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Hermann Lueer: Ökonomische Grundlagen einer kommunistischen Gesellschaft

Von • Sep 20th, 2018 • Kategorie: Allgemein

 

Hermann Lueer: Ökonomische Grundlagen einer kommunistischen Gesellschaft

 

Zum Sommer 2018 ist die Veröffentlichung „Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung“ erschienen, die an eine Debatte aus den 1930er Jahren erinnert. Das Thema hat auch zu aktuellen Kontroversen geführt.

Dazu ein Beitrag von Hermann Lueer.

 

1930 erschienen als Kollektivarbeit der holländischen Gruppe Internationaler Kommunisten (GIK) die „Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung“ (GIK 1970). Hermann Lueer hat die Ideen dieser Broschüre wieder aufgegriffen, die angesichts der sich abzeichnenden Erfahrungen mit dem Staatskommunismus in Russland entstanden war und die versuchte, die bereits von Marx und Engels skizzierte ökonomische Grundlage einer kommunistischen Gesellschaft wissenschaftlich auszuarbeiten. Die dabei angesprochenen Punkte kommen auch in aktuellen Debatten vor, die sich mit der Frage nach der Alternative zum Kapitalismus befassen.

In Köln veranstaltet z.B. die TtE-Bücherei (Bibliothek und Archiv linker sozialer Bewegungen) am 13. November 2018 im Bürgerzentrum Alte Feuerwache eine Veranstaltung „Verein freier Menschen? Idee und Realität kommunistischer Ökonomie“ (siehe:

https://www.altefeuerwachekoeln.de/veranstaltung/info-diskussion/786?month=201811).

Bei der Veranstaltung wird Hannes Giessler Furlan sein gleichnamiges Buch vorstellen (Furlan 2018). Zu dem Buch heißt es in der Verlagsankündigung: „Ihrer Idee nach sollte die kommunistische Gesellschaft viel gerechter als die kapitalistische sein und überdies nach Marx ein ‚Verein freier Menschen‘. Doch im Namen des Kommunismus verwirklicht hat sich im 20. Jahrhundert vor allem eine totalitäre Gesellschaft.“ Die Ursachen des Misslingens will Furlan dort suchen, „wo der Kommunismus ansetzte: in der Ökonomie. Mit Sympathie für die Beweggründe, aber ohne falschen Respekt zeigt der Autor, wie die kommunistische Idee eines vernünftig eingerichteten Produktionsprozesses in der Realität einen gewaltigen Staats- und Planungsapparat bedingte, wie sie scheiterte, und was von ihr übrig geblieben ist.“

(https://zuklampen.de/buecher/sachbuch/philosophie/bk/870-verein-freier-menschen.html).

 

In Köln will der Autor die Vorstellung seines Buches auf die Kritik des Rätekommunismus zuspitzen, also auch auf Positionen, wie sie die GIK vertreten hat. Solche Positionen stehen heute – wie die TtE-Ankündigung schreibt – zumindest in kleinen Zirkeln, „in denen das humanistische Versprechen des Kommunismus gehütet und über die Zeit gebracht wird, hoch im Kurs“. Explizit erwähnt wird dabei das „lesenswerte“ Pamphlet „Umrisse der Weltcommune“, das von den Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft im Frühjahr vorgelegt wurde (Weltcommune 2018). „Wenngleich der Rätekommunismus historisch fast keine Schuld auf sich geladen hat“, heißt es dazu, liefere auch er kaum Antworten auf die entscheidenden Fragen. Diese lauteten: „Wie kann die kommunistische Produktion zugleich demokratisch und planmäßig organisiert sein? Wie kann die kommunistische Gesellschaft das Problem der Arbeitszeitrechnung lösen? Oder soll sie auf Arbeitszeitrechnung verzichten – aber wie soll dann das zentrale Anliegen kräfteschonender Produktion und Bedürfnisbefriedigung realisiert werden? Und wie kann gewährt werden, dass die Überwindung des Leistungsprinzips und der Tauschgerechtigkeit nicht in Ungerechtigkeit mündet?“

Hermann Lueer hat zu dem Pamphlet „Umrisse der Weltcommune“ (das online greifbar ist, siehe unten) ebenfalls Stellung genommen. Eine Replik des Autorenteams steht noch aus. IVA veröffentlicht im Folgenden das Statement von Lueer in einer leicht überarbeiteten Fassung.

 

Gut umrissen! Aber…

Ähnliche Perspektiven hat übrigens auch schon Norbert Trenkle aufgezeigt (Trenkle 1996).

Streitpunkt: abstrakte Arbeit

Ist eine Ökonomie der Zeit machbar?

Probleme des Übergangs

 

https://www.i-v-a.net/doku.php?id=texts18#oekonomische_grundlagen_einer_kommunistischen_gesellschaft

 

vgl:

 

Hermann Lueer, Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung

 

Das vorliegende Buch (erschienen als „Kapitalismuskritik und die Frage nach der Alternative“, Band 3) ist eine Hommage an die Kollektivarbeit der Gruppe Internationaler Kommunisten (Holland).

Angesichts der sich abzeichnenden Erfahrungen mit dem Staatskommunismus in Russland waren ihre 1930 erschienenen »Grundprinzipien« der Versuch, die bereits von Marx und Engels skizzierte ökonomische Grundlage einer kommunistischen Gesellschaft wissenschaftlich auszuarbeiten. Mit der vorliegenden Publikation wird versucht, in freier Form die Kernaussagen der alten Schrift in die aktuelle Debatte um die Frage nach der Alternative zum Kapitalismus einzubringen.

 

https://www.i-v-a.net/doku.php?id=books#hermann_lueer_grundprinzipien_kommunistischer_produktion_und_verteilung

One Response »

  1. […] zum Thema Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung gegeben. Ich bin über Contradictio auf den Textbeitrag von Hermann Lueer bei i-v-a.net gestoßen, der hierzu ein Beitrag ist. Er geht […]

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