IVA: Das Buch zum Schulstreik
Von webmaster • Juni 7th, 2026 • Kategorie: AllgemeinIVA: Das Buch zum Schulstreik
Anfang Juni ist Freerk Huiskens Buch „Schule, die 5. Gewalt – Die Zurichtung des Nachwuchses für Staat und Kapital“ bei VSA erschienen. Dazu eine Information von IVA.
„Nein, es wird keine Enthüllungsstory über Prügelorgien an deutschen Schulen vorgelegt, wenn ich Schule als 5. Gewalt kennzeichne. Wie ja auch die Charakterisierung der Medienwelt als ‚4. Gewalt‘ nicht auf gewalttätige Journalisten, sondern auf eine bestimmte Funktion der Öffentlichkeit verweist.
Eine harmlose Metapher ist der Hinweis auf Gewalt dennoch nicht. Sie trifft was. Schule reiht sich ein in die ‚Gewalten‘, die für das Staatswesen eine gewichtige Rolle spielen.“ (S. 7)
So beginnt Freerk Huiskens aktuelle Publikation zur Kritik der Schule bzw. zur Auseinandersetzung mit der neuen Rolle, die dem Bildungswesen seit der „Zeitenwende“ des Jahres 2022 und dem allseits bekannt gemachten Erfordernis der „Kriegstüchtigkeit“ zukommt.
Man kann es also im Grunde als das Buch zum Schulstreik bezeichnen – auch wenn sich seine Zustimmung zur Bestreikung dieser allgemein anerkannten Einrichtung auf viel mehr richtet als auf die Notwendigkeit, der gegenwärtigen Einbeziehung in die gesellschaftliche Militarisierung mit punktuellen Maßnahmen zivilen Ungehorsam zu begegnen; und auch wenn es an zentralen Parolen der Streikbewegung wie „Geld für die Bildung statt für die Rüstung“ (die etwa von der Bildungsgewerkschaft GEW gerne aufgegriffen werden) entschieden Kritik übt.
Kritik des Friedens
Kritik der Friedenssehnsucht
Die Schwäche eines Protests, der sich auf den anerkannten Wert Bildung beruft – bis dahin, dass etwa von GEWlern ganz im Sinne der herrschenden Standortlogik die optimal gebildete Jugend als wichtige Ressource der Staatenkonkurrenz angepriesen wird –, macht Huisken auch daran deutlich, wie der jugendliche Aufbruch und Einspruch vom deutschen Verteidigungsminister aufgegriffen und vereinnahmt wurde.
Dass man in unserem freien Land den Wehrdienst öffentlich ablehnen darf, soll ja aus regierungsoffiziellem Blickwinkel dafür stehen, dass der Staat, der solche Freiheiten einräumt, auf jeden Fall verteidigungswürdig ist. Dafür wurde auch das Buch von Ole Nymoen „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde“ (Hamburg 2025) hergenommen und der öffentlichen Debatte im TV und bei sonstigen Auftritten für wert befunden – eine erstaunliche Resonanz, die die nationalen Aufsichtsbehörden sonst unterbinden.
So heißt das Schlusswort von Huiskens Streitschrift: „Die Einbildung, es sei immer irgendwie auch Sache des freien Subjekts, wie sich der Staat in der Kriegsfrage entscheide, wird durchaus von der Politik geschätzt – auch wenn da mal eine Ablehnung herauskommt. So bleibt der Wehrdienst als rein moralische Frage, der sich die Jugend stellen müsse, im Gespräch. Dafür lässt sich auch schon mal eine politische Kritik instrumentalisieren. Für die richtige Antwort wird dann schon gesorgt – was übrigens den Ole Nymoen inzwischen dazu bewogen hat, in diese Falle nicht mehr zu tappen.“ (S. 109)
https://www.i-v-a.net/doku.php?id=texts26#das_buch_zum_schulstreik
vgl. dazu:
„Der deutsche Militarismus in der Zeitenwende: Kriegsbereitschaft heute“ GS 4-25)
Fn 10:
„Die Debatte selbst ist genau die Falle, die u.a. auch dem linken Autor und Podcaster Ole Nymoen aufgestellt wird, der mit seinen kritischen Publikationen einen Konter gegen die herrschende Kriegspropaganda setzen will.
Er behandelt die vereinnahmende Gewissensfrage „Würde ich für mein Land kämpfen?“ ausdrücklich entgegen ihrem ganzen Sinn und Zweck wie eine im Ausgang offene Aufforderung zur Überprüfung des Landes statt des ich.
Es hilft bloß nichts, er wird mit seiner fundamentalen Kritik am deutschen Staat und dessen Kriegsvorbereitungen von der bürgerlichen Öffentlichkeit einfach als kontroverser Beitrag der kritischen Jugend in die Debatte um die private Kriegsbereitschaft eingemeindet und für ein paar Wochen durch die Talkshows der Republik gereicht: Interessant, diese Variante subjektiver Betroffenheit!
Dort bekommt er dann ebenso junge und nachdenkliche Deutsche gegenübergesetzt, die dagegen, unter Abstraktion von allem, worum es in diesem geplanten Krieg geht, lauter gute Gründe für sich gefunden haben, warum – bei allem Respekt vor persönlichen Meinungen und Gewissensentscheidungen gerade in einer so hochmoralischen Frage wie dem Töten und Sterben – es sich sehr wohl lohnt, für das Gute gegen das Böse, für die eigene Sicherheit, also die Deutschlands zu kämpfen.“
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/kriegsbereitschaft-heute#fnref10

IVA: Militarisierung, Schulkritik und Schulstreik
Im Juni ist Freerk Huiskens Buch zum Schulstreik, „Schule, die 5. Gewalt“, erschienen. Dazu ein Nachtrag von IVA.
„Bei der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix“. So lautete vor bald 50 Jahren eine Parole der alten Friedensbewegung, die die Ausgaben für die massive Aufrüstung bemängelte und auf die Vernachlässigung anderer Aufgaben des Staatshaushalts hinwies.
In einer Zeit, wo „Panzer statt Pädagogen“ angesagt sind (so Arnold Schölzel in der Jungen Welt vom 12.6.26), taucht diese (An-)Klage wieder auf; die kritischen Stimmen aus der Bildungsgewerkschaft GEW haben darin ihren gemeinsamen Nenner; und auch beim Schulstreik fand sie wieder Anklang.
Dass es ein politischer Fehler ist, die Staatsschule, wie sie in der BRD eingerichtet ist und ihre Funktion als „Schule der Nation“ erfüllt, gegen das neue Leitbild der „Kriegstüchtigkeit“ in Schutz zu nehmen, ist Thema in Huiskens neuer Streitschrift „Schule, die 5. Gewalt“.
IVA hat das Buch im letzten Juni-Beitrag vorgestellt. Nähere Informationen finden sich auch auf der Verlagswebsite und auf der Autorenwebsite. Wer an einem Kontakt zum Autor interessiert ist, kann sich unter info@fhuisken.de melden. Eine ausführliche Vorstellung des Buchs ist außerdem im socialnet erschienen.
Die Bundeswehr – überall präsent
Braucht die Nation Bildung statt Bomben?
Insofern täuscht sich die Bildungsgewerkschaft GEW, wenn sie Kriegsertüchtigung für „unvereinbar mit einer demokratischen Erziehung“ bezeichnet.
Natürlich kann eine Erstarken der Schulstreikbewegung den Verantwortlichen im Schuldienst unmittelbar vor Augen führen, wie viel Kontroversität die Zivilgesellschaft zu bieten hat und was kritisch gesinnte Politiklehrer gegen die offiziellen Überwältigungsansagen aufgreifen könnten. Dann muss eine Bildungsgewerkschaft aber auch die grundsätzliche Leistung der Staatsschule – die Zurichtung des Nachwuchses zu selbstbewussten Konkurrenzsubjekten, die sich nur in ihrem Nationalismus einig sind – in Frage stellen und darf nicht einfach mehr Geld für diesen Bildungsbetrieb fordern.
Oder noch schlimmer, diese militärpolitische Logik affirmieren, wie etwa beim Schulstreik in Köln geschehen. Dort ging ein GEW-Vertreter die Regierung in seiner Rede damit an, dass er sich auf den anerkannten Wert Bildung berief und ganz im Sinne der herrschenden Standortlogik die optimal gebildete Jugend als wichtige Ressource der Staatenkonkurrenz anpries, die neben dem Militär nicht vergessen werden dürfte.
Da kann Minister Pistorius nur zustimmen: Das deutsche Militär braucht keine Schlappmänner (die können ruhig verweigern) und keine Doofis, sondern gut ausgebildete und selbstbewusste Kriegshandwerker, natürlich beiderlei Geschlechts.
https://www.i-v-a.net/doku.php?id=texts26#militarisierung_schulkritik_und_schulstreik
Roberto De Lapuente: Stell dir vor, es ist Krieg – und du gehst doch hin
Junge Männer, die bekanntmachen, dass sie Deutschland in keinem Fall mit der Waffe in der Hand verteidigen würden, führen bei manchem zu Schnappatmung. Dieses Thema ist jedoch völlig bedeutungslos.
https://overton-magazin.de/hintergrund/gesellschaft/stell-dir-vor-es-ist-krieg-und-du-gehst-doch-hin/