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Suitbert Cechura: Was ist wichtiger: Wirtschaft oder Klimaschutz?

Von • Jan 28th, 2020 • Kategorie: Allgemein

Bild am Sonntag stellt die Systemfrage

Was als Frage daherkommt, ist für die Zeitung natürlich keine. Doch mit dem Kunstgriff will das meistgelesene Sonntagsblatt die Vertreter des Klimaschutzes auf die im Lande herrschende wirtschaftliche Vernunft verpflichten. Dabei verraten die Frage wie die darauf gegebenen Antworten einiges über diese Sorte Vernunft und entwerfen alles andere als ein positives Bild der betreffenden Wirtschaft. […]

 

https://www.heise.de/tp/features/Was-ist-wichtiger-Wirtschaft-oder-Klimaschutz-4645902.html

7 Responses »

  1. Suitbert Cechura bei Telepolis:

    Was ist wichtiger: Wirtschaft oder Klimaschutz? (26. Januar 2020)
    Bild am Sonntag stellt die Systemfrage

    https://www.heise.de/tp/features/Was-ist-wichtiger-Wirtschaft-oder-Klimaschutz-4645902.html

    Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen … (11. Januar 2020)
    Kommentar zur Behandlung des Iran-USA-Konflikt in den Medien

    https://www.heise.de/tp/features/Nichts-Bessers-weiss-ich-mir-an-Sonn-und-Feiertagen-4633318.html

    Deutschland geht es gut, weil es Armut gibt (23. Dezember 2019)
    Alle Jahre wieder – der Armutsbericht des „Paritätischen“

    https://www.heise.de/tp/features/Deutschland-geht-es-gut-weil-es-Armut-gibt-4621478.html

    Massenentlassungen zur Arbeitsplatzsicherung? (10. Dezember 2019)
    Ein Widersinn mit Methode

    https://www.heise.de/tp/features/Massenentlassungen-zur-Arbeitsplatzsicherung-4607029.html

    Grundrente – Anerkennung für was? (21. November 2019)
    An den niedrigen Löhnen und der Rentenformel wollen die Politiker im Prinzip nichts ändern, so dass es auch in Zukunft reichlich Anwärter für die neue Grundrente geben wird – Ein Kommentar

    https://www.heise.de/tp/features/Grundrente-Anerkennung-fuer-was-4591013.html

  2. Der Mann hat ein Buch geschrieben: „Unsere Gesellschaft macht krank“ – identifiziert er sich mit der Gesellschaft?? Das „Unser“ steht bei ihm keineswegs in Anführungzeichen…. Aber vielleicht muß man das, wenn man bei http://www.heise.de schreiben will.

    Apropos Artikel Massenentlassungen: Ein paar Illusionen über die Gewerkschaften ventilieren, was sie statt dem machen sollten, als was sie eben machen, sowas kann einem auf den Geist gehen. Gewerkschaften sind als gar nichts anderes vorgesehen, als die Erfüllungsgehilfen eines Klassenstaats bei seiner Ordnungstiftung zu sein. Etwas anderes ist weder erwünscht noch von seiten der Gewerkschaften selber ins Auge gefaßt: Sie wollen ja gerade als nationale Kraft anerkannt werden. Berufsvoraussetzung eines Gewerkschaftsfunktionärs ist es, ein Trottel eben dafür zu sein.

    Kurzum, es gibt keine gute Seite weder an der Gesellschaft noch an einer Gewerkschaft, daß man sich, wenn auch mit viel Wenn & Aber, mit ihr identifizieren könnte. So nach dem Motto: zur Gesellschaft gehört doch auch die Arbeiterklasse und zur Gewerkschaft sowieso.

  3. „Etwas anderes ist weder erwünscht noch von seiten der Gewerkschaften selber ins Auge gefaßt: Sie wollen ja gerade als nationale Kraft anerkannt werden.“

    Jede? Was passiert, wenn nicht? Das ist wie wenn man sagt: Menschen im Kapitalismus sind vorgesehen Opportunisten zu werden, ALSO werden sie es, statt Kommunisten, und fassen auch nie etwas anderes ins Auge, also gibt es keine Kommunisten. Hälst dich also selbst für eine Illusion?

    Zu dem „Fehler“ oder Widerspruch sind Lokführergewerkschafter wie Weselksy zumindest schon fähig: Anerkannt sein zu wollen, aber mal etwas mehr auf die eigenen Interessen zu bestehen. Dafür wird der auch schroff zur Ordnung gerufen… eingezingelt, gestalked, diffamiert.

    Wieso sollte man z.B. an solchen Fällen nicht mal studieren und herausstreichen, eben gerade wie schwer jede kämpferische Interessenvertretung es hat? Wie fertig eine solche direkt gemacht wird, wie nur unterwürfige, angepasste, kompromisslerische, nationale Gewerkschaften und ihre Funktionäre am Ende des Tages ein „Rückgrat“ besitzen und gegönnt kriegen (diese „Trottel“ übrigens eigentlich Geldsäcke, die sich nicht überflüssig machen wollen)?

    Wieso sollte man nicht mal darauf aufmerksam machen, dass je mehr Interesse, desto feindlicher, desto unerwünschter, desto seltener (aber mit Notwendigkeit? – das liegt doch dann auch eher am Bewusstsein)?

    Darauf aufmerksam zu machen, dass Gewerkschaften irgendwann mal noch etwas mit Interessensvertretung zu tun hatten (und spontan denkt bei Gewerkschaften da noch jeder dran), und den Leuten nahezulegen darauf mal wieder mehr zu bestehen, kann schon gar nicht zu Zeiten „der Globalisierung“ ein Fehler sein, in der der Idealismus einer Gewerkschaft (Ordnung und Erfolg der Nation schließt Nutzen der Arbeiter ein), ihre Ordnungsfunktion, sich immer mehr auf das willige Helferdasein beim Abwehren sogar von Ansprüchen reduziert. Vor was für einer Gewerkschaft hast du denn Angst, die dann entstehen würde? Höchstens einer, die schnell verboten wird, weil sie gesetzlich gleichgeschaltet sind. Aber manchmal werfen Politiker solchen Bewegungen auch mal einen Brocken hin – vielleicht die nötige Luft zum Atmen.

    Eine Gewerkschaft ist mittlerweile notwendig im fundamentalen Widerspruch: SIE organisiert nicht mal mehr den Idealismus, die Ansprüche die denkbar auch noch im Kapitalismus sich anmelden ließen (aber eben oft nur anmelden), sondern wehrt sie zunehmend ab (DGB Kommentar zu Weselsky; die Politik muss den Mindestlohn einführen etc. etc.). Sie hat mehr denn je bloße Propagandafunktion analog zu Ich-AGs etc.

    Mal die idealistischen Leute, die Ansprüche stellen, einsammeln und erinnern, dass sie mal was für sich tun sollen und nicht immer nur hoffen (und dann oft auch nur auf den Erfolg der Nation) und solange sich ins Zeug legen, was ist daran verflucht so schlimm?

    Es ist mal an der Zeit, dass aus diesen, seit 150 Jahren enttäuschenden Enttäuschten, aber noch irgendwie Stolzen, von ihrer willfährigen Gewerkschaft BELEIDIGTE und deshalb desillusionierte kämpferische Genossen werden – ob sie dabei, noch in einer (dann immerhin schon organisierten) Gewerkschaft hocken, die mal mehr will, ist mir egal.

    Diese ewig behäbig genervten Nichtsnutzer und Langsamchecker von der Firma GS mal wieder… gehen mir auf den Geist.

    Die „ursprünglichen“ Gewerkschaften haben sich auch gekloppt und waren sehr lange recht unversöhnlich. Das hätte auch in die andere Richtung gehen können. Ansonsten bist du eben Geschichtsdeterminist.

  4. @Koka
    Boah,… wieee selektiv hast du eigentlich den Artikel gelesen? Was hat der Mann dir denn getan? lol
    Ihr seid vermutlich beide näher beieinander als ihr es zu mir seid.

  5. Ok, wen es interessiert, meine Selbstkritik steht auf S.60 ff. „Das Proletariat“ von Peter Decker und Konrad Hecker:

    „Nun ist es allerdings so, und das haben die hoffnungsfreudigen sozialistischen Umstürzler des 19 Jahrhunderts auch irgendwie gewusst und jedenfalls praktisch in Rechnung gestellt, wenn sie unter Fabrikarbeitern, Handwerksgesellen, Knechten und Paupers agitieren gegangen sind: Die mit der Klassenlage gegebene Not und Notwendigkeit organisierter Gegenwehr gegen die kapitalistische Bourgeoisie und deren Staatsmacht ist noch lange nicht dasselbe wie der politische Wille, gegen den Grund der herrschenden Verhältnisse vorzugehen; und auch Krisen, die die Not verallgemeinern, spielen keineswegs automatisch den radikalen Parteien des Proletariats in die Hände. Zumindest das war ja nicht zu übersehen, dass sich mit der tatsächlich zu registrierenden Zunahme des Anteils proletarischer Existenzen in der Gesellschaft keineswegs automatisch sozialistische Wahlerfolge einstellten. Schon in den ersten Blütezeiten der Arbeiterbewegung hielten sich ganze Abteilungen des Proletariats von deren Kämpfen fern, verlangten statt dessen eher nach patriachalischer Betreuung ihres Elends durch die zuständigen weltlichen Herren – wenn nicht gleich durch den jenseitigen -; viele suchten ihr Heil in der Auswanderung oder investierten ihren Kampfeswillen in eine private Berufskarriere usw. Mit einer proletarischen Mehrheit im Wählervolk ist über politische Ziele, geschweige denn über deren Durchsetzung, eben noch gar nichts entschieden.

    Trotzdem haben die politischen Organisationen der Arbeiterbewegung genau darauf gesetzt, so als gäbe im Grunde doch die soziale Lage schon den revolutionären Standpunkt her; dementsprechend haben sie ihre Adressaten auch propagandistisch angeredet, nämlich mit der reichlich überflüssigen Erinnerung, dass sie doch auch zu den arbeitenden Klassen gehörten, und dem moralischen Verweis, dass sie schon allein deswegen ihrer Klasse resp. als sonstige Werktätige dem Proletariat Solidarität und folglich der Sozialdemokratie ihre Wahlstimme schuldeten.“

    Zumindest bis dahin.

    Dennoch halte ich S.C.’s Artikel damit nicht im Widerspruch. Mich selbst hingegen schon. Deshalb hab ich mit Koka bzgl. seiner Lesefertigkeiten noch ein Hühnchen zu rupfen. Vielleicht also dazu später noch was. Stay tuned.

  6. Wie man es dreht und wendet. Der hier hatte einfach recht:

    „Man muss nüchterne, geduldige Menschen schaffen, die nicht verzweifeln angesichts der schlimmsten Schrecken und sich nicht an jeder Dummheit begeistern. Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens.“ – Antonio Gramsci, Gefängnishefte, H. 28, §11, 2232

  7. Der Zweck eines richtigen Kampfes um Lohn(erhöhung) a la Lokführergewerkschaft? Sind die Arbeitsbedingungen dieses Arbeiterklientels so schlecht, daß sie sich nicht mehr zuhause fühlen können, daß sie als gute Staatsbürger verzweifeln müssen? Daß sie nicht mehr, wenn die deutsche Fußballnationalelf oder die Bundeswehr irgendwo in der Welt antreten, mit diesen hoffen und bangen können? Mit dem letztlich erzielten Tarifen aber schon? Die Maloche ist weiterhin unter Dach und Fach und die Stimmung paßt wieder, oder? All das kriegt eine kämpferische Gewerkschaft von den tragenden Säulen des Staates nicht honoriert! Welch irre Tragik!

    Wäre es nicht mal vorteilhaft, die Interpretationen eines kapitalfreundlichen Blattes zur Kenntnis zu nehmen, das in Sachen Streiks in Frankreich folgendes schreibt: „… Die Ruhe zwischen Gilets-jaunes-Aufstand und dem Anti-Rentenreform-Streik war mit Steuergeschenken erkauft. Doch die Menschen [! – nicht die Arbeiterklasse] in den Warnwesten haben nicht nur [!] mehr Geld gefordert, sie wollten einen Platz in der Gesellschaft. …“ (Süddeutsche Zeitung vom 20.01.20)
    Und das soll man jetzt als kritischer Mensch einfach anders interpretieren – so, daß es ins Weltbild von einer Arbeiterklasse paßt, die kämperfisch auftretend schon halbwegs auf dem richtigen Weg ist?

    Und wenn man schon immer mit dem 19. Jahrhundert kommt: Warum ist denn aus den damaligen Kämpfen so wenig geworden, daß die Lage heute, wenn auch in modifizierter Weise, mindestens genauso beschissen ist? Kann man die Leistungen der Gewerkschaften in Sachen nationaler Verantwortung denn übersehen? Haben sie nicht die Arbeiterklasse zu den braven Staatsbürger gemacht, die sich so ziemlich alles gefallen lassen? Eben vielleicht gerade mit dem Argument, daß sie deren Vertreter seien, also, wenn sie ihnen – in der BRD gar vor Streiks warnend! – hinterhertrotten, alles schon irgendwie in Butter sei. Gewerkschaften – wie Dir sicher nicht entgangen ist -, die noch jede Schlechterstellung ihres Klientels als Erfolg verkaufen.
    Mit ihrer nationalen Agitation haben die Gewerkschaften ein Klassenbewußtsein der Arbeiterklasse, das diese im 19. Jahrhundert noch hatte, erst gar nicht mehr aufkommen lassen. Und da plädierst Du dafür, daß man wider besseres Wissen etwas von der Gewerkschaft halten soll, vielleicht sogar eine Teil seines Lohns als Gewerkschaftsbeitrag abdrücken soll?

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