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Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

15.07.2026 | Köln | Gruppe Widerspruch Köln: Diskussion über den Marxismus-Leninismus

Von • Juli 6th, 2026 • Kategorie: Veranstaltungen

Zeit: Mittwoch | 15.07.2026 | 19:00 Uhr
Ort: TH Köln | Der Raum wird noch bekanntgegeben | Ubierring 48 | 50678 Köln
Veranstalter: Gruppe Widerspruch Köln 

Vortrag & Diskussion:
„Diskussion über den Marxismus-Leninismus“

Politische Ideologien gibt es viele. Doch die wenigsten haben es geschafft, zur offiziellen Staatsphilosophie einer Supermacht erhoben zu werden, die sich immerhin 75 Jahre lang als Gegenprogramm zum Kapitalismus verstand.

Dieser Staat ist vor 35 Jahren untergegangen, doch ein Teil seines geistigen Erbes ist nicht totzukriegen. Insbesondere in der Form der neuen roten Gruppen gewinnt der Marxismus-Leninismus (ML) in den letzten Jahren wieder an Zulauf.

An ihnen kann man beobachten, dass sich einige Positionen sowie Fehler seit ihrem Gründungsvater Lenin nicht verändert haben.

In diesem Vortrag nutzen wir die „Thesen zu Militär und Wehrpflicht“ des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei (Stand März 2026) als Textgrundlage, um einige grundlegende Kritikpunkte an der politischen Ideologie des ML zu verdeutlichen. 

– Warum sprechen Marxistinnen-Leninistinnen davon, dass Staaten die reinen Interessenvertreter ihrer heimischen Kapitale sind und dass der imperialistische Krieg eine Auseinandersetzung zwischen Kapitalinteressen sei?

– Ist das eine richtige Bestimmung des Verhältnisses von Staat und Kapital? 

Weiterhin möchten wir mit euch darüber diskutieren, in welchem Verhältnis die Einzelnen zur kommunistischen Partei „neuen Typus“ stehen und was das eigentlich genau bedeutet.

Wir freuen uns auf eine angeregte Diskussion! 

„Thesen zu Militär und Wehrpflicht“ (17. März 2026)
https://kommunistischepartei.de/stellungnahmen/thesen-zu-militaer-und-wehrpflicht-2/

https://www.i-v-a.net/doku.php?id=termine#koeln

Scheduled Veranstaltungen

17 Responses »

  1. Ort: TH Köln | Raum W3 (Bildungswerkstatt) | Ubierring 48 | 50678 Köln

    https://www.i-v-a.net/doku.php?id=termine#koeln

  2. Thanasis Spanidis:

    „Da ich voraussichtlich nicht kommen kann, ein Kritikpunkt an eurer Vortragsankündigung mal schnell hier:

    Einer der Unterschiede zwischen dem Marxismus-Leninismus und der Ideologie des Gegenstandpunkts ist, dass der ML die Welt verändern will, während der GSP sie nur anders interpretieren will.

    Daraus folgt, wie ihr richtig bemerkt, auch ein anderes Verhältnis zwischen Individuum und Kollektiv. Ich denke, es sollte sich von selbst erklären, dass eure Haltung, die eine Aufopferung des Individuums für höhere Ziele ablehnt, eine Absage nicht nur an jede Vorstellung von Revolution, sondern an den Klassenkampf überhaupt ist.

    Denn jeder Streik, jede Betriebsratsgründung kann bedeuten, ein persönliches Risiko einzugehen, um die Sache der Klasse bzw. der Belegschaft voranzubringen. Jede einzelne Revolution der Geschichte hatte zur Voraussetzung, dass die Revolutionäre bereit waren, ihr Leben dafür einzusetzen.

    Wenn das aber klar ist, muss man sich doch fragen, was eigentlich der Sinn und Zweck eurer Kritik am Kapitalismus ist, wenn dieser ja offensichtlich nicht darin bestehen kann, diese Verhältnisse wirklich zu überwinden.“

    https://www.instagram.com/gruppewiderspruch.koeln/p/DagI5J7DNDH/

    vgl.:

    https://www.contradictio.de/blog/?s=Thanasis+Spanidis

  3. Du vergleichst da 2 Erklärungen dessen, was auf der Welt vor sich geht. Machst die Unterschiede aber gar nicht an den Erklärungen fest, sondern an einer angeblich unterschiedlichen Absicht.
    Bevor es mit dem Vergleich los geht, verlässt Du gleich den Gegenstand und willst jetzt die Falschheit einer Theorie dadurch beweisen, indem Du Dich nicht mit ihr befasst, sondern mit dem angeblichen Willen, der ihr zugrunde liegt. Eine ziemlich billige Tour der Auseinandersetzung.

  4. An der prompten Reaktion der MLer auf diese Veranstaltung zeigt sich in bemerkenswerter Deutlichkeit, dass z.B. die Kontroverse zwischen Ole und Simon vs. SDAJ/DKP anlässlich des Schülerstreiks gegen die Wehrplicht nur der konkrete Auslöser war, an dem eine fundamentale Differenz offenkundig wird.

    inge_p_

    „Es wäre schön, wenn es nach der VA eine Aufzeichnung gäbe.

    Schade, dass Thanasis nicht kommt. Man könnte meinen, dass es da böswillige Zufälle gibt, die die Freunde des ML an der Diskussion ihrer Thesen mit ihren Kritikern hindern und sie darauf zurückwerfen in ABWESENHEIT ihrer Kritiker Behauptungen über sie aufzustellen, die sie ohne Begründung stehen lassen.

    So geht das eben, wenn man sich seine Interpretation der Welt z.B. als gesetzmäßig verlaufender historischer Prozess nicht durch Kritik beschmutzen lassen will.“

    razvedshitsa

    „Schon ein besonderes Niveau an Dreistigkeit, eine VA zur „Kritik des ML“ zu machen, die Kritik auf einem Programm einer relativ neuen marxistisch-leninistischen Partei zu begründen, dann kein Streitgespräch zuzulassen und dann bei dem berichtigten Hinweis eines etwas Irren, dass die Kritik exakt auf der Ideologie einer „p0LiTiSCheN Vierteljahreszeitschrift“ beruht, genau diese Verbindung zu leugnen.

    Wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass ihr a) Schiss vor Kritik und b) noch mehr Schiss vor der DKP habt.“

    inge_p_

    @razvedshitsa

    „Der ML ist (neutral ausgedrückt) eine politische Theorie d.h. er begründet das politische Projekt der ML-PARTEIEN und – da gebe ich dir recht – auf ganz unterschiedliche Art und Weise (Kritiker wie ich sagen dazu, dass er die politischen Zwecke der ML Parteien legitimiert). Da die DKP andere Zwecke verfolgt als die KP (das ist ja einer der Gründe der Abspaltung) sieht die Legitimation der DKP auch anders aus, als die der KP.

    Insofern würde ich sagen, dass man den ML eben gerade NICHT als reine Theorie besprechen kann, sondern, dass man ihn immer im Verhältnis zu den politischen Zwecken besprechen muss. Da gibt es sicher Gemeinsamkeiten – aber eben auch jede Menge Ausprägungen. Die Leute von Widerspruch über Kritik im Handgemenge (?) d.h. sie wenden sich kritisch auf die Konjunktur von ML Gruppen und Grüppchen und dazu passt es, sich Aussagen der KP vorzunehmen.

    Wenn du meinst, dass der ML als Theorie dabei nicht getroffen würde, dann musst du an dem Handgemenge teilnehmen (ob jetzt vorort oder mit einer schriftlichen Kritik ist egal).“

    gruppewiderspruch.koeln

    „Bitte bleibt sachlich! Wir diskutieren und streiten gerne mit euch aber nur inhaltlich. Wir dulden keine persönlichen Beleidigungen, etc.“

    https://www.instagram.com/gruppewiderspruch.koeln/p/DagI5J7DNDH/

    PS: Eine Aufzeichnung wäre wirklich sehr zu begrüßen.

  5. Vielleicht kann der zwar schon etwas ältere, aber immer noch mit stimmigen Argumenten ausgestattete Artikel zum Thema („Ein aktueller, aber falscher Klassiker. Lenin, der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“) helfen, sich ein paar Grundlagen der Kritik an der ML-Ideologie anzueignen.

    – Der Grund für den Imperialismus: Die Ökonomie des modernen Kapitalismus
    – Monopole
    – Finanzkapital
    – Kapitalexport und Aufteilung der Welt
    – Krieg und Frieden
    – Ein Dokument der revisionistischen Weltanschauung

    https://wissenundkritik.de/imperialismus-ableitung/

    nebst einer Kritik an Lenins Imperialismusschrift.

  6. thanasis spanidis:

    Da man mir hier eine besondere Abneigung unterstellt hat, will ich doch noch mal eins positiv hervorheben: dass die Gruppe Widerspruch ihren Dissens zu uns (wo ich mich immer noch frage, worin der besteht, wenn meine Kritik sie angeblich ja gar nicht trifft) öffentlich vorträgt und diskutierbar macht, finde ich begrüßenswert.

    Im Vergleich zu Gruppen, die nur hinter dem Rücken gegen andere pöbeln, weil sie sowieso keinerlei Argumente liefern könnten, die einer Diskussion standhalten würden, kann man euch in dieser Beziehung zumindest nichts vorwerfen.

    https://www.instagram.com/gruppewiderspruch.koeln/p/DagI5J7DNDH/

  7. Ad https://www.instagram.com/gruppewiderspruch.koeln/p/DagI5J7DNDH/

    „Ich denke, es sollte sich von selbst erklären, dass eure Haltung, die eine Aufopferung des Individuums für höhere Ziele ablehnt, eine Absage nicht nur an jede Vorstellung von Revolution, sondern an den Klassenkampf überhaupt ist.“ (Thanasis Spanidis)

    Man sollte sich diesen Satz einmal nicht genüsslich über die Zunge gleiten lassen und sich durchaus erschrecken. Welche Geisteshaltung kommt hier zum geständigen Vorschein? Kommt einem diese Absage an das Individuum, das als Mittel für „höhere Zwecke“ postuliert wird, nicht sehr bekannt vor, nämlich in seinen diversen Ausführungen sogar als Buch von einem alternativen Sozialisten verfasst? Und sehr aktuell als der absolute staatliche Anspruch an die Opferbereitschaft seines Kanonenfutters in dem gewollten Krieg für das Ideal demokratischer Freiheit bzw. für die Aufrechterhaltung seiner wunderbaren Volksgemeinschaft? Die Metaphysik des Todes, Heideggers „Sein zum Tode“, wird hier programmatisch von Möchtergern-Kommunisten vorstellig. Und das „dulce et honestum est pro certamine classium mori“ als Wahlspruch von Orga-Kommunisten? Und diese Anmaßung ist keineswegs „selbsterklärend“! Sowas sollte man denen nicht durchgehen lassen.

  8. Die Hufeisentheorie vergleicht politische Erscheinungsformen unmittelbar miteinander, ohne
    ihre gesellschaftliche Grundlage zu untersuchen. Als Konsequenz werden Bewegungen, deren
    soziale Basis, Klassencharakter und historische Funktion grundverschieden sind, allein
    aufgrund äußerlicher Gemeinsamkeiten gleichgesetzt.
    Bloß weil Baumrinde und Eisen subjektiv Harte Gegenstände sind, sind sie nicht zwei des
    Gleichen, sondern unterscheiden sich in ihrem Wesen.
    Sie unterscheiden sich natürlich in ihrer Form, und auch hier zeigt sich die Notwendige
    Fehlerbehaftung der oberflächlichen Anschauung. Bei einer (zwangsläufig) ideologischen
    Betrachtung von Formen findet diese Betrachtung im Rahmen bestimmter Prämissen statt,
    welche die Ganzheit der Form reduzieren auf eine bestimmte, für die Betrachtung brauchbare,
    jedoch ohne die Ebene der Form zu verlassen (Haptik des Gegenstandes ist mitnichten sein
    Wesen, ist a priori Form/Erscheinung)
    Auch: Bei quantitativer Veränderung der Materie des Eisens, so z.B. durch Hitzeeinwirkung, kann
    sich dessen Form wandeln. Dieser Wandel ist nicht zu verstehen, ohne Verständnis der Materie
    und der Thermodynamik. Das Eisen schmilzt, verändert seinen Aggregatszustand. Hört das
    Eisen nun auf, Eisen zu sein? Oder verändert es nur seine Form? Könnte man diesen Wandel des
    Eisens vorhersehen, ohne dessen Wesenszüge, dessen materielle Beschaffenheit zu
    verstehen?).
    Bei Verbleib bei der Form wird der Rahmen der Erkenntnisgewinnung eingeschränkt und eine
    annähernd Objektive Betrachtung kann nicht stattfinden.
    Natürlich findet jede Form von Erkenntnisgewinnung im Rahmen bestimmter Prämissen statt.
    So ist eine der dialektisch-materialistischen Prämissen die Vorstellung, dass wir akkurate,
    annähernd Objektive Urteile über die Realität fällen können, sofern wir sie auf ihre Materie
    reduzieren und aus der so erkannten jeweiligen Beschaffenheit Schlussfolgerungen darüber
    ziehen, was sich aus ihr ergeben kann. Dass du das Selbstverständnis kommunistischer Organisationen hinsichtlich ihrer Position zum Individuum „kritisierst“, ohne auf dessen wirklichen Inhalt einzugehen, lässt tief blicken. Du kannst natürlich das Kollektiv dem Individuum unterordnen.Das ist selbstverständlich nicht Objektiv zu betrachten, aber wenn du der Abstraktion „Individuum“ mehr Wert beimessen möchtest als dem Proletariat und seinen Klasseninteressen, dann stellst du dich gegen das Proletariat und seine Klasseninteressen.
    Ich denke natürlich, dass jede Form der Erkenntnis im Rahmen bestimmter Prämissen stattfindet. Ich habe dazu eine kleine Ausarbeitung gemacht:
    Zentrale Annahme ist, dass sich die gegenüberstehenden Ideen in bestimmten Aspekten gleichen. Sie rechtfertigen Gewalt, sie verfolgen ein Ziel, sie bewerten sich intrinsisch als „das Richtige“ (eine Konsequenz wäre, dass der Rest das „Falsche“ oder „Unvollständige“ repräsentiert).
    Es werden also alle Ideologien erst einmal gleichgemacht, weil sie sich nur in ihren Inhalten und auch besonders durch ihre inhärente Logik voneinander unterscheiden.
    Das durch Ideologie A bestimmte Verständnis von Ideologie B kann sich Fundamental vom Selbstverständnis von Ideologie b unterscheiden.

    1.2 Ein Epistemologisches Problem?
    Dabei wird folgendes Problem, oder folgende Losung aufgeworfen:
    Alle Ideen sind intern kohärente, aber unbeweisbare Konstruktionen.
    Jede ideologische Rechtfertigung von Gewalt ist auf dieser Ebene identisch.

    1.3 Konsequenzen der epistemischen Gleichstellung
    Aus der Annahme, dass alle Ideologien intern kohärente, aber letztlich unbeweisbare Konstruktionen darstellen, folgt eine grundlegende Nivellierung ihres Wahrheitsanspruchs.
    Der Wahrheitsgehalt einer Ideologie kann demnach nicht unabhängig von ihrem eigenen Bezugsrahmen bestimmt werden. Wahrheit wird zu einer systeminternen Eigenschaft, nicht zu einer universellen Kategorie.

    Damit verschiebt sich die Beurteilung von Ideologien weg von der Frage ihrer objektiven Richtigkeit hin zu ihrer inneren Konsistenz, Anschlussfähigkeit und Wirksamkeit. Eine Ideologie „funktioniert“ insofern, als sie innerhalb ihrer eigenen Prämissen widerspruchsfrei erscheint und Orientierung bietet.

    1.4 Zirkularität ideologischer Rechtfertigung

    Jede Ideologie legitimiert sich durch ihre eigenen Voraussetzungen.
    Die Kriterien, mit denen sie sich selbst als „richtig“ ausweist, entstammen genau dem System, das sie begründen sollen. Es entsteht eine Form von Zirkelschluss, der jedoch nicht als logischer Fehler innerhalb der Ideologie erscheint, sondern als notwendige Struktur jeder weltanschaulichen Ordnung.

    Die Bewertung anderer Ideologien erfolgt entsprechend aus einer externen Perspektive, die für die jeweils andere Seite nicht verbindlich ist. Kritik bleibt somit perspektivgebunden und kann keinen universellen Anspruch erheben.

    1.5 Gewalt als systeminterne Konsequenz

    Wenn Ideologien ihre Geltung ausschließlich aus sich selbst beziehen, kann auch die Rechtfertigung von Gewalt nur systemintern erfolgen.
    Gewalt erscheint dann nicht als objektiv legitim oder illegitim, sondern als logische Konsequenz bestimmter Prämissen.

    Eine Ideologie, die Gewalt als notwendig erachtet, kann dies innerhalb ihrer Struktur ebenso schlüssig begründen wie eine Ideologie, die Gewalt strikt ablehnt. Ein übergeordnetes Kriterium zur Bewertung dieser Rechtfertigungen existiert in diesem Rahmen nicht.

    1.6 Unvereinbarkeit von Selbst- und Fremdbeschreibung

    Da jede Ideologie ihre eigenen Begriffe, Kategorien und Wertmaßstäbe hervorbringt, entstehen zwischen unterschiedlichen Systemen unüberbrückbare Differenzen in der Beschreibung der Wirklichkeit.
    Das Verständnis von Ideologie A über Ideologie B ist daher nicht einfach eine fehlerhafte Abbildung, sondern eine Transformation entlang eigener Begriffe.

    Die Folge ist eine strukturelle Inkommensurabilität: Die Systeme sind nicht vollständig ineinander übersetzbar, da ihre grundlegenden Annahmen nicht geteilt werden.

    Ich denke, dass wir ML und ihr, dass wir den Selben Gegenstand betrachten, und dass meine Betrachtung eurer Betrachtung nur eine Transformation entlang meiner Begriffe darstellt. Uns ist durchaus Bewusst, dass wir das Interesse der Partei, in welcher wir das Interesse des Proletariats vertreten sehen, über das Individuum stellen. Uns ist bewusst, dass unsere Betrachtung aus einem bestimmten Standpunkt herrührt und dass dieser angefochten werden kann. Wenn ihr glaubt, Revolution wäre ohne Anti-Individualismus und entlang liberaler-individualistischer Prämissen durchführbar, dann wird das innerhalb eures Logiksystemes eine durchaus kohärente Schlussfolgerung sein. Ihr müsst euch nur die Frage stellen, in welcher historischen Tradition eure Überzeugungen entstehen. Ich denke ihr solltet anfangen, die Prämissen eures Denkens historisch einzuordnen. Btw deine Andeutung auf den Faschismus als Massenideologie trifft aus meiner Sicht nichtmal die Form der Sache. Das faschistische Menschenbild ist ja gerade eine extreme Form der Preisung des Individuums, der „schillernden Persönlichkeit“. „Durch die kategorische Ablehnung der Persönlichkeit und damit der Nation und ihres rassischen Inhalts zerstört sie [die marxistische Weltanschauung] die elementaren Grundlagen der gesamten menschlichen Kultur.“ -Adolf Hitler
    Ich will hier kein Hufeisen-Battle erzeugen, nur einmal auf das Glashaus hinweisen. Verzeiht dass dieser Text nicht so eloquent rüberkommt, es ist spät und ich arbeite 50h die Woche

  9. @Genervt: Dein Widerspruch – und der jeglicher Erkenntnistheorie – besteht darin, dass du einerseits allen Urteilen und Erkenntnissen – die du gleich „Ideologien“ taufst, was in meinem Verständnis fehlerhafte Urteile über die Welt sind – eine „intrinsische Wahrheit“ zuerkennst, also eine Wahrheit, die nur innerhalb des betreffenden Gedankengebäudes gültig sei, du dich andererseits aber mit eben dieser Charakterisierung über diese „Ideologien“ stellst; das wiederum nur ganz methodisch, ohne diese „Ideologien“ selbst einer inhaltlichen Prüfung zu unterziehen. Merkst du nicht, was für ein absolute Wahrheit beanspruchendes Urteil deine Relativierung aller anderen Gedankengebäude ist? Und wie gleichgültig diesem Urteil zugleich die Urteile anderer Theorien sind? Also lass doch das erkenntnistheoretische Gefasel, denn das führt zu nichts.

    Derselbe erkenntnistheoretische Fehler liegt auch in folgendem Satz von dir vor:

    „So ist eine der dialektisch-materialistischen Prämissen die Vorstellung, dass wir akkurate, annähernd Objektive Urteile über die Realität fällen können, sofern wir sie auf ihre Materie reduzieren und aus der so erkannten jeweiligen Beschaffenheit Schlussfolgerungen darüber ziehen, was sich aus ihr ergeben kann.“

    A. Wenn du sagst, wir können „annähernd objektive Urteile über die Realität fällen“, machst du eine Differenz zwischen Urteil und Realität auf. Woher ist dir diese Differenz bekannt? Deine Behauptung unterstellt, dass du weißt, dass das Urteil die Realität verfehlt. Der rationale Schluss daraus wäre, sich dann an die Korrektur des fehlerhaften Urteils zu machen. Das aber ist dein Anliegen offenbar nicht, denn ganz methodisch-inhaltlos fährst du fort:
    B. Annähernd richtige Urteile könne man nur fällen, wenn man die Realität auf ihre Materie reduziert. Wovon redest du da? Du bewegst dich in völligen Abstraktionen bar jeglichen Inhalts und entsprechend inhaltsleer ist die Fortsetzung deines Satzes. Oder mal den Marxisten in dir gefragt: Hat Marx im Kapital „die Realität“ auf „ihre Materie“ reduziert und geschaut, was sich daraus ergeben kann? Hat er sich mit „erkenntnistheoretischen Problemen“ herumgeschlagen? Oder hat er die Logik des Kapitalverhältnisses auf den Punkt gebracht?

    „Du kannst natürlich das Kollektiv dem Individuum unterordnen. …, aber wenn du der Abstraktion „Individuum“ mehr Wert beimessen möchtest als dem Proletariat und seinen Klasseninteressen, dann stellst du dich gegen das Proletariat und seine Klasseninteressen.“

    Ach ja? Worin bestehen denn die Klasseninteressen des Proletariats? Lohnt es sich, die zu unterstützen? Die Frage stellt sich dir gar nicht. Bei dir (oder euch) hört es sich so an, als würden diese Interessen einem „Individuum“ nicht gut bekommen. DU operierst doch mit der „Abstraktion Individuum“, DU operierst mit der Unterordnung zwischen „Kollektiv“ und „Individuum“ – in beiden Richtungen. DU (oder IHR) kennt „höhere Ziele“, denen man sich „aufopfern“ soll. Bei so etwas kommt das eigene Interesse nur noch als un-tergebuttertes vor. Dafür soll man sein?? Natürlich ist eine kommunistische Revolution kein Zuckerschlecken, aber sie soll doch eine Gesellschaft hervorbringen, die dem Materialismus der Leute nützt.

  10. @Genervt : (ergänzende Kritik)

    Als Marxist einen Standpunkt zu beziehen, ist ein Nachahm-Fehler bürgerlichen Denkens. Warum? Ein Standpunkt ist der Sache nach ein subjektiver Blickwinkel auf die Welt und im Falle von Marxisten ist dieser immer politisch konnotiert. Insofern reiht man sich damit in die ad libitum geführte Debatte ein, welche der politischen Sichtweisen auf die Welt wohl die passende sei. Das führt in dieser Sphäre notwendig und regelmäßig zu lustigen Kontoversen über die Berechtigung bzw. Nicht-Berechtigung der jeweiligen persönlichen Meinung, die sich als einzig richtigen Standpunkt vorträgt. Das weiß auch der genervte Schreiber und ist sich seines relativistischen Standpunktes auch bewusst („Uns ist bewusst, dass unsere Betrachtung aus einem bestimmten Standpunkt herrührt und dass dieser angefochten werden kann.“). Das stört ihn aber auch nicht weiter.

    Marxisten sind jedoch per se keine Parteigänger, sondern machen objektive, ergo richtige Wissenschaft, weil ihr Mittel das korrekte Argument ist. Deswegen heißt das bekannte Periodikum übrigens nicht Gegenstandpunkt, sondern GegenStandpunkt, also mit großem S. Dem kann man über die Bedeutung dieser Bezeichnung schon das entnehmen, worauf es ankommt: Opposition gegen Standpunktwissenschaft und damit gegen bürgerliche Wissenschaft und ihre Ableger. Denn die streitet sich um einander ausschließende Standpunkte, die sich wechselseitig zu tolerieren haben, nicht um die Sache selber. Die erreichen sie mit ihren vorweg eingenommenen Standpunkten gar nicht erst. Darunter fallen auch alle anderen linken Organisationen in ihrer Absicht, nicht die Wissenschaft voranbringen zu wollen, sondern immerzu ihre moralischen Titel, ihre Anschauungen, ergo Standpunkte eben, hochzuhalten und gegen andere Linke als Einwand abgrenzend verstanden wissen zu wollen. Ein berühmter Mathematiker (David Hilbert) hat mal korrekt schlagkräftig gesagt: Manche Menschen haben einen Gesichtskreis vom Radius Null und nennen ihn ihren Standpunkt.

    Diese Moralität der Linken, hier insbesondere die der ML, gilt es zu kritisieren, weil diese einen wissenschaftlichen Anspruch an die Erklärung einer Sache gar nicht einnehmen wollen, sondern vor aller Erklärung sich bereits sehr methodisch-dialektisch ein erkenntnistheoretisches Urteil gebildet haben, das auf dem Glauben an den historisch determinierten Weltenlauf beruht, dem man als aufrichtiger ML gehorsam zu folgen habe. Ihre „Überzeugungen“ resp. „die Prämissen ihres Denkens“ gewinnen sie durch eine Unterordnung unter/in eine „historische Tradition“, die auf das Individuum (eine in diesem Zusammenhang saublöde Abstraktion, wie schon festgehalten wurde) und seinen ihm nützlichen Materialismus im Namen einer höheren Macht (das ist die Geschichte) scheißt. Konsequent fordert so eine Denke vom „Individuum“ im Zweifel das eigene Opfer für die höhere Sache des Kollektivs, auch wenn es davon nichts mehr hat, außer vielleicht hinterher den ideellen Titel hinterhergeworfen zu bekommen, ein „Held des Kampfes“ gewesen zu sein. Amen. Auch diese bürgerliche Attitüde ist den ML nicht unbekannt.

    Der Standpunkt ihres Jüngerdaseins ist der eines imaginären teleologischen Himmels, der für sie unwiderruflich beschlossen ist: der kommende Sieg des Proletariats. Dabei ist nichts ungewisser. Dieser Selbstbetrug ist ihre Standpunkt-Metaphysik, die angesichts der gegenwärtigen kapitalistischen und imperialistischen Realität rein gar nichts taugt. Worauf es tatsächlich ankommt, ist, gegen die real existierende Macht zu agitieren und gegen sie die Leute aufzuhetzen – jene Macht, die ihnen in jeder Phase ihrer (vorwiegend proletarischen) Existenz gewaltsam entgegentritt, ihnen das Leben täglich unerträglicher macht und sie gegenwärtig intensiv darauf vorbereitet, im nächsten Weltkrieg als Opfer verheizt zu werden. Das haben die ML offensichtlich nicht vor, denn die „Geschichte“ resp. „historische Tradition“, in die man sich unterhakt, wird es schon richten…

  11. Zu Spanidis (KP):

    08.06.2024 | Kommunisten Kneipe | Antimarxismus? Kritik am GegenStandpunkt – Mit Thanasis Spanidis (KO)
    https://www.youtube.com/watch?v=sHr7vRItTHE
    https://kommunistische.org/wp-content/uploads/2018/07/Spanidis-Standpunkt-gegen-den-Marxismus.pdf

    20.06.2024 | 99 ZU EINS | Der Staat – mit Herbert Auinger und Thanasis Spanidis
    https://www.youtube.com/watch?v=3zpOfXnWcxc

    18.07.2024 | 99 ZU EINS | Der Staat – Reaction mit Herbert Auinger
    https://www.youtube.com/watch?v=29yO7Zls12g

    Herbert Auinger: Nachtrag zu meiner Diskussion mit Thanasis Spanidis auf 99 ZU EINS über den bürgerlichen Staat:
    https://blog.99zueins.de/2024/09/12/herbert-auinger-nachtrag-zu-meiner-diskussion-mit-thanasis-spanidis-auf-99-zu-eins-ueber-den-buergerlichen-staat/

    und

    19.07.2026 | Fabian Lehr | „Stalinismus“ vs. „Trotzkismus“ – mit Thanasis Spanidis (KP) und Werner Halbauer (SVU)
    https://www.youtube.com/watch?v=NRg2DsiJGL4

  12. Einwände von einer trotzkistischen Variante des ML:

    „GegenStandpunkt: Ohnmacht statt Klassenkampf“ (RKP)
    https://derkommunist.de/gegenstandpunkt-ohnmacht-statt-klassenkampf/

    und die Entgegnung eines Zusammenhangs namens NEW-COMM:

    „Die RKP auf geistiger Talfahrt: Eine Antikritik“
    https://newcomm.substack.com/p/die-rkp-auf-geistiger-talfahrt-eine

    Über NEW-COMM:
    https://newcomm.substack.com/about

  13. Ingo, dein Auinger-Link sollte wohl dieser sein:

    https://99zueins.de/herbert-auinger-nachtrag-zu-meiner-diskussion-mit-thanasis-spanidis-auf-99-zu-eins-ueber-den-buergerlichen-staat/

    Der von dir angegebene führt nicht dorthin.

  14. @Aline:

    Stimmt. Danke!

  15. Passend zur aktuellen Kontroverse ein Literaturtipp von „Wissen und Kritik“:

    „Der HISTOMAT“

    Der hier annoncierte Text ist dem Buch „Der Anschluß. Eine Abrechnung mit der neuen Nation und ihrem Nationalismus“ (Resultate Verlag, 1990, S.238-242) entnommen; selbiges kann noch beim Verlag erworben werden.

    Neben der ausführlichen Kritik des Nationalismus im neuen Deutschland und der Analyse der „politischen Ökonomie einer friedlichen Eroberung“ wird auch die seinerzeit gültige DDR-Staatsdoktrin, nämlich die Weltanschauung des „wissenschaftlichen Sozialismus“ des Marxismus-Leninismus („Der ML – Opportunismus als Denkmethode“) einem fundierten Verriss unterzogen.

    Auf diesen Teil bezieht sich der Textauszug:

    „Der Histomat – ein fatales geschichtsphilosophisches Konstrukt für die trostreiche Anpassung an die Weltordnung des Kapitals“

    https://wissenundkritik.de/wp-content/uploads/2026/07/Der-Histomat-1.pdf

    Quelle:

    Peter Decker / Karl Held
    Abweichende Meinungen zur deutschen Einheit

    DDR kaputt – Deutschland ganz 2: Der Anschluß
    Eine Abrechnung mit der neuen Nation und ihrem Nationalismus

    https://de.gegenstandpunkt.com/publikationen/buecher/ddr-kaputt-deutschland-ganz-2-anschluss

  16. 04.08.2026 | 99 ZU EINS | Der historische Materialismus mit Paul und Paul

    Hannah spricht mit Paul und Paul (und Unterstützung von Paul) darüber was der historische Materialismus war und was ein sinnvoller Begriff des historischen Materialismus sein kann.

    https://www.youtube.com/watch?v=KkOAVOF5bZ4

  17. Die RKP mal wieder:

    „GegenStandpunkt auf Irrwegen: Was ist der Imperialismus?“
    https://www.youtube.com/watch?v=7l2GlPnZmRA

    In den Kommentaren wird neben dem Staatsbuch von Karl Held u.a. auf diesen Artikel hingewiesen:

    Sybille von Flatow / Freerk Huisken
    Zum Problem der Ableitung des Bürgerlichen Staates: Die Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft, der Staat und die allgemeinen Rahmenbedingungen der Produktion.
    (1973). PROKLA. Zeitschrift für Kritische Sozialwissenschaft, 3(7), 83-153

    https://www.prokla.de/index.php/PROKLA/de/article/view/1803

    https://prokla.de/index.php/PROKLA/de/article/view/1803/1737

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