Suitbert Cechura: Die Verrenkungen des deutschen Qualitätsjournalismus beim Entdecken des US-Imperialismus
Von webmaster • Feb. 5th, 2026 • Kategorie: AllgemeinSuitbert Cechura: Die Verrenkungen des deutschen Qualitätsjournalismus beim Entdecken des US-Imperialismus
Mit seinen Äußerungen hat Trump die fundamentale Legende blamiert, die zum Grundbestand der hiesigen Medien gehört: Amerika ist der Hort westlicher Werte wie Demokratie, Freiheit, Menschen- & Völkerrecht.
Aber einfach ihr Weltbild aufgeben und die eigene, jahrzehntelange (Selbst-)Täuschung eingestehen, das will man nicht.
Trump schockt alle Welt – und die Presse speziell, die doch ihre Aufgabe darin sieht, die Ansagen „unserer“ Regierenden bzw. der befreundeten Machthaber dem Publikum nahezubringen und verständlich zu machen. Auf volles Einverständnis wird dabei nicht gesetzt, besteht doch die politische Klasse aus lauter Konkurrenten, die einander die Kompetenz streitig machen. Aber Verständnis für die schwere Arbeit der Amtsinhaber muss allemal herauskommen.
Im Fall Trump ist das nun anders. Nicht nur das breite Publikum, auch die Welt der Experten und Profis ist irritiert. „Trumpverstehen“ wird zu einer regelrechten Herausforderung.
Zuletzt haben einige Ereignisse den Medienbetrieb in besonderen Aufruhr versetzt, wobei die einschlägige Liste möglicherweise schon bei Erscheinen dieses Kommentars veraltet ist: der Militärschlag gegen Venezuela mit der Entführung des Präsidenten und seiner Frau; die Ankündigung, Grönland den USA einzuverleiben; das Interview mit der New York Times vom 8. Januar („Ich brauche kein internationales Recht“…), danach dann die Gründung eines „Friedensrates“ oder die Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos…
Trumps Dementi – eine Blamage der Schönredner
Anerkennung & Enttäuschung – in professioneller Kombi
Relativierung der Kritik, weil zu komplex
Die USA – allemal besser als Trump
Europa – der einzig wahre Hoffnungsträger
Dass Deutschland und Europa maßgeblich und im großen Umfang bei allen Aktionen der USA mitgemacht oder diese unterstützt haben, kann den Glauben der Münchener Blattmacher nicht erschüttern: Auf dem europäischen Kontinent ist nach wie vor der Hort der Werte anzusiedeln. „Europa beginnt, wenn auch zögerlich, die Kräfte seiner Selbstbehauptung zu entdecken. In dieser postliberalen Welt müssen sich die Demokratien dringend zusammenschließen…“ (Joachim Käppner, „Donald Trump – Der Imperialist“)
So muss die Welt aus Sicht der SZ neu sortiert werden: Wer zum Kreis der Demokratien gehört und wer nicht, wann ein Politiker das Etikett „autokratisch“ verdient und wann nicht, wo ein „Regime“ herrscht oder eine normale Regierung – all das entscheidet sich an der Stellung zu Europa oder Deutschland. Dabei können übrigens auch einzelne Staaten aus der EU unter das Autokratie-Verdikt fallen, wenn es den Führungsmächten, also letztlich „uns“, nicht passt.
Damit demonstriert das Münchner Blatt, was den Kern all seiner Botschaften ausmacht und woran es die Welt und auch die eigene Politiker misst: Bringen sie Deutschland voran oder nicht? So geht eben Nationalismus, der sich selber als liberal und wertebewusst versteht und – zur Zeit jedenfalls – in der alten Führungsmacht des Westens sein Gegenbild zeichnet.
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