contradictio.de

Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

Suitbert Cechura: Was der Bürger so alles schluckt…

Von • Dez. 8th, 2025 • Kategorie: Allgemein

Suitbert Cechura: Was der Bürger so alles schluckt…

Was der Bürger so trinkt oder isst, sollte man ihm überlassen. Bemerkenswert aber, was er sich von Politik und Marktwirtschaft alles auftischen lässt.

Da kommt ja aktuell einiges zusammen und die Medien haben keine Hemmungen, die Zumutungen auszuposaunen. Die Meldungen darüber, wie das sauer verdiente Geld ständig weniger wert wird durch Inflation, steigende Mieten oder Abgaben, sind allgegenwärtig. Dennoch meint der Kanzler, der Bürger würde es sich zu bequem machen. Er müsse mehr arbeiten und seine Arbeitsministerin ist schon dabei, die Begrenzung bei der täglichen Arbeitszeit aufzuheben.

Obgleich das Geld weniger wert wird, werden Lohn und Gehalt von der Politik als der legendäre Selbstbedienungsladen gehandhabt, bei dem man nur zuzugreifen braucht: Die Steuerbelastung steigt automatisch mit dem nominellen Anstieg der Löhne; die Sozialabgaben werden erhöht, während die Leistungen sinken; und es ist auch immer wieder in der Diskussion, dass länger gearbeitet werden muss bis zum Erreichen der Rente.

All das ist offenbar kein Grund zu Aufregung und Protest. Vielmehr wird eher nachgefragt – unter Anleitung eines verständnisvollen Journalismus –, was noch alles auf einen zukommt, und so signalisiert, dass man bereit ist, sich auf harte Zeiten einzustellen und das Beste draus zu machen.

Bei diesem Arrangement hat man also einiges zu schlucken, auch im buchstäblichen Sinne. Das Ganze geht nämlich auf Kosten der Gesundheit, die landläufig als das höchste Gut bezeichnet wird.

Das Zurechtkommen als Stress

Leben in einer vergifteten Welt

Geistige Vergiftung

Für die umfassende Ruinierung der Gesundheit gibt es eine seltsame Erklärung, die der Bürger erst einmal schlucken muss: „Einige der wichtigsten Risikofaktoren und Hauptursachen für das Entstehen von Volkskrankheiten sind: Ungesunde Ernährung… Bewegungsmangel… Rauchen und Alkoholkonsum… Stress.“ Auffällig ist zunächst, dass es die gleichen Mittel sind, die gegen ganz unterschiedliche Krankheiten helfen sollen. Verwiesen wird dabei auf Risikofaktoren wie auf Ursachen – was aber einen großen Unterschied macht. Während Ursachen auf biochemische oder physikalische Gründe verweisen, wie z.B. die Wirkung von Giften auf den Zellkern, sind Risikofaktoren statistisch ermittelt und können auf sinnvolle Zusammenhänge hinweisen sowie unsinnige suggerieren.

So ist zum Beispiel Stress ein Zustand der Anspannung und kein Grund. Die Gründe für den Stress liegen in der Überbeanspruchung durch das Arbeitsleben, im Zeitmangel, der auch das private Leben belastet und Erholung kaum zulässt, so dass die berühmte Work-Life-Balance überhaupt in Frage gestellt wird. Verzicht auf Alkohol und Rauchen kann Krebs durch Nanoplastik nicht verhindern. Zudem stellt sich die Frage, warum Menschen, die keine Berge besteigen oder Marathon laufen wollen, sich ständig bewegen und trainieren sollen.

Offenbar verlangt der kapitalistische Alltag einen auf Hochleistung trainierten Körper, um die ständige Überlastung halbwegs zu ertragen.

Ferner ist es für den Normalkonsumenten schwierig, gesunde von ungesunder Ernährung zu unterscheiden. Picken doch auch Bio-Hühner Dioxine auf, so dass sich der Stoff in den Eiern findet. Glyphosat bleibt auch nicht nur dort, wo es gespritzt wird, sondern weht auf andere Felder. Deshalb wehren sich Bio-Bauern gegen strengere Grenzwerte bei ihren Produkten, denn auch sie können der umfassenden Vergiftung der Umwelt nicht entgegenwirken.

Deshalb wird zwischen vermeidbaren und nicht vermeidbaren Risikofaktoren unterschieden – und damit letztendlich die Ursache den Betroffenen zugeschoben. Deren Rauchen, Alkoholgenuss, Essen und Trägheit ist vermeidbarer Grund für all die Volkskrankheiten, während die umfassenden Schädigungen durch Industrie und Handel unvermeidbar sind, weil für den Geschäftserfolg der Nation notwendig. Und an dem will ja keiner rütteln, also muss man das Ganze schlucken.

https://overton-magazin.de/top-story/was-der-buerger-so-alles-schluckt/

11 Responses »

  1. Es ist Vorsicht damit geboten, Schädigung als Zwangsläufigkeit der kapitalistischen Produktionsweise zu sehen. Schaden ist nicht der Zweck der Wirtschaftsweise, sondern Folge. Es geht um Ausbeutung und die kann auch ohne Schädigung stattfinden. Es leuchtet nämlich bürgerlichem Staat und Kapitalisten ein, Profit gerade dann und deswegen zu generieren, ohne dabei seine Arbeitskräfte zu schädigen, und dabei sogar Extraprofit einzustreichen. Ähnlich verhält es sich ja mit dem „grünen“ Kapitalismus.
    (Im Krieg sieht das schon ganz anders aus. Da geht es unmittelbar ums Töten, was streng genommen jedoch auch nicht der Zweck, sondern Mittel dazu ist, so lange bis es eben zynischerweise nichts mehr zum Töten gibt.)

  2. „Es geht um Ausbeutung und die kann auch ohne Schädigung stattfinden.“
    Aha, und wie soll das gehen? Arbeit an einem kapitalistischen Arbeitsplatz ist immer Verschleiß von Arbeitskraft, also Schädigung von Physis und Geist. Es mag unterschiedliche Grade der Schädigung geben, das war’s aber auch schon. Und es gibt auch keinen „grünen“ Kapitalismus – eben wegen seines Zwecks, aus Geld mehr Geld zu machen. Dem ist die gesamte Benutzung von Mensch und Natur untergeordnet, und deshalb kommt es zwangsläufig, notwendigerweise zur Ruinierung von beidem. Der Staat hat in seinen Abteilungen Sozialstaat und Umweltschutz dementsprechend laufend damit zu tun, die fortlaufende Schädigung zu moderieren, um sie auf Dauer zu stellen, also irgendwie haltbar zu machen – für ihn selbst. Dass dabei laufend Leute über den Jordan gehen und die natürlichen Lebensgrundlagen ruiniert werden, ist darin eingepreist.

  3. „“Wie soll das gehen?“ Das ist die falsche Fragestellung bzw. nimmt nicht das ernst, was ich in Zweck und Resultat kapitalistischer Ausbeutung unterschieden habe. Nochmal: Zweck ist nicht Schädigung. „Arbeit an einem kapitalistischen Arbeitsplatz ist immer Verschleiß von Arbeitskraft, also Schädigung von Physis und Geist.“ Verschleiß von Hirn, Muskel usw. schon, aber das ist nicht gleich Schädigung, die es selbstverständlich am laufenden Band gibt, natürlich. Im übrigen ist Arbeit immer erstmal Verschleiß, auch unter nicht-kapitalistischen Verhältnissen. Nur da lebt die Arbeit von ihren Resultaten, d. h. der Wiederherstellung der verbrauchten Arbeitskraft bzw. wird daran gearbeitet, das Verschleiß gar nicht mehr nötig ist.
    Warum sollte es denn keinen „grünen“ Kapitalismus geben?! Das kann man doch an der grünen Partei sehen, die es zumindest in ihrem Anteil an Regierung beweisen haben, wie schön Profit im Einklang mit der Natur gehen… Es ist ein Verharmlosung, dies zu verneinen.
    Ich habe keine Begründung für das notwendigerweise gelesen, sondern nur die Aussage, dass es im Kapitalismus eben so ist, wie es ist.

  4. Warum gibt es Arbeitsschutzgesetze? Weil das Kapital sich möglichst viel Arbeit aneignen will. Da gibt es keine Grenze.
    Warum muss der Staat Grenzwerte für Schadstoffe festlegen, die Umstellung z.B. auf grünen Stahl mit hohen Subventionen befördern. Beim Strompreis interessiert das Kapital nur die Höhe, nicht wie der Strom produziert wird. Es gibt „grünen Kapitalismus“ wenn der Staat dafür sorgt, dass es sich fürs Kapital im internationalen Vergleich rechnet einschließlich einer von der Konkurrenz abschirmenden Zollpolitik, aber auch nur dann. In seinem Wesen nimmt das Kapital gerne Geldzuschüsse vom Staat, würde aber von selbst nie darauf kommen „grün“ zu werden. Die Farbe des Kapitals ist Silber und Gold.

  5. Kleine Ergänzung:
    Warum werden die Umweltschutzgesetze in Europa gerade zurückgefahren? Weil Europa als Kapitalstandort droht abgehängt zu werden.
    Zur Farbe des Kapitals: Das Kapital ist natürlich nicht Onkel Dagobert, es ist ein Kreislauf.

  6. @roteZora: Ich verstehe deine Unterscheidung nicht: „Verschleiß der Arbeitskraft ist keine Schädigung, jedenfalls nicht immer.“ Warum nicht? Oder anders gefragt: Dass es Schädigung – durch den Kapitalismus, da sind wir uns doch einig? – gibt, willst du offenbar schon behaupten. Worin besteht die denn? Wer oder was wird denn da wie und weshalb ge- oder beschädigt?
    Dass man auch im Kommunismus seinen Grips und seine Muskeln anspannen muss, um zu etwas zu kommen, ist doch selbstverständlich, ist aber ein ganz anderes Thema. Du hast ja auch angedeutet, dass die Gesellschaft da ein ganz anderes Verhältnis zur Arbeit, zum notwendigen Aufwand, einnimmt als im Kapitalismus. Da geht es um so Fragen wie: Wollen wir uns den Arbeitsaufwand leisten, um den gewünschten Gebrauchswert X herzustellen? Da wird die Arbeitskraft eben nicht als „Verschleißteil“ gebraucht, denn die soll ja schließlich die Arbeitsergebnisse auch noch genießen können.

  7. Dass es Schädigung nicht gibt, war nicht die Behauptung. Vielmehr sollte Schädigung nicht mit Ausbeutung gleichgesetzt werden.
    Wo es heißt, aus Geld mehr Geld zu machen, wird Arbeit profitabel eingesetzt. Das ist Ausbeutung. Das ist das eine. Wie das, also Arbeit profitabel anzuwenden, dann organisiert wird und ist, ist das andere. Daraus folgt einerseits, aus der Arbeit bis zum Geht-Nicht-Mehr herauszuholen, was Grade der Schädigung nach sich zieht. Andererseits steckt da auch drin, die Arbeit so anzuwenden, dass sie profitabel ist, ohne dabei eine Schädigung nach sich zu ziehen. Das kennt man aus der Arbeitswelt an mehr Arbeitsresultaten, die dem Arbeiter jnn Form höherer Löhne überlassen werden, Arbeitsplätze ergonomisch einzurichten bis hin zu familienfreundlicher Arbeitszeit. Die großen social Media-Firmen in den USA fallen einem da ein oder der verstorbene ehemalige Vorsteher von DM, der verfolgte, dass sich die von ihm angewendete Arbeitskraft „wohl fühlt“. Will sagen, dass sind Art und Weisen, die Arbeit so herzurichten, dass sie profitabel ist und sich zugleich nicht selber durch ihre Grundlage untergräbt. Das hängt natürlich vom politischen Rahmen bzw. Marktlage ab, dies praktizieren zu können. Jedenfalls gibt es das. Wer damit anfangen hat oder wo das herkommt zu diskutieren, ist hierbei nicht zielführend.

    @Wolfgang: „Das Kapital“ hat den gemeinsamen Zweck der Gewinnmaximierung, ist aber keine „starre Masse“ im luftleeren Raum! Da stehen schon unterschiedliche Subjekte dahinter, die ihren Zweck gegeneinander und unterschiedlich, je nach individueller Prägung organisieren. Und wenn Umweltschutzgesetze zurückgefahren werden, dann haben sie existiert. Dass das „Konjunkturen“ hat, ist mir schon klar.
    Na, und ob Kapitalisten nicht selber draufkommen, wäre ich vorsichtig mit der Behauptung. Ich denke da an die Fuggerei in Augsburg (aus der Zeit, als das Handelskapital noch lokal begrenzt war) oder die Zeiss-Stiftung in Jena. Auf jeden Fall wäre es fatal nachweisen zu wollen, dass es das nicht gibt… Was hat man davon? Besser ist das Kapital ja deswegen auch nicht!

  8. Ich verstehe dich immer noch nicht bzw. meine, dass du dich in Widersprüche verwickelst.: Einerseits redest du davon, dass es im Kapitalismus darauf ankommt, aus der Arbeit möglichst viel (notwendige Ergänzung: Geld, Wert) herauszuholen, weshalb sie möglichst intensiv und möglichst lange geleistet werden soll. Dabei kommen dann all die „Berufskrankheiten“ heraus, die man heute so kennt. Im Kapitalismus kann nie genug gearbeitet werden [derzeit ist wieder viel die Rede davon, dass „die Deutschen“ im Vergleich zu anderen Nationen „zu wenig“ arbeiten…]; das liegt an dem in sich maßlosen Zweck, aus (vorgeschossenem) Geld mehr Geld zu machen. Der Zweck ist dir ja auch klar. Wie kannst du da andererseits schreiben, dass genau in diesem Zweck drin steckt, „die Arbeit so anzuwenden, dass sie profitabel ist, ohne eine Schädigung nach sich zu ziehen“? Wieso sollen „höhere Löhne“ gegen Schädigung durch Arbeitsbelastung sprechen? Mit „höheren Löhnen“ (z.B. für Überstunden, Nachtarbeit) werden Leute doch gerade zu einer freiwilligen Schädigung ihrer Gesundheit erpresst. Du bringst das Stichwort „Ergonomie“: Damit sollen die Arbeitsplätze doch bloß dauerhaft aushaltbar gemacht werden, also dauerhaft für das Kapital nützlich bleiben, die damit einhergehende Belastung wird damit in keinster Weise reduziert.

  9. Das ist kein Widerspruch, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Dass Arbeit im Kapitalismus Mehrwert zu schaffen hat, ist klar. Wie die Verausgabung der Arbeit konkret „ausgestaltet“ ist, ist eine andere Frage bzw. kann unterschiedlich sein. Aus der Arbeit möglichst viel rausholen muss nicht heißen, viel Arbeit zu leisten oder Verschleiß: Es gibt nämlich Kapitalisten, die die Schädigung ihrer Arbeiter durch die Arbeit als Hindernis für den Zweck sehen, Mehrwert schaffen zu lassen, so dass die Arbeit dann dementsprechend hergerichtet wird. Da stimmt dann der Satz, wonach der Kapitalist nur so viel Zahl wie zum (Über -)leben der Arbeiter benötigt nur bedingt. Es werden durchaus Löhne gezahlt, die über dem Mindestlohn liegen ohne, dass eine Arbeitsverdichtung einhergeht. Außerdem werden 13. Monatsgehälter gezahlt usw. Weiterhin muss die Tatsache, dass dem Arbeiter Maschinen vor die Füße gestellt werden, nicht auch gleich heißen, dass Arbeit intensiver und Verschleiß höher sind; der Ausstoß kann auch so mehr sein. Noch ein Wort zu Ergonomie: früher haben Berufskraftfahrer einen kaputten Rücken gehabt. Heute gibt es gefederte Sitze. Die Berufskrankheit existiert somit nicht mehr, sodass man nicht einfach sagen kann, dass was aushaltbar geworden wäre. Vielleicht sind ja die Arbeitsorte der social Media Firmen in Kalifornien bekannt, die so eingerichtet werden, dass sich der Arbeiter wie zu Hause fühlt. Und siehe da, die Arbeit dort ist trotzdem profitabel, obwohl die Firmen sich das einiges kosten lassen.

  10. Willst du meinen Ausführungen etwa die Behauptung entnommen haben, der Kapitalist zahle nur so viel, wie zum (Über-)Leben der Arbeiter nötig? Diese Behauptung halte ich noch nicht einmal für bedingt richtig oder falsch, sondern für grundverkehrt, denn die Bezahlung der dem Kapital dienstbaren Arbeitskräfte folgt diesem Kriterium gar nicht, sondern bemisst sich einzig danach, dass sie sich lohnt, also genügend, auf jeden Fall reichlich Leistung der Arbeitskräfte mobilisiert, die in geldwerten Überschüssen resultiert. (Wer dann wie viel Lohn für welche Arbeit erhält, liegt im freien Ermessen des Kapitalisten – sofern die Lohnabhängigen sich nicht organisiert aufstellen und dieser Freiheit Schranken setzen, um das Verhältnis von Lohn und Leistung ein wenig zu ihren Gunsten zu verschieben.) Der gezahlte Lohn und die vom Kapital eingerichteten Arbeitsplätze sind stets Mittel für den Zweck, möglichst viel geldwerte Leistung zu mobilisieren, sind also Mittel der Ausbeutung, und dabei kommen die Lohnabhängigen immer schlecht weg, die einen mehr – insbesondere übrigens diejenigen, die die dreckigsten, eintönigsten, anstrengendsten, „einfachsten“ Arbeiten zu erledigen haben und am schlechtesten bezahlt werden –, die anderen weniger; Programmierern werden z.B. Freiheiten bei der Arbeitszeitgestaltung zugestanden, sie dürfen während der Arbeitszeit in Lounges rumlümmeln, oder was weiß ich tun, und verdienen vergleichsweise viel Geld – alles zu dem Zweck, möglichst viel Leistung für die Firma zu mobilisieren. Deswegen stimmt dein „profitabel, obwohl“ auch nicht. Wenn Firmen vergleichsweise komfortable Arbeitsbedingungen einrichten, dann eben weil die gerade in dieser Ausgestaltung und mit dieser Bezahlung Mittel für den Gewinn des Unternehmens sind. Und auf diesen so netten Arbeitsplätzen dürfen die Programmierer etc. pp. ihr Gehirnschmalz stunden-, tage-, monate-, jahrelang für die Firma einsetzen. Du hältst das offenbar für ein attraktives Angebot.

    Noch ein Wort zu den sogenannten „Berufskrankheiten“. Das ist eine ideologische Bezeichnung, die so tut, als gehe mit bestimmten Tätigkeiten ganz selbstverständlich eine bestimmte Erkrankung einher: Wer im Bergwerk arbeitet, bekommt eine Staublunge; wer viel am Schreibtisch sitzt, „hat Rücken“ usw. usf. Nein, da schlägt das kapitalistisch kalkulierte Verhältnis von Zweck (Kapitalwachstum) und Mittel (Arbeitsplatz) zu, das Rücksichtnahme auf bestimmte Beschwerden nur kennt, wenn sie sich bezahlt macht. Da kriegen Kraftfahrer auch mal einen gefederten Sitz spendiert. Na und? Ist dir nicht bekannt, dass das Kapital solche „Verbesserungen“ gleich zum Anlass nimmt zu prüfen, ob sich damit nicht eine intensivere oder extensivere Nutzung der Arbeitskraft realisieren lässt? Oder möchtest du behaupten, dass die „Berufskrankheiten“ im aktuellen Kapitalismus tendenziell am Aussterben sind?

  11. Nochmal: Dass es körperliche Schädigung gibt, und das hauptsächlich, sollte nicht verneint werden. Ausgangspunkt war, dass diese nicht zwangsläufig mit Ausbeutung einhergeht, weil Schädigung nicht Zweck, sondern Resultat von Ausbeutung ist. Dafür standen die Bebilderungen. Warum sollte ich das gut finden und für mich ein attraktives Angebot sein? Dass es nichts Gutes sein kann, geht aus oben genannter Zweckstellung hervor und muss deswegen nicht „extra“ nochmal gesagt werden. Jedenfalls wäre es fatal nachweisen zu wollen, dass es das nicht gäbe. Da verpasst man die Hälfte. Überhaupt zwängt sich der Eindruck auf, dass betont wird, wie „schlimm“ alles ist. Das ist nicht der Witz, bringt einen für sich genommen nicht weiter bzw. muss erklärt werden. Die, die es in der Hauptsache betrifft, wissen das und würden als erstes ja sagen. Weil es „spendable“ Kapitalisten gäbe, kann dabei nicht der Grund sein und das war auch nicht die Behauptung. Es ist auch keine Frage von „einfachen“ oder besseren Jobs, sondern von der individuellen Haltung des Kapitalisten, und das brachenunabhängig.
    Der Artikel hatte zudem auch die Stoßrichtung, dass es keine Waren ohne „Gift“ gäbe. Mit entsprechender Zahlungsfähigkeit ist alles möglich, zumal es z.B. unabhängig von Bio „Labels“ gibt, die als Geschäftsmodel haben, sich selbst auf „gute“ Produkte zu verpflichten. A propos Zahlungskraft: das ganze ist mittlerweile so „produktiv“ geworden, dass sich die Preise kaum von herkömmlichen Produkten unterscheiden, also auf für den „normalen“ Bürger erschwinglich geworden sind. Auch hier ist das nichts Gutes, sondern ein Hinweis, wie sich Ausbeutung und Geschäftemacherei manifestieren.

Leave a Reply