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[07/2009] Bad Bank

Von • Jul 11th, 2009 • Kategorie: Artikel

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Bad Bank

Viel Geld zur Rettung der Banken, eine Lektion ber die Verrcktheit des Kapitalismus gratis als Dreingabe.

Ungefhr so soll man sich das denken: Die Krise zieht sich hin, weil die Geschfte einfach nicht wieder in Gang kommen. Das kommt daher, dass die Banken, Lebensader unserer Wirtschaft, die Geschftsleute nicht mit dem Kredit versorgen, den die brauchen. Das tun sie nicht, weil sie auf vielen Giftpapieren sitzen, weshalb zwischen ihnen wie im Umgang mit der restlichen Geschftswelt einfach kein Vertrauen mehr ist. Klar daher, dass der Staat ihnen unbedingt wieder zu dem und darber uns allen aus der Krise verhelfen muss: Ein ultimativer Schritt zur Rettung der Banken unter dem Titel ‚bad bank‘ soll das leisten. So etwas gab es hierzulande noch nie, auch ist der Aufwand bedenklich hoch. Aber erstens ist er unumgnglich die Zeit drngt. Zweitens ist das Modell eine bestechende Idee, und drittens ist es gar nicht unlogisch, wie die Krise da vom Staat angepackt wird: Den Zweck, Banken von ihren schlechten Papieren zu entlasten, erledigt eine eigens zu dem Zweck gegrndete Zweckgesellschaft, das ist sehr logisch. Eine Extra-Bank verbucht Wertpapiere, die keinen Wert haben, als ihr Vermgen, reicht es in Form von Anleihen, deren Wert der Staat garantiert, an die Banken zurck, und das besticht: Die haben wieder sanierte Bilanzen, knnen einander wieder vertrauen und das Kreditgeschft beleben. So kann die leidige Krise dann auch wieder mal aufhren.

Das ist nicht gerade wenig, was man sich da irgendwie als plausibel, jedenfalls aber als dringend geboten einleuchten lassen soll.

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Dem verfestigten Meinungsbild ber die Gte der Geschftsartikel, mit denen Banken zu wirtschaften pflegen, ist eines sicher nicht zu bestreiten: Fr den Zweck, fr den sie ihm zufolge funktionieren sollen, taugen sie gerade nichts. Bld nur, dass die gar nicht fr den Zweck erfunden wurden, das Geschftsleben immer und berall mit Kredit zu versorgen, sondern fr den Zweck nicht funktionieren, fr den sie erfunden wurden. Diese feinen strukturierten Papiere der Bankhuser sind, wie die Fachleute glaubhaft versichern, kritisch. Was sich hinter den Krzeln des Fachjargons, den mittlerweile jeder beherrscht, verbirgt, ist schwer bewertbar, kaum veruerbar, es sind wertlose Giftpapiere, die mglichst rasch entsorgt werden sollen. Dieselben Fachleute berichten allerdings auch ber uerst seltsame Probleme, die sich im Zuge dieser Entsorgung einstellen: Schrottpapiere einfach wegwerfen wie Schrott? Um Himmels willen! Das kommt keinesfalls in Frage, toxischen Sondermll dieser Art verbrennt man nicht einfach, nein, da braucht es eine ganz spezielle Sonderdeponie. Denn die Entsorgungsschwierigkeiten bei dem Mll beginnen schon mit der interessanten Frage, von wie vielen Giftpapieren das Vermgen der Banken durchsetzt ist. Das ist deshalb so schwer zu ermitteln, weil man dazu ja wissen msste, welche Papiere toxisch sind und welche nicht, und das ist den Zetteln, die neben den noch als astrein geltenden Anleihen bei den Banken lagern, einfach nicht anzusehen: Was sie aktuell wert sind und ob berhaupt noch etwas, wie viel sie demnchst wieder wert sein knnten oder ob sie fr immer wertlos bleiben das alles steht auf ihnen nicht drauf. Indizien frs Spekulieren darber mag es, wie fr alles, fr die Profis des Wirtschaftens mit Schulden und Risiken reichlich geben. Doch fr diese Anhaltspunkte ihrer Kalkulationen gilt dasselbe wie fr den Stoff ihrer Spekulation: Was der wert ist, wird von ihnen praktisch entschieden, und zwar dadurch, dass sie mit ihm ihren Handel treiben. Nur tun sie das gerade nicht, die sonst bliche Konkurrenz zwischen Anbietern und Nachfragern, die den Preis der Handelsware ‚Wertpapier‘ ermittelt, ist von ihren Agenten selbst suspendiert worden, und warum, ist kein groes Geheimnis: Banken in ihrer Eigenschaft als Kufer kaufen voneinander nichts, weil sie frchten, sich statt einer sich automatisch vermehrenden Geldquelle einen wertlosen Zettel an Land zu ziehen; in ihrer Eigenschaft als Verkufer machen sie sich mit ihren reichlich vorhandenen Angeboten gar nicht erst auf Kundensuche, weil sie frchten, in Gestalt ausbleibender Nachfrager definitiv die Wertlosigkeit ihrer Handelsartikel bescheinigt zu bekommen; und wer die zur Saldierung seiner Konten gleichwohl verkaufen muss, senkt damit den Preis der verkauften Warengattung und dezimiert seinen Besitzstand gleich weiter. So absolut verrckt geht es zu in einer freien Marktwirtschaft, der besten aller Welten: Mit Wertpapieren wird nicht gehandelt, weil sie nichts wert sind, und sie sind nichts wert, weil mit ihnen nicht gehandelt wird! Schon das ist absurd, noch absurder ist, welche verheerenden Folgen dies nach sich zieht: Weil Schulden in Gestalt von Papieren mit verbrieftem Versprechen, demnchst mehr wert zu sein als heute, keinen Interessenten mehr finden, der ber ein ‚Investment‘ in sie reicher werden will, luft auch gleich im ganzen Rest dieser feinen Wirtschaft nichts mehr so, wie es soll. Produzenten und Hndler ganz handgreiflicher Gebrauchswerte und am Ende auch noch der Haushalt des Staates geraten in die Krise weil Leuten, die mit Zetteln ohne Gebrauchswert und Wert handeln, die Geschftsgrundlage ihrer Bereicherung entfallen ist!

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Exakt dieser marktwirtschaftliche Irrsinn wird mit der ‚bad bank‘ am Leben erhalten, koste es, was es will. Ein gigantischer Aufwand wird eigens zu dem Zweck betrieben, mglichst nichts von dem fiktiven Kapital der Banken, das sich als wertlos herausgestellt hat, auch als wertlos abzuschreiben. Statt dessen wird eine nach allen Regeln der Flschungskunst hinkonstruierte juristische Fiktion von Werthaltigkeit auf das wertlos gewordene Bankvermgen draufgepflanzt in Gestalt einer Bank, die offiziell mit einem Bankrott ihre Geschftsttigkeit aufnimmt, genau darber aber alle brigen Banken vor selbigem retten und ihnen die Grundlage weiterer Geschftsfhigkeit stiften soll: Damit die wieder ins Plus kommen, drfen sie das Minus in ihren Bilanzen bei einer Gesellschaft mit dem sinnigen Geschftszweck verstauen, entwertete Geldvermgen 20 Jahre lang bei sich als Reichtumsquellen im Wartestand zu lagern wenn der Staat sich der Sache annimmt, geht kapitalistische Geldvermehrung in erstaunlichem Umfang auch einfach per Bundesgesetz! Im Gegenzug fr die Abwrackprmie in Hhe von 10% des Buchwerts der wertlosen Zettel, fr die sie in dem Fall selbst aufkommen mssen, erhalten die Banken dann wieder reichlich von dem Stoff, mit dem sie sich und den Rest der Volkswirtschaft in die Scheie gewirtschaftet haben: Neue Schulden, fr deren Gte diesmal nicht die Fantasie ihrer Strukturierungsknste, sondern die Staatsmacht brgt die sie deswegen auch wieder gut und nach allen ja prima bewhrten Regeln ihres Gewerbes als Quelle der Geldvermehrung in ihrer Hand verwenden knnen! Das ist die banale Sache, die in dem blden Bild von der Lebensader, an der wir alle hngen, so perfekt erschlagen wird. Das ist der Zweck, fr dessen Rettung der Staatsmacht einfach nichts zu teuer ist, und wer sich da ans Hirn greift und fragt, in welcher Welt er denn eigentlich lebt, liegt allemal richtig. Er sollte nur nicht aufhren mit dem Fragen, denn was ist schon die Grndung einer ‚bad bank‘ gegen den Irrsinn des Geschftsprinzips, fr dessen Fortbestand sie sorgen soll?!

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Immerhin lsst sich dem Endpunkt der beliebten Wenn-dann-Beziehungen, mit denen die Experten der Marktwirtschaft alle Idiotien ihres Ladens in funktionell aufeinander bezogene Sachgesetze des Wachstums umdichten und aus denen dann ableiten, warum die Sanierung des Bankwesens fr den Staat ein einziges Muss ist, ja schon auch eine Wahrheit zu entnehmen: Wenn sie und zusammen mit ihnen alles, was in Politik und Wirtschaft hierzulande Rang und Namen hat, ein ums andere Mal versichern, dass ohne ein saniertes Bankenwesen kein Wachstum luft, dann kann man das ja auch einmal fr sich stehen lassen und sich fragen, welcher Reichtum in so vorbildlichen Marktwirtschaften wie der unseren dann mit einem florierenden Bankgeschft blht. Das wird dann offenbar exakt der sein, der in genau diesem Geschftszweig zur Blte gelangt. Schulden als Ware zu handeln, ausgeliehenes Geld in Vermgenstitel mit eingebautem Wachstumsversprechen zu verwandeln und gewinnbringend an den Mann zu bringen das ist die Quelle des Reichtums, ohne deren Funktionieren es keinen anderen gibt! Fanatiker des Wachstums von BIP- und Exportziffern geben selbst zu Protokoll, von welchem allerersten Prinzip das Geschftsleben in dem von ihnen angehimmelten Laden regiert wird. Fremdes Geld als Geldquelle fr sich wirken zu lassen, es als diese in beliebig vervielfltigte Formen zu bringen und die zu verkaufen und zu kaufen nein, das macht nicht nur die Hndler dieser Ware reich: Das ist zugleich das Lebenselixier der ganzen brigen Wirtschaft, einschlielich der Schuldner selbst! Und das ist fr den ganzen Rest dieser groartigen Marktwirtschaft die Klarstellung, dass er sich auch als Erfllungsgehilfe dieser Sorte Reichtumsvermehrung zu bewhren hat. Es ist die Lektion darber, dass die in der Welt des Finanzwesens exekutierten Gleichungen Geld ist mehr Geld und Geld wegzugeben, um das Recht auf mehr Geld in Hnden zu halten, ist die Methode aller Methoden der Reichtumsmehrung die Regie ber all das fhren, was sich in der sog. ‚Realwirtschaft‘ als Kommandomacht des Geldes entfaltet. Denn sie sagen es ja selbst: Wenn diese Gleichungen nicht mehr aufgehen, unterbleibt eben an vielen Stellen das Einkaufen von Produktionsmitteln und Arbeitskraft, und dass in diesem Zug bei der Beschaffung der Mittel zum Lebensunterhalt aller gewhnlicher Geldverdiener erst recht manches unterbleibt, versteht sich fr sie ohnehin von selbst.

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Der Verdacht, dass Geld die Welt regiert, begleitet die Marktwirtschaft ab und an auch dann, wenn sie nicht in der Krise ist. Ist sie dies, nimmt der Verdacht gelegentlich auch als Vorwurf moralisch Gestalt an. Das ist nicht gut. Man sollte dieser Welt, die einem mit der Erfindung von bad banks dermaen klare Lektionen darber erteilt, worauf es in ihr ankommt, einfach keine Vorwrfe machen. Besser, man nimmt nchtern und sachlich den Inhalt der Lektion zur Kenntnis und dann stt man von selbst auf die Entdeckung, dass Geld, nher: Geld in seiner Bestimmung, mehr zu werden, fr etwas anderes gar nicht da ist, als die Welt zu regieren. bad bank: alle Absurditten dieser Konstruktion zur Rettung des Bankwesens, der gigantische Aufwand, mit dem sie ins Leben gerufen und dann 20 Jahre lang gepflegt wird, all das stellt klar, wie unbedingt und unerbittlich das Regime des Geldes, der Sachzwang seiner Vermehrung das Leben der Marktwirtschaft kommandiert. Und wenn man das kapiert hat, hat man einfach keine Lust mehr, dieses Leben mit dem blden Urteil zu begleiten, es wre nicht gerecht, weil es in ihm doch eigentlich um etwas anderes ginge.

(C) GegenStandpunkt

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