Peter Schadt: Zur Ware gemacht
Von webmaster • März 6th, 2026 • Kategorie: AllgemeinZur Ware gemacht
Warum Informationen wertlos, aber millionenschwer sind – und andere Widersprüche. Für eine Werttheorie im 21. Jahrhundert
Von Peter Schadt
Bei dem folgenden Text handelt es sich um einen leicht überarbeiteten und ins Deutsche übersetzten Vortrag, der im Rahmen der internationalen Konferenz »Future of Work: Exploring how Digitalisation reshapes work organisation and possible regulatory responses« des gewerkschaftlichen European Trade Union Institute (ETUI) in Brüssel am 11. Februar 2026 gehalten wurde. (jW)
Ich freue mich sehr, heute hier einige Ergebnisse meiner Habilitation vorstellen zu können, die ich in acht Wochen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen–Nürnberg einreichen werde und die ich im Rahmen meines Forschungsprojekts zu einer »Kritik der politischen Ökonomie der Digitalisierung« erarbeitet habe.
Der Titel meines Vortrags lautete: »Data are worthless but have a price: the digitalisation of labour processes as a challenge for value theory in the 21st century« (Daten sind wertlos, haben aber einen Preis: die Digitalisierung von Arbeitsprozessen als Herausforderung für die Werttheorie im 21. Jahrhundert). Der Titel verweist auf eine provokante These: Daten beziehungsweise Informationen sind wertlos und haben doch einen Preis.
Staat und Privateigentum
Wertgesetz und Scheinsubjekt
Carearbeit und Stoffwechsel
Informationsarbeit
Wertlose Natur
Das sind die Eckpfeiler meiner Untersuchung. In meiner Habilitation argumentiere ich, dass die moderne Makroökonomie mit ihrer subjektiven Wertlehre die Ökonomie grundlegend verkennt. Es ist vielmehr die alte, so oft für tot erklärte objektive Werttheorie, die uns erlaubt, die Digitalisierung zu verstehen.
Und gerade jene vermeintlichen »Fehler«, die seit über hundert Jahren diskutiert werden – das angebliche Versagen, Carearbeit zu berücksichtigen, und die vermeintliche Blindheit gegenüber ökologischen Fragen –, erweisen sich als Stärke dieser Theorie. Sie machen sichtbar, dass Wert nicht als vermeintlich »Anerkennung« gesellschaftlich notwendiger Arbeiten für die Gesellschaft oder die Natur als Quelle aller Gebrauchswerte missverstanden werden sollte, sondern die spezifische Form gesellschaftlichen Reichtums in einer auf Privateigentum gegründeten Produktionsweise ist.
Entsprechend geht es auch nicht darum, Fürsorgearbeit und Umwelt als Wertquellen »anzuerkennen«, sondern damit Schluss zu machen, dass der gesellschaftliche Stoffwechsel über weite Strecken stattfindet als ein sich hinter dem Rücken der Akteure vollziehendes Abfallprodukt von lauter Charaktermasken, deren Motiv die Vermehrung ihres Eigentums ist.
Peter Schadt ist Sozialwissenschaftler. Er schrieb an dieser Stelle zuletzt am 27. Oktober 2025 über Yanis Varoufakis’ Buch »Technofeudalismus«: »Wolkenwirtschaft«
Aus: junge Welt – Ausgabe vom 04.03.2026 / Seite 12 / Thema: Digitaler Kapitalismus
https://www.jungewelt.de/artikel/518459.digitaler-kapitalismus-zur-ware-gemacht.html
