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Fundsachen: Zwei Bücher – zwei Standpunkte

Von • Apr 21st, 2017 • Kategorie: Allgemein

Zwei Bücher – zwei Standpunkte

Zur Diskussion um Die große Entwertung und Geld ohne Wert von Ernst Lohoff

 

Eine Bemerkung vorab zum Charakter dieses Textes

Letztes Jahr erschien auf der Homepage der Gruppe „Exit“ ein Text von Bernd Czorny mit dem Titel „Ernst Lohoff und der methodologische Individualismus“, der den Anspruch erhebt, eine Kritik an der Theorie fiktiver Kapitalbildung zu leisten, die ich in dem Buch Die große Entwertung entwickelt habe und die gegenüber der bisherigen wertkritischen Krisentheorie einen grundsätzlichen Perspektivwechsel bedeutet.[1] Czorny misst meine Analyse an den methodologischen Vorgaben, die Robert Kurz in Geld ohne Wert gemacht hat, und kommt zu dem originellen Ergebnis, meine kategoriale Analyse würde auf blanken Empirismus hinauslaufen und sei theoretisch weitgehend unbrauchbar.

Diese Behauptung rief alsbald eine in der Region Karlsruhe beheimatete wertkritische Gruppe auf den Plan, die unser Buch anders einschätzte und eine Entgegnung auf Czorny verfasste, in der sie Die große Entwertung verteidigte. Doch so erfreulich diese Intervention auch war, auch sie hat einen Pferdefuß: Ihr zufolge liege Czorny mit seiner Einschätzung insofern falsch, als die in unserem Buch vertretene Theorie des fiktiven Kapitals weitgehend mit der von Robert Kurz vertretenen Position übereinstimme; zwar gebe es gewisse inhaltliche Differenzen zu Geld ohne Wert, doch seien diese sekundärer Natur.

Das allerdings deckt sich keineswegs mit meiner eigenen Sicht.

Vielmehr halte ich den Maßstab, den Bernd Czorny mit Geld ohne Wert an unsere Theorie anlegt, für das primäre Problem – und nicht, dass er diesen Maßstab falsch anlegen würde. Robert Kurz hat mit seinem letzten Buch ein theoretisches Vermächtnis hinterlassen, das äußerst fragwürdig ist und nicht nur in deutlichem Gegensatz zur neueren Theoriebildung der Krisis auf dem Feld der Kritik der Politischen Ökonomie im Allgemeinen und der Krisentheorie im Besonderen steht, sondern letztlich auch die gemeinsam erarbeiteten Grundlagen der Wertkritik für ungültig erklärt. Die Auseinandersetzung zwischen Bernd Czorny und der Karlsruher Gruppe hat noch einmal verdeutlicht, dass dies für unser weiteres und näheres Umfeld offenbar alles andere als durchsichtig ist. Um in dieser Hinsicht etwas mehr Klarheit zu schaffen, ist dieser Text entstanden.

 

  1. Eine theoretische Weggabelung
  2. Der Stellenwert des fiktiven Kapitals in der frühen wertkritischen Krisentheorie
  3. Ein verkürzter Begriff des fiktiven Kapitals
  4. Die Veränderungen der Debattenlandschaft
  5. Wie Robert Kurz die Fehldeutung der Kategorie des fiktiven Kapitals fortschreibt
  6. Methodologischer Individualismus und Historizität
  7. Empirische Ware und die Kategorie der Ware im 1. Band des Kapitals
  8. Methodologischer Individualismus und Arbeitssubstanz

 

http://www.krisis.org/2017/zwei-buecher-zwei-standpunkte/

 

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