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[10/2008] Wenn Banken krachen,…

Von • Okt 26th, 2008 • Kategorie: Artikel

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Was der Kollaps des Finanzsystems ber den Reichtum der kapitalistischen Nation lehrt

Von Peter Decker

Jetzt, wo die weltgrten Banken zusammenbrechen und sich ber Nacht Vermgenswerte von vielen Milliarden in Luft auflsen, machen sich Politiker, Wirtschaftsfachleute und Journalisten Sorgen um die Wirkungen dieser Zusammenbrche auf so etwas wie die Realwirtschaft. Das ist bemerkenswert, denn bis krzlich war ein Unterschied zwischen Brsenkursen und Bankrenditen einerseits und dem Reichtum, der aus Produktion und Verkauf von ntzlichen Dingen hervorgeht, andererseits vllig unbekannt. Sogar dem einfachen Volk, das keine Aktien besitzt, wird in den Abendnachrichten der Stand der Brsenkurse bekannt gemacht, die unmittelbar als Auskunft darber verstanden werden sollen, wie es um die Wirtschaft steht. Wenn die Laune der Brsianer gut gewesen und die Brsenkapitalisierung der DAX-Unternehmen wieder einmal gewachsen ist, dann ist wie auch immer der Reichtum grer geworden, von dem wir alle leben. Weil Banken nun aber krachen und die Finanzakkumulation nicht mehr funktioniert und vermutlich so lange, wie sie nicht wieder in Gang kommt , kennt die Fachwelt den Unterschied zwischen spekulativen Vermgenstiteln und wirklichem Reichtum, der in der Realwirtschaft durch Arbeit erzeugt wird.

Gleichwohl pldiert keiner der Experten dafr, sich auf die Produktion wirklichen Reichtums zu konzentrieren und die Finanzhuser mit ihrer spekulativen Geldvermehrung getrost vor die Hunde gehen zu lassen. Das ist in einer kapitalistischen Nation jenseits aller Vorstellung. Gerade in dem Augenblick, in dem der Finanzzauber auffliegt, machen sich die Zustndigen grte Sorgen um den Dienst, den das Kreditwesen der Realwirtschaft leisten soll. Im Namen dieses Dienstes beschuldigen sie die Akteure an den Finanzmrkten, alles verkehrt gemacht zu haben. Lcherlich, wie die Liebhaber eines potenten Finanzsektors auf einmal Gier bei den jahrelang hochgejubelten Bankern entdecken, wie sie, die sonst Risiko und Risikobereitschaft als Vorzug des kapitalistischen Wirtschaftssystems loben, nun malose Risiken kritisieren, die die fr gigantische Renditen bewunderten Investmentbanken eingegangen seien und wohl selbst nicht mehr durchschaut htten.

Dabei haben die Investoren und Verwalter der groen Geldvermgen berhaupt nichts falsch und auch nichts entscheidend anders gemacht als immer schon. Sie haben das Wachstum ihrer Branche und damit ihre Bereicherung mit einer Sorte Geschft auf immer neue Hhen getrieben, das von seinem grundsoliden Ausgangspunkt an spekulativ ist.

Das Geschft mit dem Geld-Verleihen

Banken machen dasselbe wie alle kapitalistischen Unternehmer: Sie machen aus Geld mehr Geld das allerdings ohne den Umweg ber Produktion und Verkauf von Gtern, den andere fr dasselbe Ziel nehmen mssen. Zur Schaffung des materiellen Reichtums tragen die Geldhuser nichts bei. Sie verleihen Geld und vermehren es durch eine Vereinbarung mit ihrem Kreditnehmer: Der muss es ihnen nach einer vereinbarten Frist mit Zinsen zurckzahlen. Dabei ist es ihnen sogar gleichgltig, ob ihr Kunde das geliehene Geld als Kapital investiert und Rckflsse erwirtschaftet oder ob er es fr Konsum ausgibt. Seine vertragliche Rckzahlungspflicht gilt unbedingt; seine tatschliche Fhigkeit dazu hngt jedoch davon ab, ob er sich das erforderliche Geld bis zur Flligkeit beschaffen kann. Diesen Umstand ignoriert das Kreditverhltnis: Es tut so und wenn es klappt, ist es fr die Bank ja auch so , als ob sich das Geld im Ma der verstreichenden Zeit automatisch vermehren wrde: In ihrer Hand ist Geld unmittelbar Kapital aber nur dadurch, dass sie auf eine Geldvermehrung spekuliert, die andere betreiben und die sie nicht in der Hand hat.

Allgemeinheit und Verbreitung des Kredits beruhen also schon darauf, dass er fr kapitalistische Geldvermehrung eingesetzt wird. Im Zins eignet sich die Bank einen Teil des in Produktion und Handel erwirtschafteten berschusses an. Ihre Macht, vom Kreditnehmer mehr Geld zurckzufordern, als sie ihm gibt, grndet darauf, dass sie ihn instand setzt, Profit mit Kapital zu machen, das ihm gar nicht gehrt. Er zahlt den Tribut, weil er mit geliehenem Kapital mehr Gewinn machen kann als nur mit eigenem.

Die verfgbare Kapitalgre erscheint als die entscheidende Bedingung des Gewinnemachens in einer Welt, in der die wirkliche Quelle des materiellen Reichtums nichts gilt, weil sie so zuverlssig funktioniert. Von Willen und Bereitschaft der Arbeiter, die die ntzlichen Dinge schaffen, die dann mit Gewinn verkauft werden, hngt in einem geordneten Kapitalismus nichts mehr ab: Arbeitskrfte gibt es in den Berufen aller Bildungsniveaus reichlich bis berreichlich und billig, und sie stehen so selbstverstndlich zur Verfgung, dass sich kein Kapitalist von ihnen mehr abhngig sieht; er kalkuliert sie neben Rohmaterial und Betriebsstoffen locker als Produktionsfaktoren.

Unter solchen Umstnden hngt die Fhigkeit zur Gewinnerwirtschaftung tatschlich nur noch ab von der Macht des Geldes. Wer sich die erforderlichen Produktionsmittel beschaffen, den ntigen Kapitalvorschuss leisten, wer Mittel auch fr Phasen von Forschung und Entwicklung vorstrecken und technische Innovationen bezahlen kann, die die Anlagen der Konkurrenten bertreffen und entwerten, der macht das Geschft. Ob und in welchem Ma eine Firma oder eine Nation auf ihrem Standort die Profitmacherei in Gang setzen, welche Waffen der Konkurrenz sie einsetzen kann, alles entscheidet sich an der Verfgung ber die ntige Menge Kapital. So kommt der absurde, in sich unerklrbare Schein zustande, als sei das Geld selbst die Quelle seiner Vermehrung, als sei Geld ohne weiteres und aus sich selbst Kapital.

Die Verfgung ber Kapital gewhrt die Bank und befreit so das private und nationale Kapitalwachstum von den Grenzen, die ihm der schon akkumulierte, wieder investierbare Gewinn zieht. Auf diesem Dienst an der industriellen und merkantilen Gewinnmaximierung grndet die Macht der Bank, sich an den Zuwchsen zu beteiligen, die andere aus ihren Arbeitskrften herausholen.

Die Akkumulation des Finanzkapitals

Freilich, der Profitmacherei mit der Lohnarbeit einen Dienst zu leisten, ist nicht der Zweck der Bank. Sie dient nicht der Realwirtschaft, sondern nutzt wie jedes kapitalistische Unternehmen den Bedarf anderer aus, um daraus fr sich ein Plus zu machen. Die kapitalistische Realwirtschaft und das ganze Produzieren und Konsumieren der Gesellschaft, das daran hngt, ist Mittel der Selbst-Verwertung des Finanzkapitals und das keineswegs nur in der beschrnkten Perspektive der Finanzmagnaten selbst, sondern objektiv: Die Banken, die darber entscheiden, welche Firma Kredit bekommt und daher ber die ntigen Waffen der Konkurrenz verfgt, welche aber nicht, wessen Schulden prolongiert werden, welcher sumige Schuldner dagegen Konkurs anmelden muss, sind die wirtschaftlichen Machtzentren, die den Gang des Kapitalismus bestimmen.

Ihr Privileg, Geld ohne allen Umweg zu Kapital zu machen, d. h. es allein durch Verleihen und Zurckfordern zu vermehren, nutzen Banken, so gut sie knnen. Dabei kmen sie nicht weit, wenn sie (nur) das Geld verleihen wrden, das ihre Eigentmer aus Privatvermgen eingebracht haben, und dann warten wrden, bis es mit Zinsen zu ihnen zurckfliet. Wie ihre Kreditnehmer arbeitet auch die Bank mit Geld, das ihr nicht gehrt. Sie leiht es sich beim Publikum, indem sie Einlagen einwirbt und fr Sparbcher, Festgeld, manchmal auch fr Girokonten, Zinsen verspricht. Sie beschafft sich Verfgung ber fremdes Geld, um ihrerseits gegen hhere Zinsen anderen Verfgung ber fremdes Geld zu gewhren.

Auf diese Weise trennt die Bank das Eigentum an Geld von der Verfgung darber und macht einen doppelten Gebrauch vom Geld. Von ihrem Kreditgeber, dem Inhaber eines Kontos bei ihr, nimmt sie Geld und verleiht es weiter. Das Eigentumsrecht bleibt beim Kreditgeber, das Geld selbst wandert zum Kreditnehmer, der damit wie mit eigenem Geld umgehen kann. Den Einlegern verspricht die Bank gleichwohl die jederzeitige oder an Fristen gebundene Verfgung ber das eingelegte Geld, das sie gar nicht mehr hat und das sie erst in irgendeiner Zukunft und dann abhngig von Geschftserfolg und Solvenz ihres Schuldners wieder zurckzubekommen hofft.
Das ist die zweite Stufe der Spekulation.

Gleichgltig, wie sie dieses Kunststck im Einzelnen hinbekommt sie praktiziert es nicht nur im Verhltnis zu ihren Einlegern, sondern auch zu sich selbst: Weggegebenes Geld, das sie bis zur Rckzahlung, die fraglich ist, nicht hat, betrachtet sie als einen Vermgenswert, den sie hat, und fhrt ihn als Aktivum in ihren Bchern. Schon wieder hielte sie es fr ein strfliches Brachlegen von Vermgen, wenn sie den Anspruchstitel auf knftige Rckzahlung, den sie besitzt, in ihren Bchern herumliegen liee und auf die Tilgung wartete. Sie behandelt die Schulden ihrer Kunden als Assets, als zinstragendes Kapital, das sie mit Gewinn an andere Geldanleger weiterverkauft oder zur Grundlage eigener neuer Kreditaufnahme macht, um ohne neues eigenes Kapital denselben Kreisverkehr der Verdopplung des Geldvermgens immer wieder und auf immer grerer Stufenleiter zu erffnen.

Die Zahlungsfhigkeit, die Banken und Finanzhuser durch die Verwendung fremder Schulden als verkufliche oder beleihbare Vermgenswerte kreieren, verwenden sie selbstverstndlich nicht nur und auch nicht berwiegend zur Kreditierung der Wachstums- und Konkurrenzbedrfnisse ihrer Kunden aus der Realwirtschaft, sondern investieren sie in alles, was ihnen Zuwachs verspricht: in Aktien, Rohstoffe, edle Metalle und auch in zinstragende Wertpapiere, die andere Banken auf den Markt bringen. Damit befreit das Finanzkapital sein Wachstum und seine Rendite von den beschrnkten Wachstumsbedrfnissen und Wachstumsgelegenheiten, die Industrie und Handel ihm bieten. Von einem Dienst des Finanzsektors an der Realwirtschaft ist da nichts mehr zu sehen: Diese Abteilung Kapital, auf die es fr den Rest der kapitalistischen Wirtschaft so entscheidend ankommt, nutzt schlicht ihre Sonderstellung und akkumuliert aus sich selbst. Sie radikalisiert ihre Fhigkeit, Geld ohne Umweg als Kapital zu nutzen, noch einmal und nutzt gar nicht Geld, sondern Geld, das sie nicht hat, versprochenes, erwartetes Geld Kredit eben als sich verwertendes Kapital. Die eine Bank beschafft sich Zahlungsfhigkeit, indem sie Kredit bei anderen Banken nimmt, und zwar derart, dass sie ihnen Wertpapiere, verzinste Rckzahlungsversprechen verkauft, die sie auf den erwarteten Erfolg ihres Geschfts hin herausgibt. Und sie gibt anderen Banken Kredit, indem sie von ihnen emittierte Wertpapiere kauft. In diesem Zirkel kreieren die Finanzhuser immer neue Investitionsgelegenheiten und zugleich die Investitionsmittel, die es braucht, um die Gelegenheiten wahrzunehmen. Sie geben einander und nehmen von einander Kredit, schreiben sich dadurch immer grere Vermgen gut und zahlen und kassieren darauf immer mehr Zinsen und hnliche Ertrge. Was bei einer Bank alleine Schwindel wre, ist bei dem Kreditgebirge, das der Bankensektor errichtet, ein ehrenwertes Geschft: Das Kreditsystem kreditiert sich selbst.

Das geht so lange nmlich, wie die Anleger, also im Wesentlichen die Banken selbst mitsamt ihren Investment und Hedgefonds, mit den Geldvermgen, die sie sich gutschreiben und auf den Finanzmrkten immerzu umschlagen, nichts anderes anstellen wollen, als sie schleunigst wieder in profitable Anlagen zu investieren. Sobald aber, angestoen wodurch auch immer, Zweifel an der endlosen Fortsetzbarkeit dieser Spirale aufkommen und nicht nur Einzelne statt neuer Wertpapiere das Geld sehen wollen, das diese Papiere verheien, sondern viele, dann wird schnell deutlich, dass keine Bank das Geld hat und zurckzahlen kann, das sie ihren Glubigern schuldet und verspricht. Die Kettenreaktion, die droht, wenn eine Grobank zusammenkracht, ist eine schne Probe aufs Exempel: Warum kann die Pleite der deutschen IKB-Bank den ganzen nationalen Finanzplatz mitreien? Warum hat der Zusammenbruch eines Hauses wie Lehman Brothers die Potenz, das Weltfinanzsystem zu zerstren? Eben weil die Vermgen der Banken aus nichts anderem bestehen als aus Schulden anderer Banken. Wenn eine ihre Schulden nicht mehr bedienen kann, dann legt das offen, dass die Vermgen der anderen nichts wert sind. Das beweist immerhin eines: In einem entwickelten Finanzsystem machen Banken ihr Geschft nicht wirklich mit Geld, das sie haben oder sich leihen, sondern mit dem Kredit, den sie als die groen Zentren der Geldmacht genieen. Ihr Geschftsmittel ist das Vertrauen ihrer Konkurrenten und darber des breiten Publikums darauf, dass sie immer zahlen knnen, wenn sie mssen. Sie genieen nicht das Vertrauen, weil sie zahlen knnen, sondern sie knnen zahlen, weil und solange sie dieses Vertrauen besitzen.

Dass sich da periodisch Misstrauen einstellt, ist nur zu berechtigt. Schlielich bestehen die Vermgenswerte, die in gigantischem Ausma geschaffen und akkumuliert werden, nicht in Geld, dem allgemeinen Zugriffsmittel auf den produzierten Reichtum, sondern in Versprechen auf zuknftige Zahlung von Geld. Solange das Vertrauen in die sptere Zahlung intakt ist, sind die Schuldtitel bei Bedarf zu Geld zu machen, sind also geldgleiche Wertpapiere. Da das eigene Vertrauen der Anleger aber der einzige Grund dafr ist, dass sie Vertrauen haben knnen, kippt dieser Zirkel immer wieder in sein Gegenteil; Anlsse dafr gibt es genug; das mssen nicht, knnen aber auch misslungene Geschfte in der Realwirtschaft sein. Das Umkippen des Vertrauens und der verzweifelte Versuch, Schuldpapiere auch unter Verlust noch zu Geld zu machen, ist wieder eine Probe aufs Exempel: Im Zusammenbruch wird offenbar, dass die Finanzvermgen nicht der wirkliche kapitalistische Geldreichtum sind, der sie sein wollen und als der sie an den Brsen gehandelt und bezahlt werden, sondern nichts als spekulative Vorwegnahmen, Anspruchstitel auf knftigen Reichtum, den es wie man dann bemerkt nicht gibt. Sobald berhaupt die Frage aufkommt, ob das Geld, das die Wertpapiere versprechen, wirklich vorhanden ist, erweist sich das durch Arbeit und Ausbeutung geschaffene und vermehrte Geld immer als viel zu wenig. Zusammenbrche der spekulativ geschaffenen Reichtmer sind nicht neu. Wenn sie gegenwrtig heftiger ausfallen als meistens, wenn nicht nur dieser oder jener Sektor des Finanzmarkts kracht und nicht nur das eine oder andere Land bankrott ist, sondern das ganze Weltfinanzsystem zusammenzubrechen droht oder zusammenbricht, dann deshalb, weil die finanzkapitalistische Akkumulation, die diesem Ende vorherging, besonders gro und global war.

Die Staaten retten ihr Finanzsystem ein Bekenntnis!

Jetzt springen Regierungen ein und hauen die bankrotten Banken heraus: Bis Ende September steckt die Bundesregierung 10 Milliarden Euro in die insolvente IKB, noch einmal eine hnliche Summe spendieren Landesregierungen diversen Landesbanken; die US-Regierung wendet die unvorstellbare Summe von zusammengerechnet 1 Billion Dollar auf, um den laufenden Zusammenbruch ihres nationalen Kreditsystems zu stoppen inzwischen sind diese Summen weltweit lngst um vieles grer und immer noch unzureichend. Die Pleiten der groen Spekulanten sind offenbar keine Privatsache. Mit ihrem gewaltigen Einsatz bekennen die Staaten, dass eine funktionierende Spekulationsbranche das Lebenselixier ihrer Wirtschaft und ihrer eigenen Finanzen ist. Zahlungsfhigkeit sowohl fr die ntigen Investitionen der nationalen Wirtschaft wie fr den Bedarf des Staatshaushalts im Prinzip unbegrenzt, allein durch die Benutzung des Vertrauens in die Kreditmacht der Geldhuser mobilisieren zu knnen das ist die entscheidende konomische Potenz einer Nation in der kapitalistischen Welt. Am Grad, in dem sie ber diese Potenz verfgen, unterscheiden sich die Staaten; solche, die diese Kreditmacht nicht bei sich versammeln knnen oder verlieren, bleiben auf ewig arm und ohnmchtig oder werden es schnell.

Ihren berragend wichtigen Dienst leisten die Finanzkapitalisten dem Vaterland umso besser, je mehr sie zu ihrer spekulativen und an gar keinem Dienst orientierten Vermehrung ihrer Bankprofite, ihrer Schuld- und Vermgenstitel freigesetzt sind. Deshalb ist sind die Vorwrfe der Politiker an die Zocker und Spekulanten in den Finanzagenturen so unehrlich: Die jeweiligen Regierungen selbst haben ihnen Jahrzehnte lang immer grere Freiheiten eingerumt, um Wachstum und Ertrag des Finanzsektors zu steigern. Wenn die Spekulation der groen Geldgeier platzt, dann ist fr deren Rettung kein Opfer an staatlichen Geldmitteln zu schade: Der Staat versichert alles, wirft seine eigene Kreditwrdigkeit ins Feuer, belastet den zuknftigen Staatshaushalt und gefhrdet die Whrung. Darber wird das ganze Volk fr die Rettung der Kreditanstalten in Haftung genommen. Der Dienst der Geldkapitalisten am Gemeinwesen besteht in ihrer Bereicherung; damit die klappt, muss das brave Volk nicht nur in der Realwirtschaft seinen Dienst tun und billig Leistung abliefern; in Notzeiten hat es darber hinaus fr die Rettung der Kreditanstalten geradezustehen, die mit Milliarden jonglieren.

Das geht in Ordnung: Das Geldkapital verkrpert auch gegenber den vielen Kapitalen in Handel und Industrie noch einmal das Kapital also solches. Sein Geschft, Geldeigentum ohne jeden Zwischenschritt zur Quelle von mehr Eigentum zu machen, muss gelingen, damit alle anderen Geschfte gelingen knnen. Von der spekulativen Bereicherung der Finanzmagnaten ist das gesamte Wirtschaftsleben des Landes abhngig gemacht, auch Arbeit und Lohn der eigentumslosen Masse. Wer diesen Wahnsinn nicht angreifen will, sollte auch nicht darber schimpfen, dass der Staat bei der Not der Armen jeden Euro spart, fr Banken in Not aber drei- und vierstellige Milliardenbetrge brig hat.

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