Johannes Schillo: Immer noch zum Gruseln – das „Gespenst des Totalitarismus“
Von webmaster • Juni 1st, 2026 • Kategorie: AllgemeinJohannes Schillo: Immer noch zum Gruseln – das „Gespenst des Totalitarismus“
Die Faschisierung ist in Europa und anderswo auf dem Vormarsch. Brauchen da antifaschistische Aufklärung und politische Bildung die Unterstützung durch die Totalitarismustheorie? Ein Gespräch mit Georg Loidolt.
Kürzlich erschien eine Kritik des traditionsreichen Theorems vom „Totalitarismus“. Der machte, wie der Autor darlegt, als Kampfbegriff gegen diverse extremistische Bestrebungen Karriere und tut immer noch seine Dienste zum Schutz des „freien Westens“, auch wenn dieser heute nicht mehr wiederzuerkennen ist.
Wie man bei Wikipedia nachlesen kann, erfolgte der Startschuss im Jahr 1923, als der italienische Antifaschist Giovanni Amendola in einem Zeitungsartikel Mussolinis Regime erstmals als „sistema totalitario“ kennzeichnete – als „totalitäres System“, das „absolute und unkontrollierte Herrschaft“ anstrebe.
Eine große Denkerin in faschistischer Tradition klärt auf
(…)
Wenn man sich von diesem Kult nicht beeindrucken lassen will, dann geht es schlicht und ergreifend darum, Nachfragen zu den diversen theoretischen Leistungen Arendts zu stellen.
Und da hat man es mit einem weiten Feld zu tun: von der Zionismuskritik bis zu Statements in Sachen US-Rassismus; von der Entdeckung der „Banalität des Bösen“ im Fall Eichmann bis zum Verweis auf das banale Faktum, dass Altnazis wie Globke im Adenauerstaat ihre Heimat fanden; von den seltsamen Essays über Walter Benjamin oder Bert Brecht (mit denen Arendt kaum etwas gemein hatte) bis zur „Vita Activa“, die als Arendts philosophisches Hauptwerk gilt und deren Grundlinien sie (nach eigener Auskunft) Heidegger verdankt; und natürlich gehört die Totalitarismustheorie dazu.
Zu dieser immer noch populären Theorie hier ein Nachtrag, ein Gespräch mit dem Buchautor Georg Loidolt.
Was heißt hier schon totalitär?
Worin besteht denn nun Arendts Beitrag?
Totalitarismustheorie als Erklärung des Faschismus?
(…)
Schillo: Was kann man denn damit heute anfangen, wo eine Faschisierung in der Form stattfindet, dass „rechtspopulistische“ Bewegungen ganz korrekt ihre Wahlerfolge einfahren (worauf die Demokraten in der BRD mit Verbotsdrohungen reagieren), eine neofaschistische Frau Meloni im besten Einvernehmen mit einer christdemokratischen Frau von der Leyen steht und überhaupt demokratische Parteien eine eigene Brandmauer errichten müssen, weil die Unterschiede sonst kaum auf- bzw. ins Gewicht fallen würden?
Loidolt: Die Totalitarismustheorie kommt letztlich immer wieder mit dem Stereotyp „Gewaltherrschaft“. Da verschwinden die Unterschiede zwischen einzelnen faschistischen Bewegungen (Italien, Deutschland) und natürlich zwischen dem, was eine NSDAP oder KPdSU wollte.
Die Warnung vor Totalitarismus ist also nur eine Affirmation des Status quo, genauso wie der Kampf gegen rechten Populismus bzw. Faschismus – sofern ein solcher Kampf nicht zugleich gegen Kapitalismus und Imperialismus antritt.
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