Suitbert Cechura: KI und K1
Von webmaster • Apr. 7th, 2026 • Kategorie: AllgemeinSuitbert Cechura: KI und K1
Künstliche Intelligenz (KI) und ein Blick aufs „Kapital“ von Karl Marx, Band 1 (K1): Was ist eigentlich neu bei den technologischen Neuerungen?
Künstliche Intelligenz (KI) ist seit Jahren ein öffentliches Aufreger-Thema, wobei es sich kaum ein Artikel nehmen lässt, die vielfältigen Möglichkeiten dieser neuen Technologie hervorzuheben. Ebenso gilt es, vor deren möglichen Gefahren zu warnen, etwa in Bezug auf den Arbeitsmarkt. Aber auch Technikfantasien vom Aufstand der Roboter oder von einer Welt der Deepfakes sind hier en vogue, sogar die Auslöschung der Menschheit wurde schon befürchtet.
Dabei kam diese Alarmmeldung zum „risk of extinction“ ausgerechnet von jenen, die KI „maßgeblich entwickelt haben und weiter entwickeln“, wie Björn Hendrig 2023 in seiner KI-Reihe feststellte. Dort hatte er auch die Klassiker vom Spannungsverhältnis zwischen Fluch und Segen oder vom unvermeidlichen Blick auf die Risiken und Nebenwirkungen Revue passieren lassen.
Im Endeffekt zeigt sich: Neu mag die jeweilige „bahnbrechende“ Technologie sein, für die Argumente, die in ihrem Zusammenhang bemüht werden, gilt das nicht. Sie wirken eher alt und abgedroschen, so wie man sie seit der industriellen Revolution kennt und wie sie etwa Karl Marx in seinem „Kapital“ – erster Band, bekannt als K1 – vor 150 Jahren aufgespießt hat.
Immer das gleiche Lied
Was Technik mit uns macht
Was Technik mit uns macht
Aber jetzt im Interesse der Arbeiter!
Was er in Bezug auf den Einsatz neuer Technologien gelernt hat gegenüber den alten Maschinenstürmern, daraus macht der Dachverband der deutschen Gewerkschaften keinen Hehl: „Künstliche Intelligenz ist ein zentraler Treiber der Transformation von Arbeit und Wirtschaft. Generative Modelle – wie ChatGTP – sind da nur die Spitze des Eisbergs. Der Handlungsdruck ist groß, die technologische Entwicklung rasant. Wir wollen KI nutzen, zur Sicherung von Beschäftigung und zur nachhaltigen Aufwertung von Arbeit.“ (DGB)
Hat der DGB früher noch von Rationalisierungen gesprochen und damit ausgedrückt, weswegen neue Technologien eingesetzt werden, so redet er heute nur noch von (notwendiger) Transformation. Also davon, dass sich irgendetwas verändert oder wandelt, ganz so, als ob dies ein natürlicher Prozess wäre.
Wenn er von „Wir“ spricht in Bezug auf die Nutzung von KI, dann will er offenbar keinen Unterschied mehr kennen, zwischen sich und der Kapitalseite. Denn schließlich entscheidet auch bei noch so viel verbaler Anbiederei nicht die Gewerkschaft über den Einsatz von KI, sondern die Unternehmen tun das aus eigener Entscheidungsbefugnis.
Dabei geht es auch nicht um die Sicherung von Arbeitsplätzen, sondern darum, viele davon überflüssig zu machen.
Wenn der DGB dennoch im Einsatz von KI ein Mittel der Arbeitsplatzsicherung entdecken will, dann zeigt er, was für ihn sichere Arbeitsplätze sind: Lohnende Arbeitsplätze, mit denen sich ein Betrieb in der Konkurrenz auf dem Markt durchsetzt. Insofern ist es kein Gegensatz dazu, dass die dem Dachverband angeschlossenen Gewerkschaften jedem Abbau von Arbeitsplätzen zustimmen, wenn er ohne betriebsbedingte Kündigung, also in Form von Frühverrentung oder Abfindungen, erfolgt. Und die so betriebene Aufwertung von Arbeit besteht dann schlicht darin, dass viele monotone Tätigkeiten verschwinden und durch einen neue Monotonie ersetzt werden.
Welch ein Fortschritt! Aber über den haben sich schon vor 150 Jahren die Wirtschaftsexperten in derselben Manier ausgelassen, wie ein Blick in K1 zeigt. Kein Wunder, schließlich haben sich die politökonomischen Prinzipien der kapitalistischen Wirtschaftsweise seit dieser Zeit auch nicht geändert.
