Kein Kommentar: Deutscher Imperialismus heute: Über die Gewaltverhältnisse gelebt!
Von webmaster • Apr. 1st, 2026 • Kategorie: GSP-RadioKein Kommentar:
Deutscher Imperialismus heute: Über die Gewaltverhältnisse gelebt!
Oberst a.D. Roderich Kiesewetter ist keine Gestalt aus den „letzten Tagen der Menschheit“, er heißt nur so, als hätte ihn Karl Kraus erfunden. Herr Kiesewetter ist vielmehr Mitglied des Deutschen Bundestages (für die CDU) und Angehöriger von dessen Auswärtigem Ausschuss.
Für den Namen kann er vermutlich nichts; seine Anspruchshaltung wird dem Bild, das Kraus von ihm gezeichnet hätte, dennoch gerecht:
„Aus meiner Sicht muss unser Ziel lauten, dass Russland verliert und die Ukraine gewinnt. Und dieses Ziel muss man konkret definieren. Dass die Ukraine gewinnen soll, muss heißen, dass sie mindestens ihre Grenzen vom Januar wiederherstellen kann, am besten von 2014. Alles andere ist Sache von Verhandlungen. Dass Russland verliert, heißt: Russland muss sich zurückziehen, muss verlieren lernen wie Deutschland 1945. Es muss Reparationen zahlen und Kriegsverbrecher an ein internationales Tribunal überstellen. Dass Russland verlieren muss, heißt ausdrücklich nicht Regime Change von außen, denn keiner greift Russland an. Russland hat ein Land überfallen, aber die Zukunft Russlands ist Sache der russischen Bevölkerung.“ (24.11.2022)
https://www.n-tv.de/politik/Russland-muss-verlieren-lernen-wie-Deutschland-1945-article23741918.html
Russland „muss verlieren lernen wie Deutschland 1945“? Vorbild Deutschland für den guten alten bzw. brandaktuellen Revanchismus? Wie „Deutschland 1945“, also bedingungslose Kapitulation, ein Regime Change von außen, Besatzungsmächte entscheiden über die Zukunft Russlands? Und das alles, wo doch „keiner Russland angreift“, und der Regime Change keiner von außen sein soll?
Ziemlich verwirrend. Da ist offenbar die Kriegsgeilheit mit dem Abgeordneten durchgegangen und hat darüber einige Resultate einer genuin deutschen Nachkriegspädagogik zur Kenntlichkeit entstellt, den diesbezüglichen „geheimen Lehrplan“ gewissermaßen bloßgelegt. Russland heute „wie Deutschland 1945“? Samt Reparationen und womöglich Bewältigung? Echt jetzt? Nun gut:
Warum hat Deutschland eigentlich damals keine Reparationen an die Sowjetunion gezahlt? Warum hat Deutschland Reparationen an Israel bezahlt? Hat sich die frischgebackene Bundesrepublik nach 1945 doch der Auffassung ihres Rechtsvorgängers angeschlossen, und den Völkermord an den Juden als „Krieg“ des damaligen deutschen gegen das jüdische Volk sanktioniert, so dass nach der Niederlage gegen eine internationale Koalition Reparationen fällig waren? Und vor allem – warum haben die USA im weiteren Verlauf Reparationen an Deutschland gezahlt?
Fragen über Fragen … glücklicherweise muss Herr Kiesewetter sich darüber nicht den Kopf zerbrechen; sein Job besteht schließlich darin, heutige Ansprüche vorzutragen.
Zum Thema deutscher Imperialismus heute eine Empfehlung für zwei aktuelle Publikationen:
Deutscher Notstand (I): Der Angriffskrieg
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/zwei-fassungen-nationalem-notstand)
Deutscher Notstand (II): Americafirst
Aus: GrossMachtSucht, von Jens van Scherpenberg, S. 189 ff. Westend Verlag 2026
Wenigstens auf Oberst a.D. Kiesewetter ist Verlass. Der lässt sich vom Schwenk der USA nicht übermäßig beeindrucken, und ortet eine vorwärtsweisende Verlässlichkeitslücke in Sachen atomare Abschreckung:
„Russland und USA stehen auf einer Seite gegen die Ukraine, und das können wir natürlich nicht zulassen“ – weil sie damit gegen das deutsche Interesse an der Ukraine stehen – „Deutschland brauche Verlässlichkeit bei der Abschreckung mit Atomwaffen“ (Kiesewetter am 16.2.2026)
https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:a143de76d14e87d7/
Deutschland braucht Verlässlichkeit bei der Abschreckung mit Atomwaffen; woher soll die kommen? Das wird schon noch.
