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Bielefeld | 26.01.2017 | 150 Jahre „Das Kapital“ von Karl Marx

Von • Jan 15th, 2017 • Kategorie: Veranstaltungen
26. Januar 2017
18:00

Zeit: Donnerstag | 26. Januar 2017 | 18:00 Uhr

Ort: Uni Bielefeld (X-E0-002) | Universitätsstr. 25 | 33615 Bielefeld

Veranstalter: AG Analyse und Kritik

 

Thema: 150 Jahre „Das Kapital“ von Karl Marx – Eine etwas andere Einführung in die Kritik von Geld und Ware, Eigentum und Tausch

Referent: Prof. Freerk Huisken

 

Ist „Das Kapital“ von Karl Marx einmal Gegenstand der Lehre an deutschen Hochschulen, dann herrscht folgende Betrachtungsweise vor:

Seine Kapitalismuskritik mag historisch ihre Berechtigung gehabt haben. Doch da die Prophezeiung vom Untergang des Kapitalismus einfach nicht aufgegangen ist, vielmehr nur seine Alternative, der Sowjetkommunismus, die Segel streichen musste, fällt die Befassung mit diesem Werk in die Abteilung ,Wissenschaftsgeschichte‘.

Hochschullehrer lehren dagegen heute, dass der Kapitalismus, besser: die Marktwirtschaft, Klassengegensätze und die Ausbeutung a la Manchesterkapitalismus überwunden hat. Der Markt, das erfährt man schon in der Schule, steht heute jedem Bedürfnis offen. Mit dem Geld hat man das Mittel, sich auf ihm in der Warenwelt zu bedienen. Natürlich muss man sich das Geld erst verdienen, vom Himmel fällt es nicht. Dafür ist unsere Gesellschaft als Leistungsgesellschaft eingerichtet, in der letztlich jeder nach seiner Anstrengung verdient, was er verdient.

Bereits ein Blick auf die kapitalistische Realität lässt erhebliche Zweifel an der Stimmigkeit dieser Urteile aufkommen: Wie kann das Geld ein Mittel sein, das den Konsumenten gemäß ihrer Bedürfnisse zur Verfügung steht, wenn die meisten von ihnen permanent über Geldmangel klagen? Wenn sogar offiziell von Kinder-, Jugend-, Single- und Altersarmut die Rede ist? Wie steht es mit dem Geldverdienen, wenn die Einrichtung von Niedriglohnsektoren das Mittel der Konkurrenz zwischen Nationalökonomien ist? Wird in diesen Sektoren denn nichts geleistet? Und was ist der Prognose zu entnehmen, dass die Zukunft dieser Ökonomie, gefasst als „Industrie 4.0“, für große Teile der ein­kommensabhängigen Menschheit überhaupt keine Verdienstquelle mehr bereit stellt?

Dabei kann eines gar nicht bestritten werden: In der Marktwirtschaft ist jedermann die freie Bedürfnisbefriedigung erlaubt. In der Tat ist das Geld das Zugriffsmittel, mit dem sich der Warenreichtum dem Bedürfnis erschließt. Nur: Man muss es eben haben und möglichst in einer Quantität, die es erlaubt, das Leben gemäß der privaten Wünsche einzurichten. Und genau da liegt der Haken: Das Geldverdienen ist für die Mehrheit der Bedürftigen unter Bedingungen gesetzt, die sie gar nicht in der Hand haben. Wer kein Geld hat, der muss sich nämlich Geldbesitzer suchen, welche ihn für Beschäftigung bezahlen. Dabei fragt sich, nach welchen Kriterien Bezahlung und Beschäftigung erfolgen, wenn „Arbeitgeber“ weder Geld verschenken noch Erlöse mit Beschäftigten teilen.

Was es mit Geld und Ware, Eigentum und Tausch, dem Geldverdienen der Leute mit und ohne Geld auf sich hat, soll im Vortrag geklärt werden.

Es wird dabei eine Kritik vorgestellt, die von den Erfahrungen ausgeht, ohne die in dieser Marktwirtschaft kein Mensch sein Leben und Überleben organisieren kann. Eine Nacherzählung der Argumente aus dem „Kapital“ von Marx sollte man deswegen nicht erwarten.

 

https://www.facebook.com/events/1099279870198638/

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