Peter Schadt: Vom sachlichen Reichtum getrennt
Von webmaster • Aug. 5th, 2026 • Kategorie: AllgemeinVom sachlichen Reichtum getrennt
Dass nur die Arbeit Wert schafft, gilt als längst widerlegt, und wer sich auf »Werttheorien« beruft, als ewig gestrig. Zur Rekonstruktion einer gar nicht so trivialen Trivialität
Von Peter Schadt
Wer heute noch behauptet, die Arbeit sei die Quelle des Werts, macht sich lächerlich.
Nicht nur vor den Volkswirten, die längst wissen, dass der »subjektive Nutzen« den Preis bestimmt. Und nicht nur die Ökonomen mit ihren elaborierten Theorien vom Grenznutzen, sondern auch affirmative Geister aller Art auf Tik Tok und Co. können die Marxsche Werttheorie in einer Minute scheinbar widerlegen: Ist etwa ein Tisch besonders wertvoll, weil sein Tischler besonders faul oder inkompetent ist und deswegen länger als seine Konkurrenten braucht? Und wem das nicht reicht: Haben nicht auch Naturprodukte und der Boden einen Preis? Werden nicht Kunstwerke und Antiquitäten mit Höchstsummen dotiert, die in keinem Verhältnis stehen zur Arbeit, die zu ihrer Herstellung notwendig war?
Wissenschaftlich angeblich unhaltbar, könne eben nur aus ideologischen Gründen behauptet werden, dass die Arbeit die einzige Quelle allen Werts sei.
Grenznutzentheorie
Wert und Preis
Natur, Arbeit und Produktionsmittel
Wert und Gebrauchswert
Konkrete und abstrakte Arbeit
Geldwerter Reichtum
Wert und Ideologie
Es ist umgekehrt eine Tragödie, wenn Freunde der Marxschen Werttheorie davon überzeugt sind, mit einer ausgeklügelten mathematischen Großformel könne man die konkret geleistete Arbeit in Werte und damit in Preise transformieren, also ausrechnen, wieviel Arbeit welche Preise hervorbringt.
Man ist schlecht beraten, wenn man die Emanzipation des abstrakten vom sachlichen Reichtum, der mit dem Geld sogar eine eigene verdinglichte Form erhält, am Ende gedanklich doch wieder nicht gelten lassen will, indem man die geleistete Arbeit dann doch wieder – irgendwie – in Preise »umrechnen« will. Ganz so, als hätte Marx nicht einige Mühe darauf verwendet, den Irrsinn einer politischen Ökonomie zu kritisieren, in welcher »der Wert« als Ausdruck der Arbeit getrennt vom sachlichen Reichtum existiert und dann auch noch die Herrschaft über die Arbeit begründet; und als hätte er dagegen das im Anliegen mit der modernen Volkswirtschaftslehre sehr kompatible Projekt verfolgt, Preise prognostizieren zu wollen.
Das am Ende als angeblich immer noch durch Marxisten ungelöstes »Transformationsproblem« zu verkaufen, obwohl das mit Marx nicht geht, ist dann endgültig der Entschluss, das eigene Brett vor dem Kopf als Waffe zu nutzen.
Aus: junge Welt – Ausgabe vom 04.08.2026 | Seite 12 | Thema: Politische Ökonomie
https://www.jungewelt.de/artikel/527247.politische-ökonomie-vom-sachlichen-reichtum-getrennt.html
https://www.jungewelt.de/artikel/pdf.php?id=527247
Am Mittwoch, 5. August, erscheint zu dem Thema »Arbeit und Wert« auch eine »99 zu Eins«-Podcast-Folge mit Peter Schadt, siehe:
05.08.2026 | 20 Uhr | 99 ZU EINS | Peter Schadt: Arbeit und Wert – PÖDcast Ep. 19
