Johannes Schillo: Stört die Bundeswehr den „Schulfrieden“?
Von webmaster • Juni 11th, 2026 • Kategorie: AllgemeinJohannes Schillo: Stört die Bundeswehr den „Schulfrieden“?
Ist die Erziehung zu Resilienz & Kriegstüchtigkeit unbedenklicher Bildungsauftrag? Dürfen Jugendoffiziere die Schuljugend indoktrinieren? Oder sind Waffenträger ein Fremdkörper im pädagogischen Verhältnis?
Die Bundeswehr ist allseits präsent. Nicht nur am Volkstrauertag, an dem seit dem Ende des Ersten Weltkriegs der Opfer des soldatischen Handwerks gedacht wird. Beziehungsweise nach 1933 das Andenken der nationalen Helden hochgehalten wurde, bis dann nach 1945 wieder der Charakter eines Gedenk- und Trauertags in den Vordergrund rückte.
Doch auch das ist mittlerweile Historie, denn vor dem mit Trauergedöns begangenen Herbstsonntag kommt jetzt der mit Nationalstolz aufgeblasene Veteranentag im Frühling: „Zum zweiten Mal feiert Deutschland rund um den 15. Juni 2026 den Nationalen Veteranentag. Dieser beruht auf einem Beschluss des Deutschen Bundestages und wird von der Bundesregierung ausgerichtet. Er würdigt die Leistungen aller ehemaligen und aktiven Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten – und stärkt das Band zwischen ihnen und der Gesellschaft.“
Aber nicht nur das. Das deutsche Militär ist vielfältig in der Öffentlichkeit unterwegs – auf Ausstellungen und Berufsmessen, bei Präsentationen und Feriencamps, mit Werbung auf Straßen, Plätzen oder in Kinosälen und natürlich, nicht zu vergessen, im Internet.
Dazu noch am 6. Juni mit einem eigenen „Tag der Bundeswehr“, von dem die Veranstalter dieses Jahr verlauten ließen: „Die Bundeswehr steht ganz im Dienst der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands. Als Armee der Demokratie ist sie in der Gesellschaft verwurzelt. Doch viele Menschen kommen nur selten mit dem Militär in Kontakt. Einmal im Jahr lässt sich das ändern…“
Wehrerziehung in der Schule?
Politikdidaktik: 50 Jahre „Beutelsbacher Konsens“
1. „Überwältigungsverbot“
2. „Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.“
3. „Schülerorientierung“
Gestörter Schulfrieden?
Die Schwäche eines Protests, der sich auf den anerkannten Wert Bildung beruft – bis dahin, dass etwa GEWler ganz im Sinne der herrschenden Standortlogik die optimal gebildete Jugend als wichtige Ressource der Staatenkonkurrenz anpreisen –, wird auch daran deutlich, wie der jugendliche Aufbruch und Einspruch vom deutschen Verteidigungsminister im Dezember 2025 aufgegriffen und vereinnahmt wurde: Der Nachwuchs wisse offenkundig, was die Stunde geschlagen hat und was die Nation verlangt.
Dass man in unserem freien Land den Wehrdienst – noch – öffentlich ablehnen darf, soll aus regierungsoffiziellem Blickwinkel dafür stehen, dass der Staat, der solche Freiheiten einräumt, auf jeden Fall verteidigungswürdig ist. Dafür wurde sogar das Buch von Ole Nymoen „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde“ hergenommen und der öffentlichen Debatte im TV und bei sonstigen Auftritten für wert befunden – eine erstaunliche Resonanz, die die nationalen Aufsichtsbehörden sonst unterbinden.
Aber zur Einstimmung auf den Ernst der Lage passte es dieses Mal. Auch um klarzustellen, dass dieser Standpunkt politisch im Unrecht ist und dass das Grundgesetz laut Artikel 4,3 allein auf die individuelle Gewissensentscheidung, also gewissermaßen auf einen persönlichen Defekt, Rücksicht nimmt.
Ansonsten hat die Schule treu zu den nationalen Herausforderungen zu stehen – wie in den Jahrzehnten des Kalten Kriegs und der Blockkonfrontation, als ein nuklearer Holocaust drohte; wie in den 90ern, als das deutsche Militär wieder in Aktion trat, bis hin zum völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf dem Balkan; oder wie in den 00er Jahren als die Zeit der „Armee im Einsatz“ begann, die als maßgeblicher Truppensteller überall auf dem Globus nach dem Rechten zu sehen hatte.
Und jetzt eben in der Vorbereitung auf einen Krieg, den wir „gewinnen müssen“, nämlich gegen Russland.
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