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[online + Forts.] Berlin | 17.09.2018 | Der multilaterale Atomdeal mit Iran und seine Erledigung durch die USA

Von • Sep 20th, 2018 • Kategorie: Veranstaltungen
17. September 2018
19:30
24. September 2018
19:30

Zeit: Montag | 17. September 2018 | 19:30 Uhr
Ort: Mehringhof (Versammlungsraum) | Gneisenaustr. 2a | 10961 Berlin-Kreuzberg

Veranstalter: KK-Gruppe Berlin

 

Der multilaterale Atomdeal mit Iran und seine Erledigung durch die USA: Trump kündigt die amerikanische Welt-Gewaltordnung

 

Der US-Präsident kündigt den Atomdeal mit Iran, der auch und gerade in Deutschland als Höhepunkt europäischer Diplomatie und Vermittlungskunst gefeiert wird.

Der Vertrag soll bewiesen haben, dass Diplomatie allemal besser sei als Konfrontation. Tatsächlich ratifiziert er nichts als die Unversöhnlichkeit zwischen amerikanischen Weltmachtansprüchen und iranischer Souveränität.

Es heißt, der Vertrag sei ein von globaler Verantwortung getragener Beitrag dafür gewesen, die Welt Stück für Stück von der Gefahr von Atomwaffen zu befreien. Dabei ist es überhaupt nur der Besitz dieser Waffen, der vor allem die USA zu der „Verantwortung“ für ein globales Kontrollregime ermächtigt, die sie darum auch beanspruchen.

Und eine „Atomwaffen-Gefahr“ gibt es für die USA nur in einem Sinn: Wenn sie durch die Waffen der anderen in ihrem Anspruch auf die Freiheit zur Gewalt bedroht werden, die sie sich mit diesen Dingern verschaffen wollen.

Der Vertrag soll ein Paradefall für die auf geteilten Werten gegründete Gemeinschaft namens „freier Westen“ und seines Wirkens zum Wohle der Welt gewesen sein. Für die USA hieß „Gemeinschaft“ in diesem Fall „Einbindung“ ihrer Partner zwecks Unterbindung unerwünschter Ambitionen der Europäer. Für die bestand umgekehrt die Weltordnungs-„Gemeinschaft“ darin, sich den USA beim kontrollierten Kleinmachen des Iran anzudienen, um für ihre eigenen weltpolitischen Ambitionen davon zu schmarotzen.

Unser Vortrag soll also aufklären

– über den imperialistischen Gehalt des Atomdeals und aller Interessen, für die er zustan­e gekommen ist;

– über die imperialistische Logik von Trumps Unzufriedenheit mit diesem „worst deal ever“;

– und damit auch über den wirklichen Grund dafür, dass Europas und Deutschlands Weltpolitiker von der Aufkündigung – für sie sehr peinlich – betroffen sind. Sie sind irrelevant in einer Affäre von höchster weltpolitischer Relevanz.

 

http://kk-gruppe.net/der-multilaterale-atomdeal-mit-iran-und-seine-erledigung-durch-die-usa-trump-kuendigt-die-amerikanische-welt-gewaltordnung/

 

Update:

Aufzeichnung der Veranstaltung im Audio-Archiv der KK-Gruppe Berlin:

 

Der multilaterale Atomdeal mit Iran und seine Erledigung durch die USA: Trump kündigt die amerikanische Welt-Gewaltordnung

 

 

 

und

 

 

Zeit: Montag | 24. September 2018 | 19:30 Uhr
Ort: Mehringhof | Blauer Salon |Gneisenaustr. 2a | 10961 Berlin

 

Fortsetzung der Debatte über die wesentlichen Argumente des Vortrags vom 17.09.2018

 

Die US-Führung kündigt den Atomdeal mit Iran. Der Grund für ihr Ärgernis liegt weniger im Atomprogramm Irans als in dessen berechnendem Verzicht darauf. Denn die dafür vertraglich zugesicherte Konzession bedingten Lebenlassens des iranischen Regimes und der widerruflichen Neuzulassung des Landes zum Weltmarkt erklärt die neue US-Regierung im nachhinein zum Kniefall vor einem Feindstaat und vor den anderen Beteiligten – Rivalen und Verbündete schließt das gleichermaßen ein.

Damit wird eine Kündigung viel prinzipiellerer Art vorangetrieben: die der alten, im europäischen Rückblick beschönigend „regelbasiert“ genannten Weltordnung. Diese neue Linie Amerikas fängt sich den Vorwurf ein, egoistischer Nationalismus, gar „Trumps Dollarimperialismus“ zu sein. Das ist ungerecht. Denn dass Trump die Welt mit der Vertragskündigung, den Sanktionen und weitergehenden Sanktionsdrohungen konfrontieren kann, ohne dass die betroffenen Mächte sich eine relevante Gegenwehr trauen, zeugt davon, dass Amerika schlicht die überlegene Macht dazu hat – aus der bisher geltenden Weltordnung, woher sonst. Auch die war also eine Art von US-Imperialismus, der alle Nationen mit Druck, Angeboten und unter allerlei „Regeln“ auf die globale Dollarökonomie als ihr alternativloses Lebens-, Macht-, Konkurrenz- und Aufstiegsmittel verpflichtet hat. Das hat dem Dollar die Macht verschafft, die Trump nun rücksichtslos als Waffe für das Recht amerikanischer Überlegenheit gebraucht.

Dass Parteigänger des Aufstiegs Europas innerhalb der US-Weltordnung der atlantischen Vormacht nun „Imperialismus“ vorwerfen, liegt daran, dass dieser US-Imperialismus neuen Typs Europa auf einen Rang zwischen Irrelevanz und Störung degradiert.

Um diese Behauptungen soll es in der Diskussion gehen; natürlich auch um sonstige Fragen oder Einwände zum Vortrag.

 

 

Diskussion: Dollarimperialismus neuen Typs gegen die alte US-Weltordnung

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