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Björn Hendrig: Kampagne „70 Gründe für die Bundeswehr“

Von • Dez. 8th, 2025 • Kategorie: Allgemein

Björn Hendrig: Kampagne „70 Gründe für die Bundeswehr“

1. Kampagne „70 Gründe für die Bundeswehr“: 70 mal Kriegspropaganda

Die Bundeswehr rollt eine große Kampagne aus. Offizieller Anlass ist zwar ihr 70. Gründungstag. Aber die „70 Gründe“ verdanken sich dem Ziel der Politik, für die Streitkräfte 80.000 zusätzliche Soldaten zu finden. Dafür schießt die beauftragte PR-Agentur aus allen Propaganda-Rohren. Eine Würdigung der Kampagne und der tollsten Sprüche – erster Teil.

Die Düsseldorfer „Employer-Branding-Agentur“ Castenow denkt sich für die Bundeswehr immer wieder neue Kampagnen aus. Dafür erhält sie Lob und Auszeichnungen, unter anderem 2016 zwei „PR Report Awards“. Die Laudatio hielt die damalige Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Darauf ist die Agentur stolz: „Wir denken Arbeitgebermarke ganzheitlich und nachhaltig. (…) Mit Ideen wie dem Serienkanal Bundeswehr Exclusive setzen wir seit Jahren Maßstäbe. Auch in Zukunft wird die Bundeswehr als attraktiver Arbeitgeber von sich reden machen“, erklärt Jörg Wolf, Geschäftsführender Gesellschafter und verantwortlich für die Kreation bei Castenow.

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Die Truppe fürs Töten als Truppe fürs Leben

Der Fernseh-Werbespot ist „Herzstück“ und Appetizer für die umfassende Bundeswehr-Kampagne „70 Gründe“. Bei der durch den Geburtstag der Streitkräfte erzwungenen großen Zahl ergeben sich zwar einige Überschneidungen und Wiederholungen. Aber es bleiben immer noch viele übrig, die sich an klassischer Ideologie anlehnen – „Wir“ müssen „uns“ „verteidigen“ – oder ganz originelle Sichtweisen zum Besten geben, wie der Grund #23: „Weil du hier die Truppe fürs Leben findest.“

Darauf muss man erst einmal kommen: Die Truppe fürs Töten ist eigentlich das genaue Gegenteil! Man muss seinen Lebenssinn nur eben darin finden und sich bei Gleichgesinnten wohl fühlen. Schon hat man Freunde fürs Leben gefunden. Und es ist dann richtig kuschelig, wenn es in den Krieg geht.

Von diesem Kaliber sind viele andere „Gründe“. Im zweiten Teil zur Bundeswehr-Kampagne werden diese ausführlich gewürdigt.

https://overton-magazin.de/top-story/kampagne-70-gruende-fuer-die-bundeswehr-70-mal-kriegspropaganda/


2. Kampagne „70 Gründe für die Bundeswehr“: ein „Best of“ der Kriegspropaganda

Die Bundeswehr feiert ihren 70. Gründungstag. Die Kampagne „70 Gründe“ liefert die passende Begleitmusik: Deutschland braucht eine kriegsfähige Streitmacht. Dafür ist der beauftragten PR-Agentur kein „Grund“ zu blöd. Eine Würdigung – zweiter Teil.

Im ersten Teil zur PR-Kampagne „70 Gründe“ der Bundeswehr ging es um die Vorgeschichte: die zahlreichen Werbeaktionen der Düsseldorfer „Employer-Branding-Agentur“ Castenow seit 2015 (Kampagne „70 Gründe für die Bundeswehr“: 70 mal Kriegspropaganda). In Szene gesetzt wurden Heer, Marine und Luftwaffe als attraktive Arbeitgeber. Gute Karrierechancen, viel Abenteuer, Verantwortung und einzigartige Kameradschaft standen dabei im Vordergrund.

Ein durchschlagender Erfolg blieb indes aus. Die Belegschaft der Bundeswehr stagniert bei rund 180.000 „Beschäftigten“. Nun sollen binnen weniger Jahre daraus 260.000 werden. Auf der neuen Kampagne, wieder von Castenow, lastet daher nun ein besonderer Druck.

Zur Hilfe kommt der Agentur die von der Politik, allen voran Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, gebetsmühlenartig beschworene Notwendigkeit, die deutsche Gesellschaft müsse „kriegstüchtig“ werden. Ein passendes Feindbild gibt es dazu auch: „Russland“ heißt es, den Deutschen bestens bekannt als Feind im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg, noch in seiner Gestalt als Sowjetunion.

Wieder ist es das schiere Böse aus dem Osten, das dem über allen Zweifeln erhabenen Guten an die Gurgel will.

Zwischen strammer Zustimmung und untertänigem Fatalismus

Die „besten“ „Gründe“ für die Bundeswehr, gut sortiert und verständlich erklärt

Damit der geneigte Leser sich nun nicht alle 70 Gründe anschauen muss und versucht, sich seinen Reim darauf zu machen: Im Folgenden ein „Best of“, sortiert nach den erwähnten Kategorien und mit einer hilfreichen Erläuterung versehen.

– „Weil wir etwas gegen Krieg haben“

– „Weil Weltfrieden mehr braucht als Wunschdenken“

– „Weil es Freiheit nicht zum Nulltarif gibt“

– „Weil wir die stärkste Friedensbewegung Deutschlands sind“

– „Weil unsere Grundrechte nicht verhandelbar sind“

– „Weil Deutschland es wert ist“

„Weil wir auch dafür kämpfen, dass du gegen uns sein kannst“

– „Weil Demokratie Streitkraft braucht“

– „Weil ich mein Land liebe“

– „Weil die eigene Armee im Land besser ist als eine andere“

– „Weil du hier die Truppe fürs Leben findest“

– „Weil wir auch queerfeldein marschieren“

– „Weil Kameradschaft wichtig ist“

– Weil jetzt „We-Time“ ist

– „Weil wir deine Potenziale weiterentwickeln“

– „Weil Bildung bei uns bezahlt wird“

– „Weil dein Einsatz zeigt, wer du bist“

Hier endet die Hitliste der besten „70 Gründe“ für die Bundeswehr. Sicher gibt es noch weitere fast ebenbürtige, und manches „One Hit Wonder“ mag noch bei näherem Hinsehen entdeckt werden. Man muss es aber auch so hart sagen: Besser wird´s nicht.

Am Ende kürzen sich alle „Gründe“ auf eine Botschaft zusammen. Die Bundeswehr wird kriegstüchtig. Und mit bestem Gewissen, weil sie doch nur Gutes wollen, werden ihre Soldaten töten und sterben.

https://overton-magazin.de/kommentar/politik-kommentar/kampagne-70-gruende-fuer-die-bundeswehr-ein-best-of-der-kriegspropaganda/

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