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Protokolle jf München zum Buch „Das Finanzkapital“

Von • Jun 14th, 2018 • Kategorie: Protokolle

contradictio wurden die Protokolle des jour fixe München zum Buch „Das Finanzkapital“ zugesandt (allerdings ohne Hervorhebungen). Sie werden hier gesammelt zur Verfügung gestellt:

Termin vom 04.04.2016 – PDF

Termin vom 11.04.2016 – PDF

Termin vom 02.05.2016 – PDF

Termin vom 06.06.2016 – PDF

 

Sollte der GSP dies nicht wünschen, bitte melden!

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4 Responses »

  1. Anlässlich von Debatten darüber, dass der Begriff des Werts einschließe, dass er sein Maß in der gesellschaftlichen Arbeit habe – wie könne da das Finanzkapital sich (irgendwie) denn davon ‚emanzipieren‘?
    – empfehle ich zusätzlich die Lektüre zweier Veröffentlichungen zum Wert.

    Das eine ist ein Protokoll vom 12.04.2010, das glücklicher Weise damals von Walgesang/neoprene als Thread in seinem Blog gepostet worden ist

    http://Neoprene.blogsport.de/2010/04/21/zum-wert-jour-fixe-gs-muenchen-12-04-10/

    – und die andere Veröffentlichung ist derselbe Gegenstand als GSP-Artikel in 2/2010

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/wert

  2. 1. Protokoll des JF München zum Wert:

    12.04.2010

    (…)

    Zum Wert

    Es gibt Kritik an der zentralen Behauptung in unseren Veröffentlichungen zum Finanzkapital, die sich gegen Vorstellungen wendet, die Finanzkapitalisten holten letztlich alles, was sie verdienen, aus der Realwirtschaft raus. Eingewendet wird, dass der Begriff des Werts einschließe, dass er sein Maß in der gesellschaftlichen Arbeit habe, deswegen könne unmöglich das Finanzkapital mit Werten operieren, die nicht aus der Sphäre der Ausbeutung der Arbeit kommen. Wir verraten also quasi die Wertlehre, wenn wir behaupten, das Finanzkapital könne sich (irgendwie) davon emanzipieren.

    Diese Bedenken sollten eigentlich in den Artikel im GS über die Eigentümlichkeiten der Finanzwirtschaft ausgeräumt werden: Der Logik der Schaffung und Vernichtung dieser Kapitalwerte und Geldvermögen sollte nachgegangen und erklärt werden, dass das etwas anderes ist, als Früchte der Ausbeutung aufzuschatzen (vgl. 0-Pkt. des Finanzartikels im GS 1-10). Vielleicht zeigen aber auch die Einwände, dass es falsche Vorstellungen darüber gibt, was überhaupt der Wert im Sinne von Marx ist, dass in der Erinnerung an Kapital-Schulungen – der Wert hat sein Maß in der geleisteten Arbeit – evtl. Undeutlichkeiten und Missverständnisse vorhanden sind. Deswegen sollte man noch mal rückblickend klären, was der Wert eigentlich ist.

    — Es gibt im Geld-Buch (Das Geld, GS-Verlag) eine Antwort auf den Leserbrief „Wie kann Papiergeld Wertmaß sein?“ zu diesem Thema .

    Ja, an der Stelle wird beantwortet, wie es das geben kann, dass Papiergeld Geldfunktionen erfüllt und tatsächlich Reichtum der Gesellschaft gültig repräsentiert. Das berührt aber nur einen Teil des Problems, das jetzt im Zusammenhang mit dem Kredit aufgekommen ist. Schon Marx spricht davon, dass Geldzeichen kraft staatlicher Autorität die Funktion von Geld erfüllen können. Aber dass der Kredit nicht die Früchte von Ausbeutung repräsentiert, sondern die Macht des Finanzkapitals, sich zum Herren der gesamten gesellschaftlichen Ökonomie zu machen, ist ein anderes Thema. Die Antwort auf den Leserbrief will ebenfalls erläutern, was der Wert eigentlich ist. Auch der andere Artikel im Geld-Buch „Einige ökonomische Wahrheiten, Ware und Geld betreffend“ erklärt dazu einiges. Das hat aber nicht ausgereicht, die bestehenden Zweifel auszuräumen.

    Dabei ist sicher auch den Kritikern an unseren Finanzartikeln klar, dass die wertschaffende Arbeit durch die drei Attribute abstrakt, privat und gesellschaftlich notwendig charakterisiert ist. Es ist also nicht nötig, neue Kapitalschulungen zu machen und Wertformen (x Ware A = y Ware B) zu rekapitulieren, sondern man sollte sich fragen, was eigentlich mit diesen Gleichungen ausgedrückt sein soll. Wenn der wertschaffenden Arbeit diese Attribute zugesprochen werden, was ist dann von der Aussage zu halten, dass diese Arbeit Quelle und Maß des geschaffenen Werts ist?

    Andersrum gefragt: In Erinnerung ist die Entdeckung der damaligen politischen Ökonomie, dass es die Arbeitszeit ist, die den Wert der Waren bestimmt. Die Arbeit, gemessen an der Zeit, bestimmt auch quantitativ den Wert. Aber was bestimmt denn eigentlich die Arbeitszeit als Maß und Quelle des Werts? Ist das überhaupt Arbeitsaufwand im bekannten Sinn? Was bestimmt, wie viel Arbeitszeit wie viel Wert schafft? Seit Marx ist hinreichend klar: Einfach die Stundenzettel zu zählen geht nicht, weil für den Ausdruck von verrichteter Arbeitszeit, wie sie in der bgl. Ges. gefragt ist, das dafür gezahlte Geld gilt. Wenn auch Arbeitszeit den Wert bestimmt, unterliegt sie selbst doch den drei Bestimmungen, die mit Arbeit und Zeit nichts zu tun haben. Die Wertlehre behauptet nicht einfach, dass Arbeit den Wert bestimmt, sondern eine Arbeit, die dadurch definiert ist, dass sie drei Gesichtspunkten folgt.

    1. Wie kann privat das Attribut einer Arbeit sein?

    — Jeder ist privat Herr über die Arbeitszeit, die er seine Arbeiter verrichten lässt. Das ist eine Absurdität, dass die Form, in der Arbeit in der Gesellschaft verrichtet wird, in einem Konkurrenzverhältnis von privaten Verfügern über Arbeit besteht. In ihrem Kampf gegeneinander setzt sich die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit durch.

    Privatarbeit ist also kein Merkmal der Arbeit, sondern kennzeichnet die gesellschaftlichen Verhältnisse, unter denen sie verrichtet wird. Eine gesellschaftliche Bestimmung, aber was für eine?

    — Das ist der Widerspruch: Arbeit für sich, obwohl für andere gedacht. Diese gesellschaftliche Bestimmung kommt nicht aus der Arbeit, sondern aus der Welt des Eigentums.

    Da wird im Grunde ein Attribut des Eigentums, des Rechtsverhältnisses – das Produkt mag zwar nützlich sein, aber der Nutzen ist an die Verfügungsmacht darüber gebunden – zum Merkmal der Arbeit. Das ist der Inhalt des gesellschaftlichen Verhältnisses von privat. Das ist verrückt. Natürlich arbeitet jeder selbst, denkt auch selbst, das kann man nicht delegieren, aber als Attribut der Arbeit drückt das den Zweck der Veranstaltung aus: er besteht nicht im Nutzen des Produkts, sondern in der Verfügung darüber. Dass der Herstellungsprozess seinen gesellschaftlich maßgeblichen Inhalt gar nicht darin hat, dass er etwas herstellt, sondern dass daran eine ausschließende Verfügungsgewalt haftet, steckt schon in der ersten Bestimmung dieser eigentümlichen Größe, die da den Wert bestimmt. Es nützt gar nichts zu sagen: Das Quantum Arbeit definiert den Wert, weil es ja gar nicht die Arbeit ist, sondern ihr privater Charakter. Der eigentliche Inhalt der Tätigkeit besteht in der Herstellung von ausschließender Verfügungsmacht über Produkte. Mit diesem Attribut ist Arbeit schon von vornherein als Dienst am Eigentum definiert, nach dessen Richtlinien sie verrichtet wird.

    2. Die zweite Bestimmung führt weiter aus, dass es dabei auf den Inhalt der Arbeit explizit nicht ankommt. In dummen philosophischen Einfällen war abstrakte Arbeit früher ein Synonym für ‚entfremdet‘ und mangelnde Identifizierung mit der Arbeit. Dabei drückt abstrakte Arbeit einen Widerspruch aus, denn ohne konkreten Inhalt ist es keine Arbeit, dabei wird immer irgendetwas getan, bearbeitet, ein Nutzen gestiftet. Hier ist aber eine Arbeit gemeint als Quelle und Maß des Werts, bei der von jedem Inhalt abgesehen wird. Das unterstreicht noch einmal die Seite von privat, weil abstrakt selbst auch ein Attribut des Eigentums ist, ein Verfügungsrecht über etwas. Es zählt nur die Ziffer: wie viel davon! Ein Mensch ist in seinem ökonomischen Status als Millionär ausreichend gekennzeichnet. Sein konkreter Besitz zählt nicht, sondern die in einer Ziffer auszudrückende Verfügungsmacht darüber. Abstrahieren heißt etwas weggeben, hat ein Ziel, worauf man raus will. Das Attribut abstrakt bei Arbeit ist eigentlich eines des Resultats: Pure Verfügungsmacht über Gebrauchswerte, nicht diese selbst. Schon wieder ein Attribut des Eigentums, das der Arbeit angehängt wird.

    — Wenn man alle konkreten Bestimmungen der Arbeit weglässt, bleibt sie als pure Verausgabung und die Verfügung darüber.

    Dazu sagt Marx: pure Verausgabung von Hirn, Muskel, Nerv usw. Sobald man aber an diese Verausgabung irgendeine inhaltliche Bestimmung heftet, wird es verkehrt. Es ist Verausgabung pur, die Reduktion der Arbeit auf einen Zweck, der in dieser selbst – noch nicht einmal in der bloßen Verausgabung – zu finden ist. Die Verausgabung selbst ist nie ein Zweck, sondern der Schaden, den die Arbeit mit sich bringt, dieses belastende Moment, Arbeit überhaupt, Mühseligkeit. Aber an den Inhalt der Anstrengung zu denken, wäre verkehrt. Quelle von Wert ist Arbeit von all ihren Bestimmungen abgesehen. Bleibt, dass an ihrem Ende die Verfügungsmacht über ein Produkt welcher Art auch immer zustande kam. Die ideellste Seite von Arbeit ist, Verfügungsmacht zu konstituieren. Eine Bestimmung, die Hegel gefallen hätte, aber so etwas Absurdes ist wertschaffende Arbeit mit der Abstraktion von jedem Inhalt. Sie ist abstrahiert darauf, dass ein Rechtsverhältnis des Subjekts zum Produkt zustande kommt. Arbeit schafft keine Rechtsverhältnisse, sondern Sachen, aber Wert schafft sie nur, soweit am Ende ein Verfügungsmonopol entsteht.

    — Wenn man früher eine kritische Aussage über abstrakte Arbeit machen wollte, hat man festgehalten: Arbeit reduziert auf die pure Verausgabung ist Plackerei. Solche Arbeit jetzt als Verfügung des Privateigentums zu kennzeichnen, ist das nicht eine Konzession an einen Moralismus, der bei kapitalistischer Arbeit feststellen will, sie gilt nur als Plackerei?

    Darauf muss man aufpassen, dass es nicht doch als konkrete Bestimmung verstanden wird: Der Mensch reibt sich auf – möglichst noch an einem industriellen Arbeitsplatz! Das negative Moment, nur Verausgabung, bleibt durchaus. Die Entäußerung (Hegel), auf die es hier ankommt, ist die, die den Arbeitern zugemutet wird. Sich als Subjekt in der Produktion anzustrengen, hat in dieser Gesellschaft nicht den Witz, nützliche Güter hervorzubringen, sondern Eigentum daran. Das Negative von Arbeit ist nicht weg, aber alles, was anfängt das auszumalen, der Moralismus Plackerei usw. muss weg

    Abstrakte Arbeit lässt sich gar nicht richtig denken, aber konstruieren als die gesellschaftliche Realität, als Arbeit welcher Art auch immer, deren Ergebnis in Eigentum besteht, in dem Verfügungsrecht exklusiver Art. Das ist das eigentliche Produkt. Was steckt in dem Satz: Die Quantität der Arbeit bestimmt den Wert und seine Menge? Was ist das für eine Arbeit? Das ist an der Arbeit selbst nicht dran: Das, womit die Arbeit Wert schafft, ist die Subsumtion von Arbeit unter die Tatsache, dass ihr Resultat jemandem gehört. Aber mit dieser verrückten Bestimmung ist es noch gar nicht getan und der Eigentümer zufrieden.

    3.
    — Dazu kommt die Bestimmung gesellschaftlich notwendig. Auch absurd, denn wofür soll Arbeit sonst gut sein, als dass damit einer was anfangen kann. Aber das als besonderes Kennzeichen der Arbeit gefasst, bezieht es sich darauf, dass dieses Arbeitsprodukt für einen Fremden mit Eigentum und Verfügungsgewalt von Interesse sein muss.

    Gesellschaftlich notwendig noch als ein extra Attribut dazuzusagen, ist also nur dann nötig, wenn es vorher als abstrakt und privat, also als Eigentum bestimmt ist. Mit der Bestimmung gesellschaftlich notwendig wird also noch die kommerzielle Verwendung des Eigentums zum Attribut der Arbeit: Sie muss ein fremdes Bedürfnis befriedigen, jetzt ist in der Privatheit ein Bezug auf andere eingeschlossen. Auch ein Widerspruch: Privat heißt da nicht allein, sondern ist die Grundlage dafür, dass es nur für ein gesellschaftliches Verhältnis da ist.

    — Das eigentliche Produkt ist das Eigentum an dem Produkt. Dann ist die Größe des Eigentums gerade nicht an dem Produkt als solchem. Die Größe ist vielmehr, wie viel Zugriffsmacht auf das Eigentum von anderen, wie viel abstrakte Verfügungsmacht man damit geschaffen hat. Es zählt, wie es sich als Zugriffsmacht auf fremdes Eigentum bewährt und nicht einfach, dass ein Produkt geschaffen wurde.

    Es geht immer um die Frage, ist denn nicht die geleistete Arbeit das Maß des geschaffenen Werts? Was da geleistete Arbeit heißt, hatten wir schon: Die muss ganz absurde Dinge leisten. Sie muss privaten Charakters sein, abstrakt, also selbst als Quelle und Maß des Werts definiert, schon durch die Rechtsform des Resultats, dass es Eigentum ist. Wenn man weiter fragt: Wie viel Eigentum ist dabei herausgekommen? stellt man wieder fest, dass man das an der Arbeit überhaupt nicht sieht. Wie viel Eigentum diese Arbeit geschaffen hat, entscheidet sich an den anderen Marktteilnehmern. Das Eigentum ist also nicht dazu da, es zu besitzen, sondern dafür, es kommerziell zu verwenden, in einen Austausch zu geben. Eigentum für andere – wie löst dieser Widerspruch sich auf? (Hegel spricht da von Vermittlung im Tausch, im Anderssein)

    Das Eigentum bekommt seine definitive Bestimmung, nämlich die eines Quantums, erst dadurch, dass es für andere ist und ausgetauscht wird. Im privaten Austausch ist schon das Gewaltverhältnis, der Ausschluss mit unterstellt. Ohne Staat kommt das alles nicht aus, Eigentum ist eine Rechtskategorie. Deswegen war die Frage: Wie gibt es das, dass das Resultat der Arbeit ein Rechtsverhältnis zum Produkt ist? Jetzt geht es nicht nur darum, etwas hergestellt zu haben, das einem selbst gehört, sondern es geht so sehr ums Eigentum, dass sich erst im Austausch diese abstrakte und private Bestimmung vollendet. Solange man die Sache für sich behält ist immer noch der Zweck der Sache: zu haben, was man braucht. Erst wenn die Bestimmung des Eigentums darin besteht, für den Zweck des Kommerzes produziert zu sein, dann vollendet sich seine Bestimmung. Dann geht es wirklich endgültig nicht mehr um die Sache. Es geht nur noch um sie als Mittel des Erwerbs eben von der Eigentumsqualität dieser Sache, und die bekommt ihre Bestimmung im Austausch nach ihrer Menge.

    — In der Kapitalschulung haben wir den Wert als objektive Eigenschaft der Ware abgleitet, dann die Verselbständigung des Werts im Geld. Ist hier nicht das Geld als Wert schon unterstellt, um dann diese Qualitäten der Arbeit zu bekommen, wenn erklärt wurde, dass die konkrete Arbeit, egal wie ausgeführt, in einem Produkt resultiert, das aber nicht als Sache gilt, sondern als Wert. Ein bloßer Austausch von Sachprodukten würde doch dieser Bestimmung nicht gerecht werden, da ginge es nicht um Wert.

    Hier ist das Produkt aber unter dem Gesichtspunkt des Verfügungsrechts, das sich auf das Produkt erstreckt. Es geht darum, sich klarzumachen, was Wert ist. Der Wert ist nicht unterstellt, wenn seine Bestimmungen gefunden werden sollen. Die Ableitung sollte gerade mit den elementaren Bestimmungen des Tauschwerts von Marx erfolgen.

    — Aber Eigentum an einer Sache, das Rechtsverhältnis, ist nicht gleich der Wert der Sache.

    Eben, jetzt kommt ja noch das Dritte hinzu: gesellschaftlich notwendig. Darin ist ausgedrückt, dass es nicht nur das wirklich private Verhältnis zum Produkt ist, sondern dass das die Grundlage eines gesellschaftlichen Versorgungsverhältnisses ist. Das ist Produktion für andere; erst damit ist die Bestimmung des Werts fertig. Vielleicht unterstellt das Problem, dass man weiß und davon ausgeht: Wert ist vergegenständlichte Arbeitszeit. Was sind dabei aber die Bestimmungen, die in diese verrückte Gleichung eingehen? Das ist nicht Arbeit im eigentlichen Sinn, sondern enthält diese rekapitulierten Bestimmungen, die eigentlich welche des Eigentums für den Kommerz sind.

    — Es ist nicht richtig zu sagen, der Wert sei doch etwas Objektives und das gegen das Ausgeführte zu wenden. Eigentum, Verfügung zu sein, fürs Geschäft da zu sein ist die Objektivität der Sache Wert. Es existiert nicht zuerst ein Wert und der wird dann privat, abstrakt, gesellschaftlich notwendig. Das, was als handgreifliche Ware vorliegt, enthält zugleich die 3 Bestimmungen, die nicht im materiellen Dasein der Sache enthalten sind, aber ihre Objektivität als Ware ausmachen.

    — Der Wert ist erst im gesellschaftlichen Zusammenhang da, dadurch, dass die Privatarbeit in den gesellschaftlichen Zusammenhang eingebracht wird.

    Da wird deutlich, dass das, was produziert worden ist, wirklich die Verfügungsmacht ist und nicht das Produkt, an dem es haftet. Das Produkt ist das, was man gerade weggeben muss, und die Art, das zu eliminieren und auf die Bestimmung Eigentum pur zu kommen, geschieht im Tausch. Die Realität dieser Abstraktion ist das Geld.

    Das ist der nächste Schluss, der Tauschwert für sich genommen, an dem abstrakt, privat und gesellschaftlich notwendig gemeinsam drinstecken, das als Ding für sich ist das Geld. Solange der Wert noch an der Ware haftet, hat man noch die Doppelnatur (Marx) von Tauschwert und Gebrauchswert. Beim Geld ist man endlich an der Stelle, wo der ganze Gebrauchswert darin besteht, den Tauschwert zu repräsentieren, eben diese drei Bestimmungen: Es ist gegenständliche Verfügungsmacht, die aus abstrakter, privater, ges. notwendiger Arbeitsverausgabung entsteht.

    Das aufgekommene Problem ist vielleicht eine Variante der genannten Missverständnisse einiger Leser der Finanzartikel des GS. Dazu noch mal: Die Objektivität des Werts soll nicht bestritten werden, es soll geklärt werden, worin sie besteht: Es ist die Objektivität eines gesellschaftlichen Verhältnisses, in dem die Arbeit Dienst am Eigentum pur ist.

    — Eben nur in diesem gesellschaftlichen Verhältnis. Wenn aber früher Revis behauptet haben, jegliche Arbeit, egal in welchen ges. Zusammenhang, hätte diese abstrakte Seite, daher würde folglich auch im Realen Sozialismus Wert produziert, nur eben planmäßig, dann liegt dem auch dieser Fehler zugrunde.

    Das ist theoretisch gesehen dieser Fehler. Diese Betrachtung streicht die Bestimmung abstrakt und privat weg und will es gleich als Eigentum im Sinne von nützlicher Verfügungsmasse der Gesellschaft begriffen haben. Wert denken sie als Gebrauchs- und Tauschwert in einem und trennen nicht zwischen der Masse an nützlichen Gütern für den Reproduktionsprozess der Gesellschaft und der Kategorie Wert. Wie die bürgerliche Ökonomie auf ihre Art identifizieren sie das eine mit dem anderen. Der Witz der Marxschen Bestimmungen am Tauschwert dagegen ist, dass er gerade diese eigentümliche Negation des Gebrauchswerts ist.

    Im Gesetz der Quantifizierung des geschaffenen Eigentums kommt der Gebrauchswert unter dem Stichwort gesellschaftlich notwendig in einer ganz absurden Art vor. Die Frage – wie viel Eigentum? – beantwortet sich im Austausch einer Ware gegen die andere, weil darin gerade die Gleichgültigkeit des Gebrauchswerts der Witz ist. Das, was allein übrig bleibt, ist die Äquivalenz als Tauschwerts, also die Größe des Eigentums. Gerade diese Kategorie der gesellschaftlichen Notwendigkeit kommt in der Wertbestimmung zur Blüte, indem ausgerechnet die Abstraktion auf Eigentum noch gleich Auskunft über das Wieviel gibt. Die Vollendung der Bestimmung, dass es ums Eigentum geht, ist zugleich die Quantifizierung.

    Es gibt eine sehr laxe Auffassung dieser Attribute, die den Wert bestimmen und vermittels derer die Arbeit als Quelle und Maß des Werts rangiert: Man arbeitet privat so vor sich hin, der Austausch, der natürlich voraussetzt, dass das Produkt gesellschaftlich notwendig ist, kommt später, auf die konkrete Arbeit wird nicht sehr geachtet, Hauptsache, man kann es verkaufen. Dagegen muss klar sein: Wenn es schon um wertschaffende Arbeit geht, ist die Arbeit Quelle und Maß des Werts. Da kommt man nicht drum rum, die gesellschaftlich existierenden Widersprüche im Regime über die Arbeit ins Auge zu fassen. Nämlich in der Indienstnahme der Arbeit fürs Eigentum als gesellschaftliche Kategorie für das, was als Lebensgesetz für die Verallgemeinerung des geschaffenen Nutzens (und dass die ganze Gesellschaft von Gebrauchsgütern leben kann) das Prinzip und Gesetz abgibt: die Äquivalenz als Eigentum. Das ist im Austausch realisiert. Es gibt die laxe Auffassung, die heißt: durch den Tausch hat doch jeder das, was er braucht. Die Auffassung von Marx über den Tausch ist das Gegenteil. Der Witz daran ist, dass er den Tauschwert zum Gesetz dessen macht, dass dann jeder hat, was er braucht. Der Tausch vollendet die Abstraktion vom Gebrauchswert. Äquivalenz ist nie zwischen zwei Gebrauchswerten, sondern zwischen zwei Gebrauchswerten unter dem Gesichtspunkt, dass auf ihnen ein Verfügungsrecht lastet und es wird eine quantitative Äquivalenz zwischen Verfügungsrechten im Tausch realisiert.

    Es ist verfrüht, an diesem Punkt der Analyse an Wertpapiere und Finanzwesen zu denken, sondern es geht immer noch drum: Wovon lebt diese Gesellschaft? Der Reichtum der kapitalistischen Gesellschaft stellt sich dar als riesige Warenansammlung, die Elementarform ist die einzelne Ware, also hat da auch die Analyse zu beginnen. Die Intention war, nicht noch einmal Marx zu rekapitulieren, sondern sich klar zu machen, welche Bestimmungen man über die Arbeit gelernt hat: Arbeit nach der Menge ihrer Verausgabung ist Quelle und Maß des gesellschaftlichen Reichtums; genau genommen gar nicht sie, sondern Arbeit in ihrer Eigenschaft als Dienst am Eigentum als der gesellschaftlich bestimmenden Größe. Die adäquate Form, in der sich das Ganze vergegenständlicht, ist nicht das Ensemble der Gebrauchsgüter, sondern die Vergegenständlichung des Tauschwerts als solchem. Erst dann, wenn man alle inhaltlichen Bestimmungen überwunden hat, ist man bei der objektiven Wahrheit dieser Ökonomie, dem Geld. Marx hat sich daran abgearbeitet, die Verrücktheit dieses Verhältnisses begreiflich zu machen.

    — Ich begreife immer noch nicht, warum sich die Objektivität des Werts darüber herstellt, dass der Wert realisiert wird. Wenn es objektiv an dem Ding dran ist: Es ist Wert, es ist als Eigentum produziert, es ist quantifizierbar – wie kann es sein, dass sich erst herausstellen muss, dass es Wert ist?

    Das ‚sich herausstellen’ ist nicht ganz richtig. Ein Arbeitsprodukt als Eigentum produziert heißt doch, es steht unter privater, ausschließender Verfügungsmacht. Diese Bestimmung unterstellt sicher ein Rechts-, also Gewaltverhältnis, aber der Witz ist doch, dass Ausschluss erst einen Inhalt bekommt, wenn ein Ding für jemand anderen, also gar nicht für den eigenen Gebrauch, gemacht ist.

    — Deswegen ist auch die Formulierung von vorhin unsauber, dass ‚privat’ plötzlich zu ‚gesellschaftlich’ werden würde. Hier ist ‚Privat’ immer auch schon ein Verhältnis zu den anderen.

    Und dieses Verhältnis zu anderen, das in ‚privat’ ausgedrückt ist, wird quasi Thema in der Bestimmung ‚gesellschaftlich notwendig’: private Arbeit bekommt ihren Inhalt und ihre Bedeutung als ausschließliches Verfügen im Verhältnis dazu, dass es für andere gemacht ist: Erst das macht Ware und Wert im Sinn von Tauschwert aus, schließlich lässt sich schlecht Tauschwert ohne Tausch denken – es ist nicht erst der Wert da und dann wird er auch noch getauscht, sondern der Tauschwert wird produziert, kommt fix und fertig auf den Markt zwecks Tausch und seine Bestimmung bekommt er dadurch, dass er sich als Äquivalent zu etwas anderem bewährt. Auch wenn es sehr methodisch klingt, aber es handelt sich nun mal um ein dialektisches Verhältnis: Tausch hat seine Identität in der Differenz.

    Und insofern ist auch das Faktum, dass der Tauschwert seine quantitative Größenbestimmung im Austausch bekommt, gar nichts Zufälliges oder Äußerliches. Weil Verfügungsmacht kein anderes Maß als das der Quantität hat, wird der Begriff von Wert auch erst im Austausch real, indem er dort in seiner Quantität festgestellt und realisiert wird. Insofern ist es nicht so, dass sich im Austausch „nur“ herausstellt, wie viel es ist, so als ob die Feststellung der Quantität nur eine Art Zutat sei, sondern genau das ist die Realisierung der Wertbestimmung. Der Wert hat keinen anderen Inhalt als den der Verfügungsmacht, die sich an ihrer eigenen Größe misst.

    Was ist der Begriff der Äquivalenz? Worin sind die Sachen äquivalent? Eben darin, dass sie Verfügungsrecht, und zwar ein Quantum davon, repräsentieren. Das hätte sich bei der Erfindung des Rechts auch keiner gedacht, dass es ein Maß hat, dass man es beziffern kann, dass es die Quelle von Quantitäten und allen Messens von Reichtum ist, wo es doch eigentlich etwas ziemlich Qualitatives ist.

    — Dass die im Wert enthaltene Verfügungsmacht eine objektive Bestimmung an der Ware ist, greift die bürgerliche Theorie an, nach der sich der Wert einer Ware aus der Wertschätzung des Benutzers ergibt.

    Diese Theorie ist eine banale Auflösung ins Undialektische, sie kümmert sich nicht darum, dass eine Äquivalenz in der Sphäre des Verfügungsrechts der Witz ist, sondern es wird nur an den Gebrauchswert gedacht und gesagt, dass hinterher jeder den Gebrauchswert hat, den er haben wollte – im übrigen eine ziemlich kindliche Auffassung vom Tauschen.

    Jemandem, der sagt, dass der ganze Kredit in der Welt letztendlich auf den Wert zurückgeht und nicht getrennt von ihm existiert, hilft man am besten, indem man ihn auf das Missverständnis bei der elementaren Bestimmung, auf die er sich beruft, aufmerksam macht, nämlich, dass Wert unmöglich etwas anderes sein könne als das Quantum der tatsächlich im Dienste des Kapitals verausgabten Arbeitszeit. Einer, der diese Objektivität des Werts in Anschlag bringt, hat ihn nicht richtig verstanden, aber um seine Bestimmung geht es jetzt – auf den Kredit kommt man dann drei Ecken später. Es wird beim Wert schon so sein, dass die Arbeit sein Quantum bestimmt, aber was ist da die Qualität der Arbeit? Das ist der Arbeitsdienst am Eigentum und das, was Regie darüber führt; wie viel an Wert die Arbeit schafft, ist das, was sich als gesellschaftlich notwendige Privatarbeit bewährt.

    Noch mal zu ‚gesellschaftlich notwendig’. Vorher ist da noch etwas offen geblieben – über die gesellschaftliche Notwendigkeit konkreter Arbeit wird befunden, aber wie? Eben nur über die Äquivalenz, über ihren Tauschwert. Bei dieser Bestimmung von ‚gesellschaftlich notwendig’ kommt die Volatilität der Bedürfnisse – also was in dieser Gesellschaft überhaupt benötigt wird – zum Tragen. Diese Frage ist vom konkreten Nutzen der Arbeit schon sehr weit weg und geht auf die sich fortentwickelnden Bedürfnisse der Gesellschaft. Darin geht auch die Seite des notwendigen gesellschaftlichen Arbeitsaufwands auf. An der Arbeit, an dem, was einer tut und leistet, braucht sich nichts zu ändern, aber das, was er an Wert schafft, ändert sich unabhängig von ihm – nicht nur, wie viel von dem geschaffenen Wert sich realisiert, sondern, wie viel Wert in seinem Produkt überhaupt enthalten ist.

    Da merkt man: lauter Bestimmungen, die aus der Sphäre des gesellschaftlichen Lebens- und Produktionsprozesses stammen, werden zur externen, für die Privatarbeit gültigen Wertbestimmung, zur Definition dessen, wie viel die Arbeit überhaupt zählt, die da verrichtet worden ist. Die verrichtete Arbeit ist zwar Quelle des Werts, aber wie viel Wert da zustande gekommen ist, ist der Arbeit gar nicht anzusehen. Das liegt an lauter externen Größen – wie viel woanders gearbeitet worden ist, was überhaupt benötigt wird, wie der Stand der gesellschaftlichen Produktivkräfte ist. Daran zeigt sich, was für eine widersprüchliche Größe die Wertbestimmung durch die Arbeit ist. Denn die wertbestimmende Arbeit und was sie an Wert schafft, ist selber dadurch bestimmt, was an gesellschaftlich notwendiger Privatarbeit überhaupt gefragt ist in der Gesellschaft.

    Noch mal zum Verhältnis von abstrakter und gesellschaftlich notwendiger Arbeit: Im Begriff der abstrakten Arbeit gibt es keine Bestimmungen außer der, dass ein Subjekt etwas geschaffen und sich damit den Gegen-stand eines Verfügungsrechts erworben hat. Das Ding ist immer noch ein Gegenstand des Verfügungsrechts und das hat eine qualitative Bestimmung: ein Gegenstand, der Eigentum ist. Eigentum pur muss den Gegenstand selbst eliminieren und ersetzen durch eine pur quantitative Bestimmung des Verfügungsrechts als solchem. Das geschieht im Tausch – dieser ist die Realisierung der abstrakten Natur des Verfügungsrechts. Der Begriff gesellschaftlich notwendige Arbeit kann sich nur über den Tausch herstellen und ist nicht schon in der Verrichtung der Arbeit enthalten. Im Begriff der abstrakten Arbeit ist die Quantifizierbarkeit enthalten – quantifiziert wird dann im Tausch.

    Den Anhängern der falschen Wertbestimmung kann man entgegenhalten, dass man am Treiben des Finanzkapitals und seinen irrsten Eskapaden zeigen kann, dass dem eine ganze Produktionsweise der Ausbeutung der Arbeit zugrunde liegt, aber das ist ein anderes Begründungsverhältnis als zu sagen, dass die Summen, mit denen da herumgeschmissen wird, alle aus der Ausbeutung stammen. In dieser Auffassung steckt wohl ein verkehrtes Verständnis von dem, was Wert in dieser Gesellschaft ist, denn auf die Bestimmung im GS, dass Wert nicht einfach durch Arbeit, sondern durch das Regime über sie geschaffen werde, meldeten sich gleich die ersten Proteste, man dürfe nicht ‚nicht-sondern’ sagen. Gerade das soll jetzt aber behauptet werden: Wertschaffende Arbeit ist Arbeit unter dem Regime, das ihre wertschaffende Qualität und Quantität definiert und eben nicht sie selbst und das wird im Fortgang immer drastischer deutlich – im Augenblick ist es wichtig, sich klar zu machen, warum Marx gegen die Stundenzettel polemisiert: Der adäquate Ausdruck dafür, dass Arbeit mit diesen ganzen Bestimmungen Quelle und Maß des Werts ist, ist das Geld, das damit zu verdienen ist und das Geld bestimmt darüber, wie viel Wert die Arbeit geschaffen hat und nicht die Zahl der Stunden – sonst wäre Geld ja ein Arbeitsstundenzettel, dabei ist es gerade dessen Widerlegung.

    Der Fortgang ist: Dass Arbeit Dienst am Eigentum ist, tritt erst richtig zutage, wenn Arbeit endgültig nicht mehr gefasst wird als eine produktive Tätigkeit, sondern wenn man ihren Dienstcharakter wirklich ernst nimmt. Dann bekommt nämlich die Arbeit selber die Bestimmung eines käuflichen Produktionsfaktors. (Sie bekommt aber nicht den Charakter der Käuflichkeit).

    — Käuflich wird doch der Dienst der Arbeit am Eigentum.

    Oder genauer: käuflich wird die Arbeitskraft. Aber das, was sie an Eigentum produziert, liegt schon nicht mehr an ihr, sondern an ihrer Verwendung: das Regime über die Arbeit schafft ihren Wert. Das wird darin deutlich, dass die Arbeitskraft – einmal eingekauft – zum Vehikel dafür wird, dass die Arbeit als Produktionsfaktor wirkt, als Quelle des Eigentums dessen, der die Kraft dazu gekauft hat. Und worüber bestimmt jetzt das Regime über die Arbeit? Da hat man die nächste Eskalationsstufe: dann wird die Produktion von Mehrwert zum Prinzip der Wertproduktion. Das Geld ist das Regime über die wertschaffende Arbeit, es ist der Zweck der Sache, also ist Arbeit Dienst daran und die nächste Stufe ist: Es ist die Herrschaft über den eigenen Entstehungsprozess; man kann die Quelle der Arbeit, die Arbeitskraft, einkaufen und dann regiert das Geld in seiner Eigenschaft als Kapital vollends über den Prozess, der den Wert schafft.

    Dann hat man die nächste Bestimmung: Wonach richtet sich dieser Prozess? Da ist man noch ein Stück weiter weg von irgend einem Merkmal, das an der Arbeit selber dran ist, sondern da ist man beim Zweck des Mehrwerts und der enthält ein neues, verrücktes Verhältnis zwischen dem, was an Eigentum geschaffen wird und dem, was die Arbeitskraft gekostet hat. Jetzt sind die beiden Sachen – Quantum Arbeitsstunden, die geleistet werden und was dabei an Wert, auf den es doch ankommt, zustande kommt – schon sehr weit auseinander.

    Im nächsten Schritt kommt es auf den Wert in einer klaren Sonderbestimmung an, nämlich nicht mehr auf Wert überhaupt, der in einem bestimmten Arbeitsquantum zu fassen ist, sondern auf das nächste gesellschaftliche Verhältnis, in dem dieses Quantum geschaffener Wert zu einer ganz anderen Größe steht, nämlich den Kosten einer Arbeitskraft. Wenn es so weit gediehen ist, dass es bei der wertschaffenden Arbeit gar nicht mehr auf den geschaffenen Wert, sondern auf die Differenz ankommt, dann ist die ganze Schiene eröffnet, dass alles, was die Arbeit selber zu bewerkstelligen hat, nicht mehr Potenz der Arbeit ist, sondern Potenz des Regimes über sie.

    Bei dem Versuch, die Ableitung von Marx nicht zu rekapitulieren, sondern das Augenmerk an dieser Ableitung entlang auf die gesellschaftliche Natur der Wertbestimmungen zu werfen, kommt man zu seinem nächsten Gedanken: Wenn der ganze Prozess nur dazu dienen soll, dass das Eigentum geschaffen wird, da ist und in Erscheinung tritt, wenn man es tauscht, dann ist das ein ziemlich sinnloser Prozess. An der Stelle liegt der Kurzschluss nahe: Mit dem Geld geht man wieder einkaufen und dann ist man wieder beim Gebrauchswert. Der Fortgang bei Marx ist anders: Wenn Eigentum das ist, worauf es ankommt, und es nur bestimmt ist als quantifiziertes Verfügungsrecht, dann ist damit schon gesagt, dass es nicht auf das Quantum als solches ankommt, sondern auf dessen Vermehrung. Alle Theorien, die diesen Gedanken nicht mitmachen, folgen dem obigen Gebrauchswert-Gedanken, sind Theorien der Ökonomie der Zufriedenheit.

    Die elementaren Bestimmungen von Wert sind erst fertig, wenn klar ist, mit Wert ist Verwertung, Mehrung des Werts gesagt. Wenn Eigentum der Zweck ist, um den es geht, dann ist nicht einfach das Eigentum als solches, sondern sein Wachstum der Zweck der Sache. Das als Lebenszweck einer ganzen Ökonomie heißt: Sie wird vorangetrieben durch den Zweck, das Eigentum zu vermehren. Und wenn man jetzt nach dem Mittel dafür fragt, ist man endgültig weg von der Arbeit, denn das Mittel für die Vermehrung des Eigentums ist nicht die Arbeit, sondern die Verfügung über sie: Sie lässt sich in Form einer Arbeitskraft kaufen. Das ist das Geheimnis des Wortes Verwertung: Da steht nämlich nicht am Anfang die Arbeit und am Ende der Wert, sondern wenn das Ganze ein Verwertungsprozess ist, dann steht am Anfang der Wert und am Ende mehr davon. Auf diese Art ist die Arbeit Quelle und Maß des Werts: Sie ist als käufliche dem Geld ausgeliefert und ihr ganzer Vollzug dient nur dazu, den eigenen Kaufpreis einzulösen und mehr davon einzuspielen. Das ist die Wahrheit von Wert: dass es ein Verwertungsprozess ist, an dessen Ende ein größerer Wert steht als anfangs in ihn eingegangen ist. Das ist immer noch nicht der Kredit, aber es ist die Grundlage dafür: In der wertschaffenden Arbeit schafft der Wert sich selber – nämlich dadurch, dass sein Regime über die Arbeit als seine Quelle wirkt. Das bekommt in den Kapiteln über den absoluten und relativen Mehrwert seine nächste Eskalationsstufe; da wird immer drastischer die Wahrheit deutlich, dass der Wert unter freier Benutzung der Arbeit sich selber schafft. Das ist der Inhalt von Verwertungsprozess.

    Hinsichtlich der Mehrwert-Kapitel herrscht übrigens sofort allgemeines Einverständnis, dass sich da das Regime des Kapitals über die Arbeit vollzieht. Im Fortgang weist Marx nach: das ist alles das Benutzen von Arbeit, während es jetzt mal auf die Betonung ankommen sollte: das ist alles das Regime über sie und das ist nicht die Reduktion des Verwertungs- auf einen Arbeitsprozess, sondern die Klarstellung, dass der Verwertungsprozess den ganzen Arbeitsprozess zu einem bloßen Mittel für seine Bedürfnisse und nach seinen Kriterien degradiert. Nicht, dass das bei Marx nicht in etwa auch so stünde, aber vielleicht trägt diese Betonung des Werts zum besseren Verständnis bei – das war jedenfalls die Intention. Auch deshalb, weil man vielleicht geneigt ist, an der Arbeit als Subjekt, als der Sache, um die es doch eigentlich ginge, festzuhalten. Es ist eine andere Betonung, zu sagen, der Wert unterwirft sich im Verwertungsprozess die Arbeit, als zu sagen: aber da schafft die Arbeit doch den (Mehr)Wert.

  3. 2. Protokoll des JF München zum Wert:

    26.04.2010

    1. Beim letzten JF wurde über das Projekt geredet, einige Klarstellungen zu Marx’ Arbeitswertlehre aufzuschreiben. Dabei soll es um die Bedenken gehen, ob unsere bisherigen Einlassungen zu den Linken, siehe GS 1-09, und dem Finanzkapital, siehe GS 3-08, 2-09 und 1-10, nicht den Prinzipien der Wertlehre widersprechen. Es soll dabei nicht Marx’ Ableitung rekapituliert werden, sondern man soll sich darauf besinnen, was darin alles an Aufklärung über die kapitalistische Ökonomie enthalten ist.

    — Mir ist der Gedanke nicht klar, dass bzw. wie ‚abstrakt’ selbst schon ein Attribut des Eigentums ist. Bei der Arbeit wird von allem abstrahiert, was sie ausmacht; es zählt bloß die Quantität. Dann ist die Frage: Quantität von was?

    Nimmt man den schlichten Ausgangspunkt, dass es in der Ökonomie um nützliche Sachen geht, um ihre Herstellung und Verwendung, eben den elementaren Begriff der Ökonomie, ist die Frage, wie sich dazu der Güterberg in der kapitalistisch produzierenden Gesellschaft verhält. Der ist einerseits die Gesamtheit der nützlichen Güter in diesem elementaren Sinn. Die Kategorie Eigentum will andererseits von alledem überhaupt nichts wissen. Sie unterstellt ganz abstrakt, nämlich unter Absehung von jedem wirklichen Nutzen, den die Sachen haben, dass es ein Verfügungsrecht über diesen Nutzen gibt. Eigentum ist das exklusive Recht, über Sachen zu verfügen. Es liegt damit ein Widerspruch vor: dies als Bestimmungsgrund einer Ökonomie genommen – was ist dann nach den Kategorien dieser Ökonomie geurteilt eigentlich der Nutzen?

    Die Bestimmungen der Arbeit entstammen ihrem Resultat. Wenn die ökonomische Bestimmung des Resultats darin liegt, dass es gar nicht für den Gebrauch, sondern erstens geschaffen ist dafür, dass auf diesen Gebrauch der Vorbehalt eines Verfügungsrechts liegt, und zweitens, dass das die Grundlage für den Austausch, für die kommerzielle Verwendung dieses Verfügungsrechts ist, dann hat man zunächst einmal die Bestimmungen des Produkts. All die Bestimmungen, die man von Marx so kennt, übertragen Kategorien oder Charakteristika des Eigentums und seiner kommerziellen Verwendung auf die Arbeit, die es schafft. Es gibt keine inhaltslose Arbeit, aber als was zählt sie ökonomisch?

    Schlägt man die Wirtschaftsseite einer Zeitung auf, so ist dort zwar von Arbeit die Rede, doch erfährt man da irgendetwas vom Inhalt der Arbeit? Man erfährt etwas über die Anzahl der Arbeitsplätze, über die Anzahl der Beschäftigten, wie wichtig das ist und dass das ganze Bruttosozialprodukt davon abhängt, dass sie rentabel sein müssen… Das sind die wichtigen Bestimmungen von Arbeit. Aber zum Inhalt der Arbeit und welchen Nutzen sie stiftet kommt höchstens eine Andeutung im Eigennamen der Firma, von der gerade die Rede ist. Dass Arbeit in dieser Ökonomie eine wichtige Angelegenheit ist, ihre Menge wichtig ist und dass alles unter dem Gesetz der Rentabilität steht – darauf kommt es an. Daran werden auch Nationen verglichen. Produktivitätsvergleiche werden angeboten und man braucht überhaupt nichts von der Branche zu wissen. Wird von Lohnstückkosten gesprochen, ist es völlig egal, wovon hier eigentlich die Rede ist, Stückkosten werden verglichen.

    — Zweck der Arbeit ist das hier schon angesprochene Resultat. Der einzelnen Arbeit sieht man dies aber doch nicht an.

    Betrachtet man den konkreten Arbeitsprozess, sieht man es höchstens den Modalitäten der Arbeit an: Dass es auf Bequemlichkeiten nicht ankommt, sondern auf Rentabilität, das bildet sich schon in den Arbeitsprozess ein. Den ökonomischen Gehalt betreffend kann man nicht einfach sagen, dass das, was sie machen, nützliche Arbeit ist, aber der Zweck davon – so, als wäre das eine getrennte Sache – ist ‚bloß’ für das Geschäft. Nein, kein ‚bloß’, es ist das Gesetz dieser Ökonomie.

    Beim letzten JF sollte daran erinnert werden, was aus der Befassung mit Marx bekannt ist: Wert ist seiner Menge nach bestimmt durch das Quantum Arbeit, das für ein Produkt verausgabt wird; also ist die Menge an Arbeit gemessen in Zeit Quelle und Maß des Werts, auf den es ankommt, er ist die Grundlage des Tauschwerts; und dann geht der ganze Kapitalismus los mit seinen Prinzipien der Bereicherung… Dazu sollte nicht gesagt werden, dass das weit gefehlt ist, sondern, was das heißt. Marx sagt, es ist gerade nicht die tatsächlich vom Einzelnen oder von einem Kollektiv auf nützliche Güter verausgabte Anstrengung gemessen in der Zeit, was ja bei Arbeit nicht unvernünftig ist, nicht die konkrete Tätigkeit, die nach ihrer Dauer den Wert bestimmt, sondern diese quantitative Bestimmung des Werts durch die Arbeit setzt diese unter eigentümliche Kriterien: Arbeit als abstrakte, als private und als gesellschaftlich notwendige.

    Diese drei Bestimmungen: privat, abstrakt und gesellschaftlich notwendig, sind an der Arbeit als solcher so nicht unmittelbar aufzufinden, sie sind Bestimmungen des gesellschaftlichen Verhältnisses, in dem Arbeit stattfindet. Wenn man dran denkt, dass man arbeitet, nicht um das Produkt zu behalten, sondern um an ein anderes zu kommen, dann meint die bürgerliche Ökonomie, sie habe in dem anderen Produkt das Kriterium für die Arbeit, so dass sich dann beim Tausch die Angelegenheit gar nicht erklärt durch das, was das Prinzip der Gleichsetzung ist, sondern sie löst sich auf in den konkreten Nutzen der gleichgesetzten Produkte. Dann ist man bei der subjektiven Wertlehre, oder irgendeiner Wertlehre, die dieses Tauschverhältnis nicht als Vollzug der Abstraktion fasst, sondern gerade als das Gegenteil: Es ginge jedem um den konkreten Nutzen, bloß um den, den er selber gerade nicht hat. Dies ist, wohlwollend betrachtet, eine kindliche Auffassung des Warenverkehrs. In einer Ökonomie, die die Produktion von Tauschwert zu ihrem Prinzip gemacht hat, kommt es auf den Tauschwert als solchen an, also auf die Abstraktion von jedem bestimmten Nutzen.

    — Was für Gedanken muss man sich machen, um z. B. auf den richtigen Wert eines Autos zu kommen? Zu ‚gesellschaftlich notwendig’ wurde letztes Mal gesagt, man müsse daran denken, dass Eigentum nicht dazu da ist, dass man es hat, sondern dass es mehr wird. Mir erscheint dies zirkulär.

    Wenn vom Haben und Eigentum die Rede ist – was immer unter dem Schlagwort Verfügungsmacht ausgedrückt ist -, darf man nicht unterschlagen, dass das ein ganzes gesellschaftliches Verhältnis ist. Das heißt: Ich verfüge über etwas und schließe andere, die dieses etwas brauchen, von dessen Gebrauch aus, so dass der Witz am Verfügen zugleich einer ist, nicht dass ich einfach dieses Ding habe, sondern dass ich damit ein gesellschaftliches Verhältnis zu allen anderen eingehe – ökonomisch heißt dies Tausch. Im Austausch wird das, was die Dinge wert sind, quantifiziert, als Eigentum gemessen und zueinander ins Verhältnis gesetzt. Dies war bis dahin die Bestimmung, dass sich im Austausch zeigt, was Wert ist. Rückwärts gesagt ist das, was man immer an der Arbeit auffinden will, im Austausch durchaus greifbar: Sowohl dass privat produziert wird als auch dass die Arbeit abstrakt ist, denn im Austausch zählt das Nützliche überhaupt nicht, sondern das, was die Dinge als Arbeitsprodukte im Verhältnis zu allen anderen erbringen. Man muss sich also nicht die Frage stellen, wie man das an der Arbeit sieht. Wenn man will, kann man das auch an der entdecken, aber an ihrer Organisation und nicht an ihrer konkreten Seite. Darum ist es aber nicht gegangen, sondern darum, woher und wie bestimmt sich der Wert, nämlich am Austausch selber, wo sich das Ding als Arbeitsprodukt in Bezug auf die gesellschaftliche Notwendigkeit vergleicht. Da wird es als Arbeitsprodukt quantifiziert und Wert greifbar als Qualität, hier ist Eigentum im Verhältnis zu allem anderen als Arbeitsprodukt bewertet. Dies, die Quantifizierung, gilt, noch bevor im obigen Beitrag darauf verwiesen wird, dass das Eigentum mehr werden muss. Und erst dann kommt der Schluss, dass, wenn es um das Quantum des Verfügens geht, dann Vermehren auch der Zweck ist.

    — Mir geht es um die Frage, was ich denken muss, damit ich darauf komme, wie viel die Wert schaffende Arbeit ist. Wenn dann gesagt wird, man bekommt Geld dafür, dann bleibt immer noch die Frage, wie viel denn.

    Die Befassung mit der Frage, wie viel Wert in einer Ware drinsteckt, hat mit politischer Ökonomie nichts zu tun. Das Wie-viel erfährt man beim Einkaufen dann schon. Bei Marx geht es darum, die Kategorie Tauschwert klar zu stellen, und nicht darum, wie viel z. B. der Stuhl hat. Die ganze Ökonomie geht auf den Tauschwert, also darauf, dass Dinge gerade nicht für die Benutzung, den persönlichen oder kollektiven Gebrauch produziert werden, sondern für den Austausch. Es geht darum, was dieser Umstand für ein gesellschaftliches Verhältnis als Grundlage der Ökonomie stiftet. Es geht um den Unterschied zwischen einem Auto und seinem Tauschwert und nicht um die Menge des Tauschwertes, um die Quantifizierung und nicht die Quantität eines einzelnen Produkts. Fragt man nun nach dem Bestimmungsgrund für den Wert eines Autos, sagt Marx dazu, dass das die dafür verausgabte Arbeit ist, aber als Bestimmungsgrund des Werts im Unterschied zur produktiven Tätigkeit, die unter Einsatz von Maschinerie und anderem das Auto zum Ergebnis hat, ist das eine Arbeit in abstrakter Form.

    Wir wollen nicht noch einmal erklären, wie Marx abstrakte Arbeit erklärt, sondern darauf aufmerksam machen, dass, wenn Marx von abstrakter Arbeit spricht, er damit eine Bestimmung des Eigentums, eines Rechtsverhältnisses der gesetzlich geschützten Verfügungsmacht, auf die Arbeit anwendet. Aus der Welt stammen die Bestimmungen abstrakt und privat. Die sind so sehr das entscheidende Charakteristikum des Produkts, dass Marx dazu sagt, Arbeit bestimmt den Tauschwert insofern, als sie diese Bestimmungen an sich hat. Das ist das, was an Arbeit zählt: Dass überhaupt gearbeitet wird; dass privat gearbeitet wird und – gesellschaftlich notwendig – dass das Produkt für den Austausch gedacht ist, also die Anerkennung seiner gesellschaftlichen Notwendigkeit durch diese ominöse Größe Markt, durch den Austausch passiert. Im Austausch wird die abstrakte Natur des Produkts, dass es auf seinen Tauschwert ankommt, realisiert. Dieses Gleichsetzen ganz verschiedener Gebrauchswerte ist der Witz, ökonomisch gesehen haben alle für inkommensurable Bedürfnisse geschaffenen Produkte einen Nenner. Im Austausch vollzieht sich dieses Quidproquo: eins ist als ökonomisches Ding, als für den Austausch produziertes Stück Verfügungsmacht über ein nützliches Gut, so gut wie das andere; im Tauschwert bekommt dieses Quidproquo seinen dinglichen Charakter, und im Geld ist es verselbstständigt da. Geld hat für sich keinen Nutzen, sondern ist die quantifizierte Möglichkeit jeglichen Nutzens in dieser Gesellschaft. Das ist die Verselbstständigung, die der Tauschwert im Geld erfährt.

    Anders gesagt. Wenn man sich gemerkt hat, der Tauschwert bekommt seine selbstständige Gestalt im Geld, ist die Abstraktion von jedem bestimmten Inhalt von Arbeit und dem konkreten Nutzen der Produkte fix und fertig. Dem Geld ist nicht anzusehen, wofür es ausgegeben werden kann, es ist nämlich die Verfügungsmacht über alles – vorausgesetzt es langt quantitativ. Wenn Marx nun behauptet, Maß der Werte ist das Quantum der auf die einzelnen Produkte verausgabten Arbeit, steckt also auch im Geld verausgabte Arbeit. Man hat dann hier schon anschaulich, dass die konkrete Tätigkeit inkommensurabel ist zu der Größe Geld, die eine Verfügungsmacht über alles und jedes, aber quantitativ bemessen zum Inhalt hat. Wie kann denn Arbeit Quelle und Bestimmungsgrund der Größe einer Geldsumme sein? Das Zusammenzählen von Arbeitsstunden kann es nicht sein. Arbeit ist Maß und Quelle des Werts, indem dass sie selber gar nicht als konkreter Vollzug in Stunden gemessen zählt, sondern als konkreter Vollzug in Stunden gemessen unter den Auspizien abstrakt (weg mit allem Inhalt), privat (also immer in einem ausschließenden Verhältnis zu allen anderen) und gesellschaftlich notwendig (also in einem Bezug auf alle anderen). Es ist doch schon verräterisch für alle, die Wertbestimmung und Arbeitsstunden so unmittelbar in eins setzen, dass in allen Industrien die Ermittlung der Arbeitsstunden, die in einem Produkt stecken, eine Forschungsaufgabe ist, die sie im Nachhinein veranstalten. Dann können die Arbeitsstunden wohl nicht die Grundlage für die rechnerische Wertbestimmung sein.

    Festgehalten wurde letztes Mal: Die Arbeit, die in kapitalistischen Gesellschaften verrichtet wird, hat ihre ökonomische Bedeutung darin, Dienst am Eigentum und seiner Schaffung zu sein.

    Noch mal der Übergang:

    1. Zweck, ökonomischer Inhalt der Arbeit, die als Wert schaffende verrichtet wird, ist das Eigentum und seine Vermehrung. Alle nützlichen Güter haben den in Einheiten (national unterschiedlich) ausdrückbaren gemeinsamen Nenner. Einheiten haben die Eigenart, eine qualitative Seite zu haben – die Qualität, Tauschwert zu sein – und eine quantitative – für diese Qualität ein Maß, eine Maßeinheit anzugeben, z.B. Euro. Wenn das die Bestimmung Wert schaffender Arbeit ist, von dieser Abstraktion Wert viel herzugeben, dann steckt darin eine eigentümliche Zweckbestimmung der Arbeit, dann ist diese rein quantitativer Natur: Möglichst viel von diesem abstrakten Ding, ist die Bestimmung des Reichtums. Nirgends gibt es eine so klare Definition von Armut und Reichtum wie in kapitalistisch produzierenden Gesellschaften; es reichen Ziffern, über wie viel einer verfügt. Wenn Wert bestimmende Arbeit das Charakteristikum der Gesellschaft ist, ist damit auch schon Reichtum als Zweck dieser Gesellschaft neu definiert – gegenüber jedem konkreten Inhalt, der auf Benutzung und Genuss geht. Reichtum bedeutet dann ein immer größeres Quantum vom Tauschwert.

    2. Der zweite Schritt steht bei Marx im Übergang zum Kapital. Dazu, was diese Ableitung aber bedeutet, folgende Überlegung: Wenn Eigentum pur, Bereicherung als Zweck der Ökonomie feststeht – deswegen davon nicht nur möglichst viel, sondern immer mehr –, steckt darin ein eigentümliches Verhältnis. Wenn es um die Mehrung von Wert als Zweck des dafür getätigten Aufwands (erst mal nur an Arbeit) geht, woran misst sich dann die Vermehrung? Nicht am Quantum der verrichteten Arbeitsstunden, denn diese zählen ja nicht als solche, sondern als Quelle von neuem Wert. Am Quantum der Arbeitsstunden kann man bestenfalls feststellen, es ist viel gearbeitet, viel neues Eigentum geschaffen worden. Um Mehrung messen zu können, muss der Aufwand, an dem der neu geschaffene Reichtum sich misst, zur gleichen Kategorie gehören, den gleichen Vergleichsmaßstab haben, wie das Resultat. Wie kann aber Arbeit selbst von der Art Eigentum sein? Wenn Arbeit die Quelle des neuen Reichtums ist und der neue Reichtum sich an etwas messen muss, was auch Eigentum ist, sind es die Unterhaltskosten, der Wert dessen, was als Aufwand in den Produktionsprozess eingeht. Der Aufwand, der für diese Fähigkeit, die Arbeit zu verrichten, notwendig ist. Ihre Reproduktion, also das, was als Eigentum verschlissen wird, damit durch den Arbeitsprozess neues Eigentum zustande kommt, ist der Bezugspunkt für die Frage: Lohnt es sich? Das Lohnen ist die für den Reichtum zuständige Kategorie.

    Noch einmal: Der 1. Schritt ist: Bei dieser Sorte Ökonomie geht es um eine eigentümliche Sorte von Reichtum, um Tauschwert, der seine Maßeinheit und sein Maß im Geld hat. Der Zweck dieser Ökonomie ist also Mehrung des im Geld vergegenständlichten Tauschwerts. Dabei kann sich die gelungene Mehrung nicht am Quantum der verausgabten Arbeit messen, weil die Leistung von Arbeitsstunden einen Aufwand erheischt, der dem Produkt der Arbeit als negative Größe gegenüber steht. Bei der Frage, was da also an Aufwand gemessen wird, hat man die nächste Verrücktheit dieser Gesellschaft: Der Aufwand, an dem die Vermehrung sich misst, ist nicht das Quantum geleisteter Arbeitsstunden, sondern das Quantum Eigentum, das für den Aufwand zur Leistung von Arbeitsstunden gebraucht wird. (Natürlich misst das Kapital das am Ende an allen vorgeschossenen Kosten, Wertübertragung (Marx, K I) etc. ist alles unterstellt.)

    Das ist nur ein anderer Weg, um (wie bei Marx) auf Arbeitskraft als der Größe zu kommen, an der der Ertrag dieser Gesellschaft sich misst.

    Wenn man festhält, Arbeit ist Quelle und Maß des Werts, um dessen Mehrung geht es, dann ist möglichst viel Arbeit, die in einem Tauschwert resultiert und sich in Geld niederschlägt, der Reichtum der Gesellschaft. „Der Reichtum der kapitalistischen Gesellschaften stellt sich dar als eine ungeheure Warensammlung“ (Marx, K I) und der ist erst fertig, wenn die Ware verkauft ist, sonst bleibt sie liegen und vergammelt. Arbeit als Quelle und Maß des Werts lässt noch die Bestimmung offen: taugt der ganze Arbeitsprozess denn auch für den Zweck der Mehrung des Eigentums? Was ist in dem Begriff der Vermehrung als Bezugspunkt unterstellt? Nicht die Quelle des Eigentums, aus der kommt – für sich betrachtet – zwar immer mehr, aber wenn es um Vermehrung geht, dann ist das neu Geschaffene ins Verhältnis gesetzt zu etwas, was in dieser Zeit an Eigentum verschlissen und verbraucht wird, was weniger wird; das ist das Kriterium des Erfolgs in dieser Gesellschaft. Das erinnert gleich wieder an die Gebrauchswerte. Ob eine Gesellschaft von den geschaffenen Gebrauchswerten leben kann, misst sich daran, ob mehr zustande kommt, oder zumindest das Verbrauchte ersetzt wird. Diese Gebrauchswertseite wird eine Ökonomie nie los. Nur in welche Form ist das jetzt verwandelt? Wenn es um den Tauschwert geht, ist der neu geschaffene ins Verhältnis zu setzen zu dem Tauschwert, der fürs Neuschaffen verbraucht wurde. Wenn man das an der Arbeit ausdrückt (Maschinen etc. mal weggelassen), dann heißt das: Das Maß des Erfolgs der Tauschwert schaffenden Arbeit ist, ob die mehr neues Eigentums schafft, als für ihren Erhalt drauf gegangen ist. Arbeit als Eigentumsgröße betrifft das Quantum von Wert, das für ihren Erhalt, ihre Reproduktion, ihre Potenz zu arbeiten nötig ist, das wird ins Verhältnis gesetzt zum Ertrag. Nur woran misst sich diese Rate? Stur an der Arbeit festgehalten ist es das Quantum neu geschaffener Wert im Verhältnis zum Wert der Arbeitskraft. Da ist die Arbeitskraft, die Potenz, Arbeit zu verrichten, selbst als Verschleiß/Konsum von Eigentum gedacht.

    Dies sollte eine Art der Klärung anhand der Marxschen Bestimmungen sein, was Dienst am Eigentum eigentlich heißt: dass da selbst schon ein Vergleich drinsteckt, ein Verhältnis ausgedrückt ist, zwischen dem, was Arbeit – insofern sie die permanente Aufrechterhaltung der Fähigkeit zu arbeiten – an Eigentum kostet und was sie durch ihre Betätigung an neuem Eigentum schafft. Die Arbeitskraft ist da schon als Eigentumsgröße gedacht.

    Wenn der Arbeitsprozess von Marx als Verwertungsprozess charakterisiert wird, was steht da am Anfang und am Schluss? Im kapitalistischen Arbeitsprozess wird Arbeit als Wert schaffende Potenz verausgabt, diese Verrücktheit setzt zwei Größen zueinander ins Verhältnis, nämlich was vorher und hinterher an Wert da ist. Was vorher da ist, muss durch die Wertschöpfung ersetzt und überboten werden – nur auf die Arbeit bezogen, ist es das, was die Arbeit selbst, damit sie verrichtet werden kann, an Wert repräsentiert. Was sie den, der sich als arbeitsfähiges Individuum erhält, kostet. Im Verwertungsprozess ist auch über die arbeitende Menschheit ein Urteil ausgedrückt, nämlich dass sie als der vordere Teil in einer Gleichung fungiert, als Vergleichspunkt, wie viel sie wert ist im Verhältnis zu dem Wert, der rauskommen soll.

    Vielleicht wird es an dem Punkt leichter: Das Ganze gibt es natürlich nur dadurch, dass die Arbeitskraft nicht nur abstrakt und im Prinzip als Prämisse des Verwertungsprozesses verbucht wird, sondern, dass sie als eine Wertgröße an den Anfang des Produktionsprozesses gesetzt wird und der Arbeitsprozess selbst die Vergrößerung dieses Werts zustande bringt. Mehrwert ist das Gesetz der Wertproduktion; die Vergrößerung ist das Gesetz darüber, wie viel Wertschöpfung überhaupt stattfindet. Damit wäre der Übergang fertig.

    Bei Marx liest es sich so wie: Der geschaffene Wert wird geteilt, den Ramsch – das v – bekommen die Arbeiter zum Überleben, das andere – das m – sahnen die Kapitalisten ab. Schon in den Kategorien v und m ist eigentlich etwas anderes mitgeteilt, nämlich dass da gar keine Erträge Wert schaffender Arbeit geteilt werden, sondern dass die Bezahlung von Arbeitskraft und ihre Anwendung als Wertquelle – v, variables Kapital – nur stattfindet, damit es variabel ist. Die Variabilität, also der Zuwachs, das m bei Marx, ist Grund und Zweck dafür, dass überhaupt Wert schaffende Arbeit stattfindet. Das ist auch kein neuer Gedanke, es sollte nur erinnert werden, was mit v und m eigentlich gesagt ist: Das Gegenteil von Aufteilung eines geschaffenen Wertquantums, sondern dass Arbeit als Wert schaffender Prozess nur stattfindet, unter der Maßgabe, dass für den, der das alles organisiert, mehr rauskommt. Diese Bedeutung von Verwertungsprozess als ökonomischer Inhalt von Arbeitsprozess, ist damit fertig.

    — Wenn es um die Vermehrung von Eigentum geht, dann ist das, was ausgelegt wird für die Arbeitskraft, nur notwendige Bedingung, aber für den Zweck ein lästiger, zu verringernder Faktor. Das ist die Härte gegenüber der Arbeit, ihre Subsumtion und ihre Bezahlung als Faktor der Eigentumsverwertung.

    Das Verrückte daran ist doch, dass überhaupt Arbeit bezahlt wird, dass sie als nötiger Aufwand zur Vermehrung selbst als Eigentum verbucht wird. Das ist eine andere Fassung von abstrakter Arbeit. Von wegen, das sieht man nur am Resultat, das sieht man schon dort, wo sie mobilisiert wird und wie sie in Gang gesetzt wird. Grad nicht ihrer konkreten Seite nach, sondern als Kost, die ausgegeben wird für die Vermehrung. Nicht nur im Resultat, sondern im Ausgangspunkt sind alle Bestimmungen der Arbeit festzustellen, die man an der Ware mühselig rauspräpariert. Bei Vermehrung ist schon im Ausgangspunkt das Verhältnis des Privateigentums zur Mobilisierung von Arbeit bestimmt, als Aufwand, den ein Eigentümer treibt. (Klar ist, solche Arbeit wird nicht selbst gemacht – aber auch im Fall einer Selbstausbeutung würde der die Auslagen für sich als Kost verbuchen.) Hier ist Arbeit in ihrer Mobilisierung schon eine abhängige Variable von Eigentum. Dies zum Thema abstrakt. Gesellschaftlich notwendig heißt, dass die Mobilisierung für den Austausch stattfindet; für die Vermehrung, die sich am Markt realisiert.

    So bekommt die Kategorie gesellschaftlich notwendig, die für die Wertschöpfung der Arbeit ausschlaggebend ist, immer präzisere Bestimmungen, ohne dass die ersten Bestimmungen entfallen. Am Anfang heißt es nur, es muss getauscht werden; die Abstraktion des Tauschwerts muss im Vollzug am Markt realisiert werden; da stellt sich die quantitative Bestimmung ein. Da stellt es sich auch heraus, ob die Arbeit, die geleistet wurde, gesellschaftlich notwendig war oder nicht. Dieses Regime des Marktes bleibt zwar, aber auf der nächsten Stufe kommt: Wenn das, was am Markt realisiert werden soll und muss, nicht einfach der Tauschwert der Ware in dem Sinne ist, die in der Ware verausgabte Arbeit muss sich lohnen, sondern wenn sich jetzt zeigt, es wird überhaupt nur so viel Arbeit verausgabt und in die Waren gesteckt, wie sich an Plus damit erwirtschaften lässt, dann ist auch dieses Plus die Sache, über die der Markt befindet. Dann ist der Mehrwert das Regime über die Wert schaffende Arbeit.

    Das sind alles Fortsetzungen von dem Einstiegsgedanken, der hieß: Die Wert schaffende Arbeit, die verrichtet wird, ist nach ihrer Dauer Quelle und Maß des Tauschwerts – aber was für eine Arbeit ist das eigentlich? An der Stelle heißt die Antwort: Das ist eine Arbeit, die nur verausgabt wird, damit zwischen dem Preis der Arbeitskraft und dem Erlös der Produkte eine möglichst große Differenz entsteht. Also das Regime des Kapitals über die Arbeit gehört zu den Bedingungen, unter denen Arbeit überhaupt nur als Wert schaffende zählt.

    Jetzt bekommt der Lebensunterhalt der Arbeiter – deren Wert schaffende Tätigkeit eigentlich als Quelle in Anschlag gebracht wird – zusammen mit dem Zweck der Wert schaffenden Arbeit, die sie verrichten, ihren Status in dieser Ökonomie zugewiesen: potenzielle Arbeit zu sein, Mittel dafür, dass aus ihrer Benützung mehr kommt als sie kostet. Also ein kostspieliges Instrument zu sein. Das ist das Gesetz der proletarischen Armut dieser Gesellschaft. Ein Instrument, dessen Kosten ein Abzug vom Zweck sind. Sie sind Mittel und einschränkende Bedingung des Verwertungsprozesses. Mit dem Kürzel v ist bei Marx über die proletarische Armut alles gesagt.

    Auf die Bestimmungsgründe proletarischer Armut sollte hier nicht genauer eingegangen werden, Thema sollte sein: Ist eigentlich klar, was im Begriff Wert schaffende Arbeit schon steckt? Im Begriff Wert schaffender Arbeit – genauer: Mehrwert schaffender Arbeit – steckt das Verhältnis zum Unterhalt der Arbeitskraft als Potenz und als Schranke drin. Der ganze Lebensunterhalt der Menschheit ist in der Vorsilbe vom Verwertungsprozess enthalten. Da ist es inadäquat zu sagen: Aber es kann doch nur so viel Wert entstehen, wie an Arbeit geleistet wird, man wird schließlich dauernd darauf gestoßen: Es wird überhaupt nur so viel Arbeit geleistet, und die Arbeit stiftet überhaupt nur in dem Umfang Wert, wie ein Verwertungsprozess mit ihr stattfindet, also wie ein Mehr rauskommt, zwischen dem vorher Investierten als Vorschuss und dem hinterher Erlösten als Überschuss.

    Als Fortsetzung ergibt sich, dass alle Potenzen, mit denen die Arbeit sich als Wert schaffende betätigt, gar nicht zur Arbeitskraft gehören. Bei der Wert schaffenden Arbeit ist Arbeitskraft ein Kostenfaktor, damit man Arbeit abrufen kann von ihr. Welche Arbeit, wie viel, sogar wie viel Wert sie schafft unter dem Regime – Mehrwert muss sie schaffen, dem Anwender einen Überschuss einspielen –, das liegt prinzipiell in der Hand dessen, der diese Arbeitskraft anwendet, also die Arbeit stattfinden lässt. Das hat eine historische Schiene, die Emanzipation des kapitalistischen Anwenders von dem, was die Arbeitskräfte an Arbeitsgeschick und Fähigkeiten mitbringen. Das betrifft das Instrumentarium der Arbeit, dass das nicht Eigentum derer ist, die diese Arbeit zu verrichten haben; und das liegt in allen Bestimmungen der Produktivität der Arbeit. Das ist alles im Lauf der Zeit zunehmend vom Kapital als seine Potenz organisiert, so dass wirklich von der Arbeit nur übrig bleibt – und da hätte man jetzt abstrakte Arbeit tendenziell als Inhalt der Sache –, dass sie nach den Vorgaben als Dienst an den Arbeitsmitteln stattfindet, als Bedienung der Maschinen etc. Nicht nur der Zweck der Arbeit ist bestimmt, sondern die Arbeit selbst ist bis ins Detail hinein – nach analytischer Arbeitsplatzbewertung bis in jeden einzelnen Handgriff – ausgerechnet und vorgegeben als Anspruch des Kapitals an seine Arbeitskräfte. Insofern ist dann die konkrete Arbeit ein Spiegel für die abstrakte Natur der dort verrichteten Arbeit. Als Quelle von Mehrwert ist sie bis ins Letzte durchorganisiert.

    — Also alle Wert schaffenden Potenzen der Arbeit liegen nicht in der Arbeitskraft, sondern in dem, was als Eigentum auf der anderen Seite tätig wird.

    Und sie wird selbst nur tätig nach Maßgabe der Bestimmung, dass sie gekauft ist, also ein Stück Eigentum des Anwenders repräsentiert – daher der Name variables Kapital.

    — Insofern kann man schon sagen, dass das Geld, also der in den Fabriken vergegenständlichte Wert, arbeitet.

    Wie Marx das ausdrückt, das Ganze ist dann tatsächlich ein Verwertungsprozess: Wert steht am Anfang und am Ende, die Arbeit ist dem völlig subsumiert. An der Stelle kann man sagen: Arbeit definiert also nur deswegen das Quantum des neu geschaffenen Werts, weil sie selber unter der Regie dessen stattfindet, der die Arbeitskraft als sein Eigentum zur Anwendung bringt.

    — Als ein Faktor neben allen anderen Arbeitsmitteln. Nur diese Arbeit ist Quelle des Werts.

    Nur die Arbeit, die selbst als Eigentum unter der Regie des Geldes organisiert ist, ist die, die über die Quantität des geschaffenen Werts als Quelle und Maß entscheidet.

    Über den tendenziellen Fall der Profitrate wurde hier schon mehrfach unter dem Gesichtspunkt gesprochen: Die Methoden der Steigerung des Profits wirken ihm entgegen, darüber, dass sie die Wert schaffende Arbeit selbst verringern. Vielleicht denkt an der Stelle jemand: Das ist die geheime Rache des Wertgesetzes an den gemeinen Methoden der Einsaugung von Mehrwert. Hier sollte das Gegenteil vertreten werden: Die Profitrate ist selbst schon Ausdruck von Verwertung, dass das Kapital als seine eigene Quelle mit seinen verschiedenen, von ihm gekauften Produktionsfaktoren (Arbeitskräften und Maschinerie) fungiert. Die Methoden, die Profitrate zu steigern – und sie wird von dem, der diese Methoden erfolgreich anwendet, auch gesteigert – wirken dem Effekt entgegen, weil sie die Wert schaffende Arbeit selber verringern. Das ist ein Widerspruch, den das Kapital selbst produziert: Es ist so sehr Herr darüber, wie viel Wert die Arbeit überhaupt schafft, dass das Kapital, mit seiner Art, die Profitrate zu steigern, sogar noch im Widerspruch zum allgemeinen Zweck dieser Produktionsweise gerät.

    Es entscheidet darüber, nicht nur wie viel Arbeit verrichtet wird, wie sie verausgabt wird, an welcher Maschinerie und mit welcher Intensität und Produktivität, sondern das Kapital in seiner Gier nach einer maximalen Profitrate entscheidet auch darüber, wie viel Wert eine Arbeitsstunde eigentlich schafft. So kommt am Ende der tendenzielle Fall der gesamtgesellschaftlichen Profitrate raus. Da merkt man: Sogar wie viel Wert die Arbeit schafft, liegt in der Hand des Kapitals, wie produktiv es für seine Zwecke die Arbeit macht. Es sorgt dafür, dass die Steigerung der Produktivität der Arbeit, von der es selbst als Kapital profitiert, sich gegen die Wert schaffende Potenz der Arbeit richtet. An diesem Widerspruch des tendenziellen Falls der Profitrate sieht man am deutlichsten, wie sehr die Wert schaffende Potenz der Arbeit eine abhängige Variable des Kapitals ist.

    Das ist die Konsequenz aus dem, dass der Mehrwert über die Wertschöpfung regiert und nicht der Mehrwert der Rest ist, der übrig bleibt, wenn die Arbeit Wert geschaffen hat und der Lohn ausgezahlt ist. Es ist umgekehrt: Die Mehrwertschaffung ist nicht nur Zweck, sondern sie ist das Regime sogar über das Quantum Wert, das von der Arbeit geschaffen wird. Also die Wertschöpfungspotenz der Arbeit ist selbst ein Werk des Kapitals, das die Arbeitskräfte anwendet.

    — Man kann das, was die ganze Zeit diskutiert worden ist, so nehmen: Wegen der Subsumtion der Arbeit unter den Wert gibt es die Formel G-G’.

    Zum Beispiel so etwas kann einem einfallen – was ist denn das für eine verrückte Formel, wo ist denn da die Arbeit? Am Anfang des K I macht Marx aus dem G-G’ ein Rätsel und fragt, wo der Strich denn herkommt – ist es Betrug, ist es Umverteilung, dann müsste aber für jeden Strich an andrer Stelle ein Minus stehen, das kann ja alles nicht sein in einer Gesellschaft, in der die Mehrung des Tauschwerts der Zweck ist. Wodurch also ergibt sich der Strich? Natürlich daher, woher in jeder Gesellschaft der Reichtum kommt, nämlich, er muss produziert werden. Aber was ist das für eine Produktion, die den Strich am G produziert? Das ist jedenfalls keine konkrete Arbeit. Umgedreht ist das wiederum der ganze Begriff der Arbeit, dass ihr Ausgangspunkt – die zur Anwendung bereite Arbeitskraft – eine Geldgröße ist und dass das ganze Resultat der Anwendung von Arbeitskraft, nämlich der Arbeitsprozess, auch wieder eine Geldgröße ist und dass diese beiden Geldgrößen ins Verhältnis gesetzt werden und zwar durch das Regime des Geldes selbst, das die Wert schaffende Potenz der Arbeit abruft und sogar das Quantum bestimmt, in dem die Arbeit Wert schaffend tätig wird. Dies Regime bringt es sogar soweit, dass die Methoden der Steigerung von G’ auf das Quantum einwirken, in dem Arbeitsstunden Wert schaffend zu Buche schlagen. Das ist ein kleiner Widerspruch, den das Kapital sich leistet und den es bekanntlich seine Dienstkräfte ausbaden lässt, denn an das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate schließt sich unmittelbar die Übervölkerung dieser Gesellschaft durch Menschen an, die auf die Arbeit im Dienste des Kapitals angewiesen, aber zugleich überflüssig sind.

    — Erkläre doch noch mal den tendenziellen Fall der Profitrate.

    Das Kapital ist dauernd darauf bedacht, seine Profitrate zu erhöhen und eine der Methoden, mit denen es das macht, besteht darin, das Quantum von Arbeit, das gesellschaftlich durchschnittlich notwendig ist, um Produkte zu erzeugen und auf den Markt zu bringen, zu verringern. Es dreht an den Bestimmungen, denen die Wert schaffende Arbeit unterliegt – abstrakt, privat und gesellschaftlich notwendig –, um das Quantum der gesellschaftlichen Notwendigkeit nicht im Hinblick darauf: was wird denn alles benötigt? zu verringern, sondern unter dem Aspekt: wie viel Aufwand an Arbeit ist nötig, um ein Produkt herzustellen?

    Das macht jedes Kapital, um für sich durch Einsparung des Kostenfaktors Arbeit eine Verbilligung des Produkts zu erzielen. Arbeit zählt eben nicht nach dem Quantum ihrer Verausgabung als Quelle der Bereicherung, sondern das Quantum ihrer Verausgabung und was sich daraus als Erlös ergibt, im Verhältnis zu dem, was die Arbeitskraft kostet. Weil es um diese Differenz geht, wirkt das Kapital jeder Firma auf die Produktivitätssteigerung der eigenen Arbeitskräfte hin, weil das den Kostenfaktor verringert und ihm die Freiheit eröffnet, dieselbe Sache zum gleichen Preis mit einem höheren Gewinn oder sogar mit einem Preisnachlass und trotzdem mit Gewinn zu verkaufen und so konkurrierende Kapitale aus dem Feld zu schlagen. Das geht solange gut, bis sich dieses neue Produktionsniveau verallgemeinert hat – dann machen sie sich gegenseitig solange Konkurrenz, bis sie wieder dort und unter dem Level, auf dem sie vorher waren, gelandet sind, weil jetzt der Aufwand für den Produktivitätsfortschritt größer geworden ist. In der Tendenz wird die Arbeit so immer produktiver und deswegen wird an diesem Kriterium der gesellschaftlichen Notwendigkeit immer herumgekürzt. Daran zeigt sich, wie sehr das Kapital mit seiner Art, die Arbeit für sich – also für den Mehrwert – auszunutzen, die Wert schaffende Potenz der Arbeit selber verringert, eben gemessen an dem Kriterium ‚gesellschaftlich notwendig’.

    Das Ganze ist jetzt nicht fortgedacht bis zu dem Argument: Das ist die letzte Ursache von Krisen – das interessiert jetzt nicht –, sondern es ging darum, zu verstehen, dass das nicht ein Beispiel ist für: Jetzt kommt die Arbeitswertlehre doch zum Zuge und wenn die Arbeit als Wert schaffende Potenz weniger wird, sehen die Kapitalisten alt aus. Es ist gerade andersrum: Daran sieht man, wie sehr das Kapital, indem es die Arbeit vom Mehrwert, von seinem Profit, abhängig macht, sogar darüber befindet, in welchem Maß die verausgabte Arbeit Wert schaffend wirkt, nämlich das Kriterium der gesellschaftlichen Notwendigkeit erfüllt, und dies Maß wird laufend minimiert.

    Das Kapital bestimmt über die Wert schaffende Qualität der Arbeit in der Art und Weise, dass es von seinem Verwertungsinteresse her auf eine immer gesteigerte Produktivität drängt und so laufend einen neuen gesellschaftlichen Durchschnitt herstellt. Die ganze gesellschaftliche Arbeit wird also bestimmt durch die Konkurrenz der Kapitalisten, über die sich herstellt, was dann als Wert schaffende Arbeit bestimmt ist. Also liegt es nicht an der Arbeit, sondern an dem Umgang mit ihr, welche Wertqualität sie überhaupt hat. Der tendenzielle Fall der Profitrate ist ein Beleg dafür, dass es nicht auf Arbeit ankommt, sondern auf das Regime über Arbeit, wie Arbeit gestaltet wird.

    Was das furchtbare Elend des Kapitals betrifft und woran es laboriert, steckt schon in den ersten Bestimmungen: Es wird für den Austausch produziert, der Markt ist die Unfreiheit, er ist zwar der Tummelplatz und die Sphäre der Freiheit, aber zugleich die Sphäre der Unfreiheit aller Unternehmer, denn von dem Standpunkt her, dass sie zwar irgendeinen Gebrauchswert, aber vor allem ein Verfügungsanrecht produziert haben, ist der Markt eine Sphäre, an der sie leiden. Auf dem wird ständig darum gerungen, was man an Ertrag erzielt – ob sich die in Geld gemessene Verfügungsmacht einstellt.

    Im Finanzkapital tritt das gesellschaftliche Resultat dieses Produktionsprozesses, nämlich das als Kapital akkumulierte Geld, ins Verhältnis zum Verwertungsprozess. Während in diesem aus G G’ wird, kann man in Bezug auf das Finanzkapital sagen: Die Erwartung des G’ schafft sein G. Da hat man die Absurdität, dass der antizipierte Überschuss zum Vorschuss wird. Das ist kurz zusammengefasst die Leistung des Finanzkapitals.
    Wenn das mal fertig ist: das Finanzkapital tritt ein in das Verhältnis zum fix und fertigen kapitalistischen Produktionsprozess und das antizipierte Resultat wird zur Quelle des Vorschusses, dann steckt darin schon die große Kategorie des Risikos. Das ist ein Vabanque-Spiel – da wird dieser Prozess insgesamt zur spekulativen Größe, zu der Sache, auf die das Finanzkapital setzt und spekuliert und aus der es seinen Reichtum ableitet. Dies Vabanque-Spiel begründet das Bedürfnis nach Sicherheit und die Produktion von Sicherheit für die Spekulation als Grundlage für eine Spekulation eigener Art, das sind die Eigenprodukte des Finanzkapitals in diesem Derivatewesen. Bei Bedarf kann das alles am Artikel entlang (GS 1/10) noch mal gemacht werden.

    Mit den letzten beiden Terminen sollte ein Rückblick versucht werden aus der Überlegung heraus, dass man sich mal klar machen sollte: was hat man bei Marx alles gelernt? Was ist die Wert schaffende Arbeit für ein Ding? Sind einem die Kategorien der Bestimmung der kapitalistischen Ökonomie noch gegenwärtig? Diese Art ‚luxuriöser’ Überlegung sollte das mal sein.

  4. Lesetipp:

    Deutschlands Beitrag zur Überakkumulation
    des kapitalistischen Reichtums in der EU

    (aus: Von der D-Mark zum Euro und keinesfalls wieder zurück – Deutschlands Anteil an Europas Finanzkrise und sein imperialistisches Interesse an ihrer Bewältigung, GS 1-13, S. 63-85.)

    http://www.sozialistischegruppe.de/download/Euro_vs_Dollar.pdf

    Der komplette Artikel von 2013 ist dieser hier:

    Es gehört zu den Schönheiten des vereinten Europa, dass kein Euro-Staat wissen will, dass und wie sein nationales Kapital und er als dessen machtvoller Förderer zur Überakkumulation und Euro-Krise beigetragen hat. Alle sehen sich mit ihren kapitalistischen Wachstumsanstrengungen und -erfolgen reihum als Betroffene: als Opfer – und zwar der Misswirtschaft der anderen….

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/deutschlands-anteil-an-europas-finanzkrise

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