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Kein Kommentar: Völkermord im Heiligen Land?

Von • Aug. 24th, 2025 • Kategorie: GSP-Radio

Kein Kommentar: Völkermord im Heiligen Land? Eine ziemlich falsche Frage!

Die Zustände in Gaza sind allgemein bekannt. Nach europäisch-amtlicher Auskunft handelt es sich um eine „Katastrophe“, allerdings ohne die sonst bei solchen Zuständen eingeflogenen Hilfsmannschaften mit Suchhunden, um allfällige Verschüttete auszugraben – denn diese Katastrophe ist eben zweckgerichtet und absichtlich von einem befreundeten Staat angerichtet worden.

Ebenso die Hungersnot, die ausnahmsweise einmal nicht wegen des Mangels an verfügbaren Nahrungsmitteln ihren Gang geht, sondern weil die Versorgung von eben diesem verbündeten Staat verhindert wird, bzw. nur ab und an zugelassen wird – aus als „taktisch“ bezeichneten Gesichtspunkten: Nämlich aus Image-Gründen zur großzügigen Gesichtswahrung der Verbündeten. (…)

Der „Krieg gegen das palästinensische Leben“ vor Ort

Das Problem der Palästinenser ist nicht das fehlende Beweismaterial oder die fehlende Verurteilung Netanyahus, für den selbstredend die Unschuldsvermutung gilt. Deren Problem ist, dass es sich bei Palästinensern, aus der Sicht des israelischen Staates, um eine Variante von lebensunwertem Leben handelt (…)

Freilich, eine harte Charakterisierung. Was heißt das? Nun, der Wert des jüdischen Lebens für Israel ist offenkundig; Juden arbeiten und kämpfen für Israel, sterben dabei auch. Dabei leistet sich Israel den Scherz – typisch jüdischer Humor? –, ausgerechnet Leute, die weder arbeiten noch kämpfen, und die auch in Israel zunehmend als Schmarotzer angegiftet werden, als Inkarnationen des echten Judentums zu würdigen, dem und nur dem Israel verpflichtet sei! Gemeint sind natürlich die Studenten der dort ortsüblichen heiligen Schriften. Jedenfalls, der Wert des jüdischen Lebens ist offenkundig, erst recht täglich am Stellenwert der jüdischen Geiseln zu besichtigen.

Auf die Palästinenser trifft das nicht zu, die haben keinen Wert. Das impliziert nun nicht, dass die mit Stumpf und Stil bis in die siebte Generation auszurotten wären; sie sind bloß irrelevant, sie zählen nicht, sind aber immer noch da, und dann auch noch widerspenstig; eine Unterscheidung zwischen Hamas und der Bevölkerung in Gaza lohnt sich nicht, aus israelischer Sicht: „Palestinien Lives don’t matter“. Daher braucht das lebensunwerte Leben auch nichts zum Leben; Gaza wird unbewohnbar wie der Mond (…)

In der Tat, der Umgang mit dem lebensunwerten Leben zielt darauf, den Palästinensern nicht nur in Gaza das Leben unmöglich zu machen, indem dort sämtliche Lebensbedingungen für palästinensisches Leben zerstört werden; und sie schutzlos der Gewalt von Siedler-Terroristen auszusetzen. Dazu passt der Plan von Teilen der israelischen Regierung, ein Konzentrationslager in Gaza einzurichten – für palästinensisches Leben. Ein KZ hat bloß einen schweren Nachteil: Es ist keine endgültige Lösung.

Lebensunwertes Leben. Die Lehre, die der Zionismus aus den Drangsalen vor allem der europäischen Juden gezogen hat – Drangsale zwischen Diskriminierung und Völkermord, übrigens schon vor „Auschwitz“ –, die bestand darin, die Juden müssten so werden wie die modernen Völker, unter denen sie gelitten haben: Nationalisten im Nationalstaat.

Zu welchen Glanztaten diese Leuchttürme der menschlichen Zivilisation aufgelegt waren, was den Umgang mit lebensunwertem Leben betrifft, das war schon zu Lebzeiten von Theodor Herzl durchaus zu besichtigen, in den Kolonien bei der Säuberung diverser Territorien von der vorfindlichen Bevölkerung, zugunsten einer Besiedlung von außerhalb. Es ist auch kein Zufall, dass der Zionismus beim damaligen Ober-Imperialisten mit viel kolonialer Expertise – in London – antichambriert hat, den wollte man schließlich beerben.

Herzl selber war ein typischer staatsidealistischer Spinner damaliger Provenienz, ausgestattet mit allen Idealen der Aufklärung und des bürgerlichen Staates, er hat deswegen der staatlichen Gewaltfrage nicht allzu viel Bedeutung beigemessen; seine Idee projektierte schließlich ein geradezu unwiderstehliches Musterländle, nach dem Motto „allen wohl und niemand weh“! Auch die vorfindliche Bevölkerung würde dadurch auf ganz neue zivilisatorische und kulturelle Höhen gehoben – auch das kein dem Kolonialismus fremder Topos.

Die Staatsgründer bis und seit anno 1948 haben sich dem dazugehörigen Realismus in der Gewaltfrage verschrieben. Weil doch die Juden so werden müssten, wie die anderen zivilisierten Tätervölker auch – Operation gelungen, Mission noch lange nicht beendet.

Literatur:
„Abweichende Meinungen zum Israel-Gaza-Krieg“
https://de.gegenstandpunkt.com/archiv/dossiers/abweichende-meinungen-zum-israel-gaza-krieg

https://cba.media/726337

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