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Nürnberg/Erlangen | 17./19.01.2017 | Wer verdient warum wie viel? Teil 2: Die kapitalistische Logik der Einkommensunterschiede

Von • Jan 11th, 2017 • Kategorie: Veranstaltungen
17. Januar 2017
19:30
19. Januar 2017
19:15

Wer verdient warum wie viel?

Teil 2: Die kapitalistische Logik der Einkommensunterschiede

 

Die Marktwirtschaft kennt eine Vielzahl von Erwerbstätigkeiten, die unterschiedlich hohe Einkommen abwerfen. Ein einfacher Arbeiter verdient weniger als ein Techniker, beide verdienen weniger als ein Geschäftsführer, ein Amtsleiter verdient mehr als seine Sekretärin, ein Arzt mehr als seine Helferin. Und die Einkommen von Managern, Spitzenfußballern oder Fernsehstars bewegen sich in noch anderen Dimensionen. Warum ist das so? Warum werfen unterschiedliche berufliche Funktionen unterschiedlich viel Geld ab?

Diese Frage stellt sich nach allgemeinem Dafürhalten nicht. Weil sich das doch von selbst versteht. Weil es sich nun mal so gehört; weil zu jedem Beruf eine irgendwie passende Vergütung gehört; weil nicht alles über einen Kamm geschoren werden kann. Das weiß jeder, der in der sozialen Marktwirtschaft zuhause ist – egal mit welchem Einkommen er sich einrichten muss. Alles andere als Einkommensunterschiede wäre Gleichmacherei, also unangemessen und gar nicht in Ordnung.

Trotzdem: Was wäre so schlimm an dieser Sorte Gleichmacherei? Dass Leute, die allesamt ihren Berufsalltag erledigen, anschließend gleichermaßen was vom Leben haben: Warum geht das gar nicht? Was wäre so absurd daran, dass der Zweck, für den die Leute einer Erwerbstätigkeit nachgehen, nämlich sich einen sicheren und bequemen Lebensunterhalt zu verschaffen, auch das Kriterium für die Höhe des Einkommens wäre? Ist es da nicht umgekehrt ein bemerkenswertes Eingeständnis, wenn sich niemand die soziale Marktwirtschaft ohne Einkommensunterschiede vorstellen kann, denn schließlich heißt das ja, dass dieser Zweck für viele ja gar nicht gut aufgeht? Bedeutet da die Selbstverständlichkeit, dass Einkommensunterschiede zur hiesigen Gesellschaft dazugehören, nicht, dass sie darauf beruht, dass mit dem Her- und Bereitstellen von Gütern und Dienstleistungen zugleich eine Scheidung der Bevölkerung produziert wird in Leute, die sich ein Leben lang einteilen müssen, und Leute, die im Überfluss leben?

So will dann doch keiner die Sache mit der Selbstverständlichkeit von Einkommensunterschieden gemeint haben. Dass Reichtum und Armut, freier Zugriff auf die in der Welt produzierten materiellen Mittel und Ausschluss davon, notwendigerweise zu unserer unschlagbaren Wirtschaftsweise dazu gehören: Das will so keiner behauptet haben. Das wäre ja fast schon Systemkritik.

Gehören sollen sich Einkommensunterschiede, weil für jeden Beruf ein anderes Einkommen passend ist. So als würde an die verschiedenen Tätigkeiten ein und dieselbe Messlatte mit Tausendern angelegt und die eine Tätigkeit würde bei Tausend Euro aufhören, während die andere bei zehntausend Euro gerade erst anfängt. Insofern gehen Einkommensunterschiede nach der in der hiesigen Gesellschaft üblichen Betrachtungsweise nicht einfach so in Ordnung. Sie gehen in Ordnung, weil sie gerecht sind. Was man an Einkünften bezieht – der Verdienst – und was man in und mit seinem Beruf Anerkennungswürdiges leistet – das Verdienst –, das gehört zusammen. Und zwar so, dass aus dem, was einer leistet, folgen soll, was einer verdient. In dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.

Zumindest im Prinzip. Denn an der wirklichen Einkommensverteilung gibt es reichlich Kritik. Hier kennt jeder, wenn es darauf ankommt, jede Menge Fälle, in denen die Gleichung zwischen anerkennungswürdiger Leistung und finanzieller Vergütung gar nicht so recht aufgehen mag. Ein beamteter Studienrat verdient erheblich mehr als eine Kindergärtnerin oder ein Altenpfleger; ein Grundbesitzer macht Millionen, weil er das richtige Grundstück geerbt hat, während Postboten kaum die Miete zahlen können; oder Parlamentarier genehmigen sich höhere Diäten für ihre schwere Verantwortung, mit der sie die Hartz IV-Sätze einfrieren: So etwas empfindet mancher als Skandal. Auch wenn Fußballspieler erheblich mehr verdienen als eine erfolgreiche Kanzlerin wird ein wenig fraglich, ob hier mit dem gleichen Maß gemessen worden ist. Und der eine oder andere lässt sich sogar von seiner Gewerkschaft zu der Überlegung animieren, mit welchem Recht eigentlich ein durchschnittlicher Facharbeiter in seinem ganzen Arbeitsleben nicht soviel verdient, wie ein VW-Manager in einem durchschnittlichen Jahr, obwohl die Bandarbeit bei VW auch so ihren Stress mit sich bringt.

In der Regel allerdings vergleicht sich der „kleine Mann“ mit den großen Tieren, mit Managern, Immobilienbesitzern, Fußballstars oder Spitzenpolitikern erst gar nicht; dass für die Reichen andere Maßstäbe gelten, ist dann doch wieder allzu klar – woraus sich auch einmal ein anderer Schluss ziehen ließe als der, dass bei den Großverdienern eben ganz andere Verdienste zu Buche schlagen als bei denen, die mit wenig Geld genau passend bedient sein sollen. Vielleicht ist ja tatsächlich so, dass die Gerechtigkeit, dieser hohe Wert, überhaupt nicht zuständig ist, wenn es um unterschiedliche Einkommen geht; dass es gar kein gemeinsames Maß gibt, nach dem Hilfsarbeiter, Grundbesitzer, Politiker usw. ausbezahlt werden.

Tatsächlich gibt es ja auch keine Instanz auf der Welt, die jemals ermittelt hätte oder auch nur ermitteln könnte, wie viel Geld oder Geldsorgen zu dem einen oder anderen Beruf passen. Die wirkliche Geldverteilung regeln ökonomische Notwendigkeiten und politisch beschlossene Sachzwänge. Da herrscht bei der Besoldung von Staatsdienern der eine Grundsatz – der hat viel mit der Macht zu tun, über die sie gebieten – und bei der Entlohnung von Industriearbeitern ein anderer – da zahlt irgendwer einen notwendigen Kostenfaktor; die Einnahmen aus Grundbesitz sind abhängig von der Lage und Nutzungsart der Grundstücke und der darauf stehenden Immobilien, also von politisch beschlossenen Bebauungs- und Erschließungsplänen sowie von der Konkurrenz der zahlungsfähigen Nachfrage um die Nutzung der Grundstücke und Gebäude; usw. usf. Nur eines herrscht sicher nicht: ein einheitlicher Maßstab, nach dem – „irgendwie“ – alle Tätigkeiten und Berufe tatsächlich verglichen und gewichtet werden und ihnen ein entsprechendes Einkommen zugeteilt wird. Weil es einen solchen Maßstab überhaupt nicht gibt, können bei seiner Anwendung auch keine (Gerechtigkeits-)Fehler passieren.

Trotzdem: So sieht es kaum einer. Gerade unter denen, die gar nichts davon haben, weder von der herrschenden Einkommensverteilung noch von dem Glauben an eine dahinter waltende Gerechtigkeit, ist eine verkehrte Deutung ihrer bescheidenen Lage viel beliebter. Da hält man sich an die Annahme, der Maßstab einer gerechten Einkommensverteilung wäre bisweilen verrutscht, so dass die Falschen zu viel kriegen und man selbst zu wenig – nicht zu wenig für ein anständiges Leben ohne Sorgen, sondern im Vergleich. Ganz Radikale trauen sich sogar den Verdacht, die gerechte Verteilung lasse insgesamt zu wünschen übrig. Der Vorwurf „ungerecht“ ersetzt so jede Erklärung – durch das Vorurteil nämlich, eigentlich könne es doch nicht Sinn der Sache sein, dass die Einkommen so weit auseinandergehen. Unverwüstlich wird an einen Maßstab geglaubt, der in der Realität bloß durch Abwesenheit glänzt.

Nur, wenn es gar nicht so ist, dass die Einkommensunterschiede darin ihren Grund haben, dass sich der eine mit seiner Tätigkeit oder seinem Beruf mehr verdient macht als der andere – was jeder eingesteht, der an der bestehenden Einkommensverteilung die Gerechtigkeit vermisst –, woraus ergeben sie sich dann? Gegen das Rechten darum, ob die bestehenden Einkommensunterschiede auch wirklich in Ordnung gehen, möchten wir auf unserer Diskussionsveranstaltung ein paar systematische Hinweise geben, warum das so ist, dass sich die einen mit ihrem Beruf zugleich lebenslange Geldsorgen einkaufen, und die anderen vor allem die Geldsorge umtreibt, wie sie ihr Geldvermögen am besten und sichersten anlegen können.

 

Nürnberg:

Dienstag, 17. Januar, 19:30 Uhr,

Nachbarschaftshaus Gostenhof, Adam-Klein-Str. 6

https://www.facebook.com/events/281344958947335/

 

Erlangen:

Donnerstag, 19. Januar, 19:15 Uhr,

Sprecherrat (1. OG), Turnstr. 7

https://www.facebook.com/events/1829708493965838/

 

 

www.sozialistischegruppe.de

 

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