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Georg Schuster: Ärgernis Bildung

Von • Apr. 4th, 2026 • Kategorie: Allgemein

Georg Schuster: Ärgernis Bildung

Kaum einer ist mit dem staatlichen Bildungswesen zufrieden, weil fast alle darauf angewiesen sind. Bei den vielen Forderungen, wofür es da sein sollte, bleibt meist außen vor, wofür es da ist.

Dazu ein Durchgang in drei Teilen: Bildungsexpansion (I), politökonomische Anmerkungen (II), Lernkonkurrenz (III)

1. Teil: Ärgernis Bildung: Bildungsexpansion

Es klingt zwar etwas verwunderlich, ist aber offenbar ein Faktum – und deshalb lohnt sich eine Befassung damit – dass nämlich „die größte Sorge der Deutschen nicht Krieg oder Terror, sondern das Bildungssystem ist. Eine Forsa-Umfrage [vom Dezember 2025] zeigt: Schul- und Bildungsprobleme beunruhigen mehr Menschen als islamistischer Terror, militärische Konflikte oder der Klimawandel“.

Was die Befragten eher mit Blick auf den Nachwuchs als Grund zur Sorge angaben – „Personalmangel, Digitalisierung und Chancenungleichheit“ –, unterstellt ihnen der Deutsche Philologenverband als unmittelbar nationales Anliegen, für das er sich zuständig weiß: „Die Menschen wissen: Die Zukunft unseres Landes entscheidet sich im Klassenzimmer. Sie verstehen Bildung ganz klar als priorisierte politische Aufgabe zur Sicherung unserer Demokratie, unserer Wirtschaftskraft, unserer Freiheit und Sicherheit. Wenn Politik jetzt konsequent in Bildung investiert und Leistungsförderung stärkt, kann aus der aktuellen Problemdiagnose eine Erfolgsgeschichte werden.“

„Bildungskatastrophe“

„Zappenduster“

„Strukturwandel“

Ende Teil I. Der zweite Teil befasst sich u.a. mit dem reellen akademischen Proletariat, mit dem Zugang zu den Bildungsstätten und der Chancengleichheit, die ihn gerechter machen soll und nie an ihr Ende kommt.

https://overton-magazin.de/hintergrund/wissenschaft/aergernis-bildung-bildungsexpansion/

2. Teil: Ärgernis Bildung: Politökonomische Anmerkungen

Der in Teil I umrissene Gang der marktwirtschaftlichen Geldvermehrung, den der Begriff ‚Strukturwandel‘ fehlbenennt, hat bildungswirksame Folgen.

Eine wesentliche besteht darin, dass der Staat den Bedarf seiner Wirtschaft nach ausgebildetem Arbeitsvermögen unbedingt bedienen will, dies aber nie zur vollen Zufriedenheit der Arbeitgeber erledigt. Deren entsprechende Klagen ‚vergessen‘ regelmäßig die Unwägbarkeiten ihres Wettbewerbs und hätten von der öffentlichen Hand am liebsten, dass sie dieselben ungeschehen mache. Die Behebung des ‚Fachkräftemangels‘ ist eine prominente Forderung dieses Kalibers, die so tut, als funktionierten Ausbildungssektor und Arbeitsmarkt nach Fünf-Jahres-Plänen.

Des Weiteren monieren die Unternehmer, dass Unterricht, Lehrpläne und auch Studiengänge nicht an die Bedürfnisse der modernen Arbeitswelt angepasst und dass die Schulleistungen zu schlecht und wenig praxistauglich seien, dass Fächer wie ‚Entrepreneurship‘ oder ‚Finanzbildung‘ fehlten, dass zu viel Wert auf Merkwissen und zu wenig auf die Vermittlung von ‚Zukunftskompetenzen‘ gelegt werde, dass die Bürokratie Anpassungen behindere usw.

Der unternehmerische Forderungskatalog ist zudem um Widersprüche nicht verlegen, wenn Reformen und staatliche Investitionen, aber ohne eigene Mehrkosten (z.B. durch Bildungsurlaub) verlangt, oder wenn bessere Leistungen, kürzere Durchlaufzeiten, eine höhere Durchlässigkeit, eine striktere Exzellenzförderung sowie mehr Praxis und Theorie zugleich gefordert werden.

Solche diskrepanten Ansprüche sind bei Konkurrenten um den gleichen Zweck namens Gewinnmaximierung aber nur logisch.

Akademisches Proletariat

Wahl der Bildungsstätten

„Chancengleichheit“

Ende Teil II. Der dritte und letzte Teil handelt u.a. von der Anpassung des Schulbetriebs an die Bildungsexpansion, von der Selektion durch Leistungsvergleich als Schulzweck und vom zugehörigen Narrativ der Begabung.

https://overton-magazin.de/hintergrund/wissenschaft/aergernis-bildung-politoekonomische-anmerkungen/

3. Teil: Ärgernis Bildung: Lernkonkurrenz

Anlass für die disparaten Unzufriedenheiten mit dem Schulsystem bietet immer wieder seine öffentlich begutachtete Leistungsbilanz.

„Höchst bedenklich“ findet die Presse, wenn an einigen Berliner Gymnasien Klassiker wie Goethes „Faust“ in einfacher Sprache gelesen werden oder wenn Niedersachsen die schriftliche Division aus dem Grundschullehrplan streichen will. Neben der schlechten Werte in der Mittelstufe besagt ein weiteres PISA-Ergebnis von 2022, dass jeder dritte Viertklässler nicht richtig rechnen und jeder vierte nicht richtig lesen kann. Das IQB in Berlin stellt 2024 fest, dass in Mathematik und den Naturwissenschaften die Regelstandards seltener erreicht und die Mindeststandards häufiger verpasst werden als noch 2018 und 2012. In Mathematik verfehlen ein Zehntel aller Neuntklässler den Mindeststandard für den Hauptschul- sowie ein Drittel den für den Mittleren Schulabschluss. Deutschlandweit beenden jährlich rund 50.000 Schüler ihre Schullaufbahn ohne entsprechende Qualifikation. Mehr als jeder Vierte, mit Schwerpunkt im Bachelor-Bereich und in Technik/Naturwissenschaften, verlässt das Hochschulsystem ohne akademischen Grad.

Quer durch die Republik bemängeln Gymnasial- und andere Lehrer das Leistungsniveau ihres ‚Schülermaterials‘, und an den Universitäten müht man sich dem Vernehmen nach in vielen Vorkursen mit der Herstellung von ‚Studierfähigkeit‘ ab. Usw. Da machen auch die 2,5% der Abiturienten mit Notendurchschnitt 1,0 das Kraut nicht fett.

Diese allseits beklagten Phänomene haben eine für die Öffentlichkeit unschwer ersichtliche und oft bemängelte Grundlage sowie ein tieferes Prinzip, das zwar auch bekannt ist, aber kaum kritisch verbucht wird.

Anpassungen

Selektion

„Begabungsgerecht“

Damit lässt sich der Durchgang durch die vielfältigen Ärgernisse des bürgerlichen Ausbildungswesens beenden.

Der Verhau von Unzufriedenheit, den es stiftet, ist enorm: Heranwachsende, Eltern und Pädagogen, Verbände, Stände und ‚der Steuerzahler‘, publizistische und ideelle Regierungsberater, Populisten und Kulturpessimisten rufen nach Verbesserungen. Auch der Staat meldet bei Bedarf sein Missfallen an – und hat allein die Hoheit, das Bildungssystem nach seiner Maßgabe einzurichten.

Weil die gegensätzlichen gesellschaftlichen Interessen davon abhängen, verwechseln ihre Inhaber diese Leistung – statt sie zu durchdringen – gerne mit einer Abfolge politischer Irrungen und Versäumnisse. So bleibt die Kritik stets konstruktiv, ohne ihre Anlässe zu verlieren. Die Masse der Bürger mit überschaubarem Einkommen kommt auch dabei nur schlecht weg.

https://overton-magazin.de/hintergrund/wissenschaft/aergernis-bildung-lernkonkurrenz/

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