Suitbert Cechura: Soziale Marktwirtschaft – immer mehr Markt und so sozial, wie es gerade passt
Von webmaster • Aug. 3rd, 2026 • Kategorie: AllgemeinSuitbert Cechura: Soziale Marktwirtschaft – immer mehr Markt und so sozial, wie es gerade passt
„Unsere“ Marktwirtschaft ist etwas ganz Besonderes in der freien Welt. Sie kümmert sich tatsächlich um die Gesellschaftsmitglieder, die in ihr leben müssen.
Soziale Marktwirtschaft galt lange Zeit als Gütezeichen der Bundesrepublik sowohl gegenüber dem sozialistischen Osten, dessen Kritik man also ein bisschen Recht gab, als auch in Abgrenzung zu einem schrankenlosen Kapitalismus der Vergangenheit, auch wenn es seit der Gründung des deutschen Nationalstaates nie ein solches entfesseltes Monstrum gegeben hat.
Heute tritt das Soziale eher als Hindernis für den Erfolg der deutschen Wirtschaft und den (Wieder-)Aufstieg der Nation auf – und mit der Ankündigung des Renteneintrittsalters von 70 Jahren und der Abschaffung des Achtstundentags strebt die Regierung offenbar Zustände wie zu Zeiten Bismarcks an. Dieser hatte die Rente mit 70 eingeführt – und der Achtstundentag war dann ein Ergebnis des verlorenen Ersten Weltkriegs, der dem sozialdemokratischen Gedanken seinen Einfluss im neuen Staatswesen sicherte.
Das Soziale ist dabei, wie sich zeigt, ein ziemlich relative Größe. Von daher stellt sich schon die Frage, worin es eigentlich besteht und welche Bedeutung es für die Marktwirtschaft hat.
Die Tautologie der „sozialen“ Ordnung
Alle Parteien wollen irgendwie sozial sein
„Sozial ist, was Arbeit schafft“
Wenn Merz nun mit der Forderung nach einer Rente mit 70 und der Abschaffung des Achtstundentags antritt, trifft er auf eine Arbeiterschaft, die alles andere als kämpferisch ist und Widerstand androht. Stattdessen setzt sie eher auf den Erfolg „ihrer“ Firma, „ihrer“ Wirtschaft oder „ihres“ Staates, die allesamt nicht die ihren sind.
Von daher ist die Verkündung der aktuellen sozialpolitischen Ziele keine einfache Rückkehr zu den Verhältnissen der Kaiserzeit, denn damals mussten Politiker noch mit dem Widerstand einer organisierten Arbeiterschaft rechnen. Heute ist es selbstverständlich, dass sie eine nationale Ressource darstellt, wenn wieder mal ein „Griff nach der Weltmacht“ ansteht.
