19.02.2026 | Frankfurt/Main | Moral (Fortsetzung)
Von webmaster • Feb. 17th, 2026 • Kategorie: VeranstaltungenFortsetzung zu:
https://www.contradictio.de/blog/archives/10688
Zeit: Donnerstag | 19.02.2026 | 19:00 Uhr
Ort: Studierendenhaus Campus Bockenheim | Jügelstraße 1 | 60325 Frankfurt
Veranstalter: farbeROT
Diskussionsveranstaltung:
Moral (Fortsetzung)
Dass es der Welt an Moral fehlt, meint eigentlich jeder. Ohne Not Teilzeitarbeitende, die sich vor fleißiger Arbeit für das Allgemeinwohl drücken und stattdessen ihrem Lifestyle frönen; Polizisten, die zu hart vorgehen; Manager, die mit Massenentlassungen den shareholder value ihrer Firmen steigern; bestens versorgte Politiker, die dem kleinen Mann die Rente zusammenstreichen, bis hin zu den akademischen Doppelverdienern, die keine Kinder machen – lauter Dokumente des umfassenden Mangels an Gemeinsinn, Pflichtgefühl, Menschlichkeit.
In diesem Versagen fast aller Mitmenschen vor den Maßstäben des Guten haben die Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft die fertige, stets abrufbare und auf alles anwendbare Erklärung für die sozialen und zwischenmenschlichen Ekelhaftigkeiten, die sie erleben müssen. Wären nur alle so tugendhaft und verantwortlich, wie sie sollten, wäre die Welt in Ordnung, und jeder bekäme, was ihm zusteht.
Dass es ihm selbst an Moral fehlt, meint eigentlich kaum jemand. Man hält sich ja an die Gesetze, zahlt Steuern, studiert oder tut in Beruf und Familie seine Pflicht, übt Rücksicht auf andere, engagiert sich manchmal sogar für die Umwelt und spendet für die Armen. Eigen- und Fremdeinschätzung weichen da ziemlich voneinander ab. Ein jeder sieht sich von Egoisten, Abzockern, Lumpen umgeben und kennt vor allem einen Rechtschaffenen: sich.
Mit diesem Bewusstsein verstehen sich die Menschen als – wertvolle – Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft und sehen sich zum Wächter über das korrekte Betragen ihrer Mitmenschen berufen. Das selbst bringt jede Menge Feindseligkeit unter die Leute.
Unsere These: Die Welt krankt keineswegs an zu wenig Moral; eher schon an zu viel.
Das moralische Denken ist das größte Hindernis für eine objektive Beurteilung der Gesellschaft, der es entspringt, und der eigenen und fremden Interessen, die sie erzwingt.
Darum stellen wir die Moral – an der alles und jeder sich stets messen lassen müssen – einmal selbst auf den Prüfstand.
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