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Kein Kommentar: Der „Dolchstoß“, die Kriegshetze, die Gleichschaltung

Von • Dez. 29th, 2025 • Kategorie: GSP-Radio

Kein Kommentar: Der „Dolchstoß“, die Kriegshetze, die Gleichschaltung

Diesmal keine „Legende“

Der „Dolchstoß“

Der 28-Punkte-Plan von MAGA (MakeAmericaGreatAgain) für Frieden in der Ukraine ist der „Dolchstoß“; der darin zusammengefasste Schwenk der US-Politik ist ein schwerer Schlag für die europäische Koalition der Kriegswilligen, also moralisch interpretiert: „Verrat“. Der Plan billigt der Russischen Föderation nämlich legitime Sicherheitsinteressen in und auf Kosten der Ukraine zu, als da wären: Kein NATO-Beitritt der Ukraine, und die Begrenzung des ukrainischen Militärs, in den Punkten 6, 7 und 8.

Der aus europäischer Sicht „verbrecherische, völkerrechtswidrige blablabla …“ kommt damit als legitimes Mittel der Politik vor! Das verträgt sich nicht mit dem Anspruch der Alleinzuständigkeit für jede „Ordnung“ in Osteuropa, die exklusiv in Berlin, Paris und London zu entscheiden ist: Welche Staaten gibt es, wo verlaufen die Grenzen, und zu wessen „Hinterhof“ gehören sie. (…)

Derselbe „Verrat“ an „Europa“ noch einmal und deutlicher in der neuen „nationalen Sicherheitsstrategie“ der USA: Die kennt Russland nicht als den unerträglichen Feind, nicht einmal als Kandidat für einen Regime-Wechsel. Die USA bauen sich darin als Schiedsrichter und Platzanweiser auf, und ermahnen die Kriegsparteien Europa und Russland, sich endlich wieder zu vertragen: (…)

Die Kriegshetze

Mit dem Ausstieg von MAGA aus der bisherigen gemeinsamen Feindschaft gegen Russland ist allerdings dem bisherigen europäischen Aufbruch zur Weltmacht, zum Imperium, die Grundlage entzogen – nämlich sich mithilfe der USA den Osten einzuverleiben, um damit in der Konkurrenz gegen die USA immer „greater“ zu werden.

Mit dem Beschluss, ihren Weg nach Osten nichtsdestotrotz fortzusetzen, eskalieren die Protagonisten der europäischen Koalition der Kriegswilligen die Kriegshetze: Jede Drohne unbekannter Herkunft eine russische Kriegshandlung, jedes russische U-Boot auf Angriffskurs! Das ist sehr folgerichtig, denn MAGA hat durch die Entscheidung zum Ausstieg klargestellt, dass der Krieg um die Ukraine keineswegs ein völkerrechtlich-moralisch-alternativloser Verteidigungssachzwang ist, womit im Grunde genommen gar keine Entscheidung zum Krieg vorliege, vielmehr eine naturwüchsige Entwicklung. „Europa“, wenn mal schon mal dieses dadurch aufwachsen sollende Subjekt unterstellt, wurde genötigt, Farbe zu bekennen – aus der Sicht eines Macron: es wurde endlich dazu befreit!

Ja, „Europa“ ist selber im Krieg, die Sprachregelungen der Anfangsphase unter Olaf Scholz – die Ukraine verteidigt sich bloß, und „wir“ helfen, wollen aber nicht hineingezogen werden –, die sind obsolet, und ersetzt durch eine neue Lüge: „Wir“ sind im Krieg, aber nicht weil „wir“ „uns“ die Ukraine einverleiben wollen, darauf Anspruch erheben – das wäre ein moralisches Unentschieden gegenüber Russland –, sondern weil uns die Russen zum Krieg zwingen, indem sie ihn längst führen, „hybrid“ nämlich, zumindest den „Frieden“ beendet haben, wie Herr Merz das nennt. „Wir“ brauchen allerdings noch etwas Zeit zur Aufrüstung, zu einer Aufrüstung, durch die „wir“ das russische konventionelle Militär endgültig abschreckend entwerten wollen – was „wir“ in schöner Offenheit uns und aller aller Welt mitteilen …

(An die Herren Merz bzw. Pistorius: Achtung! Feind hört mit!) Die Absurdität, eigentlich längst einen Krieg führen zu müssen, ohne ihn führen zu können, die löst sich auf – es geht dann doch hier und heute um das eigene blöde Volk, das auf diese Weise mit Deutschland als Kriegsschauplatz vertraut gemacht werden soll. Der Kampf gegen den Untoten, den Deutschland seit mittlerweile 80 Jahren führt, der geht – wenigstens diesbezüglich muss sich niemand umstellen –, der geht jedenfalls weiter, der Führer ist wieder da: (…)

Ansonsten ist die Botschaft Merzens glasklar, die der Berichterstatter als berechnende Sprachregelung kennzeichnet – „Merz braucht diesen Vergleich“ –, dafür nämlich: Für Russland ist der Krieg kein Mittel zum Zweck, kein Mittel der Politik – worin dieser Krieg mittlerweile immerhin von den USA anerkannt ist –, sondern Putin verkörpert das grund- und zwecklose Böse, um der puren Bösigkeit willen.

Kompromiss oder gar Friede ist ein Ding der Unmöglichkeit; Europa muss den Krieg wollen. Dafür steht Hitler, und da darf man wieder so richtig staunen: Der Führer schafft schon wieder Arbeitsplätze in der deutschen Rüstungsindustrie und in der deutschen Wehrmacht …

Die Gleichschaltung

Mit der Kriegshetze kann die Aufrüstung immerhin an der Wertefront problemlos mithalten – wir erinnern uns: es geht im Krieg der Ukraine um die berühmten WeWe, die westlichen Werte. Aktuell im Gespräch: Die Rechtsstaatlichkeit und die Meinungsfreiheit. (…)

Wer sich mit weiteren Einzelheiten befassen will, möge sich auf den „Nachdenkseiten“ informieren; in den dortigen Texten finden sich dann auch weitere links zu anderen Quellen und Informationen jenseits der Verantwortungspresse, was ich mir hiermit erspare.

Zum Vorwurf selber: Jacques Baud bezieht sich unter Verweis auf eine ukrainische Quelle auf eine – im Grunde genommen – triviale Angelegenheit, dass nämlich auch die Ukraine mit dem Krieg als Mittel der Politik kalkuliert. Der Krieg, nach einem berühmten Diktum der „Vater aller Dinge“, der sollte zum Vater der Ukraine werden, und das dortige „nation building“ voranbringen – „make Ukraine great again“ sozusagen, indem sich die Ukraine als Frontstaat für die NATO gegen Russland nützlich macht.

https://cba.media/751254

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