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Nürnberg | 06.04.2017 | Der „Martin-Schulz-Effekt“ – Die erzdemokratische Verwandlung von Unzufriedenheit in den Wunsch nach Führung

Von • Mrz 30th, 2017 • Kategorie: Veranstaltungen
6. April 2017
19:30

Zeit: Dienstag | 6. April 2017 | 19:30 Uhr

Ort: Nachbarschaftshaus Gostenhof | Adam-Klein-Str. 6 | Nürnberg

Veranstalter: Sozialistische Gruppe (SG) – Hochschulgruppe Erlangen/Nürnberg

 

Der „Martin-Schulz-Effekt“ – Die erzdemokratische Verwandlung von Unzufriedenheit in den Wunsch nach Führung

 

Martin Schulz, so heißt es vielfach, sei mit seinem fulminanten Wahlkampfauftakt nicht nur ein Segen für die SPD, sondern für die deutsche Demokratie insgesamt. Das Schlechte an solchen Äußerungen ist: Sie stimmen.

Tatsächlich beweist Martin Schulz mit seinem großen Herz für die „berechtigten Sorgen, Nöte und Unzufriedenheiten der hart arbeitenden Menschen“ nämlich,

– dass in einer funktionierenden Demokratie Sorgen, Nöte, Unzufriedenheiten des Volkes genau dann ein „Thema“ von Belang sind, wenn die Politik sie dazu macht;

– dass die Hinwendung von demokratischen Politikern an ihr Volk darin besteht, von oben herab zu definieren, worin die Unzufriedenheit der „einfachen Menschen“ überhaupt besteht, und ihnen mitten ins Gesicht zu sagen, was aus der Perspektive der Mächtigen an der überhaupt interessant ist;

– dass jede so aufgeworfene „Sachfrage“ den immergleichen Inhalt hat, dass sie nur von den Inhabern der Macht gestellt und gelöst werden kann,

– dass also die überragende Leistung der Demokratie darin besteht, dem Volk beizubringen, aus jeder seiner wirklichen oder eingebildeten Betroffenheiten von den Werken der Politik immer den gleichen Schluss zu ziehen: Es braucht machtvolle Führung.

 

http://www.sozialistischegruppe.de/

3 Responses »

  1. (gibt es eine aufzeichnung ?)

  2. Wer war der netteste Kommunist, den Sie kennen gelernt haben?

    „Das ist leicht zu beantworten: Mein Mathematiklehrer Dr. Otto Stampfert, der mich als 16-jähriger Gymnasiast in Ludwigshafen unterrichtete, auch in Philosophie. Er war Jude, musste 1933 in Hamburg vor den Nazis fliehen und ist nach dem Krieg aus irgendeinem Grunde in Ludwigshafen gelandet. Er war Kommunist, und hat für seine Überzeugung in der Nazizeit bitter büßen müssen. Er war sehr aktiv in der kommunistischen Partei, wie auch seine Frau, die erste Vorsitzende der FDJ in der Region. Wir haben uns angefreundet – das ist das richtige Wort. Er hat mir „Das Kapital“ von Karl Marx vermittelt, die Ausgabe steht noch heute in meinem Bücherschrank. Dieser großartige Lehrer ist später nach Thüringen gegangen und wurde dort Staatssekretär im Kultusministerium.“
    (Helmut Kohl in der taz)

    Nette Kommunisten – werden Politiker.

    Die anderen betreiben Aufklärung über Figuren wie Kohl:

    „Zum Recht des Volkes auf gute Führung gehört in der Demokratie das Recht von Politikern auf Führung. Geschäftsgrundlage sind die nationalen Notwendigkeiten und das staatliche Gewaltmonopol. Sie ermöglichen den Charaktermasken von Staat und Kapital die Selbstdarstellung als Diener am Volkswillen. Die Exekution staatlicher Programme wird dabei übersetzt in persönliche Kompetenz und Glaubwürdigkeit bei der effektiven Durchsetzung von Staatsnotwendigkeiten.“

    Politik und Persönlichkeit in der Demokratie

    Der Beitrag der Charaktermaske zur Freiheit der Staatsmacht

    (Aus der Zeitschrift GegenStandpunkt 1/2-96)

    https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/demokratie-braucht-charaktermasken

  3. Der damals bereits alte Helmut Kohl war beim Abgang ein Kanzler, der dem Bild des unschlagbar erfolgreichen Drahtziehers der Macht nicht mehr vollständig entsprach, das er von sich aufgebaut hatte, durch langjährige Praxis zum normativen Berufsbild für den Kanzlerjob verfestigt und als gültigen Maßstab für sich selbst durchgesetzt hatte.

    So ist an seinem Karrieereende Kohl quasi an sich selbst gescheitert, denn das mag ja eine Tücke des demokratischen Führerkultes sein: Sobald der Führer Schwächen zeigt, kann der Kult sich gnadenlos gegen seinen Protagonisten richten und ihn am Ende sogar die Führung kosten.

    Den Anspruch, dass der Herr in seinem Blute die Führungsideale qua Person repräsentierte, hat er dann folgerichtig bis zu seinem Tode darin zelebriert, dass er geldmäßige Hintergründe seiner Macht nicht offenbart hat – und jeden verfolgt hat, der an dem präsidialen Firlefanz seiner Figur herumkritteln wollte (was diverse Biographen und Tonbandabschreiber einige Summen gekostet hat).

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