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Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

AStA Uni Hamburg: »What’s Left? Einführung in die Ideologiekritik«

Von • Okt 31st, 2016 • Kategorie: Veranstaltungen
8. November 2016
18:15
15. November 2016
18:15
22. November 2016
18:15
29. November 2016
18:15

AStA Uni Hamburg: »What’s Left? Einführung in die Ideologiekritik«

 

Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus (und einige andere »-ismen«) findet in der Regel niemand gut. Rechte AfD-Politiker, die gegen »kulturfremde« Flüchtlinge agitieren, behaupten etwa von sich selbst, dass sie keine Rassisten seien. Schnell merkt man: Die bloße moralische Verurteilung von jemand anderem als Rassist, Antisemit etc. bringt meist niemanden davon ab, solchen Gedanken anzuhängen – und hindert auch niemanden, sich ihnen anzuschließen.

Wer das wirklich erreichen will, wer wirksam gegen solches Gedankengut vorgehen will, braucht eine Theorie dieser Ideologien: Eine, die ihre Fehler und inneren Widersprüche aufzeigt und sie als falsches Bewusstsein entlarvt. Wer nicht ohnmächtig und begriffslos vor den derzeitigen Konjunkturen von Nationalismus und Rassismus stehen will, muss sich damit befassen, aus welchen Verhältnissen diese und ähnliche Ideologien mit unschöner Regelmäßigkeit immer wieder erwachsen.

Wir haben in unserer Veranstaltungsreihe »What’s left? Einführung in die Ideologiekritik« genau das vor: In vier Veranstaltungen werden wir uns den Ideologien Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus widmen. Wir möchten mit euch darüber diskutieren, was diese Ideologien genau sind und wie eine angemessene Kritik an ihnen aussehen sollte.

Unsere Veranstaltungsreihe eignet sich gut für Interessierte ohne Vorwissen. Wir sind uns trotzdem sicher, dass sie auch für Fortgeschrittene einiges zu bieten hat.

 

Zeit: Dienstag | 8. November 2016 | 18:15 – 21:00 Uhr
Ort: Universität Hamburg | Von-Melle-Park 8, | Anna-Siemsen-Hörsaal
Thema: Kritik des Nationalismus

Referentin: Renate Dillmann

Olympiasieger und ihre Landsleute vor den TV-Geräten sind bisweilen zu Tränen gerührt, wenn die nationale Hymne gespielt und die nationale Flagge gehisst wird. Bei einer Fußball-WM im eigenen Land ballen sich zehntausende schwarz-rot-goldene Gesichter in Innenstädten zusammen und berauschen sich kollektiv nicht nur am Alkohol, sondern auch am Erfolg der eigenen Mannschaft. Bemerkenswert: Die Presse kriegt da keine Angst, sondern sieht ein „Sommermärchen“!

Aber nicht nur an nationalen Feiertagen oder bei der WM – auch im ganz normalen Alltag denken, handeln und fühlen ansonsten durchaus aufgeklärte Zeitgenossen als Deutsche, als Schweizer oder Franzosen. Moderne Staatsbürger machen sich ohne weiteres die Probleme ihrer Regierung zu eigen und sorgen sich um unsere Schulden, unsere Verbündeten und unser Wachstum (auch wenn bei ihnen persönlich außer Sorgen gar nichts wächst).

All das gilt als menschlich und natürlich, als Ausdruck eines geradezu „gesunden Patriotismus“. Die Identifikation mit und die Zugehörigkeit zu einem staatlich regierten Kollektiv namens Nation ist für heutige, selbst bestimmte Individuen dabei so selbstverständlich, dass es anscheinend völlig überflüssig ist, danach zu fragen, was die Nation oder dieses viel beschworene „WIR“ eigentlich ausmacht.

Gleichzeitig wird vor einem hässlichen Nationalismus gewarnt. Den sehen Politiker, die deutsche Öffentlichkeit, aber auch linke Antifa-Leute am Werk, wenn im Namen einer angeblich gefährdeten deutschen Nation demonstriert, Ausländer schikaniert und Heime angezündet werden. Seltsam allerdings, dass kaum jemand etwas auf die Nation kommen lassen will…

Im Vortrag soll erklärt werden,

– was Nation (im Unterschied zum Staat) ist,

– warum moderne Bürger ihre Nation lieben, auch und gerade wenn sie ihre Regierung kritisieren,

– warum die Unterscheidung zwischen Patriotismus und Nationalismus sachlich ein Unding ist, praktisch aber ein Dauerthema,

– wo es anzusetzen gilt, wenn man Nationalismus bekämpfen will.

 

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Diskussionsveranstaltung mit Renate Dillmann.

Dr. Renate Dillmann ist Dozentin und Autorin eines Buchs zur Volksrepublik China: »China – ein Lehrstück. VSA-Verlag 2009, 3. Aufl.«

Online-Texte von ihr finden sich unter:

http://renatedillmann.de/vortragstermine/

https://www.facebook.com/events/1775339012721367/?ref=3&ref_newsfeed_story_type=regular&action_history=null&source=3&source_newsfeed_story_type=regular

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Zeit: Dienstag | 15. November 2016 | 18:15 – 21:00 Uhr
Ort: Universität Hamburg | Von-Melle-Park 8, | Anna-Siemsen-Hörsaal
Thema: Kritik des Rassismus

Referent: Arian Schiffer-Nasserie

 

Rassismus ist eine schlimme Sache und gehört sich jedenfalls nicht.

Das weiß jedeR. Und deshalb muss man aufpassen, nichts Falsches zu sagen… In jedem Fall sollte man darauf achten, dass die eigenen Aussagen „politisch korrekt“ formuliert werden. Eine aufschlussreiche Folgerung… Über fremde Völker soll man nicht schlecht reden und über „die sozial Schwachen“ und „weniger Begabten“ in „unserer Gesellschaft“ soll man sich nicht lustig machen: „Immerhin sind das ja auch Menschen“, also sogenannte „Auch-Menschen“…

Solche Maximen gelten in der Bundesrepublik ebenso selbstverständlich wie die Erkenntnis, dass es eben „solche und solche“ gibt und jeder seines Glückes Schmied ist. Kein Wunder also, warum viele über die Schwierigkeit grübeln, nicht rassistisch zu sein…

Der Vortrag will hier für Abhilfe sorgen, indem er die folgenden Fragen zu beantworten sucht:

– Was ist und wie funktioniert Rassismus?

– Woher kommt Verachtung und Mitleid für Ausländer und für die Verlierer in der bundesdeutschen Konkurrenzgesellschaft?

– Wo verlaufen die Grenzen zwischen geächtetem Rassismus und weit verbreiteten Auffassungen über die allgemeine Natur und die natürlichen Unterschiede „des Menschen“?

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Diskussionsveranstaltung mit Arian Schiffer-Nasserie.

Prof. Dr. Arian Schiffer-Nasserie ist Hochschullehrer für Politikwissenschaft mit den Schwerpunkten Sozial- und Migrationspolitik sowie Rassismus an der Evangelischen Hochschule in Bochum.

Sein Forschungsprinzip: Nachdenken über die Bundesrepublik, nicht für sie.

https://www.facebook.com/events/1153326161419048/?ref=3&ref_newsfeed_story_type=regular&action_history=null&source=3&source_newsfeed_story_type=regular

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Zeit: Dienstag | 22. November 2016 | 18:15 – 21:00 Uhr
Ort: Universität Hamburg | Von-Melle-Park 8, | Anna-Siemsen-Hörsaal
Thema: Kritik des Antisemitismus

Referentin: Ilka Schröder

Nach dem Nationalsozialismus galt Antisemitismus in (West-)Deutschland bei Demokraten als unvertretbar – zu sehr bemühte sich die Politik darum, sich oberflächlich und in Form von recht konsequenzlosen Verlautbarungen vom Vernichtungsprogramm der Nationalsozialisten abzugrenzen. Inzwischen erfreut sich die Ideologie wieder größerer und relativ offen vorgetragener Beliebtheit, insbesondere in der Linken in Form von Antizionismus. Was das antisemitische Denken auf so bittere Weise besonders wichtig für eine vernünftige Gesellschaftskritik macht, ist nicht nur seine lange und brutale Geschichte, sondern auch der Bezug, den Antisemit*innen mit ihrer Kritik auf die bestehende Ordnung nehmen: Noch in der Kritik am jüdisch wahrgenommenen Finanzkapital steckt das prinzipielle Lob auf die ökonomischen Verhältnisse. Die Affirmation der eigenen Nation ist mindestens so wichtig, wenn es um den Schaden geht, den Juden im antisemitischen Weltbild angeblich anrichten. Gerade dieses indirekte Hochhalten des eigenen Zwangskollektivs fehlt oft bei der Kritik am Antisemitismus. Das ist erstaunlich, weil dieser Nationalismus gerade dort so eine große Rolle spielt, wo sich Antisemitismus am häufigsten ausdrückt: in Nahost-Diskussionen.

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Diskussionsveranstaltung mit Ilka Schröder.

Ilka Schröder schreibt unregelmäßig für Jungle World, konkret und Phase 2. Von 1999 bis 2004 war sie Abgeordnete des Europaparlaments.

Sie verließ ihre Partei Bündnis 90/ Die Grünen 2001, da sie deren »Politik der Grenzabschottung gegenüber Flüchtlingen« und den »Umbau der Bundeswehr in eine effektive Angriffstruppe« nicht mittragen wollte. Sie promoviert derzeit am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin zu Nationalismus und Antisemitismus.

https://www.facebook.com/events/320198181674934/?ref=3&ref_newsfeed_story_type=regular&action_history=null&source=3&source_newsfeed_story_type=regular

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Zeit: Dienstag | 29. November 2016 | 18:15 – 21:00 Uhr
Ort: Universität Hamburg | Von-Melle-Park 8, | Anna-Siemsen-Hörsaal
Thema: Kritik des Sexismus

Referenten: riff – risse im falschen film

 

Diese Gesellschaft kennt genau zwei Geschlechter und nahezu alle Dinge sind irgendwie geschlechtlich sortiert: Angefangen vom Babyspielzeug über die Berufswahl bis zur Frage, wer wo welche Haare tragen und wer beim Küssen den ersten Schritt machen darf. Die Zuordnung zu entweder Mann oder Frau wird gesellschaftlich eingefordert und Abweichungen sanktioniert. In dieser Veranstaltung wollen wir eine Kritik an Geschlecht und dem Geschlechterverhältnis entwickeln und diskutieren, was die Ansprüche an Männer und Frauen sind und wie sie sich erklären lassen. Dabei wollen wir auch darauf eingehen, mit welchen besonderen Problemen sich als Frauen Sortierte herumschlagen müssen.

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Diskussionsveranstaltung mit riff – risse im falschen film.

riff ist eine politische Gruppe aus Bremen, die sich mit den Themen queer-feministische Ökonomiekritik, marxistische Theorie, dem Geschlechterverhältnis und der Familienpolitik in der BRD beschäftigt.

Texte und Veranstaltungen finden sich unter:

http://riffhb.wordpress.com/

https://www.facebook.com/events/707917809360539/?ref=3&ref_newsfeed_story_type=regular&action_history=null&source=3&source_newsfeed_story_type=regular

2 Responses »

  1. Entgegnung zu Krims Vorstellungen über „Ideologie“

    Nur kurz: Wenn die Mitmacher des Kapitalismus, die kleinen Leute, die Tag für Tag in die Arbeit rennen, sich Ideologien über ihr „Wir alle gemeinsam“, ausdenken, dann darüber, wie sittlich und ihrer Ansicht nach besser geordnet, ein Gemeinwesen auszusehen hätte, damit sie mit ihrer Maloche zu etwas kommen könnten. Die Manager müssen besser sein, nicht derart übermäßig bezahlt, und mehr auf den kleinen Mann müsste schon auch überall |zu}gehört werden. Hier kommen auch die Marotten und Spießigkeiten der Parallelgesellschaften ins Spiel. Der eine erklärt sich, dass der Staat nicht ideal ist, damit, dass alle oder die oben oder die unten zu bequem, der andere, dass sie zu ungläubig sind, oder zu gläubig, zu fortschrittsgläubig oder zu wenig modern, o.ä.

    Bei den Professoren derselbe Standpunkt etwas ausgetüftelter. Auch dort geht es darum, ein ideales Gmeinwesen zu konstruieren, und daran (!) das Hiesige zu messen. Da gibt es anerkannte Sittlichkeitsstandpunkte, mit denen in den unterschiedlichen Fachbereichen traditionell die jeweiligen Ideologien fortgeschrieben werden. Oder eben neu modernisiert werden.

    Deine Ansicht hingegen war die folgende:

    „Der Maßstab für alles ist sein Interesse. Alles was er sagt, dient nur dem Zweck sein Interesse zum Zug kommen zu lassen, also erzählt er irgendeinen Scheiß, der nur einen Zweck hat, nämlich den Gegensatz, den sein Interesse zum entgegengesetzten Interesse einschließt, nicht als Gegensatz erscheinen zu lassen. Weil sein Denken nur seinem Interesse dient, kann er den Gegensatz nicht offen aussprechen, weil das seinem Interesse schaden würde. Sein Denken ist eine Funktion seines Interesses.“

    Den Zweck, den du ihm unterstellst, ist rein negativ bestimmt: den Gegensatz nicht offen anszusprechen. Sein Interesse nicht als gegensätzliches erscheinen lassen.

    Menschen haben Interessen – und Vorstellungen, wie diese Interessen besser zum Zuge kommen könnten.
    Nicht aber hat Mensch bloß das Interesse, etwas n i c h t zu tun oder zuzugeben. (Wieder die Unterstellung, eigentlich wüssten sie es besser, wollen es nur nicht zugeben.)

  2. Was ist der Kontext dieses Kommentars? Wer und wo ist Krim?

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