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Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

Fundsachen: wie weiter?

Von • Nov 27th, 2017 • Kategorie: Allgemein

Kollektive Austrittserklärung von 80 Genossen aus der DKP

Warum wir uns entschieden haben, aus der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) und der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) auszutreten. (…)

 

http://wieweiter.net/

 

http://wieweiter.net/wp-content/uploads/2017/11/pdf.pdf

 

 

Wozu diese Website?

Diese Website wieweiter.net kann und soll nur eine zeitweise, vorübergehende Aufgabe erfüllen:

Erstens dient sie dazu, unsere Austrittserklärung zu dokumentieren.

Unter dieser Rubrik werden wir auch unseren eigenen Werdegang etwas vorstellen – soweit das der hiesigen Sache dienlich ist.

Zweitens werden wir uns hier mit dem Leitantrag des Parteivorstandes der DKP auseinandersetzen und konstruktiv die inhaltliche Debatte in der Partei begleiten und kommentieren.

Drittens sollen hier Informationen über die nächsten Schritte, die wir für sinnvoll erachten, verbreitet werden.

Viertens und schluss: werden wir hier Artikel von uns und anderen Genossinnen und Genossen veröffentlichen, die bisher auf news.dkp nicht veröffentlicht werden konnten bzw. nicht veröffentlicht wurden, aber auch andere, die wir im Zusammenhang mit den hier gestellten Fragen hilfreich finden.

 

http://wieweiter.net/wozu-diese-website/

8 Responses »

  1. Entgegnung auf eine Austrittserklärung(1)

    Wie unsinnig die Austrittserklärung der 80 Genossen aus der DKP ist, springt besonders in der Schlusspassage des Dokuments ins Auge. Dort nämlich versichern die ausgetretenen Genossen, dass sie zur DKP und zur SDAJ „ein solidarisches Verhältnis pflegen möchten“, weil sie diese Organisationen „keinesfalls als politische Gegner“ verstünden.(2) Ausgehend von dieser Erkenntnis, könnten die Ausgetretenen aufhören, über die „fatale reformistische Strategie“ der DKP in Gestalt des „antimonopolistischen Kampfes“ sich zu empören. Stattdessen sollten sie innerhalb der DKP sich dafür engagieren, was sie in ihrer Austrittserklärung als derzeit wichtigste Aufgabe der Kommunisten bezeichnen: die Konstituierung der hiesigen Arbeiterklasse zur revolutionären Klasse, und zwar nicht mittels bizarrer Debattierzirkel, sondern mittels kommunistischer Agitation und Propaganda in Betrieben und Gewerkschaften. Dass die Aufklärung über „Sozialpartnerschaft“ und „Standortlogik“ als Irrwege der Arbeiterbewegung mit der existierenden KP bewerkstelligt werden kann, erkennt man beispielsweise, wenn man den jW-Artikel des Parteivorsitzenden vom 13. Januar dieses Jahres studiert.(3) Patrik Köbele legt in diesem Artikel dar, dass die DKP – im Gegensatz zur Linkspartei – in nicht-revolutionären Zeiten keine Regierungsbeteiligung anstrebe, weil der bürgerliche Staatsapparat als „ideeller Gesamtkapitalist“ fungiere, indem er die Rahmenbedingungen für die kapitalistische Produktionweise sichert, sodass die Lohnabhängigen bei der Produktion von Waren als variables Kapital effizient vernutzt werden können, um die unternehmerischen Profite zu maximieren.

    (1) Den Text vom 24. 11. 2017 findet man, wenn man den Link weiter oben aktiviert.
    (2) Dagegen gab es für die Abspaltung der maoistischen KPD-ML von der KPD einen handfesten – wenngleich falschen – Grund. Die Genossen um Ernst Aust glaubten kontrafaktisch, dass in der Sowjetunion, in der DDR und andernorts eine „neue Bourgeoisie“ entstanden sei, die dort den Kapitalismus restauriere. Zur korrekten Kritik des Realsozialismus als „sozialistische Warenproduktion“ gibt es Artikel und Leserbriefe in der UZ vom 8. 9., 15. 9. und 29. 9. 2017.
    (3) Patrik Köbele: Die Geschäfte der anderen, junge Welt vom 13. 1. 2017

  2. Zum Kommentar von „wiesengrund“:
    Alles gut und schön.
    Doch wann war die „Arbeiterklasse“ jemals eine „revolutionäre Klasse“?

    Letztlich waren das stets kleinbürgerliche Bewegungen (siehe z.B. die damaligen führenden „Bolschewiki“ und auch die meisten heutigen restlichen „Linken“ bzw. deren soziale bzw. wirtschaftliche Herkunft), die gelegentlich einen Drang zu einer umstürzlerischen Veränderung hatten.
    Denen sich allerdings auch einige ArbeiterInnen anschlossen, die aber kaum etwas zu melden hatten.
    (Bekanntlich haben auch die „Realsozialisten“ die „Arbeiterklasse“ nicht abgeschafft, sondern sogar noch verherrlicht bis hin zu den „Helden der Arbeit“.)

    Und entsprechend kleinbürgerlich waren auch deren Sozialismus-Vorstellungen.
    Abgeschafft wurden zwar die Kapitalisten bzw. Reichen und Vermögenden, aber nicht der Kapitalismus als solcher.
    Deshalb gab es bei denen auch weiterhin (staatliches) Kapital und Lohnarbeit, Banken und Geld, Waren und Tauschwert usw., wenn auch zwangsläufig in etwas modifizierter Form.
    (Kurzum mit Ausnahme der Börsen alles, was es im kapitalistischen Original auch gibt.)

    So jedenfalls wird das mit einem Sozialismus bzw. gar Kommunismus nichts mehr.
    (Weder bei der DKP noch bei deren Abspaltungen, die sich nicht wesentlich voneinander unterscheiden und sich allenfalls wechselseitig für die Mißerfolge verantwortlich machen.)

    Grüße
    Michael Hübner

  3. Noch ergänzend:
    Ohne eine grundsätzliche und natürlich möglichst richtige (d.h. zutreffende bzw. der Wirklichkeit entsprechende) Kritik am früheren „Marxismus-Leninismus“ ist nichts mehr zu machen.
    Diese gab es bislang weder in der DKP noch den meisten anderen restlichen noch verbliebenen „Linken“.
    Und wer (wie zum Hohn) auch noch Marx auf die Geldscheine druckt (wie z.B. in der damaligen DDR), braucht sich nicht zu wundern, letztlich auf dem „Misthaufen der Geschichte“ zu landen.

    Grüße
    Michael Hübner

  4. Kritik der sozialistischen Warenproduktion

    Griesgrämige Kleinbürger wie Michael Hübner leiden zuweilen an Leseschwäche, sodass sie nicht wahrzunehmen vermögen, dass in der DKP-Zeitung namens UZ darüber gestritten wird, ob die sozialistische Warenproduktion in der DDR ein Imitat der kapitalistischen Marktwirtschaft gewesen ist. Darum sei ihnen empfohlen, die Fußnote (2) meiner „Entgegnung auf eine Austrittserklärung“ erneut zu lesen zu versuchen.

  5. Noch zur Vermeidung von Mißverständnissen:
    Was natürlich nicht heißt, daß KleinbürgerInnen aufgrund ihrer sozialen bzw. wirtschaftlichen Herkunft determiniert wären und nicht auch richtige Gedanken haben könnten.

    Allerdings stehen dem häufig (wie bei den meisten anderen Menschen) die eigenen wirtschaftlichen Interessen gegenüber, die oftmals das Gehirn „vernebeln“.

    Und auch wenn es im damaligen „Realsozialismus“ keine derart krassen Reichtumsunterschiede wie im kapitalistischen Original gegeben hat.
    Manche waren eben doch gleicher bzw. priviligierter als die anderen.
    (Was allerdings nicht der Grund für die Unzufriedenheit vor allem der führenden „Realsozialisten“ mit ihrem Wirtschaftssystem, das letztlich weder eine Markt- noch eine vernünftige Planwirtschaft, sondern eine Art „3.Weg“ war, das selbst dessen MacherInnen bis zuletzt ein weitgehendes Rätsel geblieben ist.)

    Grüße
    Michael Hübner

  6. Hallo „wiesengrund“,
    noch eine Erwiderung zu Deinem letzten Kommentar, der sich anscheinend mit meinem überschnitten hat.

    Das stimmt, was Du schreibst.
    Auch in der damaligen DDR gab es vereinzelt Stimmen, welche der „sozialistischen Warenproduktion“ (was ein Widerspruch in sich ist) kritisch gegenüberstanden.
    Allerdings blieben diese in der (kleinen) Minderheit und konnten sich mit ihren Ansichten nicht durchsetzen.

    Und auch in der DKP sehe ich bislang keine Anzeichen, daß die gelegentlichen Diskussionen etwas wesentliches an deren „Marxismus-Leninismus“ ändern würden.
    (Während Lenin klar ein Verfechter eines Staatskapitalismus war und dieses auch in einer Artikelserie nach der Machtergreifung in der russischen Zeitung „Iswestija“ nochmals ausdrücklich gegen Kritiker verteidigte.)

    Grüße
    Michael Hübner

    PS: M.E. war Lenin zwar ein geschickter „Machtpolitiker“, aber ein schlechter Ökonom.
    Deshalb würde ich diesen nicht in eine Reihe mit Karl Marx stellen, dessen wesentliche Leistung bekanntlich sein Lebenswerk „Das Kapital“ war und das Leute wie z.B. Lenin usw. entweder nicht gelesen bzw. nicht wirklich verstanden bzw. begriffen haben.
    Zumal schon deren damalige Kapitalismus- bzw. Imperialismus-Kritik mangelhaft und auch falsch war.

  7. Noch eine Ergänzung:
    Was allerdings Lenin und die Seinen nicht bedacht haben war, daß ein Staatskapitalismus (den sich diese anscheinend ursprünglich vorgestellt haben und z.B. in der damaligen „Deutschen Bahn“ ein Vorbild sahen) gar nicht geht.
    (Sowas funktioniert nur in einer Mischform aus privaten kapitalistischen und staatlichen Unternehmen, wie diese z.B. vor allem nach dem 2.Weltkrieg auch hierzulande üblich war.)

    Schließlich ist das nicht nur ein Eigentümerwechsel, sondern mit einer weitgehenden Verstaatlichung der Unternehmen entfällt auch die Konkurrenz und damit der Markt.
    Weshalb die ursprüngliche „realsozialistische“ Ökonomie bekanntlich erstmal zusammengebrochen ist, was wiederum zu Hungersnöten und auch vielen Toten führte.
    Erst danach wurde einigen klar, daß das ohne eine Planung nicht funktioniert – so eine Art „Learning by doing“, das es mit etwas Wissen wirklich nicht gebraucht hätte.

    Letztlich herausgekommen ist ein 3.Weg, der weder eine Marktwirtschaft noch eine vernünftige Planwirtschaft war und zu allerlei Unzufriedenheit führte.
    Bis diese zuletzt ihren eigenen „Laden“ aufgaben und sich wieder für das kapitalistische Original (anstatt einer mehr oder weniger blassen Kopie) entschieden haben.
    Zwar nicht alle, aber größeren Widerstand dagegen gab es nicht.

    Grüße
    Michael Hübner

    Noch am Rande:
    Die Forderung nach einer Verstaatlichung der Unternehmen (vor allem der Industrie) ist übrigens eine klassische sozialdemokratische Forderung und nicht sonderlich revolutionär.
    Zudem wurde davon auch bereits seit der 2007/8 offensichtlich und sich seitdem weiter verschärfenden Finanz- und Weltwirtschaftskrise wieder häufiger Gebrauch gemacht, siehe z.B. „Hypo Real Estate“, Commerzbank (Teil-Verstaatlichung) und einige andere.

  8. Noch abschließend:
    Und solange das nicht aufgearbeitet wurde und aus den früheren bzw. damaligen Fehlern gelernt wurde, wird es keine erneute sozialistische bzw. gar kommunistische Bewegung geben.
    (Zumindest keine, die diesen Namen verdient und letzlich wiederum zum Scheitern verurteilt wäre.)
    Letztlich war der Niedergang weniger der Stärke der bürgerlichen Gegner, sondern vielmehr den eigenen Fehlern geschuldet.
    Doch Selbstkritik ist anscheinend auch nicht gerade die Stärke der „Linken“.

    Grüße
    Michael Hübner

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