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Gruppe Widerspruch: „Niemand, wirklich niemand, muss eine Knarre in die Hand nehmen, wenn er das nicht will.” – Von wegen!

Von • Jan. 13th, 2026 • Kategorie: Allgemein

Gruppe Widerspruch: „Niemand, wirklich niemand, muss eine Knarre in die Hand nehmen, wenn er das nicht will.” – Von wegen!

Ein paar Klarstellungen zu Wehrpflicht, Krieg und Staat anhand des Podcasts „Lage der Nation“, Folgen 458 und 459.

Der linksliberale Podcast „Lage der Nation“ befasst sich in seiner 458. Folge mit dem Wehrdienst und denjenigen, die ihn ablehnen und sich im Zweifelsfall auch aus Deutschland „verpissen“ würden. In der darauffolgenden Folge 459 wird nochmal kurz die Debatte rekapituliert und der Einwand eines Hörers abgebügelt.

Hintergrund ist eine Umfrage bei den eigenen Hörer:innen, bei der der größere Teil der Befragten sich von der Aussicht für Deutschland zu kämpfen eher mäßig begeistert zeigt und einige auch angeben, im Zweifelsfall aus der BRD fliehen zu wollen. Das nehmen die beiden Lage-Podcaster in Folge 458 zum Anlass, sich mal mit der „intellektuellen Unterfütterung“ (bzw. der moralischen Begründung) dieser Position zu befassen. Und tun es am Beispiel des Theaterregisseurs Thomas Ostermeier und – weil der sich auf das Buch „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde“ beruft – dem des Autors Ole Nymoen. (..)

Wir haben das zum Anlass genommen, die Argumentation „der Lage“ unsererseits mal „daraufhin zu befragen, ob sie eigentlich überzeugend und schlüssig ist“.

I. Zur Kriegsdienstverweigerung

II. Von Rechten und Pflichten

III. Oh du schönes Deutschland?

Anmerkung zu legitimer Kritik und Alternativen

IV. Zur ganz besonderen Güte der Bundeswehr

V. Imperialismus? Das machen doch nur die Anderen!

Der gesamten Argumentation der beiden Podcaster ist ein Szenario vorausgesetzt in dem „Russland Europa erobern will“. Mit dem Schreckensbild einer russischen Besatzung der BRD versuchen sie ihre Hörer:innen für die Beteiligung an der deutschen Kriegstüchtigkeit zu agitieren.

Mal abgesehen davon, ob Russland das wirklich will und kann ist auch hier wieder die Ignoranz gegenüber den Inhalten der verschiedenen – diesmal imperialistischen – Interessen, die im Ukrainekrieg gegeneinander stehen bemerkenswert: Der ganze Gegensatz zwischen der EU und Russland löst sich für die Podcaster darin auf, dass sie in Freiheit leben wollen, und Putin sie unterdrücken wolle. Der eigentliche Gehalt des Stellvertreterkrieges in der Ukraine interessiert die beiden nicht die Bohne: Ob Russland eine Weltmacht ist, die ihren Interessen und Ansprüchen Geltung verschaffen kann – oder nur eine Regionalmacht als Rohstofflieferant für die EU unter deutscher Führung. (Mehr dazu: https://widerspruch.noblogs.org/post/2024/04/17/laeuft-gerade-nicht-so-gut-ueber-einige-aktuelle-schwierigkeiten-des-demokratischen-imperialismus/)

Dass Putin & Co. demokratische Wahlen für die falsche Methode der Führerauswahl halten, und in den westlichen Freiheiten eine Gefährdung von Staat und Volk sehen – das ist schon so. Aber das ist nicht der weltpolitische Gegensatz zwischen russischem und deutschem Imperialismus, und weder der Grund für den Krieg, noch ist die Abschaffung westlicher Bürger:innenfreiheiten das wesentliche Kriegsziel Russlands.

Es geht darum, wer die Ordnung der Welt bestimmen kann, welcher Staat seine politischen und ökonomischen Interessen durchsetzen und anderen Staaten ihre Berücksichtigung aufzwingen kann.

Dafür sollt ihr euch umbringen lassen? Also, wenn ihr uns fragt Leute: Bleibt bloß weg von der Armee!

https://widerspruch.noblogs.org/post/2026/01/11/niemand-wirklich-niemand-muss-eine-knarre-in-die-hand-nehmen-wenn-er-das-nicht-will-von-wegen/

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