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Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

Heidelberg | 17./18.11.2017 | Bundestagswahl 2017 + 150 Jahre „Das Kapital“

Von • Nov 8th, 2017 • Kategorie: Veranstaltungen
17. November 2017
19:00
18. November 2017
12:00

Bildungsseminare des Forums Politik & Wirtschaft am 17. und 18. November 2017 in Heidelberg.

 

Zeit: Freitag | 17.11.2017 | 19 Uhr

Ort: Eine-Welt-Zentrum Heidelberg e.V. (im HBF Heidelberg) | Willy-Brandt-Platz 5 | 69115 Heidelberg

 

Die Bundestagswahl 2017 – Freie Wähler erteilen der Macht einen Blankoscheck

Referent: Prof. Freerk Huisken

 

Gelegentlich erfährt man, dass ein Volk, dem man die freie Wahl erlaubt hat, für diese demokratische Errungenschaft doch noch nicht reif gewesen ist. Was ihre Unreife jeweils ausgezeichnet hat, ist kein

Rätsel: Wenn Mehrheiten etwa in Chile einen Sozialisten oder auf dem Gaza-Streifen die Hamas an die Macht gebracht haben, dann bestand die Unreife dieser Völker darin, nicht begriffen zu haben, was sich für sie gehört: nämlich eine Regierung ins Amt zu wählen, die beim freien Westen und seinen Führern nicht in Ungnade fällt.

So gesehen legt das deutsche Volk Wahl für Wahl unbeirrbar und mehrheitlich Zeichen seiner Reife ab. Mit den Millionen von Wahlkreuzen wird nämlich den Grundfesten westlicher Systeme ihr Plazet erteilt: Die Bürger segnen die kapitalistische Ökonomie, dazu den Rechts- und Nationalstaat in jeder Bundestagswahl aufs Neue ab – und dies, obwohl bzw. weil nichts davon jemals zur Wahl steht. Das trifft auch auf Kritiker dieses „Systems“ zu: Sie mögen bei der Wahl angetreten sein, um das Bündnis „Wählen gegen rechts“ zu stärken, sie mögen aus Protest gegen den „Neoliberalismus“ der Regierung eine Oppositionspartei gewählt haben, immer wird ihr kritisches Anliegen mit dem Wahlkreuz für völlig unbeachtlich erklärt. Ihr „Nein“ zu Rechtspopulisten oder Regierungsparteien können sie überhaupt nur als „Ja“ zu irgendeiner der anderen zugelassenen Parteien – „das kleinere Übel“ – loswerden. Und die eint alle ein Ziel: Sie wollen hier an die Macht.

Die deutschen Wähler wissen auch, was nach der Wahl auf sie zukommt:

Die nächsten vier Jahre haben sie sich der Politik der Regierung irgendwie zu fügen, egal ob sie mit ihrer Stimme diese ermächtigt haben oder nicht. Selbst für Nichtwähler – welche Motive sie für ihre Wahlabstinenz auch immer haben – gilt, dass die staatsbürgerliche Pflicht zum Rechtsgehorsam nicht von ihrer Wahlbeteiligung abhängt. Es kann nicht verwundern, dass sich die meisten Wähler denn auch nicht viel von der Wahl versprechen, schon gar nicht daran glauben, dass die Wahlen für sie etwas zum Positiven wendet; was nichts daran ändert, dass sie mit dieser demonstrativen kritischen Abgeklärtheit zur Wahl gehen – und genau so Zeugnisse ihrer Reife ablegen.

Auf diese Weise geht die Demokratie ihren herrschaftlichen Gang. Grund genug, sich nach der Wahl einmal ganz unaufgeregt über dieses Hochamt der Demokratie zu verständigen.

 

UND

 

Zeit: Samstag | 18.11.2017 | 12 Uhr

Ort: Eine-Welt-Zentrum Heidelberg e.V. (im HBF Heidelberg) | Willy-Brandt-Platz 5 | 69115 Heidelberg

 

150 Jahre „Das Kapital“ von Karl Marx – Eine etwas andere Einführung in die Kritik von Geld und Ware, Eigentum und Tausch

Referent: Prof. Freerk Huisken

 

Ist „Das Kapital“ von Karl Marx einmal Gegenstand an deutschen Hochschulen, dann herrscht im bürgerlichen Lehrbetrieb in der Regel folgende Betrachtungsweise vor: Seine Kapitalismuskritik mag historisch ihre Berechtigung gehabt haben. Doch da die Prophezeiung vom Untergang des Kapitalismus einfach nicht aufgegangen ist, vielmehr nur seine Alternative in Gestalt des Sowjetkommunismus die Segel streichen musste, fällt die Befassung mit diesem Werk in die Abteilung ‚Wissenschaftsgeschichte‘. Um nützlich ausgebildete Ökonomen bemühte Hochschullehrer lehren dagegen heute, dass der Kapitalismus, besser: die soziale Marktwirtschaft Klassengegensätze und die Ausbeutung a la Manchesterkapitalismus überwunden hat. Der Markt, das erfährt man schon in der Schule, steht heute jedem Bedürfnis offen. Mit dem Geld hat man das Mittel, sich auf ihm in der Warenwelt zu bedienen. Natürlich muss man sich das Geld erst verdienen. Vom Himmel fällt es nicht. Das verschweigen auch die gelehrten Ökonomen nicht. Doch dafür – wissen sie – ist unsere freie und gerechte Gesellschaft als Leistungsgesellschaft eingerichtet, in der letztlich jeder nach seiner Anstrengung verdient, was er verdient.

 

Bereits ein Blick auf die kapitalistische Realität lässt erhebliche Zweifel an der Stimmigkeit dieser Urteile aufkommen: Wie kann das Geld ein Mittel sein, das den Konsumenten gemäß ihrer Bedürfnisse zur Verfügung steht, wenn die meisten von ihnen permanent über Geldmangel klagen. Wenn sogar offiziell von Kinder-, Jugend-, Single- und Altersarmut die Rede ist? Wie steht es mit dem Geldverdienen, wenn die Einrichtung von Niedriglohnsektoren das Mittel der Konkurrenz zwischen Nationalökonomien ist? Wird in diesen Sektoren denn nichts geleistet? Und was ist der Prognose zu entnehmen, dass die Zukunft dieser Ökonomie, gefasst als „Industrie 4.0“, für große Teil der einkommensabhängigen Menschheit überhaupt keine Verdienstquelle mehr bereit stellt?

 

Dabei kann eines gar nicht bestritten werden: In der Marktwirtschaft ist jedermann die freie Bedürfnisbefriedigung erlaubt. In der Tat ist das Geld das Zugriffsmittel, mit dem sich der Warenreichtum dem Bedürfnis erschließt. Nur: Man muss es eben haben und möglichst in einer Quantität, die es erlaubt, das Leben gemäß der privaten Wünsche einzurichten. Und genau da liegt der Haken: Das Geldverdienen ist für die Mehrheit der Bedürftigen unter Bedingungen gesetzt, die sie gar nicht in der Hand haben. Was es mit Geld und Ware, Eigentum und Tausch, dem Geldverdienen der Leute mit und ohne eigene Einkommensquelle auf sich hat, soll im Vortrag geklärt werden. Es wird dabei eine Kritik vorgestellt, die von den Erfahrungen ausgeht, ohne die in dieser Marktwirtschaft kein Mensch sein Leben und Überleben organisieren kann.

Eine Nacherzählung der Argumente aus dem „Kapital“ von Marx sollte man deswegen nicht erwarten.

 

 

https://www.facebook.com/KapitalismuskritikKarlsruhe/posts/1487797407975691

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