contradictio.de

Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

[online] 17.01.2013 | Bremen | Neue Ausbeutungsmethoden in der Automobilindustrie

Von • Jan 18th, 2013 • Kategorie: Veranstaltungen

Zeit: Donnerstag | 17.01.2013 | 19:00 Uhr
Ort: Bürgerhaus Weserterrassen | Osterdeich 70 b | Bremen
Veranstalter: GegenStandpunkt Verlag

Thema: Neue Ausbeutungsmethoden in der Automobilindustrie: Wie Daimler-Benz in Bremen die Arbeit für seinen Konkurrenzkampf ran nimmt

Referent: Freerk Huisken

1.

„Autokrise in Europa verschärft sich“, „Kurzarbeit oder Sonderschichten“, „Letzte Schicht“… so oder ähnlich lauteten Schlagzeilen im Dezember 2012. Alle bezogen sich auf die Automobilindustrie. „Drei Millionen Autos werden in Europa weniger verkauft“, stellt die SZ fest und fragt: „Wie viele Fabriken braucht man weniger?“ Aber es gab auch andere Nachrichten. Der Daimler-Chef ließ klare Kampfansagen an die Konkurrenz vom Stapel: „Zetsche will Mercedes an die Spitze führen“. Spätestens 2020 will das Daimler-Kapital die Konkurrenz wieder abgehängt haben. Worauf fußt seine „Prognose“? Einerseits sinken die Absatzzahlen, andererseits will Daimler in der Flaute in die Offensive gehen? Über welche Rezepte verfügt der Multi?

2.

Gute Nachrichten gibt es auch für das Bremer Daimler-Werk: Es wird nicht nur um Hallen u.a. für den Rohbau erweitert, für die C-Klasse der Daimler-PKWs ist es 2014 gar zum Kompetenzzentrum erklärt worden. Eine große Ehre soll das sein. Und Werkschef Kellermann ist stolz auf „seine Truppe“: „Was wir hier geschafft haben, ist ziemlich einzigartig in der Automobilindustrie!“ Und eine „wunderbare Aufgabe“ komme auf die Belegschaft zu – „was die Mitarbeiter sehr motiviert!“ IG-Metall-Betriebsräte schließen sich an: „Wir(!) sind das verantwortliche Werk!“ Darf man noch fragen, womit die Belegschaft an diesem Erfolg des Werks beteiligt ist?

3.

Von nichts kommt nichts. Der Daimler-Konzern lässt seine Werke um die Erfüllung seiner Kapitalziele konkurrieren. Und dabei hat die Bremer Belegschaft die Ansprüche des Daimler-Kapitals in Sachen Qualität, Tempo und Kosten erfüllt und die konkurrierenden Werke im In- und Ausland ausgestochen. Damit kehrt nicht Ruhe ein. Denn das ist jetzt erstens Maßstab für alle arbeitenden C-Klasse-Produzenten; und zweitens ist damit der Bremer Werksleitung „die Federführung“ für die gesamte weltweite C-Klassenfertigung übertragen, was natürlich einen Anspruch an die Zukunft im Werk Bremen darstellt: Der Vorsprung muss gehalten und ausgebaut werden. Der Bremer Werks-Chef ist sich sicher: „Die Mannschaft ist für die anstehenden Herausforderungen bestens gerüstet. Das werden wir in den kommenden Monaten unter Beweis stellen…“ (WK). Mit Sicherheit schließt das weitere schöne Aussichten für die Belegschaft ein!

4.

Worin die bestehen, gibt Chef Zetsche vor. Die Fertigungszeit für den Bau eines Autos habe sein Konzern in der letzten Zeit von 60 auf 40 Stunden reduzieren können. „Wir wollen nun auf 30 Stunden kommen,“ kündigt er an. Dass die Fertigungszeit pro PKW halbiert wird, klingt wie ein schöner Sieg der Produktivität der Arbeiter. Und? Kann die Belegschaft für die gleiche Anzahl von Limousinen weniger arbeiten, kann sie früher nach Hause, kommt sie dadurch in den Genuss von mehr Freizeit? Das hieße die Rechnung ohne die kapitalistische Zwecksetzung von Daimler machen. Bei dem Multi buchstabiert sich so ein Sieg ganz anders: Er will seine Lücke zu den Rivalen der Premiumklasse, BMW und Audi, schließen. Er will in Sachen „Absatz und Gewinn“ die Konkurrenz überholen. Dafür ist die Produktivität der Arbeit eingeplant, dafür werden die Arbeitenden eingespannt, dafür wird der Ertrag der Produktivität der Autobauer restlos vom Konzern verwendet. Was bleibt für die Arbeitenden?

5.

Wie geht Halbierung der Fertigungszeit pro Produkt eigentlich kapitalistisch? Was bedeutet sie für die Arbeit der Belegschaft? Wie wird daraus eine Waffe in Sachen „Absatz und Gewinn“ für den Multi? Was heißt das für den Lohn der Beschäftigten? Und werden sie wirklich „motiviert“?

 

Das soll geklärt werden auf der Diskussionsveranstaltung.

 

Update:

Die Aufzeichnung der Veranstaltung steht im Audio-Archiv ArguDiss zum Download bereit.

https://www.argudiss.de/wie-daimler-benz-bremen-arbeit-fuer-seinen-konkurrenzkampf-ran-nimmt-update

Teil 1: Einleitung
Teil 2: Das Bremer Werk ist „Kompetenzzentrum“. Was heißt das?
Teil 3: Was richtet die Verdrängungskonkurrenz auf dem Automobilmarkt in den Werken an?
Teil 4: HPV (Hours-per-vehicle):….
Teil 5: ein neues Aubeutungsinstrument?
Teil 6: Warum sind Betriebsräte und IGM stolz auf das Bremer Werk?
Teil 7: Wieso gelten Lohnarbeiter in der Automobilindustrie als „privilegiert“?  – Fazit
Teil 8: Diskussion

vgl:

Die Automobilindustrie

Fallstudie über eine „Schlüsselindustrie“ des Kapitalismus, den weltweiten Wettstreit der Kapitale und die Standortkonkurrenz der Nationen.

 

http://www.gegenstandpunkt.com/GSARCHIV/H/GS2006H2/GS062107DOKU.HTM

 

[ad#ad-1]

Tagged as: , , ,

Leave a Reply