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Fundsachen: Das Auf und Ab kapitalistischer Konkurrenz

Von • Jun 21st, 2020 • Kategorie: Allgemein

Das Auf und Ab kapitalistischer Konkurrenz

Entkopplung der Finanzmärkte oder: die Spekulation und ihre Basis.

Ein Vorabdruck

Von Stephan Kaufmann und Antonella Muzzupappa

 

Der Markt beherrscht das ökonomische und weite Teile des gesellschaftlichen Lebens. Für ihn wird produziert, auf ihm wird konkurriert, er entscheidet über Erfolg oder Pleite. Doch gibt es einen Markt, von dem es heißt, er beherrsche alle anderen Märkte:

den Finanzmarkt. Denn hier wird ein besonderes Gut gehandelt – Geld, oder genauer: Kapital. Fast alle Unternehmen brauchen es und holen es sich an »den Märkten«, indem sie Kredit nehmen, Aktien und Anleihen ausgeben. So tritt der Finanzmarkt dem Rest der Wirtschaft als Gesamtgläubiger gegenüber: Die Anleger sortieren Unternehmen und Staaten nach deren Kredit- und Kapitalwürdigkeit, sie bestimmen über Finanzierungskosten und damit darüber, welche Geschäfte eine Zukunft haben und welche nicht. Gleichzeitig vollziehen die »Produkte« des Finanzsektors an der Börse ihre eigenen Bewegungen, je nach Geschäftserwartungen steigen Papiere und stürzen ab. Diese Bewegung der Spekulation hat dem Finanzsektor den Ruf eingetragen, er habe sich von der sogenannten Realwirtschaft emanzipiert und sie sich gleichzeitig unterjocht, anstatt ihr zu dienen. Doch das ist nicht ganz korrekt. Realwirtschaft und Finanzmarkt sind sich ähnlicher, als viele denken. (…)

Im Kapitalismus fungiert der Reichtum als permanenter Zwang, ihn zu vermehren. Davon profitieren die Eigentümer. Die große Mehrheit dagegen haftet als Arbeitnehmer, Mieter oder Bürger letztlich dafür, dass die kombinierten Ansprüche von Unternehmen und Anlegern aufgehen. Als Arbeitnehmer müssen sie ihren Arbeitgebern einen Gewinn einbringen, als Mieter ihren Grundeigentümern die Miete und als Bürger ihren Regierungen die Steuern. Aus dieser Sicht mag die wiederkehrende Warnung beunruhigend sein, die Welt habe zu viele Schulden. Denn dies ist gleichbedeutend mit der Warnung, es existierten global zu viele Finanzvermögen mit dem Anspruch der Verwertung. Und die gerät ebenso regelmäßig wie notwendig in die Krise.

 

Vorabdruck aus: Stephan Kaufmann und Antonella Muzzupappa Crash Kurs Krise. Wie die Finanzmärkte funktionieren. Eine kritische Einführung. Bertz & Fischer, Berlin, 2020. Ca. 120 Seiten. 8 Euro.

ISBN 978-3-86505-756-3. Erscheint im Juni 2020.

 

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1137841.finanzmaerkte-das-auf-und-ab-kapitalistischer-konkurrenz.html?sstr=Stephan%20Kaufmann

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