contradictio.de

Kritik an Ideologien, Aufklärung über populäre Irrtümer, Kommentare zum Zeitgeschehen

Hamburg – Veranstaltungsreihe des AStA der Uni Hamburg zur Kapitalismuskritik April/Mai 2016

Von • Apr 6th, 2016 • Kategorie: Veranstaltungen
12. April 2016
18:15
19. April 2016
18:15
26. April 2016
18:15
3. Mai 2016
18:15

 

»WHAT’S LEFT? EINFÜHRUNG IN DIE KAPITALISMUSKRITIK«

— Veranstaltungsreihe des AStA der Uni Hamburg zur Kapitalismuskritik April/Mai 2016 —

 

»Kapitalismus« – so darf man die bestehende Produktionsweise seit einigen Jahren wieder nennen, ohne schräg angeguckt zu werden. Selbst »Kapitalismuskritik« wird wieder in großen Zeitungen diskutiert und, wie einige behaupten, von niemand Geringerem als dem Papst vertreten. Was den Kapitalismus in seinen Grundprinzipien ausmacht, kommt trotzdem nur selten ausführlicher zur Sprache.

Wir möchten mit der Veranstaltungsreihe »What‘s left? Einführung in die Kapitalismuskritik« deshalb genauer beleuchten, was der Kapitalismus überhaupt ist und welche Gründe es gibt, gegen ihn zu sein. In vier Veranstaltungen möchten wir mit euch gemeinsam Antworten auf Fragen wie die folgenden finden: Ist Geld ein nützliches Mittel zur Bedürfnisbefriedigung? Sollte man bei Lohnarbeit von Ausbeutung sprechen, auch wenn viele Menschen sich gar nicht ausgebeutet fühlen? Welche Rolle spielt Vater Staat im Kapitalismus? Und weshalb konnte so etwas wie die Eurokrise passieren?

Jede Veranstaltung bietet Raum zur Diskussion und kann unabhängig von den anderen besucht werden. Unsere Veranstaltungsreihe eignet sich bestens für Interessierte ohne Vorkenntnisse. Wir sind uns trotzdem sicher, dass sie auch für Fortgeschrittene so einiges zu bieten hat.

https://www.facebook.com/Whats-left-Einführung-in-die-Gesellschaftskritik-1650009868560836/?fref=nf

 

Vom 12. April bis 3. Mai 2016 finden folgende Veranstaltungen statt:

 

Zeit: Dienstag | 12. April 2016 | 18:15 Uhr
Ort: Universität Hamburg | Hörsaal Phil D

Thema: Eigentum, Ware, Tausch, Geld. Oder: Freie Bedürfnisbefriedigung als Dienst an der Geldvermehrung

Referent: Freerk Huisken

 

Schule und Hochschule lehren, dass der Markt jedem Bedürfnis offen steht und das Geld das Mittel ist, sich in ihm nach Herzenslust zu bedienen. Bereits ein Blick auf die kapitalistische Realität lässt erhebliche Zweifel an der Stimmigkeit dieses Urteils aufkommen: Wie kann das Geld ein Mittel sein, das den Konsumenten gemäß ihrer Bedürfnisse zur Verfügung steht, wenn die meisten von ihnen permanent über Geldmangel klagen und wenn sogar offiziell von Kinder-, Jugend-, Single- und Altersarmut die Rede ist? Daneben gibt es natürlich immer wieder Kritik an den Tauschbeziehungen der Marktwirtschaft: Sie reicht von der Schelte über die Geldgier der Verkäufer bis zum Befund, dass der Käufer sich auf dem Markt dem „Konsumterror“ hingebe. Daneben finden sich aber auch prinzipielle Kritiken, die das Lob des Marktes auf den Kopf stellen; z.B. die, dass der Tausch eine bedürfnisfeindliche Angelegenheit sei, weil das Eigentum der Verkäufer an den Waren den Ausschluss der Konsumenten von den Mitteln ihrer Bedürfnisbefriedigung bedeutet. Doch auch diese Kritik trifft die Sache nicht: Werden die Massen an Waren denn nur zu dem Zweck produziert, dass man sie im Schaufenster beglotzt? Absurd!

Und lebt nicht die kapitalistischen Gesellschaft immer auch davon, dass Bedürfnisbefriedigung allenthalben stattfindet? Wie sollte sie sich sonst beständig und ziemlich nachhaltig reproduzieren?

Die beiden konträren Theorien verfehlen die Klärung der Verhältnisse, in denen sich Zeitgenossen als ökonomische Subjekte produzierend, verkaufend, verdienend, konsumierend mit ungleich verteiltem Erfolg und Misserfolg herumtreiben. Sie nehmen eine interessierte Stellung zum Kapitalismus ein: Die eine will die Versorgungsfunktion der Marktwirtschaft rühmen, die andere will das Urteil unter die Leute bringen, dass Kapitalismus ihnen nichts als Schaden bringt. In beiden Fällen steht das Urteil vor der theoretischen Befassung mit seinem Gegenstand fest und sucht sich in ihm das jeweils dazu passende Belegmaterial. Auf diese Weise kommt man den Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus nicht auf die Spur. Da muss man sich schon dem Widerspruch widmen, dass dieses Produktionsverhältnis einerseits jedermann die freie Bedürfnisbefriedigung erlaubt, diese aber andererseits unter nicht hintergehbare Bedingungen setzt, welche sich einem davon ziemlich unterschiedenen wirtschaftlichen Zweck, nämlich dem der Geldvermehrung verdanken. Wie das geht, warum das mit Notwendigkeit zu dieser Produktionsweise gehört und was es hervorbringt, soll im Vortrag geklärt und anschließend zur Diskussion gestellt werden.

————————-

Diskussionsveranstaltung mit Freerk Huisken.

Freerk Huisken ist emeritierter Professor für Politische Ökonomie des Ausbildungswesen an der Universität Bremen. Diverse Veröffentlichungen zu verschiedenen Themen, jüngst »Abgehauen eingelagert aufgefischt durchsortiert abgewehrt eingebaut – Neue deutsche Flüchtlingspolitik – Eine Flugschrift« im Hamburger VSA-Verlag.

 

https://www.facebook.com/events/1709851865959499/

 

 

Zeit: Dienstag | 19. April 2016 | 18:15 Uhr
Ort: Universität Hamburg | Hörsaal Phil D

Thema: »Universal Tellerwäscher« – Zur Kritik von Lohnarbeit und Kapital

Referent: Heiko Vollmann

Mit der Lohnarbeit bestreitet die Mehrheit der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt. Die Arbeitsplätze, die dafür nötig sind, werden von einer Minderheit der Bevölkerung geschaffen, die das nötige Kapital dafür besitzt. Glaubt man den Arbeitgeberverbänden, dann ist es auch Zweck der Unternehmen, der Mehrheit „Arbeit“ zu „geben“ und ihr ein Auskommen zu schaffen: „Sozial ist, was Arbeit schafft“ – das ist eine ökonomische und sozialpolitische Binsenweisheit. Einige Kritiker meinen jedoch, nicht alle Arbeit sei sozial:

– Die Arbeitsministerin A. Nahles (SPD) hat gerade eine Initiative „gegen Ausbeutung“ gestartet – und meint damit extreme Abweichungen vom Mindestlohn, die sie künftig unterbinden will.

– Auch die LINKE wettert in einer Kampagne unter dem Titel „Arm trotz Arbeit“ gegen Ausbeutung und agitiert für eine Erhöhung und allgemeine Durchsetzung des Mindestlohns.

– Der DGB propagiert unter dem Titel „gute Arbeit“ seine Auffassung, dass Arbeit immer dann „gut“ ist, wenn sie sich für Arbeiter und Unternehmen lohnt: Für die Arbeiter, insofern sie genug verdienen, um davon leben zu können, und für die Unternehmen, indem diese für den Lohn, den sie zahlen, ein Höchstmaß an Arbeitsleistung erhalten, das ausreicht, um die führende Stellung deutscher Unternehmen auf dem Weltmarkt erhalten und ausbauen zu können.

Alle drei halten dafür, dass die Arbeit, wenn sie nur anständig bezahlt – nicht zu teuer, aber auch nicht zu billig – und produktiv genug gestaltet wird, für „Arbeitgeber“ und „Arbeitnehmer“ lohnend sei. Ein Gegensatz zwischen den Initiatoren und den Ausführenden der Lohnarbeit scheint nur dann zu existieren, wenn der Lohn der Arbeiter nicht hinreicht, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Stimmt das denn? Das, und einiges mehr, soll der Vortrag klären.

 

————————-

Diskussionsveranstaltung mit Heiko Vollmann.

Heiko Vollmann ist Mitglied am Gesellschaftswissenschaftlichen Institut Hannover (GI) und arbeitet vorwiegend zur Marx’schen Kritik der politischen Ökonomie, zu Antisemitismus und Nationalismus.

 

https://www.facebook.com/events/226971290990474/

 

 

Zeit: Dienstag | 26. April 2016 | 18:15 Uhr
Ort: Universität Hamburg | Hörsaal Phil D

Thema: Der Staat des Kapitals – Einführung in das Verhältnis von Staat und Ökonomie

Referent: Ingo Elbe

 

Gesellschaftskritik und emanzipatorische Praxis müssen eine Haltung zum modernen Staat einnehmen. Doch gerade die Reduktion von Kapitalismus- auf Neoliberalismuskritik, die in den letzten Jahrzehnten zu verzeichnen ist, hat nicht dazu beigetragen, einen angemessenen Begriff des Staates zu entwickeln, sondern eher dazu, eine bestimmte Wunschvorstellung vom Staat als Vertreter des Gemeinwohls, als dem Kapital äußerlicher Instanz zu befestigen.

Um solchen Illusionen zu begegnen, ist es angebracht, sich an Erklärungsansätze moderner Staatlichkeit zu erinnern, die im Werk von Karl Marx zu finden sind. Dabei wird sich zeigen, dass weder die marxistisch-leninistische Behauptung vom Staat als ‚Instrument’ der Kapitalisten, noch die konservative bis sozialdemokratische Idee des Staates als ‚Wirklichkeit der sittlichen Substanz’ oder ‚Anwalt der kleinen Leute’ der Wahrheit entspricht.

Im Zentrum des Vortrags wird daher die Marx’sche These stehen, dass der moderne Staat ein Staat des Kapitals (nicht: der Kapitalisten) ist und in welchem Verhältnis dieser Staat zur Rechtsgleichheit, zu sozialstaatlichen Interventionen und gängigen Formen der Demokratie steht.

 

————————-

Diskussionsverantsaltung mit Ingo Elbe.

Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. 2010 erschien in 2. Auflage sein Buch »Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik.« Online-Texte finden sich unter www.rote-ruhr-uni.com

 

https://www.facebook.com/events/1734484680103434/

 

 

 

Zeit: Dienstag | 3. Mai 2016 | 18:15 Uhr
Ort: Universität Hamburg | Hörsaal Phil D

Thema: Kapitalistische Krisen – Eurokrise – Griechenland

Referent: jimmy boyle Berlin (GKN)

 

Dass die anhaltende Finanz- und Staatsschuldenkrise nicht eine übliche Konjunkturkrise ist, ist allen klar. Wenn Merkel in China auf Staatsbesuch ist, dann wird von der Euro-Krise gesprochen – es geht also um eine Krise, die gleich das Geld vieler Staaten betrifft. Wenn dagegen im Frühjahr 2015 eine linke Regierung versucht, das ihr auferlegte Austeritätsprogramm zu ändern, dann heißt das Ganze in den deutschen Zeitungen aber Griechenland-Krise. Mit dieser Bezeichnung soll ausgesagt sein: Griechische Regierungen haben es durch vermeidbare Misswirtschaft in der Vergangenheit verbockt und es liegt an der griechischen Regierung, da wieder raus zu kommen.

Auf der Veranstaltung soll noch einmal nachgezeichnet werden, wie die Finanzkrise zur Staatsverschuldungskrise wurde, weil alle Akteure genau das gemacht haben, was der kapitalistischen Logik entspricht.

Weiter soll der Streit um die Krisenpolitik innerhalb der Euro-Länder behandelt werden und die Logik des deutschen Standpunktes erklärt werden, der sich durchgesetzt hat.

Wenn Zeit bleibt, soll das in eine allgemeine marxistische Krisentheorie eingeordnet werden. Dazu ein paar Thesen: Die kapitalistische Krise ist Resultat erfolgreichen Wachstums. Die Bekämpfung der Krise durch die Politik verschärft die Krise. Die Krise findet ihr Ende in der Vernichtung von Kapital, also genau in der Sache, die alle Beteiligten nach Kräften verhindern wollen.

 

————————-

Diskussionsveranstaltung mit jimmy boyle Berlin.

jimmy boyle Berlin ist eine Gruppe, die schwer genervt ist von Lohnarbeit und Herrschaft. Mittels Abendveranstaltungen, Seminaren und Texten versucht sie Argumente gegen die herrschenden Zustände zu streuen. Mehr Infos unter www.gegner.in

 

https://www.facebook.com/events/1685299981743631/

2 Responses »

  1. „Daneben finden sich aber auch prinzipielle Kritiken, die das Lob des Marktes auf den Kopf stellen; z.B. die, dass der Tausch eine bedürfnisfeindliche Angelegenheit sei, weil das Eigentum der Verkäufer an den Waren den Ausschluss der Konsumenten von den Mitteln ihrer Bedürfnisbefriedigung bedeutet. Doch auch diese Kritik trifft die Sache nicht: Werden die Massen an Waren denn nur zu dem Zweck produziert, dass man sie im Schaufenster beglotzt? Absurd! Und lebt nicht die kapitalistische Gesellschaft immer auch davon, dass Bedürfnisbefriedigung allenthalben stattfindet? Wie sollte sie sich sonst beständig und ziemlich nachhaltig reproduzieren?“(Zitat aus der Ankuendigung von Huisken)

    Frage: Welche Position referiert er denn da?
    Es wird ja wohl ernsthaft niemand in Frage stellen, dass in einer Gesellschaft mit Marktwirtschaft auch Bedürfnisbefriedigung stattfindet.

  2. Referiert wird da die Position der Gruppen gegen Kapital und Nation; nachlesbar in ihrem Grundsatzbuch „Die Misere hat System: Kapitalismus“

Leave a Reply