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Georg Schuster: A License to Kill

Von • Mai 29th, 2022 • Kategorie: Allgemein

Georg Schuster: A License to Kill

 

Bellizisten und Friedensbesorgte streiten für und um den gerechten Krieg (Teil 2 und Schluss)

 

Die Regierten sind in ihren kriegsmoralischen Urteilen etwas freier als die Regierenden, insofern Letztere staatlichen Absichten und Sachlagen Rechnung zu tragen haben. Deshalb enthält die Kriegsmoral der Bürger wegen ihres Unterschieds zur offiziellen auch mehr Möglichkeiten zu eigener Interpretation und Fehldeutung, die zu Klagen an die Adresse der Politik führen können.

Wenn Scholz, Habeck oder Lindner die gerechte Sache der Ukraine einerseits proklamieren, zum andern den deutschen Beitrag dazu mit anderen Staatszwecken – der beherrschbaren militärischen Eskalation, der gesicherten nationalen Energieversorgung oder der nachhaltigen Schuldenwirtschaft – abgleichen und Relativierungen vornehmen, haben sie ihre Gründe. Wenn die christliche Opposition sich damit profiliert, dass sie die gute Sache noch besser machen würde, gehört das zum parlamentarischen Prozedere.

 

Auch der verantwortliche Journalismus stellt zweimal täglich die richtigen Fragen in der korrekten Wortwahl:

„Aus Kiew heißt es, schweres Gerät sei noch nicht angekommen. Welche Probleme gibt es bei der Lieferung? Tut die Bundesregierung genug, um den Verteidigungskampf der Ukrainer zu unterstützen?“

Ankündigung zu Maischberger vom 24.5.22

 

Dieser konstruktiven Kritik verschließt sich sogar die Linkspartei nicht, deren Vertreter Jan van Aken (am 22.5.22 bei Anne Will) bemängelt, dass vor dem Schießen Putins Russland gar nicht ordentlich erpresst werde.

 

Moralische Rigoristen

 

Töten hilft

 

Friedensbesorgte

 

Erneut fragt sich, welches unbekannte Wesen dieses unbedingte Gesetz erlassen hat und ob hier nicht eine Fehlinterpretation des staatlichen Dilemmas mit dem nicht beherrschten Atomkrieg vorliegt. Und weil „moralisch verbindliche Normen“ aus unerfindlichen Gründen „universaler Natur“ seien, falle die „Entscheidung über […] die weiteren ‚Kosten‘ an Menschenleben unter der ukrainischen Zivilbevölkerung [keineswegs] ausschließlich in die Zuständigkeit ihrer Regierung“. Damit kriegt auch das westliche Patronat über die Ukraine noch einen friedensmoralischen Auftrag.

Das ist die derzeit radikalste Kriegskritik, die es halbwegs in die Mainstream-Medien schafft. Solche ideelle Zutraulichkeit zur freiheitlichen Staatenwelt schützt Emma und Kollegen freilich nicht vor der beschriebenen Anfeindung durch die Haubitzen-Fraktion mit den robusteren Idealen, die sie mit dem Verdacht belegt, die fünfte Kolonne Moskaus zu sein.

 

https://www.heise.de/tp/features/A-License-to-Kill-7122269.html?seite=all

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