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Theo Wentzke: Die Indienstnahme der Welt

Von • Jan 18th, 2018 • Kategorie: Allgemein

Die Indienstnahme der Welt

 

Deutsche Automobilindustrie sucht nach Märkten und Produktionsstandorten. Dabei wird ihre bisherige Führungsposition von der internationalen Konkurrenz inzwischen bedroht

 

Von Theo Wentzke

 

Im Herbst 2015 erwischt die US-Umweltbehörde einen VW-Diesel mit dem 30fachen der vom US-Umweltrecht erlaubten Stickoxidmenge, im Sommer 2017 wird in der Bundesrepublik ein Autogipfel anberaumt, den Politik und Industrie für dringend nötig halten, weil das »Vertrauen« in die deutsche Schlüsselindustrie und damit in den Standort überhaupt beschädigt ist. Dazwischen liegen ein Urteil eines US-Richters, das VW 23 Milliarden Strafe und Entschädigung kostet, die größte Rückrufaktion in der deutschen Automobilgeschichte und ein ausufernder »Dieselskandal«, an dessen Ende eben das Schicksal der gesamten Autonation Deutschland beschworen wird.

Die Nation ist sich einigermaßen einig, dass der Grund der Malaise im beispiellosen »Fehlverhalten« bzw. »Versagen« und in der »kriminellen Energie« auf seiten des Managements liegt, begleitet von »Versäumnissen« der Regierung wegen deren »zu großer Nähe« zur ­Industrie. All diese Vorwürfe münden in Plädoyers für den zukünftigen Erfolg dieser Industrie, schließlich hängt das Wohl der ganzen Nation davon ab, bilanziert in den Millionen Arbeitsplätzen.

Aus der Abhängigkeit von den Gewinnrechnungen und Markterfolgen des deutschen Industriekomplexes »Automobil« ziehen von den Politikern über die Öffentlichkeit bis zu den Arbeiterorganisationen alle denselben Schluss: Diese Rechnungen müssen für die Großunternehmen aufgehen, deren Geschäft muss unbedingt gelingen, und alle Seiten müssen ihren Beitrag leisten, dass das »Vertrauen« in die Branche, deren Vertreter eben noch der »Verantwortungslosigkeit« geziehen wurden, erhalten bzw. wiederhergestellt wird.

Dabei kann von »Versagen« und »Fehlern« keine Rede sein. Was der US-Bundesrichter aus Kalifornien mit seinem Urteil über schmutzige Diesel in Verruf gebracht und damit aufgedeckt hat, ist vielmehr die Weltmarktstrategie der deutschen »Vorzeigeindustrie«.

 

Absatzmärkte und Arbeitsplätze

Freiheit des Geschäfts

Konkurrenten

Erfolgsmodell Dieselmotor

Staatlicher Dienst am Kapital

 

Theo Wentzke ist Redakteur der Zeitschrift Gegenstandpunkt. Mehr über die Strategie der deutschen Automobilindustrie und die »Dieselaffäre« ist im aktuellen Heft 4/2017 nach­zulesen.

Bestellung unter: www.de.gegenstandpunkt.com

 

 

Quelle: junge Welt – Ausgabe vom 16.01.2018, Seite 12 / Thema

https://www.jungewelt.de/artikel/325370.die-indienstnahme-der-welt.html

 

vgl:

VW-Skandal – Dieselaffäre – E-Mobilität (GS 4-17) Vom imperialistischen Charakter von Stickoxidwerten, Betrugssoftware und Fahrverboten

Im Herbst 2015 erwischt die US-Umweltbehörde einen VW-Diesel mit dem 30-fachen der vom US-Umweltrecht erlaubten Stickoxid-Menge, im Sommer 2017 wird in Deutschland ein Autogipfel anberaumt, den Politik und Industrie für dringend nötig halten, weil das „Vertrauen“ in die deutsche Schlüsselindustrie und damit in den Industriestandort überhaupt beschädigt ist. Dazwischen liegen ein Urteil eines US-Richters, das VW 23 Mrd. Strafe und Entschädigung kostet, die größte Rückrufaktion in der deutschen Automobilgeschichte und ein ausufernder „Diesel-Skandal“, an dessen Ende eben das Schicksal der gesamten Autonation D beschworen wird.

 

https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/vw-skandal-dieselaffaere-e-mobilitaet

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