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Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

Peter Decker in den jungen Welt: Der Geist der Nation

Von • Sep 18th, 2018 • Kategorie: Allgemein

 

Der Geist der Nation

Ein gehässiger Chauvinismus, der sich immer noch unterdrückt vorkommt. Und der Ausländerhass wird inzwischen nicht mehr dem rechten Rand überlassen.

Von Peter Decker

 

Mehr denn je scheinen Deutschland und die Deutschen keine anderen und schon gleich keine wichtigeren Probleme zu haben als die Anwesenheit von ein paar hunderttausend Flüchtlingen im 80-Millionen-Volk. Die Zahlen der Neuankömmlinge sind drastisch zurückgegangen, die Balkanroute ist, der Seeweg übers Mittelmeer wird blockiert, Durchgangsländer internieren Migranten, die nach Europa wollen; diejenigen, die es dennoch hierher schaffen, werden in »Anker-Zentren« eingesperrt und in Zukunft nur mehr mit »Sachleistungen« versorgt – alles, was abschreckt, ist willkommen und wird gemacht. Der CSU und dem Bundesinnenminister aus dieser Partei reicht das nicht. Seit dem ersten Tag in seinem Amt befolgt Seehofer die Lehre aus der misslungenen Bundestagswahl des vergangenen Jahres, dass die Demokraten den Ausländerhass nicht den Rechtsradikalen überlassen dürfen, und fährt eine Endloskampagne gegen eine deutsche Großzügigkeit gegenüber Hilfesuchenden, als ob etwas Derartiges bis dahin Regierungslinie gewesen wäre. (…)

 

Wille zur nationalen Identität

Besser als Nichtdeutsche

Unser Geld

Beleidigte Patrioten

 

 

Peter Decker ist Redakteur der Zeitschrift Gegenstandpunkt. Der vollständige Aufsatz (mit den zusätzlichen Kapiteln »›Die Zeit des geordneten Multilateralismus ist vorbei‹ [Söder] – unrelativierter Nationalismus ist angesagt« und »Das bessere Deutschland – in der Defensive und selbst sehr defensiv«) ist im aktuellen Heft 3/2018 nachzulesen. Bestellung unter:

de.gegenstandpunkt.com

 

 

Aus: junge Welt – Ausgabe vom 19.09.2018 / Seite 12 / Thema

 

https://www.jungewelt.de/artikel/340138.deutsche-zustände-der-geist-der-nation.html

 

 

„Der Geist der Nation 2018: Gehässiger Nationalismus, der sich immer noch unterdrückt vorkommt“ (GS 3-18)

 

I. Der Ausländerhass wird nicht mehr dem rechten Rand überlassen

– Das nie befriedigte Recht auf nationale Identität und sein polemischer Inhalt

– nicht unilateral, nicht unabgestimmt, nicht zu Lasten Dritter

 

II. Der andere, materielle Gehalt der nationalen Identität: Unser Geld

 

III. Die Zeit des geordneten Multilateralismus ist vorbei

(Söder) – unrelativierter Nationalismus ist angesagt

 

IV: Das bessere Deutschland – in der Defensive und selbst sehr defensiv

 

 

https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/geist-nation-2018-gehaessiger-nationalismus

4 Responses »

  1. Abseits & Andererseits – oder:
    Leserbrief zum Artikel „Deutsche Zustände: Der Geist der Nation“ vom 19.09.2018
    https://www.jungewelt.de/artikel/340138.deutsche-zust%C3%A4nde-der-geist-der-nation.html

    Volk und Nation
    Der Artikel beschreibt zwar die Symptome im wesentlichen richtig, bestimmt aber die Ursache falsch. Derselbe Fehler, der der Haltung der AfD-Anhänger und Neofaschisten wie offenbar auch der CSU in Bayern zugrunde liegt, findet sich auch in diesem Artikel: Während die Überschrift vom »Geist der Nation« spricht, wird in dem Artikel selbst ständig vom »deutschen Volk« gesprochen. Die Dummheit des rechten Pöbels besteht aber gerade darin, nicht den Unterschied von Nation (gleiche Herkunft, Sprache, Geschichte und Sitten) und Volk (juristisch: alle Menschen auf dem Gebiet eines Staates, i. e. das Staatsvolk – richtig wäre allerdings: alle Lebewesen einer Art auf dem Gebiet eines Staates, da es dann auch die Insektenvölker umfassen würde) zu kennen. Das scheint aber bis in die linke Szene hinein der Fall zu sein und verlangt dringend nach Aufklärung. Das »deutsche Volk« des »Grundgesetzes« (wenn man es denn anerkennen will) umfasst also alle ausländischen Mitbürger, wie es überhaupt jeder Staat der Welt in seiner Gesetzgebung und seinen Aktionen nur mit dem Staatsvolk und nicht mit der Nation zu tun hat. Daraus folgt, dass die Ausgrenzung und Verfolgung nationaler Minderheiten im Bereich des Staates einen Angriff auf diesen selbst darstellt und deshalb von einem Rechtsstaat unterbunden werden muss, weil sie sich gegen sein Staatsvolk richten. Tut er es nicht,verletzt er seine grundsätzlichen Pflichten (wie sie sich aus dem »Grundgesetz« ergeben) und verliert dadurch seine Legitimität. Das ist, wohlgemerkt, bürgerliches Recht, nicht linke Ideologie.

    Peter Nowak (Veröffentlicht in der jungen Welt am 20.09.2018)

    https://www.jungewelt.de/aktuell/rubrik/leserbriefe.php?letterId=41534

  2. Es ist doch absonderlich, statt den F e h l e r und die G e m e i n h e i t des ausgrenzenden
    Nationalismus zu kritisieren, sich in Definitionsfragen von Nation und Volk herumzutummeln und
    dann als erhellenden Knackpunkt was von ersterem erstens ganz Abseitiges und dazu
    an Dämmlichkeit nicht zu Überbietendes hinzustellen: weil sich auf dt. Staatsgebiet auch welche
    fremdländischer Herkunft aufhalten, aber eben nicht als faktische Deutsche (dazu müßten sie
    nämlich schon per amtlicher Einbürgerung als „echt“ Deutsche ihren Amtssiegel gekriegt haben),
    würde der dt. Staat sich gegen sein eigenes Staatsvolk richten, wenn er gegen formelle Bestandteile desselben, die Herrn Nowak wie tatsächliche Angehörige des Volkes sehen will, per „Ausgrenzung und Verfolgung“ vorgeht.
    Herauskommt nichts als starker Tobak, darüber die Legitimationsfrage dem Staat vorzusetzen.
    Welch eine beinharte Kritik, sich auf den Standpunkt der Einforderung eines eingebildeten „bürgerlichen Rechts“ zu stellen, der damit seine völlige Gleichgültigkeit dagegen an den Tag legt, welche brutalen
    Resultate die herrschenden Rechtsgewaltigen in Sachen Anfeindungen gegen Nicht-Deutsche
    und unbedingte nationale Durchsetzung nach außen da gerade auf dem Weg sind.

  3. K o r r e k t u r zum Kommentar 15.10.18/Dr. K.:

    Der letzte Absatz sollte wie folgt lauten:

    Herauskommt nichts als starker Tobak, darüber die Legitimationsfrage dem Staat vorzusetzen.
    Welch eine beinharte Kritik, sich auf den Standpunkt der Einforderung eines eingebildeten „bürgerlichen Rechts“ zu stellen, der damit seine völlige Gleichgültigkeit dagegen an den Tag legt, welche brutalen
    Resultate die herrschenden Rechtsgewaltigen in Sachen Anfeindungen gegen Nicht-Deutsche
    und unbedingte nationale Durchsetzung nach außen da gerade auf den Weg bringen.

  4. Zu dem in diesem Thread thematisierten Leserbrief an die jw (von Peter Nowak und anderen) ist eine Antwort des Autors Peter Decker bei der jw eingegangen:

    Wer verachtet wen?

    Zur jW vom 19.9.: »Geist der Nation«

    Die beiden Zuschriften zum Artikel »Geist der Nation« (19.9.18) nehmen die »einfachen Menschen«, die sich von CDU, CSU und zunehmend von der AfD vertreten lassen und zum Teil auf »Ausländer raus!«-Demos aktiv werden, vor dem Vorwurf des »gehässigen Nationalismus« in Schutz. Die Kritik des Fehlers, alle Nöte ihres Alltags für belanglos zu halten angesichts des Umstands, dass sich in ihrer deutschen Heimat Ausländer tummeln, haben sie durchaus bemerkt – und verwerfen sie als »Verachtung des Volkes«, das »voreilig in die rechte Ecke gestellt und beschimpft werde, anstatt es zu verstehen und zu gewinnen«. Das weise ich zurück. Ich habe die, die sich da als Volk zu Wort melden, sehr gut verstanden: Da gehen Leute mit nichts als der untertänigen Forderung nach einer ordentlichen Herrschaft in die Offensive, auf die sie als Deutsche ein Vorrecht haben, und dieses eingebildete Recht schließt die Drangsalierung all jener mit ein, denen man es abspricht.
    Verstehen heißt für die Autoren offenbar nicht, den Fehler zu kapieren, den es braucht, um Migranten für alle Ärgernisse des kapitalistischen Alltags verantwortlich zu machen, sondern Verständnis für ihn aufzubringen: Die »arbeiterlichen Schichten« mit ihren »berechtigten Sorgen« und ihrer »prekären Lage« würden doch nur von »Nationalisten und Rassisten instrumentalisiert«, die sich »an die Spitze solcher Demonstrationen setzen«.
    Und wer verachtet jetzt hier wen? Ich halte jedenfalls Leute, die mit der Parole »Ausländer raus!« oder »Wir sind das Volk« antreten, nicht für so dumm, dass sie nicht wüssten, wofür sie da demonstrieren. Auch halte ich diese »kleinen Leute« nicht für eine orientierungslose Schafherde, die auf der Suche nach Führung herumirrt und nur deswegen dem nächstbesten rechten Arschloch hinterherläuft, weil keine verständnisvolle linke Führung ihre Ressentiments aufgreift und ihnen »Perspektiven« verkauft, hinter denen sie lieber herlaufen sollten.
    Ich nehme die Leute, die in Chemnitz, Köthen und sonstwo aufmarschieren, lieber ernst und beim Wort, weswegen ich ihnen den Fehler ihrer Ausländerfeindschaft vorrechne und sie, wenn schon zu etwas, dazu gewinnen will, ihn zu lassen. Eine Auseinandersetzung darüber bietet die Gegenstandpunkt-Redaktion in den nächsten Wochen in vielen Städten an, Infos dazu unter http://www.gegenstandpunkt.com/veranstaltungen.
    Peter Decker

    Veröffentlicht in der jungen Welt am 04.10.2018.

    https://www.jungewelt.de/aktuell/rubrik/leserbriefe.php?letterId=41534

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