contradictio.de

Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

Nürnberg | 28. Juli 2022 | Ukraine-Krieg und Welthunger: „Unser Welternährungssystem“ – schon wieder und immer noch kaputt (Fortsetzung II)

Von • Jul 16th, 2022 • Kategorie: Veranstaltungen

Fortsetzung zu:

https://www.contradictio.de/blog/archives/9028

 

Zeit: Donnerstag | 28. Juli 2022 | von 19:15 Uhr bis 21:45 Uhr

Ort: Nachbarschaftshaus Gostenhof (Großer Saal) | Adam-Klein-Straße 6 | Nürnberg

Veranstalter: SG

 

Ukraine-Krieg und Welthunger: „Unser Welternährungssystem“ – schon wieder und immer noch kaputt (Fortsetzung II)

Der Welthunger hat es wieder einmal für ein paar Tage lang auf die vorderen Seiten der Zeitungen geschafft und ist erneut prominenter Gegenstand der Weltpolitik geworden. Der Anlass: der Krieg zwischen Russland und der Ukraine führt wegen der russischen Blockade ukrainischer Hafenstädte – v.a. von Odessa – dazu, dass ukrainischer Export von Weizen und anderer Nahrungsmittel fast vollständig zum Erliegen kommt; als Reaktion auf die Inflationsrate des Rubels infolge des westlichen Sanktionsregimes und um die heimische Versorgungssicherheit mit Weizen sicherzustellen verhängt Russland einen Exportstopp für Weizen. Die Lieferungen von zwei der größten Weizenexporteuren der Welt entfallen für den Weltagrarmarkt; aufgrund der darauf folgenden exorbitanten Steigerung des Weizenpreises ist völlig klar: Um die 800 Mio. Menschen v.a. in Afrika und Nahost sind von Hunger bedroht.

Die moralisch-politische Einordnung dieses Sachverhalts durch die verantwortlichen Politiker und die Öffentlichkeit geschieht in Kriegszeiten. Deshalb sind diesmal „einfache Antworten“ für den Welthunger gefragt: Die eine Kriegspartei in persona Putin ist schuld daran.

Russland wird zur Last gelegt „einen Kornkrieg angezettelt und eine weltweite Ernährungskrise weiter angefacht [zu haben], und zwar zu einer Zeit, in der bereits Millionen von Hunger bedroht sind“ (Baerbock 18.05.22). Ohne dass irgendjemandem dabei der geringste Widerspruch auffällt, wird der russischen Führung ebenfalls vorgeworfen, dass „das Versäumnis, die Häfen in der Region von Odessa zu öffnen, eine Kriegserklärung gegen die globale Ernährungssicherheit“ ist. (David Beasley, Exekutivdirektor des World Food Program, 19.05.22).

Wenn Putin einerseits beschuldigt wird, eine schon längst existierende Hungerkrise anzufachen, er anderseits ebenfalls daran schuld sein soll, die globale Ernährungssicherheit kaputt zu machen, dann ist das ein Hinweis darauf, dass das „Welternährungssystem“ ein Euphemismus für ein Ensemble an weltweiten Beziehungen ist, deren Inhalt und Zweck jedenfalls nicht in der Ernährung der Welt besteht.

Und es ist ja auch bekannt: das „Problem“ Hunger gibt es seit Jahr und Tag, wird von den ansässigen Staaten oft gar nicht, vom WFP teilweise, teilweise auch nicht betreut, jedenfalls hat man sich an diesen Sachverhalt hierzulande gewöhnt und begleitet ihn mit regelmäßigen Aufrufen, die Ernährung im globalen Süden doch endlich einmal nachhaltig zu gestalten.

Hunger als Dauerzustand gehört offenbar zum Funktionieren des „Welternährungssystems“ einfach dazu.

Wieso das denn?

 

Lesetipp:

Zur Subsumtion des Welthungers unter den Ukraine-Krieg gibt es einen Artikel in der am 24.6. erscheinenden Nummer 2-22 der politischen Vierteljahreszeitschrift GegenStandpunkt:

„Hunger und Krieg: Der Kampf um die ‚europäische Kornkammer‘“

 

https://sozialistische-gruppe.de/ukraine-krieg-und-welthunger/#more-292

Veranstaltungen

Leave a Reply