nähe Hbf., Zugang über den Hof), Frankfurt/Main
Veranstalter: GegenStandpunkt Verlag

Krieg in Afghanistan
Warum Deutsche am Hindukusch töten und sterben:
Ein Exempel für die Konkurrenz um Weltordnung und die deutsche Rolle dabei

– Am „Fall Kundus“ reißt Ehrlichkeit ein: Deutschland führt wirklich „Krieg“. Aber wofür eigentlich?
– Eine Bischöfin findet, „nichts ist gut in Afghanistan“, Politiker verlangen, daß sie Reue zeigt: Die Moral einer kriegführenden Nation darf nicht untergraben werden.
– Obama schickt immer mehr Soldaten nach Afghanistan. Wofür kämpfen die USA? Was bezweckt die neue Strategie des Friedensnobelpreisträgers für „Afpak“?
– Zwischen Kriegsausweitung und Exit-Strategie: Ansprüche, Widersprüche der mulitpolaren Weltgewaltordnung und ihrer Ordnungsmächte.

Seit über acht Jahren führen die USA und ihre Verbündeten in Afghanistan Krieg – und ein Ende, so sagen sie, ist nicht abzusehen. Ganz im Gegenteil: Präsident Obama hat diesen Krieg zur obersten außenpolitischen Priorität seiner Regierung erklärt. Gleich nach seiner Amtsübernahme hat er 20 000 zusätzliche Soldaten an die Front geschickt und eine neue Kriegstrategie unter dem Titel „Afpak“ verkündet. In der wird das Kriegs­gebiet offiziell auf den Nachbarstaat Pakistan ausgeweitet. Zeitgleich mit der Entgegen­nahme des Friedensnobelpreises hat Obama noch einmal 30 000 US-Militärs den Marsch­befehl nach Afghanistan gegeben. Und Ende Januar 2010 treffen sich die Verbün­deten zu einer Truppenstellerkonferenz. Die westlichen Kriegsherren sind unzufrieden und leiden unter diesem Krieg, weil sie ihre Kriegsziele nicht eingelöst sehen. Die Bewohner dieser Weltgegend leiden derweil daran, dass militärische Gewalt alle Lebensumstände beherrscht. Die menschlichen und materiellen Schäden, die  “zivilen Opfer” sind jedoch das Letzte, was die Kriegsherren bei ihren Planungen bremsen könnte, wenn sie über den Krieg und seine Lasten streiten.

Mit dem „Kundus-Fall“ arbeitet sich auch Deutschland zu einigen Klarstellungen voran. Jeder konnte es bisher schon wissen: Auch deutsche Soldaten töten und sterben in diesem Krieg, auch wenn die Bezeichnung ‚Krieg‘ in Deutschland Tabu war. Deutsche Panzer und Tornados waren immer nur beim Bau von „Brunnen und Mädchenschulen“ im Einsatz, so hatte man zu glauben. Bis am „Fall Kundus“ das deutsche Publikum umlernen darf: Deutsche Truppen verrichten in Afghanistan genau das Handwerk, das jedes Militär der Welt im Einsatz anstrebt: Feinde vernichten, möglichst viele, und ohne zimperliche Rücksichten auf das zivile Umfeld. In den Diskussionen über Dienst­vor­schriften des Krieges wird die Schönrednerei aus dem Verkehr gezogen. Der Verteidi­gungs­minister wird allgemein für das Bekenntnis gelobt, dass auch „wir“ Krieg führen.

Aber wofür? Brunnen und Mädchenschulen kommen ja nun nach Lage der Dinge nicht mehr als Ziel des Gemetzels in Betracht. Wofür dann der ganze Aufwand an deutscher Gewalt? Dass er unbedingt sein muss, gilt schon seit der schwarz-roten Vorgängerre­gierung als sicher: „Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt!“ (SPD-Struck). Was sind das für Interessen, die zehn Flugstunden von Berlin entfernt liegen und so viele Tote wert sind?

 

Update:

Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist jetzt online.

 

https://www.farberot.de/audio/details/132-Krieg.html

 

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