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Björn Hendrig: Korruption, Doping und Siege für „uns“ (Leistungssport – Teil 2)

Von • März 12th, 2026 • Kategorie: Allgemein

Björn Hendrig:
Korruption, Doping und Siege für „uns“: Vom Fordern und Fördern des Leistungssport

Anhänger des Leistungssports begeistern sich für „ihren“ Verein und „ihre“ Nationalmannschaften. Siegen sollen sie gegen alle anderen, „uns“ zur Ehre gereichen (siehe: „Konkurrenz und Patriotismus: So lieben wir den Leistungssport“ – Teil 1). Das aber bitte ohne Schiebung, Bestechung und ohne die Einnahme unerlaubter leistungsfördernder Mittel. Passiert aber trotzdem, wie auch immer wieder Niederlagen bei internationalen Wettkämpfen zeigen. Deshalb zieht die deutsche Sportpolitik nun andere Saiten auf. 

Wie es im richtigen kapitalistischen Leben halt so ist: Korruption findet auch im Profisport statt. Geschobene Spiele durch Schiedsrichter oder Akteure, Betrug mit Wetten auf Ergebnisse, und der gewissermaßen Klassiker, wenn beim Boxen von vornherein feststeht, wer gewinnt und wer verliert. 

Der gemeinsame Nenner ist kein Geheimnis – es lautet Geld. Im Kampf darum sind zwar nicht alle Mittel erlaubt. Aber wer mit den erlaubten keinen Erfolg hat, versucht es mit den nicht erlaubten.

Ein Grund für eine weitere Unart im Leistungssport, das Doping. Zwar hat es auch im Profi-Fußball schon einige Fälle von unerlaubten Einnahmen leistungsfördernder Mittel gegeben. Weit verbreiteter ist das allerdings bekanntermaßen im Radsport und anderen Ausdauersportarten. Da wirken Anabolika, Stimulanzien, Wachstumshormone, Erythropoetin (Epo) oder Blutwäsche sehr effektiv auf die geforderte Leistung. Daraus entsteht ein dauerhaftes Wettrennen zwischen den immer wieder besseren und schwerer nachzuweisenden Stoffen auf der einen Seite und den Kontrolleuren auf der anderen, die versuchen, ihnen auf die Spur zu kommen. Meist haben die Kontrolleure das Nachsehen.

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Dass Deutschland einen ungleich größeren Anspruch auf internationale sportliche Erfolge hat als Länder wie Bolivien, Kamerun, Pakistan, Vietnam oder die Philippinen, leuchtet sowohl den hiesigen Medien als auch Otto Normalfan ein. Das neue Sportfördergesetz wird daran gemessen werden: Sorgt es für mehr Gewinner? Auf die „wir“ stolz sein können, weil sie die deutsche Fahne bei den Siegerehrungen häufiger schwenken und um ihre gestählten Körper wickeln als bisher?

Der Medaillenspiegel bei den Olympiaden wird es zeigen, wie auch die kommenden Welt- und Europameisterschaften in zahllosen Disziplinen. Der Nationalismus, soweit die gute Nachricht, tobt sich dort ohne die Anwendung von Gewalt aus. Die schlechte Nachricht indes lautet: Genau dieser Nationalismus ist die ideologische Basis, auf der der Wettkampf der Nationen mit Gewalt bestritten wird. „Wir“ gegen „die“ funktioniert auf allen Ebenen – beim Heimatverein wie bei der Nationalmannschaft.

Und wenn es demnächst heißen sollte „wir“ gegen „die“ in Russland, sind die Sportfans bestens vorgebildet. Politik, Verbände und Medien bläuen ihnen schließlich ständig ein, dass dort der nächste Feind steht – und deshalb zu Recht dessen Sportler von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen werden.

Wenn man sich das alles vergegenwärtigt: Die absurde Begeisterung für „meinen Verein“, die brutale Konkurrenz der Sportler um Sieg und Geld, das entsprechend knallharte Geschäft damit, die Heuchelei der Öffentlichkeit und der unvermeidliche Betrug, das Messen der nationalen Überlegenheit an Titeln und Medaillen – dann kann einem die Lust am Zuschauen vergehen.

Und doch sieht man immer wieder hin und wundert sich, wie man an einer solchen Veranstaltung Gefallen finden kann.

https://overton-magazin.de/top-story/korruption-doping-und-siege-fuer-uns-vom-fordern-und-foerdern-des-leistungssports/

Siehe auch Teil 1:

Konkurrenz und Patriotismus: So lieben wir den Leistungssport!

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