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Fundsachen: Workshop zur Kritik des Wald- und Wiesenmarxismus vom Gegenstandpunkt

Von • Jun 23rd, 2014 • Kategorie: Allgemein

Fundsachen: Workshop zur Kritik des Wald- und Wiesenmarxismus vom Gegenstandpunkt

 

Samstag, 19. Juli 2014 um 13:00 Uhr, Marburg
Referent: Julian Bierwirth (Redaktion Krisis & Gruppe 180° Göttingen)

 

Für die einen ist es ein Haufen nerviger Sektierer, für die anderen der radikalste und kritischste Teil der radikalen Linken: der Gegenstandpunkt. In Marburg nicht zuletzt bekannt durch die bei Radio Unerhört Marburg laufende Kolumne, fühlen sich linke, an emanzipatorischer Theorie und Praxis Intereressierte immer wieder gezwungen, sich mit den dort vorgetragenen Thesen auseinanderzusetzen.

Doch zumeist verbleibt die Auseinandersetzung seltsam unproduktiv, löst Aggressionen aus und scheint einer rationalen Klärung des Streitgegenstandes nicht zugänglich.

In diesem Workshop wollen wir uns mit der Struktur und dem Inhalt der vom Gegenstandpunkt vorgetragenen ,Argumente ‛ beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Fragen: Gibt es ein kohärentes Argumentationsmuster, dem die Einlassungen des GSP folgen? Kann der GSP dabei dem Anspruch genüge tun, tatsächlich eine radikale staats- und kapitalismuskritische Position zu formieren?

Das Ziel ist es, zu erklären, wie der Gegenstandpunkt funktioniert.

Es geht dezidiert nicht darum, mit dessen Vertreter*innen einen Debatte darüber zu führen, wer denn nun das bessere Argument habe.

Denn das, so wird sich zeigen, ist bereits Teil des Problems.

 

Wir bitten um für ausreichend Verpflegung zu sorgen um Anmeldung an:

die-falken-marburg@riseup.net

 

Weitere Informationen unter:

https://www.facebook.com/events/790801327631850/?ref=5

 

 

zum Referenten:

 

http://emanzipationoderbarbarei.blogsport.de/

5 Responses »

  1. Oha, erleben wir da gerade eine Offensive der Krisis-Wertkritiker?

    Karl-Heinz Lewed: Kategorialer Bruch mit der Reichtumsform oder Andockmanöver? Über die Gemeinsamkeiten von Neuer Marx Lektüre und Volkswirtschaftslehre

    „Im wertkritischen Diskursfeld hat sich mit der sogenannten Neuen Marx Lektüre in den letzten Jahren eine theoretische Strömung etabliert, die für sich beansprucht, die Kritik der politischen Ökonomie in diesem Sinne weiter entwickelt zu haben. Tatsächlich jedoch reproduziert sie in mancher Hinsicht die Perspektive der VWL, ohne sich darüber Rechenschaft abzulegen. Deutlich wird das insbesondere an der Fixierung auf die Zirkulationssphäre und dem Versuch, aus ihr die basalen Formkategorien abzuleiten. Im Workshop soll zunächst den oberflächlichen, formblinden Deutungsversuchen der Wirtschaftswissenschaft nachgegangen werden. Aufbauend darauf soll gezeigt werden, wie die Neue Marx Lektüre in ihren zentralen Annahmen den Paradigmen der VWL verhaftet bleibt und daher in ihrer Kritik zu kurz greift.“

    http://www.krisis.org/2014/einladung-zum-seminar-wo-gehts-hier-ins-reich-der-freiheit

  2. Was soll eine Veranstaltung, die sich gar nicht mit den, in Anführungzeichen gesetzten Argumenten der Gruppe befassen will, sie aber gleichzeitig abstrakt unbestimmt als “ nervigen Wald- und Wiesenmarxismus“ bestimmt?! Um was kann es dabei dann nur noch gehen, wenn nicht um den Inhalt „dort vorgetragenen Thesen“? Wie würde es wohl aussehen, wenn die „an emanzipatorischer Theorie und Praxis Interessierten“ ihre Argumente unbehandelt mit diesem Löffel geschlachtet sehen würden?
    Und warum löst eine nicht gewürdigte Weltanschauung, ein enttäuschter linker Dogmatismus „Aggressionen aus“? Vielleicht eben gerade deshalb, weil man es mit einer Weltanschauung zu tun hat, an der das gute, im Wortsinn selbstgefällige, Selbstbild hängt?

  3. Julian Biermann schreibt:

    „Ein paar Worte vielleicht doch noch mal zum Ankündigungstext – weil es da ja einige Nachfragen gab:

    Der erste Satz im Ankündigungstext stellt zunächst fest, dass es (mindestens) zwei Haltungen in der Linken in Bezug auf den Gegenstandpunkt (GSP) gibt: die einen halten den Laden für ne spinnerte Sekte, die anderen für ne ziemlich kluge Angelegenheit. In den Diskussionen hier wurde dann auch beides deutlich: einerseits wurde darauf verwiesen, das der Sektenvorwurf schon sehr alt sei, andererseits wurde stark gemacht, das der GSP doch viele kluge Dinge zu sagen habe. Insofern möchte ich die Schlussfolgerung ziehen: der Satz ist so erstmal richtig.

    Gleichzeitig wird allerdings behauptet, das sei alles völliger Quatsch. Warum? Weil unterstellt wird, dass es sich um eine Wertung handele, die wahlweise der Falken OV oder der Referent vornehmen würde. Haben die nur halt nicht gemacht. Dass da trotzdem so lange drüber diskutiert werden kann, wirft eine Frage auf: geht es denen, die um Inhalte und das Prüfen von Argumenten ringen wollen, tatsächlich in erster Linie darum, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen?

    Wenn wir uns das praktische Vorgehen ankucken, dann verstärkt sich der Eindruck, dass das Interesse an inhaltlicher Diskussion vielleicht nicht ganz so allumfassend ist, wie die Diskutant*innen es darstellen. Da werden dann nämlich nicht sachlich-nüchtern die Argumente vorgetragen, sondern munter drauf lospolemisiert: da sind Dinge nicht richtig oder falsch, sondern „pubertär“ und „dumm“. Da wissen Diskutant*innen ganz genau, was Menschen beim schreiben oder nicht-schreiben für Intentionen haben, da werden abfällige Kollektivbezeichnungen mobilisiert und dergleichen mehr. Ihren traurigen Höhepunkt fand dies dann in einer Flut von rassistischen, homophoben und sexistischen Pseudo-Witzen, die hier in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni verteilt wurden. Da frage ich mich dann: wozu diese ganzen Entgleisungen, wenn es doch nur um’s Argument geht?

    In der Debatte wird das dann rhetorisch verdreht: wer auf den Aspekt hinweist, dass einige Diskutant*innen die Ebene der inhaltlichen Auseinandersetzung verlassen, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht über Inhalte reden zu wollen. Ein Vorwurf, der selbstverständlich ebenfalls auf dieselbe Art und Weise kredenzt wird, wie die übrigen Ausführungen auch. Kurzum: hier wird argumentativ vorgegangen wie die Axt im Walde. Darum ist ja beim Gegenstandpunkt häufig auch vom „Wald- und Wiesenmarxismus“ die Rede.

    Als zentrales Argument fungiert dabei die Annahme, blöde Sprüche und Beleidigungen würden nichts an der Sache ändern – und in der hätten sie nun mal recht. Abgesehen davon, dass dann auch auf die Sprüche verzichtet werden könnte (und hunderte von Blog-Diskussionen belegen, dass das offensichtlich nicht möglich ist) erscheint die Argumentation zunächst eingängig – solange wir die unausgesprochenen Prämissen dieser Aussage akzeptieren (etwa die Vorstellung vom Menschen als Homo Oeconomicus, wie wir sie auch aus der bürgerlichen VWL kennen – um nur mal ein Beispiel zu nennen). Die verweisen nämlich schlusslogisch auf die vorgetragenen Argumente. Und diese sind dann ihrerseits so gestrickt, dass sie von vornherein eine Kritik der Prämissen ausschließt. Was dann zur Folge hat, dass sich das Vorgetragene nicht widerlegen lässt, weil jedes „Gegenargument“ qua Konstruktion als „ungültig“ definiert ist – und zwar sowohl auf der Ebene der konkreten Argumentation als auch auf der Ebene der Prämissen.

    Auf diese Weise kann die dem GSP nahestehende Diskutant*in jede Auseinandersetzung „gewinnen“ (auch diese, by the way…) – allerdings ohne irgendwen zu überzeugen, der die Prämissen nicht teilt. Und ohne sich Rechenschaft darüber ablegen zu müssen, ob eine Diskussion, die in einem Stil geführt wird, dass von Gewinner*innen die Rede sein kann, nicht schon Teil des Problems ist. Das Gros der übrigen Mitdiskutant*innen wird sich dann kopfschüttelnd abwenden und vermuten, dass so verbohrt nur sein könne, wer sich mit der realen Welt nicht beschäftigt und ergo Teil einer Sekte sein müsse. Darum drehen sich Diskussionen mit dem GSP oft im Kreis – und führen im Rahmen von so einem Workshop einfach nicht weiter.

    Daher ist die Frage zum Beginn der Einladung auch nicht rhetorisch gemeint: es geht bei dem Workshop darum, diesen Mechanismus zu erklären: das es eben kein Zufall ist, das in Debatten mit Leuten, die den GSP ganz dolle dufte finden, ständig bürgerliche Konkurrenz-Subjektivität ausgelebt wird. Dass das so ist, verweist implizit auf die Fehlerhaftigkeit des vorgetragenen Inhaltes. Wer eben falsch bestimmt, was bürgerliche Subjektivität ist, der kann bürgerliches Konkurrenzgehabe reproduzieren ohne Ende. Das geht – wie wir hier lesen mussten – bis hin zu Ausgrenzungsphantasien gegen alle, die vom Sprecher als „anders“ wahrgenommen werden. Und das ist nicht mein Kommunismus (Nein, nein!).

    (Und, um auch das vorwegzunehmen: das war jetzt kein Argument, sondern eine Herleitung der Fragestellung.)“

  4. Das nenn ich mal ein ambitioniertes Programm, das sich dieser Julie da vorgenommen hat:

    „Bei der Gelegenheit möchten wir Euch auch bitten, uns mitzuteilen, welche Fragen zum Thema des Workshops ihr besonders spannend findet. Dann haben wir die Möglichkeit, den Inhalt besser auf die Bedürfnisse der Teilnehmer*innen zuzuschneiden. Wollt ihr also die Position des GSP zu einzelnen Themen auseinandernehmen? Wenn ja, welche wären das?

    – Interessiert Euch eine vertiefende Diskussion der erkenntnistheoretischen Grundlage?

    – Wollt ihr über das dahinterstehende Menschenbild sprechen?

    – Wollt ihr die Fehler des vom GSP vertretenen Kapitalismusverständnis aufdecken?

    – Oder seine Staatstheorie zerlegen?

    Wir werden in einem Workshop nicht alle diese Themen behandeln können – aber wir können versuchen, Eure Wünsche im vorhinein zu berücksichtigen.“

    https://www.facebook.com/events/790801327631850/?ref=5

  5. […] vor einiger Zeit habe ich gemeinsam mit den Falken Marburg einen Workshop zur Kritik des Wald- und Wiesenmarxismus des Gegenstandpunkt durchgeführt. Bereits damals lag mein Fokus auf der Erklärung der Frage, warum sich mit den Fans […]

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